Dienstag, Januar 17, 2006
Bezahlen mit dem Mobiltelefon
Folgende Meldung der SBB (via Netzwoche) wird Kollege Burgdorfer nicht erfreuen:
Seit die SBB am 1. Dezember die Möglichkeit einführten, Zugbillette aufs Handy zu bestellen, sind erst etwas mehr als 300 Stück verkauft worden. Im Vergleich zu den 8,4 Millionen Billetten, die in derselben Periode verkauft worden sind, sei das eine verschwindend kleine Zahl, wie SBB-Sprecher Roland Binz in einem Bericht der NZZ am Sonntag sagte. [...]
Quelle: Handy-Tickets der SBB bisher kein Erfolg
Das hätte ich denen auch schon vor dem 1. Dezember prophezeien können ...
Wenn Kollege B. momentan in der Schweiz weilen würde, wäre ich mir fast hundertprozentig sicher, dass er zu den 300 "Beta"-Testern gehört hätte, die sich ein solches MMS-Ticket gepostet hätten.
Wieso das Projekt zum Scheitern verurteilt war, zeigt ein Artikel von FACTS:
Schade, dass die Schweizer Bahnen einen Fehler wiederholen, den schon andere begingen: den wenig kundenfreundlichen Alleingang.
«Will jeder Anbieter ohne Kooperation mit dem andern seine eigene Zahlungsplattform in den Markt drücken, entsteht ein unproduktives Chaos, und die Kunden lassen verwirrt die Hände davon»
Eine typisch schweizerische Eigenart. 26 verschiedene Schul- und Steuersysteme sind ja auch besser als eines ... Das fördert nämlich den Wettbewerb unter den Kantonen (neoliberaler O-Ton). Zum Nutzen aller? Wohl kaum ...
Der Betrag [für Waren aus dem Snack-Automaten] wird der Handy- Rechnung belastet. Das funktioniert nur für Swisscom-Kunden.
Wunderbar. Das erinnert an den Währeungswirrwarr in der alten Eidgenossenschaft. Als man sich auf den Schweizer Franken einigen konnte, ging die Post ab!
Die SBB mögen indes nicht länger warten. Sie werden ihr Handy-Ticket im Alleingang lancieren. Die Bahn verweist auf das grosse Echo ihrer neuen Vertriebskanäle.
Tjach, der Erfolg liess sich hier wohl nicht wiederholen, na?
Tolle Aussichten. Aber nur für Technologiefreaks. Bloss knapp die Hälfte der Handys in der Schweiz beherrscht den MMS-Standard für Multimedia-Nachrichten. Die Mehrzahl verarbeitet nur simple SMS-Textbotschaften. Für die Bahnbillette der Zukunft kommen sie deshalb nicht in Frage. Zudem fällt die erste Stufe, die Internetbestellung, zeitraubender aus als der Kaufvorgang an einem Billettautomaten: Wie lautete doch schon wieder der Benutzername? Und das Passwort? Passiert ein Fehler, ist der Kunde selber schuld, Rückerstattungen falsch gekaufter Billette erhält er nicht. Und Beratung am Schalter auch nicht. Steht im Kleingedruckten.
Mein Mobiltelefon verstünde MMS auch - aber leider ist meine SIM-Karte aus dem April 2000 noch nicht dafür konfiguriert. Und da die Welt ohne MMS nicht untergeht, habe ich es dann doch sein lassen ... SMS reicht mir völlig.
Setzt sich M-Payment bei diesem wichtigen Anbieter nicht durch, droht der Neuerung die Bedeutungslosigkeit. Ähnlich wie dem Cash-System. Die von den Schweizer Banken vor Jahren lancierte Karte zur Bezahlung von Kleinbeträgen hat den Durchbruch nie geschafft.
Aaah ja, Cash ... Da haben die Marketing- und PR-Fuzzis zusammen mit ihren Consultants tausende Franken Werbegelder vernichtet. Natürlich indirekt über tiefere Zinsen und höhere Bankspesen dann wieder von uns zurückerstattet *smile*
Quelle: Allein ist eine Nummer zu klein
Labels: Wirtschaft
Abonnieren

Kommentare
neuen Kommentar verfassen
Es ist doch kein Zufall, dass Mobilfunkbetreiber eine Bankenlizenz angefordert haben. (Leider noch nicht erhalten)
Es kommt die Zeit, da laesst man sich den Lohn auf die "Telefonrechnung" auszahlen, man wird innert Sekundenbruchteilen beliebige Summen von Geldwerten zwischen Mobiltelefonen austauschen koennen. Sowohl unter Individuuen als auch beim Shopping oder gar komplett anonym.
Hier in Grossbritannien ist Bezahlung via SMS schon eher verbreitet. Zwar noch nicht unter Individuuen aber doch immerhin als Zahlmethode fuer gewisse Dienstleistungen groesserer Unternehmen. Dies hat u.A. mit der Rechtslage in diesem Land zu tun. So koennen hier SMS verschickt werden, die den Empfaenger £3 (ca. CHF 7) kosten, ohne dass dieser das explizit jedes mal anfordert.
So funktioniert die Abrechnung der "Congestion Charge" (Verkehrssteuer) in London beispielsweise. Faehrt man mit dem Auto in die Innenstadt von London, wird die Autonummer von Kameras erfasst und der Bestizer erhaelt SMS im Wert von £8. Eine Aeusserst komfortable Art der Bezahlung, finde ich.
Eine andere interessante Anwendung ist das Bezahlen der Parkgebuehren via SMS. Angenommen man sitzt im Kaffee und die Parkur beim Auto im anderen Stadteil laeuft demnaechst ab. Anstatt jetzt zur Parkuhr zu gehen und nachzubezahlen, kann das bequem vom Sitzplats aus erledigt werden. Derartige Installationen sind mir beispielsweise schon in Kroatien begegnet.
Ungluecklicherweise verhindern die Operator eine groessere Verbreitung dieses Systems, da sie selber bei dieser Art von SMS einen Teil des Preises fuer sich beanspruchen, was die ganze Sache gerade fuer Micro Payment etwas unattraktiv macht.
Bezueglich der SBB glaube ich, dass es noch zu frueh fuer diesen Service ist. Die Leute sind noch nicht "reif" dafuer. Es kann mindestens genauso fatal fuer ein Projekt sein, wenn es seiner Zeit voraus ist, wie wenn es zu spaet kommt. Alles eine Frage des Timings.
Aeby, ich geh gern mit dir ne Wette ein, dass Mobile Payment schon bald mal Alltag sein wird - du kannst mir dann den Betrag via SMS uebermitteln ;)