Montag, Oktober 06, 2008
Credit Suisse erhöht frech meine Maestro-Ausgabenlimite
Hätte ich den Altpapier-Stapel nicht noch einmal ganz genau durchgeschaut, so wäre mir durch die Lappen gegangen, dass die Crédit Suisse ihrem Ziel, die Leute zum ungerechtfertigten Konsum zu drängen, wieder ein Schritt näher gekommen wäre.
Die Marketing-Fuzzis der Bude sind dabei äusserst geschickt vorgegangen, als sie mir in einem Brief die vielen, vielen tollen Neuerungen bezüglich der Maestro-Karten näherbringen und mir nebenbei hinterrücks die Ausgabenlimiten gegen oben anpassen wollten:
CS legt meine Ausgabenlimite fest Als die Banken noch etwas risikobewusster waren, setzte man das Ausgabenlimit eines Kunden lieber zu tief an. Heute ist man - wie beim Vorbild USA - froh, wenn die Leute dank dem Plastikgeld über ihren Verhältnissen leben und sich verschulden. Zufälligerweise sind die Schuldzinsen exorbitant ... und zufälligerweise verdient sich die CS an überschuldeten Kunden dumm und dämlich.
Falls wir Ihren Talon nicht zurückerhalten, werden die Standardeinstellungen für Inhaber- und Partnerkarte gesetzt
Ach, wie fürsorglich doch die Crédit Suisse wieder einmal hantiert. Immer im Wohle des Kunden. Weil die Grossbank "wichtige Neuerungen" bezüglich der Maestro-Card einführt, müssen dem Kunden neue Ausgabenlimiten aufgedrängt werden (5'000CHF pro Tag, 10'000CHF pro Monat). Diese Zahlen muss ein weltfremder Banker mit Millionenbonus ausgetüftelt haben - welcher Schweizer Normalbürger kann schon solche Summen im Monat ausgeben?! Ich warte gespannt auf eine stichhaltige Begründung, wieso diese Korrektur nötig wurde - und man dazu das überall verpönte Opt-Out-Prinzip verwendete. Wenn der Kunde König ist, sollte es an ihm liegen, seine Limite nach oben zu setzen. Nämlich dann, wenn er tatsächlichen Bedarf sieht, und nicht dann, wenn die CS es für richtig hält.
- Bisherige Limite unbekannt Wie hoch meine derzeitige Limite ist, erfahre ich übrigens nirgends. Auch über diesem geschickten Schachzug haben die Marketing-Affen der CS sicherlich tagelang gebrütet. Wer nicht an die alten Limiten erinnert wird, hat auch weniger Gründe, diese gegen unten zu korrigieren.
- Pseudo-Couvert. Man muss die Ränder an vier Seiten lecken und den Fusel dann falten und so zusammenkleben. Wieso war es nicht möglich, ein ganz normales, vorfrankiertes B4-Couvert beizulegen, das mit einem selbstklebenden Verschluss versehen ist?
- Formular-Bürokratie Neben meiner Postanschrift muss ich auf dem Formular auch die IBAN-Nummer sowie die Kartennummer angeben. Ein Schelm, der dadurch eine weitere Abschreckung sieht, das Formular auszufüllen und an die Crédit Suisse zurück zu senden. Tipp: Die gesuchten Angaben finden sich auf der jetzigen Maestro-Karte.
- Stichtag Nur wer rechtzeitig reagiert, kann das Unheil abwehren; wenn ein Kunde seine Limiten selber festlegen will, muss er sich sputen. Obwohl die Neuerungen erst am 17. November 2008 in Kraft treten (was für ein bescheuertes Datum?!), muss der entsprechende Talon mit dem Änderungsantrag bis Ende Oktober bei der Bank eintreffen. Wahrscheinlich arbeiten die Profis der Grossbank noch mit Lochkarten und brauchen deshalb ein wenig mehr Zeit zur Verarbeitung ... Bei der guten, alten Raiffeisen ist die Anpassung der Ausgabenlimiten eine Sache von fünf Minuten, die bequem an jedem Bankschalter durchgeführt werden kann. Zu welchen Leistungen die heutige Informationstechnologie im Stande ist! Logisch, dass da eine Grossbank mit einer Genossenschaftskasse nicht mithalten kann.
Marcel Schuler, Leiter Banking Products & Support, Sie sind mir ein äusserst sympathischer Zeitgenosse!
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Kommentare
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LOL. Seit Wochen über Banken und Finanzjongleuere lästern im Blog. Hast also selbst Konto bei einer Grossbank = Millionenboni, Formel1-Schponsoring. Wasser predigen und Wein trinken.
Verschwörungstheorie! Mario, seit wann kann man bei der CS über seinen Kontostand Geld abheben? Also nichts mit Verschulden.
Gruss,
Daniel
ich geb daniel recht. Die Ausgabenlimiten bei der CS sind zwar nett aber im Endeffekt kann man nur über das vorhandene Geld auf dem Konto verfügen. übrigens ist die CS immer noch eine der wenigen Banken die auch bei Fremdbezügen auf 3rd Party Bankomaten und bei Einkäufen immer auf den tatsächlichen Kontostand zurückgreift und nicht wie die meisten anderen Banken eine Monatslimite braucht.
Seit Wochen über Banken und Finanzjongleuere lästern im Blog.
Seit Wochen?! Ich schreibe seit dem Spätjahr 2007 regelmässig über die Finanzwelt ...
Wasser predigen und Wein trinken.
Ertappt, Watson!
Deiner Meinung nach sollten Leute, die sich in ihrem Blog kritisch über Banken und die Kreditkrise äussern, ihr hart verdientes Geld daheim unter der Matratze verstecken?
Mario, seit wann kann man bei der CS über seinen Kontostand Geld abheben? Also nichts mit Verschulden
Welchen Grund gibt es sonst, die Limite für alle Kunden zu erhöhen?
Welchen Grund gibt es sonst, die Limite für alle Kunden zu erhöhen?
Mehr Freiheit für diejenigen, welchen soviel Geld auf dem Konto haben? Also in meinen CS-Dokumenten steht Limite CHF 10'000.- jedoch Maximal bis zum Salso des Kontos... Überziehen kann ich mit der EC-Karte bei der CS definitiv nicht... (ausser ich habe ein Kontokorrent mit entsprechenden Limiten).
Gruss,
Daniel
lieber mario, ich bin cs-angestellte und somit auch kundin und - ich erachte eine solche, generelle eröhung auch nicht als zwingend notwendig; allerdings aus einem anderen grund. zu deinem text aber folgendes:
1. kritik darf man anbringen - auch über/bei banken. ich frage mich aber schon, ob man wörter wie "marketing-fuzzis" verwenden sollte, im speziellen dann, wenn man gar nicht weiss wovon man spricht. denn
2. hat daniel recht, die maestro-karte ist eine DEBIT-karte (nicht KREDIT). will heissen: es wird die kartenlimite erhöht, nicht die kreditlimite auf dem konto! überzüge sind also nicht per se möglich. das ist dann doch ein wesentlicher unterschied..
3. die frage nach der geschwindigkeit erübrigt sich in diesem fall ja wohl, bedenkt man die anzahl der karten, die updated werden!
als fazit ein kleiner tipp für den nächsten schreiberguss: zuerst überlegen und sich gegebenenfalls informieren, bevor man gross herumposaunt!
@angela: Liebe Angela, vielen Dank für deine Erläuterungen direkt aus der Hölle des Löwens.
Das mit den Debit- und den Kreditkarten habe ich bereits in einem Blog-Artikel im März 2008 behandelt:
Debit-Card oder Credit-Card?
Mir erschliesst sich die Erhöhung der Limite weiterhin nicht. Ist es wirklich in gar keinem Fall möglich, mit der Maestro-Karte sein Konto zu überziehen? Z.B. an einer Tankstelle? Mir war, als wäre das zu meiner Zeit bei Postfinance ein grosses Problem mit der Postcard gewesen.
Am Begriff Marketing-Fuzzi halte ich weiterhin fest, da er eine von mir heiss geliebte Berufgsruppe treffend umschreibt: Marketing-Abteilungen produzieren in 99% der Fälle heisse Luft.
Gerne kannst du mich aber von der Notwendigkeit und Nützlichkeit einer Marketinabteilung überzeugen ... Aber ich warne dich, das wird nicht leicht.
Die Frage nach der "Geschwindigkeit" erübrigt sich überhaupt nicht: Hätte die CS einfach die bisherigen Limiten übernommen, müsste man nichts aktualisieren.
Und selbst wenn die CS in der Schweiz eine Million EC-Karten im Umlauf hat: Ich sehe weiterhin nicht ein, wieso die Bank glatte 17 Tage benötigt, um garantieren zu können, dass meine Limiten angepasst wird - insbesondere, um den jetzigen Zustand wieder herzustellen.
Falls Bürokratie die Ursache allen Übels ist: Ich hoffe, dass die Finanzkrise die Abläufe in diesem Unternehmen strafft und den offensichtlich bestehenden Wasserkopf eliminiert.
Also hier in UK kriege ich regelmaessig einmal im Monat ein Angebot einen £20'000 Kredit aufzunehmen. Kreditkrise hin oder her. Super, mit 84-Monate Laufzeit und 15.5% APR.
Ob Marketing eine besonders sinnvolle Tätigkeit ist, sei dahingestellt. Aber du verkennst die Bedeutung des Marketings total. Kaufentscheidungen basieren in den seltensten Fällen auf rein rationalen Kriterien. Oder warum hast du dich für die CS entschieden? Weil du alle Geschäftsberichte und AGBs der Schweizer Banken sorgfältig durchstudiert hast, und zum Schluss gekommen bist, die CS sei die solideste Bank mit den besten Bedingungen für deine Bedürfnisse?
Oder noch besseres Beispiel: man schreibe Lexus auf einen Toyota und schon vervielfacht sich der Umsatz.
Aber du verkennst die Bedeutung des Marketings total.
Wahrscheinlich kaufe ich einfach anders ein als 99% der Leute da draussen ...
Ich kann mich nicht erinnern, in den letzten Jahren jemals etwas gekauft zu haben, weil das Produkt in der Werbung angepriesen wurde (notabene: ich schaue vielleicht 1-2h TV pro Woche und komme dann mit Werbung in Kontakt. Auch auf Werbebanner im Netz klicke ich nie).
Gibt es wirklich Leute, die heute, 2008, noch auf Werbung (das klassische Verkaufsmittel des Marketing) "reinfallen" - oder schöner ausgedrückt: Impulskäufe machen, weil etwas in der Werbung angepriesen wurde?
Oder warum hast du dich für die CS entschieden?
Ich bin von damals von der UBS und der Valiant Bank zur Crédit Suisse gewechselt weil ...
- DirectNet das deutlich bessere Internet-Banking war als dasjenige von UBS; Valiant hatte meines Wissens noch gar kein solches Angebot
- Crédit Suisse das Privatkonto Academica anbietet, mit dem ich als Student besondere Konditionen erhalte: a) Kostenlose EC-Karte b) Kostenlose VISA-Karte
@burgdorfer:
Also hier in UK kriege ich regelmaessig einmal im Monat ein Angebot einen £20'000 Kredit aufzunehmen. Kreditkrise hin oder her. Super, mit 84-Monate Laufzeit und 15.5% APR.
Die Crédit Suisse müllt mich auch mit Werbematerial zu, in dem sie ihre Kreditkarten anpreist und mich zu unüberlegtem Konsum antreiben will ...
Aber anscheinend - wenn man den Kommentatoren glaubt - ist das nicht der Beweggrund hinter der Limitenerhöhung Maestro. Irgendwie muss doch die CS von dieser Limitenerhöhung profitieren?!
Klassische Werbung ist ja auch nur ein kleiner Teil des Marketings,..wichtiger scheinen mir heutzutage Imagepflege, Preisgestaltung und Promotionen, wie bspw. dieses Studentenangebot der CS.
Ausserdem: auf politischer Ebene betreibst du ja genauso Marketing; nur soll das Volk nicht deine Produkte kaufen, sondern dich wählen.
hab ihr schon einmal versucht etwas über 1000 fr. zu bezahlen? das geht bei anderen banken nicht, weil die tägliche limite 1000 fr. beträg... das kann sehr ärgerlich sein, glaubt mir.