Sonntag, 23. Juli 2006

Pistenverlängerung Flughafen Bern-Belp

Beim Aufräumen entdeckt man eine Menge alter Zeitungsschnipsel, die man noch am selben Tag im Blog kommentieren wollte. Nichts wurde draus. Hiermit hole ich dies nach:

Der Vorstand der SVP-Sektion stellt sich hinter den geplanten Drei-Millionen-Kredit für die Verlängerung der Flughafenpiste. Die Gründe, die von linker Seite im Rahmen des Referendums vorgebracht würden, entsprächen „alter, unflexibler linker Ideologie“. Der Flughafen Bern biete über 400 Menschen einen Arbeitsplatz und das Projekt diene lediglich ander Anpassung an neue Sicherheitsvorschriften.

Quelle: Der Bund, 4. Mai 2006, „SVP kritisiert Referendum“, S. 28

Verstehe ich die bürgerlich Partei richtig, dass Kredite an Privatunternehmen dann gerechtfertigt sind, sobald dieses eine gewisse Anzahl Personen beschäftigt? Ich kann mich erinnern, dass gerade diese Partei sonst immer stark mit „weniger Staat“ weibelt. Schliesst diese Parole Subventionen aus? Die SVP-Fraktion im Nationalrat war jedenfalls gegen die 2 Milliarden für die Sanierung der Swissair (ich übrigens auch). Dabei beschäftigte gerade diese Bude doch eine Vielzahl der Angestellten des hiesigen Flughafens …

Die risikobehaftete Investition solle nicht durch die öffentliche Hand, sondern durch Private finanziert werden, sagte Kropf. Alpar-Direktor Charles Rysen widersprach dieser Darstellung: Der volkswirtschaftliche Mehrwert, den der Flughafen generiere, rechtfertige es, dass sich der Staat an den Ausbaukosten beteilige.

Quelle: Referendum zustande gekommen

Aha, generieren denn all die KMUs im Kanton Bern keinen „volkswirtschaftlichen Mehrwert“? Auch mit diesem Argument könnte wirklich jeder Betrieb in unserem Land auf Staatssubventionen pochen. Ob das der Sinn der Sache ist?

Ich gehe jedenfalls mit der Meinung meiner Partei einher, dass der Flughafen die Verlängerung der Piste selber berappen sollte.

Ausbau?

Gerade gestern diskutierte ich mit Kollegen Belina – im Muribad nahe des Flughafens Bern-Belp sitzend und den regen Flugverkehr und -lärm bestaunend – über die Pistenverlängerung, aber nicht mit Blick auf die verschärften Sicherheitsauflagen, die den Ausbau nötig machen, sondern mit Blick auf eine mögliche Vergrösserung des Flughafens.

Ich bin der Meinung, dass wir in der Schweiz mit Zürich, Genf und Basel genügend grosse Flughafen besitzen. Es kann nicht Sinn der Sache sein, den Flughafen Bern nun auch noch nach und nach auszubauen und damit immer mehr Flugverkehr anzulocken. Dank guten Eisenbahnverbindungen erreicht man die Grossflughäfen in Windeseile, weshalb ein Ausbau von Belp eher der Bequemlichkeit der Reisenden zuzuschreiben wäre. Nicht dass man mich falsch versteht: Auch ich habe nichts dagegen, in 30 Minuten beim nächsten Flughafen zu sein. Leider ist das nur eine Seite der Medaille: Die Lärmfrage würde dann aber nicht nur mehr in Zürich-Kloten diskutiert …

Da das Referendum mittlerweile zustande gekommen ist (u.a. auch mit meiner Unterschrift), bin ich gespannt, ob der Steuerzahler und Stimmberechtigte dem Flughafen unter die Arme greifen möchte. Viele Personen, die für den Kredit sind, werden primär aus Sicht des Ferienreisenden argumentieren („nahe gelegener Flughafen, kurze Anreisezeit“, „schnelle Abfertigung“) oder aber im Stile von „fördert den Wirtschaftsstandort Bern“ (was ich bezweifle – um Zürich Konkurrenz zu machen benötigen wir einiges Mehr als eine längere Piste). Ich denke aber, dass auch viele vom Lärm geplagten Anwohner ein ‚Nein‘ in die Urne legen werden, um ihrem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Abgesehen davon wird – wie oben ausdiskutiert – noch ein zweiter Graben bestehen zwischen den Befürwortern von Staatssubventionen an Privatunternehmen und Personen, die gerade in solchen Dingen auf den freien Markt pochen.

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Labels: Politik

Ein Kommentar Kommentare

Kurt Amstutz sagt:

Guten Tag,
Wissen Sie wie der aktuelle Stand der weiteren Planungen betreffend der Pistenverlängerung am Flughafen Belp ist?

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