Dienstag, 11. April 2006

Wie Bernhard Pulver fast vergessen ging

Das Resultat

Neu-Regierungsrat Bernhard Pulver (GFL) hat am 9. April das zweitbeste Resultat der rot-grünen Liste und das beste Resultat unter den „Freshmen“, den Neulingen, eingefahren. Dass der bisherige Grossrat gleich derart fulminant (respektive überhaupt) in das Exekutivgremium starten würde, hatte kaum jemand vorausgesehen und er sich wohl nur in seinen kühnsten Träumen vorgestellt.

Die Anekdote

Pulver galt einigen anscheinend schon in den Wirren des Wahlkampfs als „quantité negligable“: Anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung in Laupen wurde nämlich – so tragisch-komisch es rückblickend tönen mag – vergessen, ihn einzuladen. Auf dem Flyer finden wir die Kandidaten der SVP, FDP sowie der SP, doch den GFLer sucht man vergeblich. Böse Zungen (ich) möchten gar behaupten, dass der Layouter des Flyers aufgrund der schönen Symmetrie von drei Reihen à drei Köpfen kurzerhand entschied, Pulver wegzulassen. Es passte halt alles so schön, und dieser grüne Störenfried sollte die Symmetrie nicht zu nichte machen.

Pulver aber, die Kämpfernatur, liess nicht locker und lud sich in der Woche der Veranstaltung mittels einigen Telefonaten dann doch noch ein. Er kam, sah und überzeugte (mich). Nicht, dass er in der ländlich (und ergo bürgerlich) dominierten Atmosphäre des Saals im Dorfrestaurant viele Stimmen einsacken konnte. Aber niemand wird ihn an diesem Abend übersehen oder überhört haben – er meldete sich oft zu Wort und konnte mit dem Gesagten punkten. Da sprach ein Pragmatiker, ein Vermittler, als das er seine Regierungstätigkeit in den nächsten vier Jahren auch sehen wird.

Die Moral der G’schicht

Wie heisst es so schön: Manchmal kommen sie wieder. Und manchmal starten sie dann auch gleich noch voll durch.

Mir persönlich gefällt der Regierungsrat sehr gut. Drei Linke, der Mitte-Links einzustufende Pulver sowie – sozusagen als korrektiv mit Bodenhaftung gegen überbordende Ausgabenfreudigkeit – noch zwei gestandene SVPler und ein neuer FDPler, der als Stadtpräsident sicherlich auch bei den Pragmatikern anzusiedeln ist. Schön, ausgewogen, schweizerisch. Ein Siebnergespann, das den Kanton Bern nach Jahrzehnten der bürgerlichen Misswirtschaft in das 21. Jahrhundert führen wird. Ein Modell für die Zukunft.

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Labels: Politik

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