Samstag, Dezember 29, 2007

Streitpunkt Polygamie

Blogger Winkelried über ein Thema, das seiner Meinung nach auch in Bälde hierzulande für brennende Städte sorgen wird:

Verbot der Polygamie rassistisch?

In den letzten Jahren haben linke Kreise mit dem Antirassismusgesetz viele Sonderrechte für Migranten herausschlagen können. Äussert ein Schweizer sein Unbehagen über die steigende Kriminalität, setzt er sich sofort dem Vorwurf des Rassismus aus. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Gericht die Polygamie für Muslime als rassendiskriminierend aufhebt, weil es die Religionsfreiheit einschränke. In Schweden laufen bereits solche Bestrebungen. Prof. Stefan Lindskog will mit Hilfe einiger Abgeordneten genau das erreichen.

Quelle: Verbot der Polygamie rassistisch?

Der Artikel regte meine grauen Zellen an. Als gesellschaftsliberaler Mensch sponnen sich Gedanken aneinander und ich stiess zur Frage vor: Ja, wieso verbieten wir eigentlich die Polygamie?

Ein Relikt christlicher Traditionen, könnte man respektlos behaupten - ein Relikt, das bis heute in unserem Zivilgesetzbuch harrt. Dieselben Personen akzeptieren diese Regel, ohne in den letzten Jahren jemals einen Fuss in die Kirche gesetzt oder eine Passage aus der Bibel gelesen zu haben

Selbstverständlich befürworte ich keine Abschaffung der Paragraphenfülle, um Polygamie muslimischer Prägung einzuführen (davor hat Winkelried nämlich Angst - der Unterdrückung muslimischer Frauen!). Nein, wenn schon, dann müsste es eine Polygamie liberaler Prägung sein. Und siehe da, eine kurze Internet-Recherche förderte denn auch einen ansprechenden Beitrag zu Tage:

The most frequently encountered argument against polygyny is the claim that it exploits women, and is a continuation of the traditional subjection of women to men. Women were indeed exploited in many monogamous and polygynist traditional societies, when they were frequently forced to marry men that they did not want to.

That hardly describes the situation these days in the United States, the rest of the developed world, and much of the developing world. Women choose their partners, and refuse to marry men who they do not want to marry, regardless of their parents' feelings or the ardor of suitors. In this world, a woman would not have to enter into a polygamist household if she would not want to. Would-be polygamist men would have to persuade second or third wives that it is worth it, because of their wealth, good looks, kindness, or in other ways. If she is willing to become an additional wife, why should laws prevent that?

Quelle: Is There a Case for Legalizing Polygamy?

Schlussfolgerung: Weniger Staat, mehr Eigenverantwortung. Jeder Mensch kann selber festlegen, wieviele Partner er heiraten will.

Positiver Nebeneffekt: Der Bedarf an Juristen wird exorbitant zunehmen - man stelle sich Scheidungsprozesse vor. Was an Heiratsgesetzen abgeschafft werden könnte, müsste wohl ein mehrfaches an Scheidungsgesetzen hervorrufen.

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Blogger kusito um 29.12.2007 10:22:00 Uhr

rechtlich müsste es so sein das auch eine frau mehrere männer heiraten dürfte. da wäre wohl vareschaftstest pflicht!

ein anderes problem das ich sehe, iste wenn ein mann mehrere frauen hat und das konstrukt zusammen fällt, hätte der staat wohl auch mehrere sozialfälle! und das kann und darf nicht sein!

ich glaube die monogamie hat ihre berechtigung über die jahre bewiessen und viele vorteile gegenüber der polygamie!

Anonymous Winki um 29.12.2007 11:12:00 Uhr

Man kann es natürlich auch so sehen ...

@Kusito
Die Eskimos kennen die Viel-Mann-Ehe. Dort kann eine Frau mehrere Männer haben. Amundson hinterliess im ewigen Eis nicht nur seine Spuren im Schnee ...

Blogger smiling catilina um 29.12.2007 14:09:00 Uhr

Ich hoffe, deine Liebe zur Provokation bleibt uns auch im Neuen Jahr erhalten!

Lass uns also den Faden aufnehmen, um (ihn) ein wenig weiterzuspinnen. Da du ja die Sozialhilfe nach Skos-Richtlinien befürwortest, solltest du deinen Beitrag noch ein wenig in diese Richtung ausführen. Sozialhilfe geht ja nach den Worten des Skos-Präsidenten in der NZZ (27.11.07) davon aus, dass ein Familienvater genug verdienen sollte, um seine Familie auch durchfüttern zu können. Alles andere sei ja menschenunwürdig. Eine tolerante und liberale Gesellschaft, welche den positiven Freiheitsbegriff hochhält, sollte demnach auch den polygamen Familienvater unterstützen. Schliesslich soll er sich mit seinem Harem selbstverwirklichen können. Denn nicht nur der reiche kapitalistische Ausbeuter, auch der Arme soll polygam leben können. Natürlich soll die Sozialhilfe auch sicherstellen, dass in eventuellen Verteilkämpfen unter den Eheleuten nicht nur die biologischen Verwandten des jeweils einflussreichsten Familienmitglieds gefördert werden. Dazu werden dann selbstverständlich neue Sozialinspektoren angestellt, welche die polygamen Familien begleiten. Denn nichts ekelt mehr an, als die spiessig-monogame Privatheit des bürgerlichen Haushalts. Nebenbei wird der Kinderreichtum der polygamen Familien dafür sorgen, dass die Sozialsysteme auch noch im dritten Jahrtausend finanzierbar sind. Und wenn uns schliesslich in naher Zukunft das Öl ausgeht, dann haben wir eine Reservearmee von potentiellen Gartenarbeitern, welche dafür sorgen, dass auch ohne Traktor im Berner Seeland Gemüse geerntet werden kann. In diesem Sinne kann dann auch Monika Stocker wieder ohne schlechtes Gewissen und teuren BASS-Studien behaupten, dass sich Sozialhilfe lohnt, denn es ist ja ein Investment (und das im klassisch (auch marxistisch) ökonomischen Sinn). Last but not least: Was für die Polygynie gilt, soll natürlich der Polyandrie offen stehen.

Blogger Der Wilderer um 01.01.2008 22:49:00 Uhr

Als gesellschaftsliberaler Mensch könnte man sich noch eine ganz andere Frage stellen (zB auch wenn es um die mE unglaublich spiessige Idee einer Homo-Ehe) geht: Warum schaffen wir die Ehe nicht gleich ganz ab? Und regeln all die Fragen über Kinderunterhalt usw. über privatrechtliche Verträge? Damit wäre auch das leidige Thema der Namenswahl vom Tisch. Dann könnte man nämlich auch gleich die historisch ohnehin recht junge Idee des Familiennamens abschaffen. Ein Mensch erhält dann einfach einen mindestens zweiteiligen Namen - nach welcher Tradition dieser gebildet wird, bleibt dann Sache der Eltern....

Blogger eMeidi um 02.01.2008 15:18:00 Uhr

rechtlich müsste es so sein das auch eine frau mehrere männer heiraten dürfte. da wäre wohl vareschaftstest pflicht!

Wieso Pflicht? Das soll jeder frischer Pappi für sich selbst entscheiden. Natürlich darf er die Ansprüche seines Zöglings dann aber nicht 10 Jahre später doch noch anfechten ...

ein anderes problem das ich sehe, iste wenn ein mann mehrere frauen hat und das konstrukt zusammen fällt, hätte der staat wohl auch mehrere sozialfälle! und das kann und darf nicht sein!

Wieso? Die frisch Geschiedenen können sich a) einen neuen Partner suchen, der sie unterstützt oder b) einer Arbeit nachgehen (wenn sie das nicht schon während der Ehe getan haben).

ich glaube die monogamie hat ihre berechtigung über die jahre bewiessen und viele vorteile gegenüber der polygamie!

Leider gibt es kein westliches Land, das zu Vergleichen herangezogen werden könnte.

(Selbstverständlich gehe auch ich davon aus, dass die grosse Mehrheit weiterhin monogame Ehen führen wird - doch die Mehrheit sollte einer Minderheit nicht vorschreiben, wie diese zu leben hat, solange diese nichts staatsgefährdendes unternehmen).

Blogger eMeidi um 02.01.2008 15:27:00 Uhr

solltest du deinen Beitrag noch ein wenig in diese Richtung ausführen.

Nein - mir geht es hier wirklich nur um die Vielweiberei und Vielmännerei.

Dennoch eine kurze Stellungnahme:

dass ein Familienvater genug verdienen sollte, um seine Familie auch durchfüttern zu können. Alles andere sei ja menschenunwürdig.

Selbstverständlich kann diese Wunschvorstellung als linke Spinnerei abgetan werden ... Aber zwecks Rückversicherung: Forderst du hier wirklich die Rückkehr zu Zuständen im protokapitalistischen Manchester?

Ich finde, dass jeder Bürger der Schweiz ein Anrecht darauf hat, ein Dach über den Kopf und genügend zu essen zu haben. Aber wahrscheinlich ist diese Forderung heute nicht mehr mehrheitsfähig.

Denn nicht nur der reiche kapitalistische Ausbeuter, auch der Arme soll polygam leben können.

Das habe ich nicht behauptet.

Leute wie du werden sicherlich die nötige Gegensteuer geben, um eine Polygamie-Vorlage mit den nötigen Paragrafen auszutarieren. Auch du wirst aber doch den liberalen Hintergedanken hinter dieser Vorlage unterstützen wollen, oder?

PS: Ist es nicht lustig, dass bei der Diskussion sofort die Geldfrage aufkommt? Ein wahrlich eindimensionales Volk sind wir geworden ...