Mittwoch, 5. September 2007

Kraftwerkbau wird rasch teurer

Dramatischer Preisanstieg beim Bau neuer Kraftwerke: Laut einem Pressebericht kostet ein Kohlekraftwerk heute 20 Prozent mehr als noch vor einem Jahr. […]

Hinter dem Preissprung beim Kraftwerksneubau stehen dem Bericht zufolge zwei Ursachen: Zum einen trifft eine hohe Nachfrage auf begrenzte Kapazitäten bei den Anlagenbauern. Zum anderen sind die Preise für Rohstoffe, wie Stahl, Zink oder Nickel sprunghaft gestiegen.

Quelle: Kraftwerke werden immer teurer – und damit auch Strom

Ähnliches habe ich Anfangs Juli für den Bau von AKWs vorausgesagt:

  • Wenn viele Länder gleichzeitig neue Reaktoren bauen wollen, könnte es zu Engpässen vielfältiger Art kommen (das reime ich mir einfach mal so zusammen)

AKWs: Vom Regen in die Traufe

Die Axpo wird im nächsten Jahrzehnt garantiert nicht die einzige Strombude auf der Welt sein, die einen Reaktor auf die Beine stellen will. Will heissen: Das strahlende Ding wird uns wohl deutlich mehr kosten, als man auf Grund heutiger Preise bereits befürchten muss …

Strommarkt-Liberalisierung in den USA gescheitert

Da die Stromversorgung in den nächsten Jahren und Jahrzehnten wieder einen deutlich höheren Stellenwert erlangen wird, erachte ich die Meldungen aus Übersee als erfreulich, wonach Bundesstaaten die Liberalisierungsbemühungen zurückfahren. Infrastruktur mit dieser Wichtigkeit gehört nicht in die Hände von Privatunternehmen!

At deregulation’s peak in 2000, two dozen states and the District of Columbia had either moved to competitive generation […] This week, Ohio became the eighth state to roll back its restructuring, as Gov. Ted Strickland proposed restoring regulated power company monopolies. And it’s not likely to be the last domino to fall as the last decade’s experiments are reversed.

Quelle: Another Domino Falls as US Electric Power Deregulation Roll Back Continues

Der arme Milton wird sich in seinem Grab (wieder einmal) von der einen auf die andere Seite drehen.

Gründe für den U-Turn sind unter anderem erwartete Preisaufschläge für Konsumenten von 25 bis 30 Prozent („marktgerechte Preise“). Politiker fürchten nicht zuletzt um ihre Wiederwahl, weshalb man auf diese Weise die Wähler zufrieden stellen möchte:

[…] Strickland’s plan could well become a template for other states now wrestling with higher-than-expected energy costs that will be felt full-on by customers in a real deregulated market place.

Ins selbe Horn bläst die Financial Times Deutschland:

[…] Würde sich der Staat erst zurückziehen, so die Erwartung, werde der freie Markt alle Probleme lösen. 1998 fiel der Startschuss.

Heute ist die Ernüchterung groß. Zum Beispiel in Hamburg, wo die Hamburgischen Electricitäts-Werke (HEW) an Vattenfall verkauft wurden. „Mit dem heutigen Wissen war es ein Fehler“, sagte Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust kürzlich, dessen Vorgänger den Verkauf verantwortet hatte. Die Stadt habe keinen Einfluss mehr auf die Strompreise. „Ein staatliches Monopol wurde durch ein Quasimonopol auf privater Seite ersetzt.“ Die Kunden klagen weiter über steigende Strompreise.

[…] Es hat nicht funktioniert. Der Staat hat sich zurückgezogen, aus einem funktionierenden Sektor der öffentlichen Daseinsfürsorge – und einen Selbstbedienungsladen geschaffen.

Energie – Teure Fehlzündung

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Labels: Energie, Wirtschaft

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