Montag, September 04, 2006

Bald Minarett-Verbot in Zürich?

Der Zürcher Kantonsrat will ein Bauverbot für Minarette prüfen. Er hat heute eine Parlamentarische Initiative der SVP knapp mit 62 Stimmen vorläufig unterstützt. Nötig dazu waren 60 Stimmen.

Kantonsrat prüft Minarett-Verbot

Ich finde es gut, dass die Partei, die immer derart gegen den Paragraphen-Dschungel wettert, nun wieder einmal selber aktiv an dessen Erweiterung herumdoktert. Es scheint nur noch eine Frage der Zeit, bis die gläubigen Muslime in Zürich einen weissen Stofffetzen in Form eines Halbmondes auf ihre Kleidung nähen müssen ...

Natürlich war die Initiative vom gewohnten zürcherischen Gepolter begleitet:

Der Islam sei die grösste Gefahr für die westliche Welt, das Minarett-Verbot deshalb angebracht, sagte der Schweizer Demokrat.

Echt? Rein statistisch gesehen sterben in der Schweiz jährlich deutlich mehr Menschen an Krebs, als seit Menschengedenken hierzulande durch den Islam umgekommen sind (kann eine Religion überhaupt morden?! Ich glaube er meinte eher muslimische Fundamentalisten?) ... Aber henusode, der SDler wird es ja wohl wissen. Wie zudem ein Minarett (altdeutsch: Kirchenturm) unsere westliche Welt gefährden soll, ist mir schleierhaft.

Abgesehen davon sehe ich persönlich Intoleranz als grösste Gefahr für diese Welt.

Würden sich die intoleranten Rechten doch lieber für den Schutz der Umwelt einsetzen - steigen die Temperaturen und schmelzen somit die Eisbrocken an den Polen, ersäuft in den Küstenstädten jeder - ob Muslim, Christ oder Atheist.

Amen.

Nachtrag

Für alle, die die ganze Sache etwas weniger eng sehen (ich weiss, heutzutage fehlt es uns einfach an diesem bequemen Schwarz/Weiss-Schemata), habe ich hier noch eine nette Diskussion mit Komiker Colbert und einem anderen Stephen (Tipp: Man kennt ihn aus einem Film über die Jungfräulichkeit im hohen Alter):

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Anonymous philipp um 04.09.2006 15:51:00 Uhr

Das erinnert mich daran, wie einst die Kirchtürme das römische Reich bedrohten ;)

Blogger blogging remy um 04.09.2006 22:58:00 Uhr

ja, mir wird auf der Strasse auch ganz mulmig wenn ich einen Araber mit Bart und Turban sehe...;-)

Blogger haslo um 05.09.2006 09:29:00 Uhr

Ich hab das heute schon im 20min gelesen - also grösseren Schwachsinn hab ich noch selten mitgekriegt. Wie genau bedroht es unsere Religionsfreiheit schon wieder wenn wir eine Religion nicht darin einschränken, ihre Glaubensstätte traditionell zu markieren? Und was genau gibt den Christen das Recht, riesige Kirchtürme zu haben, die alles (inklusive Minarette) überragen und damit die dominierende Stellung des Christentums markieren und zementieren?

Wieder eine Aktion, die populistisch mit der Angst der Bevölkerung vor dem Unbekannten spielt und Muslime weiter in eine vorurteilsbehaftete Rolle zwängt. Nur weil islamische Fundamentalisten Terroranschläge planen und das Christentum verteufeln ist noch lange nicht der gesamte Islam schlecht und dominationsbedürftig, wie kann man nur so eindimensional denken?

Ich bin voreingenommen, meine Verlobte ist Afghanin (wenn auch in der Schweiz aufgewachsen) und der Islam ist in ihrer Familie natürlicherweise fest verankert - trotzdem hegen dies enorm lieben Leute keinerlei Vorurteile gegen Christen, und alleine schon der Fakt dass sie einer interreligiösen Beziehung ihren Segen (im übertragenen wie auch wörtlichen Sinne) geben zeigt ja dass sie nicht die westliche Welt dominieren wollen - nie käme ihnen in den Sinn, von mir zu verlangen, ich solle zum Islam konvertieren.

Die SVP lebt manchmal etwas in einer eigenen Welt...

Anonymous Anonym um 12.09.2006 13:03:00 Uhr

Eine Religion, die das staatliche Monopol nicht akzeptiert, den Frauen alle Grundrechte verweigert und die dazu aufruft Ungläubige zu töten - wollt ihr das wirklich in der Schweiz? Ist das nicht blauäugig zu glauben, dass der Status Quo so bleibt wie er ist, wenn ein "guter" Moslem nicht ruhen darf, bis der Islam überall das herrschende Recht ist?
Für mich persönlich ist der Islam die grösste Bedrohung für die westliche Kultur. Das hat damit zu tun, dass ich den Koran gelesen habe und dort steht genaustens drin was Allah von seinen Anhängern fordert. Und das verheisst nichts Gutes für Christen und Juden. Wenn nun nicht alle Muslims so sind (was ich auch glaube), dann sind das aber "schlechte" Muslime vor Allah (gemäss Koran).

Nochwas: auch wenn's vielleicht schwer zu glauben ist - ich bin der SP viel näher als der SVP.

Blogger eMeidi um 15.09.2006 00:11:00 Uhr

@Anonymus:

Schon im ersten der zehn Gebote (2. Mose 20,5) wird Gott von Bibelkritikern als eifersüchtiger und rachsüchtiger Gott verstanden. Im ganzen Alten Testament gibt es zahlreiche Beispiele, in denen Gott die Bestrafung oder Ausrottung von Andersgläubigen und deren Kult fordert, veranlasst oder gutheißt (z.B. 2. Mose 34,11ff; 5. Mose 9).

Quelle: Religiöse Intoleranz im Neuen und Alten Testament

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