Sonntag, September 16, 2007

Verhunzt MP3 die Musik-Qualität?

Dank an Melanie, die mich auf folgenden Artikel hingewiesen hat:

Musikproduzenten, Toningenieure und Künstler beschweren sich zunehmend darüber, dass sie bereits im Tonstudio davon ausgehen müssen, dass die Musik später in schlechter Qualität über minderwertige Kopfhörer gehört wird.

Quelle: MP3 ruinieren Tonqualität

Dieselben Produzenten, die uns in den letzten zwanzig Jahren mittels Musik-Kompressoren die "Dynamic Range" gestohlen haben?

What happened to dynamic range? That's a question that should be asked of record labels, producers, artists, and last but not least, recording and mastering engineers. The question needs to be asked because we're the ones responsible for what's happened to our music. Much of the music we listen to today is nothing more than distortion with a beat. See the sine wave reference in the chart below. It's not because it isn't good music. It's because it lacks dynamic range. When music lacks dynamic range, it lacks punch, emotion, and clarity. The record labels blame digital downloads, MP3s, CD burners, and a host of others for the lack of CD sales. While there is some truth to their constant whining, they only have themselves to blame for the steady decline in CD sales. The record labels need to reevaluate what they consider to be good music.

Much of the music being produced today isn't music at all. It's best described as anti-music. It's anti-music because the life is being squashed out of it through over compression during the tracking, mixing, and mastering stages. [...]

Quelle:

Ein äusserst lesenswerter Artikel.

The Death of Dynamic Range: zeigt die wahren Ursachen der durch MP3 ach so "verhunzten" Songs. Als Beispiele werden Wellenformen von Tracks auf Audio-CDs gezeigt, die in den letzten 24 Jahren erschienen sind:


Bryan Adams - Cuts Like a Knife (1983)


Ricky Martin - Livinig La Vida Loca (1999)

Was bedeutet das nun für den Laien? Auch hier gibt die Seite Auskunft, von der ich die Grafiken geborgt habe:

And you can get this same effect at home by simply TURNING UP YOUR STEREO'S VOLUME CONTROL. You want your music to be loud? You can make it loud yourself -- and the full quality and dynamic range of the music is preserved. Yes, even the Bryan Adams CD from 1983 can be played louder than Ricky Martin's horribly produced CD -- the choice is up to you. But when all of your CDs are recoreded to be loud right on the discs themselves, you don't have this choice anymore; you no longer have a variety of "loud" music and "quiet" music to choose from and to play at a volume level that suits your musical taste. The record companies are not only filling your CDs with distorted, corrupted audio, they are forcing you to listen to your music in a certain manner -- do you really want that?

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Anonymous Gute(r) Musik(er) um 09.10.2007 09:23:00 Uhr

Genau so ist es, ich bin als Amateur-Musiker mit eigenem Mixing und Mastering auch über dieses Thema gestolpert, habe den zitierten Artikel "Death of Dynamic Range" ebenfalls gelesen und habe einige Überprüfungen mit Titeln die ich mag gemacht. Dabei habe ich festgestellt, dass im durchaus kommerziellen Jazz-Bereich (z.B. Al Jarreau, George Benson) immer noch einigermaßen vorsichtig gemastered wird, d.h. ein erkennbares und deutlich hörbares Maß an Dynamik wird hier bewahrt.
Wenn es einmal etwas Härteres sein soll, habe ich einen Titel der aktuellen DreamTheater-CD "Systematic Chaos" (Progressive Rock, unglaublich gute Musiker jenseits von Klassik und Jazz!) angeschaut.

Obwohl die Herren extrem mehr als den üblichen Heavy-Krach zu bieten haben, ist hier - wahrscheinlich aus kommerziellen Gründen - dem "Loudness-War" nachgegeben worden: Man muss schon in den 100-Millisekunden-Bereich aufzoomen, um eine Dynamik opitsch zu erkennen.
Seltsamerweise stört das hier (weil´s ja tatsächlich "loud" sein soll) beim Hören nicht so deutlich.

Allerdings ist diese Entwicklung für jeden Fan gut gemachter Musik und erst recht für den audiophilen Mastering-Engineer ein wachsendes Problem in zweierlei Hinsicht:
Erstens muss der Tonmeister Kompromisse bei der Arbeit am Audio-Material zugunsten der sich ändernden Massen-Hör-Gewohnheit machen, und zweitens bekommt der anspruchsvolle Hörkonsument ein völlig entdynamisiertes und lebloses Krachwerk aufgezwungen, das ihm obendrein eventuell sogar noch als komprimiertes MP3 zum selben Preis (!) verkauft wird.

Fazit: Sollte diese "höherschnellerweiter"-Entwicklung andauern, wird es in Zukunft entweder verschiedene Veröffentlichungen geben (einmal Krach und einmal lebendige Dynamik) oder man wird froh sein, noch einige "gute alte" CD´s zu besitzen ...