Donnerstag, 13. September 2007

Wie Behinderte surfen

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Surfen mit Schutzbrille und Wollhandschuhen
Originally uploaded by emeidi

Gestern wurde eine sogenannte Accessibility-Studie veröffentlicht, in der behinderte Testpersonen auf Web-Sites von Bundesverwaltung, Swisscom, SBB und der Post nach bestimmten Informationen gesucht haben (Seiten 10 bis 17). Für jeden Web-Entwickler ist die Lektüre ein Muss!

Schutzbrille und Wollhandschuhe

Web-Designer und -Entwickler sind jung – mehrheitlich zwischen 20 und 30 Jahre alt. Ihre Sehkraft und Motorik wird nie mehr so gut sein wie in diesem Alter. Auch sind sie täglich Stunden im Internet unterwegs und kennen alle Tricks und Kniffs. Gut tut es, dem Ratschlag der Macher der Studie zu folgen und mit Schutzbrille und Wollhandschuhen surfen zu gehen. Nein, der Karneval ist nicht zu früh ausgebrochen – anscheinend kann man sich mit diesen „Hilfsmitteln“ in einen surfenden Senior hineinversetzen. Bald hört man mich also schreien: „Vater, wo sind schon wieder die Gartenhandschuhe?!“

Wieder einmal Swisscom …

Die Web-Site von Swisscom ist – trotz sauteurem CMS im Hintergrund – nicht behindertenfreundlich. Titel als Grafiken ohne alt-Attribut – und schon kann ein Blinder nur noch anhand des dazugehörigen Texts auf die Rubrik schliessen. Auch die Navigation besteht nicht aus mit Listen (ul, mit CSS heutzutage wunderschön als Navigation-Menus zu formatieren).

Ein Blick auf das Design zeigt den Anachronismus auf: So etwas sollte man heute nicht mehr ins Netz stellen. Das Design wirkt nicht aus einem Guss, und auch Whitespace „zum Atmen“ fehlt.

(SBB und Post sind nicht viel besser – den Web-Siten des Bundes merkt man hingegen an, dass sie sich dank eines einheitlichen Corporate Designs langsam in die richtige Richtung entwickeln).

Generelle Probleme des Informationsdesigns

Aus persönlicher Erfahrung muss ich sagen, dass auch ich als nicht Behinderter (abgesehen von meiner ertragbaren Sehschwäche) bereits oft an der Informationsstruktur besagter Web-Sites verzweifelt bin (Zufall, oder hängt das mit dem Arbeitgeber zusammen?). Es ist oftmals schier unmöglich, die gesuchten Informationen zu finden – zusätzlich ist – wie übrigens auch die Tester festgestellt haben – die Suchfunktion oftmals unbrauchbar.

Verbesserungsmöglichkeiten

Meiner Meinung nach bilden Unternehmen immer noch viel zu oft die Organisationsstruktur gegen aussen ab – für den Besucher wäre es aber vorteilhafter, wenn die Information gemäss seinen Bedürfnissen und Fragen angeordnet wäre. Wie man das genau macht, kann ich leider auch nicht sagen. Klar ist aber, dass das derzeitige Informationsdesign nicht mehr zeitgemäss und für breite Teile der Bevölkerung nicht nachvollziehbar ist.

Negativdarstellung

Wer Mac OS X benutzt, kann übrigens mit der Tastenkombination Ctrl + Alt + Apfel + 8 die Negativdarstellung einschalten, wie ihn Testperson Drei auf Seite 14 benutzt hat.

Blog

Gemäss der Studie soll sich unter accessforall.ch/blog das Blog der Stiftung befinden. Leider kann der Server nicht gefunden werden. Unter access-for-all.ch/blog gibt es einen 404er … Hmmm!

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Labels: Web

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