Freitag, 10. März 2006

Pänzerle

Irgendwie scheint beim Bund immer noch zuviel Geld einfach so „rumzuliegen“. Wie sonst kommen unsere obersten Krieger auf die Idee, eine halbe Milliarde (!) Schweizer Franken für die Aufrüstung des Panzer-Fuhrparks zu fordern? Haben wir in Zeiten der überaus knappen Bundeskassen nichts besseres zu tun, als vorweihnächtlich Spielzeuge für unsere Kinder in Feldgrün anzuschaffen?

Neben 12 Minenräum- und Geniepanzer hat man auch ein Auge auf Kampfpanzer geworfen. Brauchen wir das wirklich? Kommt die Waffe der Blitzkriege im 20. Jahrhundert auch in diesem Jahrhundert zu neuem Ruhm? Und das erst noch unter Schweizer Flagge? Wow! Ich kann mir das einfach (noch?) nicht vorstellen. Unsere Militärs dagegen wohl schon …

Was machen Kampfpanzer, für mich eine Offensivwaffe erster Güte, in den Händen eines neutralen Staates? Da wir hoffentlich in nächster Zeit nicht vorhaben, einen unserer Nachbaren hinterfutzig zu überfallen, sehe ich nicht ganz genau, wieso wir derart teure Tanks benötigen. Stellen wir sie ins Mittelland und warten, bis der Feind auftaucht? Oder fahren wir sie in unwegige Bergtäler und lassen die Besatzungen einen haufen wertlose Steine verteidigen, während die wichtigen Städte in die Hände des Gegners fallen?

Andererseits frage ich mich sowieso, woher wir in einem kriegerischen Konflikt (um uns herum – wir sind ja neutral) all das Benzin hernehmen, um diese Gefährte in der halben Weltgeschichte herumzuschicken. Oder kaufen wir etwa die VW Lupo 3L-Version der Gefährte? Kompogas-Schüsseln? Vielleicht doch lieber mit Rapsöl betriebene Gefährte.

Und drittens glaube ich immer noch nicht, dass unsere „3-Wochen-im-Jahr“-Pänzeler sehr gut abschneiden würden im Kampf gegen hochtechnisierte und kampferprobte Verbände. Da nützen einem auch die dicksten Stahlplatten nicht mehr …

Eben gerade darum benötigen wir laut den Armee-Planern die Dinger:

Um aber eine minimale Kompetenz zur Abwehr eines militärischen Angriffs zu erhalten, müsse der verbleibende Verteidigungskern der Armee unbedingt „vollständig ausgerüstet“ sein. Wenn kritische Komponenten fehlten, sei das Konzept des Aufwuchses gefährdet: Es sieht vor, dass ein minimaler Teil der Armee den Verteidigungskampf weiter trainiert, damit daraus in Zeiten militärischer Bedrohung wieder eine kampfstarke Truppe aufgebaut werden könnte.

Quelle: Halbe Milliarde für bessere Panzer

Denke nur ich, dass hier der Realismus abhanden gekommen ist? Bis unsere Truppen das „Pänzerlen“ wieder (konnten wir es jemals?) erlernt haben, sind im Bundesbern schon längstens die Flaggen des Annexors gehisst und wir gehen wieder unserer Arbeit nach – anderer Boss, aber immer noch derselbe Trott wie vorher.

Die Schweiz ist ja sowieso nur interessant, wenn der Finanzplatz intakt bleibt. Ob man die UBS, Credit Suisse und die Nationalbank im 21. Jahrhundert mit Panzern einnimmt?

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