Samstag, Februar 25, 2006
Traumberuf: Berater
Dass ich wohl der innigste Fan der gesamten Berater-Garde auf diesem Planeten bin, ging bereits aus früheren Artikeln hervor. Nun habe ich weiteres "Futter" über diese Halsabschneider gefunden, das nur darauf wartet, in einem Blog-Artikel verwurstelt zu werden.
Der Bund von gestern Freitag berichtet im Ressort Bern über den ganz alltäglichen Beratungswahnsinn im Kanton Bern. Einige Auszüge:
Diesmal war es SP-Grossrat Matthias Burkhalter, der mit einer Interpellation brisante Zahlen in Umlauf brachte. Für externe Berater würden offensichtlich Tagesentschädigungen von bis zu 4500 Franken und darüber bezahlt, schrieb er in seinem Vorstoss. Dieser Tagesverdienst sei nahezu anderthalb Mal so hoch wie der niedrigste Monatslohn, der in der Kantonsverwaltung ausbezahlt werde.
Quelle: Der Bund, 24. Februar 2006, S. 21, "Gemäss Faustregel bis 2500 Franken pro Tag".
Das ist doch einfach krank. Wir Normal- und Niedrigverdiener enervieren uns immer über die Millionensaläre der Ospels & Co. - in Vergessenheit geraten dabei aber immer, dass es Berater gibt, die in ähnlichen Lohnklassen herumschwirren, dafür aber absolut keine Verantwortung für die in Beratungen geäusserten Strategieempfehlungen übernehmen müssen. CEOs der Unternehmen bekommen beim Scheitern wenigstens den Prügel ab und nehmen - mehr, aber nicht allzuviel mehr - Risiko auf sich als dies ein Berater je tun würde. Man erinnere sich - auch die Swissair war überaus gut beraten ...
Obwohl es scheint, dass das Fehler hier bereits beim Verstehen der ausgesprochenen Empfehlungen passierte:
McKinsey empfahl, grosse Airlines in kleinen Ländern zu kaufen. Swissair kaufte dann lieber kleine Airlines in grossen Ländern.
Quelle: Danke, es geht uns gut
Doch, spitze Bemerkung: Sollten Berater die Beratenen nicht auf Schritt und die Tritt begleiten? Ist die Umdeutung der Strateegie in all den Jahren niemandem der Berater aufgefallen? Oder unterlief ihnen der Fehler, dass sie begannen, genau das Nachzuplappern, was die Beratenen hören wollten?)
Wie sagte doch schon Kant: «Ein Kopf ist der, der aus eigenen Kräften etwas schafft. Ein Pinsel ist der, dem eine Anderer (Berater) die Hand führen muss». Berater sind raffinierte Zwischenhändler die in keiner Weise glänzend helfen. Sie liefern gegen hohe Gagen vornehmen Stumpfsinn. Geht es schief, tragen Berater nie Verantwortung für nichts. [...]
Ich frage mich sowieso, wieso in der Privatwirtschaft soviele Berater ihr Unwesen treiben. Wenn ein Herr Vasella jährlich Beträge im zweistelligen Millionenbereich einstreicht, sollte er doch Berater nicht mehr nötig haben. Wenn jemand soviel Geld verdient, sollte er ein solcher "Siebensiech" sein, dass er die Beraterleistung gleich selbst liefert ...
Am meisten stört [Burkhalter], dass das Amt für Informatik und Organisation vorübergehend von einem externen Berater geleitet wir und diesem dafür eine monatliche Entschädigung von über 25'000 Franken ausbezahlt werde.
Und da fragt sich noch einer, wieso unser Kanton derart in den roten Zahlen steckt? Es kann mir doch niemand erzählen, dass man auf dem heutigen Arbeitsmarkt keine fähige Person findet, die diesen Saustall führen würde?
Im Kanton Bern scheint also derselbe Informatik-Filz zu herrschen, wie es ihn auch im BIT, dem Bundesamt für Informatik, gibt. Soweit ich mir ein (mündlich zugetragenes) Bild dieses eidgenössischen Ladens machen konnte, handelt es sich hierbei primär eine Einrichtung zur finanziellen Versorgung von Beratern und externen Nutzniessern. Dass die Berater dort jahrelang tätig sind, die externen Dienstleister kaum andere Kunden als den Bund haben, lässt einen aufhorchen. Irgendwas geht dort mächtig schief. Dieses Bundesamt ist ohne externe Hilfe nicht mehr lebensfähig - anstelle dass man das Know-How intern sichert und bewahrt, kauft man es ein und die Abhängigkeitsspirale nimmt ihren bedauerlichen Lauf.
Dass dort der Filz bereits tief im System eingenistet ist, zeigt eine Untersuchung, die über die fragwürdige Vergabe eines Informatikprojektes Klarheit schaffen soll. Angestossen hatte diese die Zeitschrift Netzwoche.
Ob die Untersuchung grosses zu Tage fördern und den Filz aufbrechen wird, ist aber höchst fraglich. Schliesslich ist der Vorsteher des EFD niemand geringeres als Hans-Ruedi Merz, der vor seiner Tätigkeit als Bundesrat - dem Leser schwant bereits böses - genau, Berater war.
Der Kreis schliesst sich also wieder. Jagt ein Berater seine Berufskollegen in die Wüste? Wohl kaum ... Im Gegenteil - auch Bundesräte sind doch heutzutage unterberaten! Da sehe ich noch Verbesserungspotential. Ich würde mich übrigens selbstaufopfernd anbieten. Zu einem vernünftigen Stundenlohn von - sagen wir - 80 Fränkli. Ob meine Leistung deutlich geringer wäre als die der Consultants bezweifle ich.
Doch zurück nach Bern:
Aus Persönlichkeits- und Datenschutzgründen könne das Honorar [des Leiters der Informatik] aber nicht veröffentlich werden.
Lieber Herr Gasche, ich glaube hier überwiegt das öffentliche Interesse alles andere deutlich. Nicht zuletzt handelt es sich hier um eine staatliche Verwaltung, die primär einmal Rechenschaft gegenüber dem Volk abzulegen hat. Für etwas gibt es ja die Lohntabellen mit all den Lohnklassen, aus irgendeinem Grund sind diese ja öffentlich zugänglich und aus irgendeinem Grund wird die Lohnklasse in Stelleninseraten auch genannt.
Für die Entschädigung externer Fachleute bestehen keine gesamtkantonalen Richtlinien, schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort. Es liege im Verantwortungsbereich jeder Direktion, die Ansätze festzulegen. Wie Urs Gasche gestern ausführte, hat sich im Laufe der Zeit eine Faustregel ergeben: "Normale Mandate" werden mit einem Tagesansatz von 2000 bis 2500 Franken entschädigt. Mandate, die länger dauern, seien auch günstiger zu haben. [...] Zu den höchsten Tageshonoraren, die an Extern bisher ausgerichtet wurden, sagt der Regierungsrat in seiner Antwort nichts. Grund. Diese Honorare würden nicht zentral erfasst.
Wäre wohl zuviel Aufwand, he? Gute Nachricht für Berater: Beim Kanton Bern interessiert es niemanden, wieviel man für Berater ausgibt. Ist man mal drin, wird man reich - ohne das blöde Fragen gestellt werden. Schliesslich gehen die normalen Angestellten ja deutlich mehr ins Geld und sind entbehrlich, Stellenabbau ahoi - die Berater, ohne die kann man in Bern anscheinend aber nicht mehr geschäften.
Der Grundsatz laute, die Daueraufgaben mit dem eigenen Personal zu bewältigen. [...] Gerade im Informatikbereich sei es nichts Aussergewöhnliches, wenn eine externe Fachperson länger als ein Jahr angestellt bleibe.
Dieser Vorsatz ist ja durchaus löblich, aber ich denke, dass Gasche hier Augenwischerei betreibt. Da er ja über keine Zahlen verfügt, steht diese Aussage auf wackligen Füssen. Von wo will er nun so genau wissen, wie lange die Externen bleiben?
Fazit
Liebe Schulabgänger - heute wird man nicht mehr Pösteler, noch Pilot, auch Polizist zu werden ist nicht mehr gefragt - werdet Berater! Dort sprudelt das Geld weiterhin, und niemand stört es gross. Wann wacht die Politik endlich einmal auf?
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Kommentare
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gut erkannt, heisse luft verkaufen lohnt in der heutigen Zeit am besten, egal ob im Marketing oder Beratungswesen.
naja, das tönt nach simplen postulaten und einfachen lösungen und an den roten zahlen sind berater schuld... viel zu kurz gegriffen.
das geld bekommt im normalfall auch nicht einfach eine einzelne person (da unter berater ja meist eine firma gemeint ist) und der einzelne berater verdient meist wieder einen normalen lohn bzw. der arbeit entsprechend.
auf jeden fall sind solche posts nicht gerade erhellend bzw. sind in einem Stil geschrieben, wie der Film Grounding wo man einfach mal ein paar erfolgreiche Leute als böse hinstellt.
Berater, Berater, Berater...warum z.B. als KMU nicht einen Steuerberater von McKinsey die Steuererklärung ausfüllen lassen? Als Alternative kann man sich als Geschäftsführer entweder selber jahrelang durch das schweizerische Steuerrecht kämpfen, oder einen Steuerrechtsspezialisten fix anstellen, was aber bestimmt nicht günstiger sein wird.
Ausserdem spielt der freie Markt da ziemlich gut: wer das Gefühl hat, einen Berater zu benötigen, der sucht sich ein passendes Angebot, wer keinen braucht, der lässt es bleiben.
Und Traumberuf Berater find ich auch gut, vorallem bei McKinsey. Wer 25 Jahre alt ist, English und Mandarin fliessend spricht, einen ETH-Abschluss+MBA vorweisen kann und diverse Praktikas im In- und Ausland bestritten hat, hat meiner Ansicht nach gute Aussichten auf ein Vorstellungsgespräch bei McKinsey.
Hier eine kleine Gegendarstellung zum von Ihnen gesagten:
1. Der Druck auf Berater ist ein vielfaches grösser als auf einen gewöhnlichen Mitarbeiter. Wer glauben Sie fliegt als erstes wenn Umstrukturierungsmassnahmen vor der Türe stehen?
2. Berater haben (oder sollten) eine Bessere Ausbildung haben als der Durschnittmitarbeiter. (Viele schliessen Ihre Ausbildung erst mit ca. 27 ab falls sie doktorieren etc.)
3. In einer Rezession sind
Freelancer und Berater die ersten, welche ihren Job verlieren.
Berater müssen also gezwungermassen einiges mehr verdienen, weil sie viel "unproduktive Zeit" haben in der Sie sich weiterbilden (was z.T. horrend teuer ist), Offerten ausarbeiten etc. Sie müssen also während der Zeit in der sie fakturieren mehr herausholen um die Zeit zu kompensieren in der sie nichts fakturieren können. Ausserdem gebührt ihnen eine Risikoprämie, weil sie währen Rezessionen etc. oft die ersten sind, die ohne Arbeit dahestehen.
Wenn Person M und B je 100 Stunden arbeiten, M davon 100 Stunden verrechnen kann und B hingegen nur 20, ist es doch absolut logisch, dass B das fünfache verdienen muss um auf denselben Lohn zu kommen...
Das es zu Excessen wie den 4500 fränkigen Tagessätzen kommt ist sicherlich fragwürdig. Kann jedoch nicht auf die ganze Beratergarde übertragen werden... Für etwas gibt es auch interne Kontrollsysteme in Unternehmungen...
Statt nur leere Lufthülsen herumzuposaunen wäre das nächste mal eine genauere Analyse wünschenswerter!