Dienstag, August 26, 2008

Ist Obamas Präsidentschaft wirklich derart gefährdet?

Vielleicht, ja wahrscheinlich begreife ich das us-amerikanische Volk - trotz oder gerade wegen dem hier oft anzutreffenden USA-Bashing - einfach nicht.

In Umfragen läge Obama mit John McCain etwa gleich auf, lesen wir mittlerweile allwöchentlich. Obwohl ich grundsätzlich am Erhebungsverfahren solcher Umfrage zweifle (müsste man nicht Umfragen via Mobiltelefone und Facebook machen, um Obama-Wähler anzutreffen?), sind solche Zahlen - meiner Meinung nach - sowieso unerheblich.

Rein mit den Augen eines Werbers oder eines Image-Profis betrachtet ist der Fall doch längst klar: Ich sehe einfach nicht, wie ein tattriger Greis wie McCain (ohne seine Leistung der letzten Jahrzehnte unter den Scheffel zu stellen) diesem dunkelhäutigen Idol und begnadeten Redner gefährlich werden kann. No way! McCain könnte auf der Bühne noch so sehr Purzelbäume schlagen - ausser einem kleinen Schmunzeln bleibt für den Vietnam-Veteranen nichts übrig.

Und da wären dann noch all die Clinton-Fanatics: Würden diese wirklich Obama die Stimme verwehren und dafür McCain wählen? Für mich wäre das, als ob ich anstelle einer Micheline Calmy-Rey plötzlich Christoph Blocher die Stimme geben würde. Aber eben: Vielleicht tickt in den USA alles etwas anders, etwas ... irrer.

Jedenfalls hat Obama mit Biden auch ein Zugpferd an Bord, das (hoffentlich) die Stimmen der irischstämmigen Katholiken hinter sich vereint. Und jetzt können ihn auch all die wählen, die Angst vor dem schwarzen Mann im Weissen Haus haben. Joe Biden wird im Notfall schon nach dem Rechten sehen ...

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Anonymous David um 26.08.2008 22:35:00 Uhr

Da du facebook erwähnst. - Wenn man bei "Seiten" nach Politikern sucht, findet man ganz interessante Anhängerzahlen.
Die Top-Politiker:
1. Obama ca 1.4 Mio. Anhänger
2. McCain ca. 220'000
3. Clinton ca. 160'000
4. Obama ca. 120'000
...

Anonymous Eggimaa um 28.08.2008 10:54:00 Uhr

Guter Post, allerdings fallen mir doch gleich spontan zwei interessante Aussagen auf.

müsste man nicht Umfragen via Mobiltelefone und Facebook machen, um Obama-Wähler anzutreffen?

Wenn wir von einer 45/45 Situation ausgehen, sind das sehr grob 45 Millionen Obama Wähler. Da dürfte vom Hausmann bis zur Geschäftsfrau alles dabeisein. Online Umfragen zeigen übrigens in etwa die gleiche Situation in den Polls auf: es sind wie immer die elenden 10% in der Mitte, welche eine Wahl (wie hier auch) entscheiden.

Auch Kommentator David hat mit seinen 1.4 MIO Obama Facebook Anhängern ein Problem: zu viele unter 18, zu viele über 18 zu faul (ebenso wie hier). Junge zur Urne zu prügeln ist seit 10 Jahren eine Stärke der Demokraten, also darf auf eine "Jugendrevolution" noch gehofft werden.

Und nun zum "tattrigen Greis" McCain. Wie du weisst, konnte ich mich vom geriatrischen Zustand des guten John selbst überzeugen: ich kann dir sagen, noch fällt er nicht im Stehen in den Mittagsschlaf. Alt ja, erfahren aber auch und genau da liegt doch der Hund begraben. Die meisten der von mir befragten amerikanischen "likely" Wählern welche gegen Obama stimmen, tun dies darum, weil der junge Mann schlicht über keine Erfahrung verfügt.

Das muss kein Nachteil sein jung zu sein, aber im Grundsatz ist es doch erlaubt darüber nachzudenken, welcher zukünftige Präsident schweissgebadet im Situation Room sitzen soll; eine Entscheidung zwischen "Übel 1" und "Übel 2" vor sich. Einer mit einer halben Legislaturperiode und einem Traum oder einer mit einem halben Leben Erfahrung?

Es kann viel passieren bis zum Wahltag.