Donnerstag, Juni 07, 2007

Wir unechten Liberalen werden immer mehr

Hilfe, schon wieder so ein unechter:

[...] Der Gewerbler, der beim Bauern Randen kauft, diesen wäscht, kocht und weiterverkauft, wird zum potenziellen Subventionsbezüger. Der Metzger, der sein Schlachtvieh beim Bauern kauft, kriegt vom Staat zinsfreie Darlehen. Dass Letzteres genau so verstanden wird, machte Rolf Bütiker (fdp, SO) klar, der die Geneseis der neuen staatlichen Förderquelle mit Interesse verfolgte: Aus Sicht der Fleischverarbeiter sei die neue Giesskanne noch "zu käselastig", befand Bütiker als beckennender Lobbyist der Schweizer Fleischfachverbände.

Quelle: Der Bund, 7. Juni 2007, "Die Käserei in der Vehfreude freuts".

Dies als kleine Replik auf Smythes Spruch, den er von Köppel und dieser wiederum bei Reagan ausgelehnt hat (ich finde ihn Klasse!):

Government's view of the economy could be summed up in a few short phrases: If it moves, tax it. If it keeps moving, regulate it. And if it stops moving, subsidize it.

Quelle: Ronnie Rules

Was lernen wir aus dem Vergleich der beiden Text-Passagen? Keiner, und sei es noch so ein "liberaler", scheint sich dem verlockenden Honigtopf fernhalten zu können.

Und übrigens, falls sich Köppel jemals ausführlich dem Thema "Subventionen in der schweizerischen Landwirtschaft" annimmt, ... nun ... nun dann abonniere ich das Käseblatt für ein ganzes Jahr. Oder noch besser: Ich suche jemanden, der es mir subventioniert!

Details

Wer sich für Details interessiert, lese Büttikers Votum im Wortprotokoll nach (Schon online? Das ging aber zackig! - "teilweise Heiterkeit", einfach köstlich):

Wenn wir die Bergebiet-Lösung anstreben, verstärken wir diese Verzerrungen zwischen dem Flachland und dem Berggebiet. Das gibt Abgrenzungsprobleme. Wenn man dann noch die Produktekette anschaut, wo es unterschiedliche Wertschöpfungsanteile gibt, gibt es hier Probleme. Es wird auch Probleme geben - das ist die Schwäche des Antrages der Mehrheit -, denn die Betriebe müssen mindestens die erste Verarbeitungsstufe umfassen. Das mag ja bei den Käsereien richtig sein. Ich finde, die Ausrichtung der ganzen Geschichte ist etwas "käsereilastig". Deshalb könnte das natürlich in den anderen Bereichen, im Fleischbereich (teilweise Heiterkeit) - ja, er ist ja mehrmals angesprochen worden - zu Problemen führen.

Quelle: Büttiker Rolf (RL, SO)

Wer noch nicht genug hat, liest noch die Worte von Vorredner Frick, dann stehen einem endgültig die Haare zu Berge:

Da sind wir mit zwei Prinzipien konfrontiert, die uns in ein Dilemma bringen können. Das eine betrifft die Ordnungspolitik: Mit rigider Ordnungspolitik brauchen wir keine Unterstützung der Landwirtschaft mehr, können wir die Landwirtschaftspolitik abschaffen. Aber es gibt auch andere Prinzipien: In der Landwirtschaft braucht es eben auch Waffengleichheit. Um dieses Prinzip geht es bei diesen Bestimmungen.

Quelle: Frick Bruno (C, SZ)

Labels:

8 Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Kommentare

neuen Kommentar verfassen

Blogger Smythe um 07.06.2007 08:53:00 Uhr

"Und übrigens, falls sich Köppel jemals ausführlich dem Thema "Subventionen in der schweizerischen Landwirtschaft" annimmt, ... nun ... nun dann abonniere ich das Käseblatt für ein ganzes Jahr. Oder noch besser: Ich suche jemanden, der es mir subventioniert!"

Da kennst du die Weltwoche aber schlecht bzw. müsstest sie schon lägst abonniert haben! Die Schweizerische Landwirtschaftspolitik, insb. der "Subventionsdschungel" ist eines jener innenpolitischen Themen, welches immer wieder massiv unter Beschuss kommt! (Auch wenn das nicht in Bild des "SVP-Kampfblatts" passen mag, welches Linke und linke Medien gerne von der Weltwoche zeichnen.) Besonders häufig auch in Beiträgen von Engeler.

Hier eine kleine Auswahl:

Ausgabe 50/06
Lobbying: Die Landwirtschaftspolitik von CVP-Ständerat Philipp Stähelin

Ausgabe 43/06
Landwirtschaft: Subventionen im Schweizer Zuckeranbau

Ausgabe 33/06
Landwirtschaft: Ein System stärken, das längst nichts mehr taugt

Ausgabe 29/06
Bauern: Neustes zur antiquierten Schweizer Subventionspraxis

Ausgabe 07/04
Kostenwahrheit: Weg aus der Subventionsfalle

Ausgabe 08/03
Subventionen: Zehn Regeln zum Schweizer Unterstützungsdschungel

Also, sofort die WeWo abonnieren oder noch besser: das Abo (wie ich) von der Weltwoche selbst zu 100% subventionieren lassen...

Blogger Smythe um 07.06.2007 08:57:00 Uhr

Auch ganz interessant (insb. die Titel) diese beiden Beiträge:

Ausgabe 29/06

Hinkebein gewinnt
Von Daniel Binswanger

Und die Schweiz ist doch Weltmeister – in der Kategorie Landwirtschaftssubventionen.



Ausgabe 28/06


Landwirtschaft:
Unsere Feldflaschen
Von Urs Paul Engeler

Von den Milliarden an Direktzahlungen profitieren nicht nur die Landwirte, sondern viele, sehr viele andere. Ein Besuch auf dem Hof eines Bauern, der den Unsinn des Schweizer Systems der Agrarstützung abschaffen will. mehr...

Blogger Smythe um 07.06.2007 08:59:00 Uhr

Auch ganz interessant (insb. die Titel!) diese beiden Beiträge:

verschärfen die Krise der Bauern. mehr...

Ausgabe 29/06

Bauern:
Hinkebein gewinnt
Von Daniel Binswanger

Und die Schweiz ist doch Weltmeister – in der Kategorie Landwirtschaftssubventionen. mehr...

Ausgabe 28/06

Landwirtschaft:
Unsere Feldflaschen
Von Urs Paul Engeler

Von den Milliarden an Direktzahlungen profitieren nicht nur die Landwirte, sondern viele, sehr viele andere. Ein Besuch auf dem Hof eines Bauern, der den Unsinn des Schweizer Systems der Agrarstützung abschaffen will.

Anonymous Anonym um 07.06.2007 13:18:00 Uhr

Da ist ein ziemlicher Fauxpas von Dir, lieber Herr Blogger. Die leidigen Agrarsubventionen sind ein Dauerthema der "Weltwoche". Vor allem Berserker Urs P. Engeler hat bei den Bauern mehrmals für rote Köpfe gesorgt. Härter als in seinem Artikel "Unsere Feldflaschen" wurden die Agrarsubventionen in den letzten 10 Jahren wohl nirgends kritisiert. Die "Weltwoche" ist kein "SVP-Blatt", sondern ein neoliberales Kampfblatt, das keine Rücksicht auf (Abo-)Verluste nimmt. So forderte Urs P. Engeler z.B. auch schon die Abschaffung der Milizarmee. Dass die "Weltwoche" mit der SVP oftmals übereinstimmt, ist klar. Die SVP ist trotz ihrer Landwirtschaftspolitik und den altbackenen gesellschaftlichen Ansichten halt für viele Neoliberale das kleinste Übel.

Blogger eMeidi um 07.06.2007 13:57:00 Uhr

Halt, halt, halt! Ich habe geschrieben:

Und übrigens, falls sich Köppel jemals ausführlich dem Thema "Subventionen in der schweizerischen Landwirtschaft" annimmt, ...

Meines Wissens hat sich Chef-Ideologe Köppel noch nie ausführlich zum Thema geäussert, oder liege ich da falsch?

Anonymous Anonym um 07.06.2007 14:29:00 Uhr

Köppel = Weltwoche

Anonymous Anonym um 07.06.2007 17:14:00 Uhr

Das ist schäbig, werter Blogger. Du wolltest eigentlich aufzeigen, dass die "Weltwoche" ein SVP-Kampfblatt (d.h. scheinliberal) ist und sich deshalb nicht klar gegen Agrarsubventionen ausspricht. Nachdem Du klar widerlegt wurdest, verteidigst Du Dich mit Spitzfindigkeiten. Wie mein Vorschreiber schon richtig geschrieben hat, ist Köppel die "Weltwoche".

Blogger eMeidi um 07.06.2007 18:38:00 Uhr

Auf die Gefahr hin, dass ich mich ein drittes Mal wiederhole:

Und übrigens, falls sich Köppel jemals ausführlich dem Thema "Subventionen in der schweizerischen Landwirtschaft" annimmt, ...

Aufgeschlüsselt:

a) Autor des Artikels: Köppel
b) Thema des Artikels: Subventionen in der schweizerischen Landwirtschaft
c) Attribut des Artikels: ausführlich

Was ich also suche, ist ein Roger Köppel, der persönlich und nachweisbar Landwirtschaftssubventionen kritisiert. Und schon bin ich ruhig (und abonniere die Weltwoche ;-).

Zitierungen dieses Artikels