Donnerstag, Dezember 13, 2007

Mysteriöse Schlumpfine

Die Deutschen sind Papst, wir sind Schlümpfe? Egal. Mich interessiert etwas anderes:

Nun, da die Katze (respektive die "Schlumpfine") aus dem Sack ist, ging in der heutigen Sendung Classe Politique das Rätselraten weiter. Strategen wie auch die politischen Kräfte als auch der Moderator interessierten sich für die Hintergründe des Coups.

Von SP und CVP von langer Hand geplant

Während Levrat der Frage nach dem Beginn der Abklärungen mit Widmer-Schlumpf auswich, "gestand" Darbellay, dass CVP und SP mit der Kandidatin vorgängig in Kontakt gestanden hatten. Diese Vermutung lag längstens auf der Hand: Wenn im ersten Wahlgang ganze Fraktionen wie gedankengesteuert denselben Namen aufs Papierchen kritzeln, muss die Verschwörung zum Sturz Blochers von langer Hand geplant gewesen sein.

Die SVP wusste es anscheinend

Deutlich erstaunter lauschte ich den Worten des Voralpen-Blochers Stefan "Richard Gere" Amstutz. Gemäss seinen Aussagen hatte die SVP bereits am Dienstag Wind vom Komplott bekommen.

Da ich die Bundeshaus-Mechanik zu wenig gut kenne, kann ich nur Vermutungen anstellen, wie das "Geheimnis" dem politischen Feind ausgeplaudert wurde: Ein in den Plan zur Abwahl Blochers eingeweihter CVPler tritt mit einem gut befreundeten FDPler in Kontakt, um seine Stimme für Widmer-Schlumpf zu gewinnen. Der gewissenhafte FDPler hat aber überhaupt nicht im Sinn, Blocher abzuwählen und erzählt die heisse Neuigkeiten einem oder mehreren Fraktionskollegen. Schliesslich wäre es angebracht, seine eigene Partei und deren Bundesräte über den voraussichtlich stürmischen Seegang am Wahltag vorzuwarnen.

Da die Nahtstellen zwischen den Stahlhelmen der FDP und ihren Gesinnungsgenossen bei der SVP sehr eng sind, dringt die Information schlussendlich zum Opfer vor. Die SVP ist vorgewarnt.

Widersprüchliche Botschaften Schlumpfs

Amstutz erstaunte weiter: Die SVP-Oberen stellten Widmer-Schlumpf nach dem naschen an der Frucht der Erkenntnis telefonisch zur Rede. In zwei Telefongesprächen mit ihrer Partei habe die Sprengkandidatin versichert, so Amstutz, dass sie die Wahl nicht annehmen würde. Theres Frösch von den Grünen widerspricht Amstutz: Sie sei sicher, dass Geschlechtsgenossin Schlumpf die Wahl annehmen wird.

18 Stunden Angst

Die Frage ist also: Hat Evelin Widmer-Schlumpf mit ihrer Partei längst abgeschlossen und wird morgen um 8 Uhr den Einzug in den Bundesrat verkünden? Hat vielleicht gar der Zwist um Brigitta Gadients Ausschluss aus der Bildungskommission durch die SVP-Fraktion die Würfel zum Fallen gebracht?

Oder ist sie eine Art missglückter Doppelagent? Trifft letzteres zu, hat sie sich einer Masochistin gleich selbst ins Knie geschossen und setzt ihre Glaubwürdigkeit innerhalb der Bündnerischen SVP aufs Spiel.

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Anonymous Michael um 13.12.2007 01:43:00 Uhr

Dem Schwaizer den Haider weggenommen ;-)

Nein, ich finde es schlecht dass man sich solche Parteipolitikspielchen leisten kann. Wie weiter unten in meinem Gemotze zu lesen ist (Blocher weg, ade; o.ä.) würde ich es eher angebracht finden, Sachpolitik zu betreiben und halt gewisse Leute drin zu lassen. Wo Rauch ist, ist auch Feuer.

Ginge es um die Sache an sich, würde man so ein Theater produzieren? Oder versuchen nun verletzte Parteien Rache auszuüben? Wenn ja, nach der Wahl ist vor der Wahl und umgekehrt?

Meine konkrete Frage: was hat der Blocher verblo - verbrochen um ihn aus dem Bundesrat rauszuwählen? Kann man das in 3-5 kurzen Sätzen zusammenfassen?

Blogger eMeidi um 13.12.2007 01:57:00 Uhr

was hat der Blocher verblo - verbrochen um ihn aus dem Bundesrat rauszuwählen?

Er vermischte sein Exekutiv-Amt mit der angestammten Oppositionsrolle.

Anonymous Michael um 13.12.2007 02:07:00 Uhr

Er vermischte sein Exekutiv-Amt mit der angestammten Oppositionsrolle.

Und deshalb muss er abgewählt werden? Hat er denn wirklich alles falsch gemacht? Oder ist das ein Trotzreaktion?

Mich würde zusätzlich deine Meinung betreffend Sach- und Parteipolitik interessieren.

Blogger eMeidi um 13.12.2007 02:30:00 Uhr

Hat er denn wirklich alles falsch gemacht?

Nö, nicht alles - aber zu viel ... Was weiss ich? Frag einen Parlamentarier, der für Schlumpf gestimmt hat :-)

Oder ist das ein Trotzreaktion?

Blocher hatte vier Jahre Zeit, die politischen Gegner als Exekutivpolitiker zu überzeugen. Er hat es nicht geschafft. Deshalb hat man eine SVPlerin gewählt, die ein grosses Renomme auf diesem Gebiet hat.

Mich würde zusätzlich deine Meinung betreffend Sach- und Parteipolitik interessieren.

In der Exekutive lässt man die Parteipolitik hinter sich und widmet sich einer Sachpolitik, die von der Mehrheit des Gremiums getragen werden kann (Abstimmungen gewinnt man hier lieber 7:0 oder 6:1 als 4:3 - hört ja niemand zu, gute Argumente können überzeugen).

Dazu gehört ein Geben und Nehmen - mit Zähneknirschen kann man auch mal Anträge annehmen, die einem nicht sonderlich passen. Immer in der Hoffnung, dass dereinst ein eigener Antrag auf Zustimmung stösst, der einem am Herzen liegt.

Anonymous Anonym um 14.12.2007 04:59:00 Uhr

Finde ich gut, dass mal dem Blocher das Maul "gestopft" wurde. Irgendwie wurde mir der Typ je länger je unheimlicher. Er mag ja vielleicht ein guter Unternehmer sein (wobei ich ein Gerücht gehört habe, dass seine Tochter die EMS Chemie mit eisener Hand führt und dort ein rauher Wind weht, na denn Prost!)sein, aber als Politiker kann er einfach nicht überzeugen...

Seine Art und Weise und sein Auftreten haben uns bei anderen Staaten zur Lachnummer gemacht.. halt ein richtier Bauerntölpel, der vom einten in den anderen Porzellanladen gefallen ist

Frau Schlumpf macht mir diesbezüglich (persönliche Meinung) einen weitaus professionelleren Eindruck

Und jetzt hockt man in der Ecke und trötzelt vor sich hin, anstatt wie ein Mann dazu zu stehen, dass man halt nicht immer gewinnen kann

Kompromiss und Anpassungsfähigkeit scheint für Blocher sowieso ein Fremdwort zu sein

Zitierungen dieses Artikels