Mittwoch, 6. Juni 2007

Die OPEC droht

Das Erdöl-Kartell Opec versucht den Westen unter Druck zu setzen: Sollten die Staaten weiter auf Biotreibstoffe setzen, könne die Opec weniger in ihre Ölanlagen investieren. Die Ölpreise würden dann „durch die Decke“ gehen, warnt der Generalsekretär.

Quelle: Opec warnt Westen vor Biosprit-Investitionen

Na, in dem Falle: Jetzt erst recht, zu verlieren haben wir ja sowieso nichts mehr. Wenn die Ölscheichs schon jetzt nicht fähig sind, mit den Abermilliarden, die wir Ihnen in den letzten Jahrzehnten geschickt haben, ihre Anlagen in Schuss zu halten, wie wird das erst, wenn „Peak Oil“ auf voller Breite einsetzt und die Förderung von Erdöl deutlich aufwändiger wird, um schlussendlich ganz zu versiegen?

Biotreibstoffe – Rettung des Status Quo?

Wobei ich mich überhaupt nicht hinter Biotreibstoffe stelle: Wer nur etwas Ahnung von den komplexen Zusammenhängen der Landwirtschaft hat, weiss, dass das mit den Biotreibstoffen nur solange gut geht, als wir immer noch über billige Erdölimporte verfügen. Versiegen diese oder werden zu teuer, setzt eine verheerende Abwärtsspirale ein:

  • Dünger und Pestizide beruhen hauptsächlich auf Erdöl – direkt oder indirekt (!). Je weniger Dünger, je weniger Pestizide, desto weniger Ertrag werfen die Felder ab. Von der Bewirtschaftung von hunderten Hektar grossen Felder wage ich gar nicht erst zu sprechen – dies geschieht nämlich mit Landmaschinen, und die … schlucken ebenfalls Benzin.
  • Durch die hohen Treibstoffkosten wird der Transport von Weizen, Raps & Co. aus allen Herren Länder an den Bestimmungsort immer kostspieliger.
  • Die Verwertung von pflanzlichen Produkten für die Tierzucht wird Fleisch und Milchprodukte äusserst teuer machen.
  • Verringert sich der Import von Nahrungsmitteln, muss der Ausgleich von der inländischen Landwirtschaft besorgt werden. Für Biotreibstoffe bleibt dann weniger oder nichts übrig – zuerst muss die Bevöklerung ernährt werden.
  • Durch die Klimaerwärmung kann es in hochproduktiven Agrarregionen zu einer abnehmenden Ertragsentwicklung kommen. Da der Ausgleich durch Import nicht mehr gegeben ist, haben Missernten auch im Westen wieder einen deutlich stärkeren Effekt – fast wie früher …

Hirngespinste? Polemik? Völlig überdrehte Schreckensszenarien? Ich hoffe es doch schwer.

Fazit

Ich wünsche, dass diese Kausalkette nie eintreten wird, bin aber trotzdem der Meinung, dass es äusserst spannend wäre, eine solche Entwicklung mitzuerleben (jedenfalls anfänglich).

Ich bin aber äusserst nüchtern: Meine Generation McDonalds wäre schlicht nicht fähig, mit Ressourcenmangel umzugehen, davon bin ich überzeugt.

Es wäre folglich besser, wenn man mit dem Worst-Case rechnen und alle nur erdenklichen Massnahmen treffen würde, um den „Impact“ auf unsere Gesellschaft so gering als möglich zu halten.

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Labels: Allgemein

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