Samstag, November 01, 2008

Ein "Grossteil" der SP-Wähler Teilzeitangestellte?

ein Grossteil der SP-Wählerschaft arbeitet teilzeit, denn dies ist beim Staat viel einfacher als in der Privatwirtschaft

Quelle: Smythe Style: Linker AHV-Unsinn (Gastbeitrag)

Lieber HSG-Jan, gerne würde ich mich mit der Datengrundlage dieser Aussagen auseinandersetzen. Du (oder ist "Anm. d. R." unser lieber Smythe?) postulierst:

  • ein Grossteil der SP-Wählerschaft arbeitet Teilzeit
  • Teilzeitstellen sind beim Staat häufiger als in der Privatwirtschaft

Während mir letztere Aussage noch eher plausibel erscheint (andererseits: arbeitet Kassenpersonal bei Coop, MIGROS & Co. nicht auch oftmals Teilzeit?), ist ersteres doch eine gar etwas gewagte Aussage, nicht? Mit entsprechendem Datenmaterial (nach wissenschaftlichen Kriterien erarbeitet) kann man mir aber gerne das Gegenteil beweisen.

Auf Anhieb habe ich beim Googeln folgende Studie gefunden, die Jan und Fabjan wohl zu sehr biassed erscheinen wird, da von BASS herausgegeben:

Teilzeitarbeit in der Schweiz

Über die Parteizugehörigkeit der Teilzeitarbeiterinnen (80% sind Frauen) liest man leider nichts.

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Blogger Smythe um 01.11.2008 15:16:00 Uhr

Vorab: ich bin "die Red.". Jan hatte den Artikel politisch ziemlich neutral formuliert...

Naja, bei der Frage, ob Linke eher zu Teilzeitarbeit neigen und ob dies wiederum beim Staat häufiger getan wird und ob Staatbedienstete (ob in der Verwaltung, im Unterrichts- oder im Gesundheitswesen usw.) eher links wählen, ist es wie bei der Frage, ob die hiesigen Medien tendenziell links seien. Ein wissenschaftlicher Beweis ist schwer zu erbringen aber ernsthaft abstreiten kann (und tut) es ausser Emeidi eigentlich niemand...

Blogger eMeidi um 01.11.2008 15:32:00 Uhr

Ein wissenschaftlicher Beweis ist schwer zu erbringen aber ernsthaft abstreiten kann (und tut) es ausser Emeidi eigentlich niemand...

Amen, Herr Soziopolitologe ...

Blogger smiling catilina um 03.11.2008 17:45:00 Uhr

Es geht vielmehr darum zu zeigen, dass die Initiative für einen erheblichen Teil der Bevölkerung Arbeitsanreize beseitigt. Natürlich könnte man ein neutraleres Beispiel bringen, aber der Teilzeitakademiker bietet sich gerade zu an. Zwischen CHF 60'000 und CHF 120'000 wirkt eine ganze Armada von Subventionen, Anreizsystemen und Steueraufschlägen auf das Arbeitsangebot eines Individuums oder einer Familie ein. Je nach Rechnung kann es sein, dass wenn eine Familie sich von CHF 60'000 auf CHF 120'000 hocharbeitet, ihr gerade mal CHF 6'000 oder 10%bleiben. Genaue Berechnungen findest du hier:

http://www.vwa.unisg.ch/RePEc/usg/dp2006/DP05_Bu.pdf

Sozialhilfe und Prämienverbilligung fallen weg, dafür beginnt der einkommensabhängige Kinderkrippentarif zu wirken. Für viele lohnt es sich deshalb nicht, etwas zusätzlich zu leisten. Natürlich sollen nicht möglichst viele arbeiten, wir sind ja nicht in der DDR, wo man die Volksgenossen auf die Kartoffelfelder schickt. Jedoch soll wer zusätzlich etwas leistet, möglichst viel davon für sich behalten können. Wird nun die Frühpensionierung mit der Giesskanne subventioniert, wirkt die ungekürzte AHV-Rente wie eine Steuer auf die zusätzlichen Arbeitsjahre. Wenn ein Paar CHF 10'000 verdient, dann ist eine Steuer von 30%. Hinzu kommt die normale Steuerbelastung von rund 50% des Arbeitseinkommens (Krankenkassen etc. reingerechnet). Also eine Besteuerung von 80%. Da werden nur noch ganz wenige arbeiten wollen, sie ziehen sich vom Arbeitsmarkt zurück. Mit anderen Worten führt die Initiative Rentenalter 62 ein, für Leute wie du und ich, welche den ganzen Tag vor dem PC sitzen oder in gut klimatisierten Räumen Vorträge halten müssen. Würden wir der Initiative zustimmen, würden wir uns ein Geschenk geben, während der Arbeiter, der gerade in der steiffen Brise draussen vor meinem Fenster, zugegeben, der Föhn ist im Moment warm, das abgefallene Herbstkleid zusammenwischt, leer ausgehen wird. Im Gegenteil, er wird mit der erhöhten Mehrwertsteuer draufzahlen müssen. Das ist nicht gerecht, deshalb muss die Initiative abgelehnt werden. Die Initiative ist ein Schwindel, ihre Auswirkungen und Verteilungswirkungen sind geradzu pervers.

Blogger smiling catilina um 03.11.2008 18:31:00 Uhr

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Blogger smiling catilina um 03.11.2008 18:35:00 Uhr

Gut, zugegeben, wir hätten auf keinen Fall etwas davon, für uns gäbe es wohl Rentenalter 72, um die Verschwendung durch die Initiative "für eine flexibles Rentenalter" künftig abzuzahlen.

Blogger eMeidi um 03.11.2008 20:18:00 Uhr

@Jan: Nur so nebenbei: Ich habe meine Meinung zur Initiative noch nicht gebildet; bezüglich der AHV bin ich eher auf der skeptischeren Seite. Deshalb begrüsse ich deinen Gastbeitrag drüben bei Fabian sehr, störe mich aber umso mehr bei unbegründeten polemischen Einstreuungen seinerseits ...

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