Donnerstag, Oktober 09, 2008
Mittelhochdeutsch: Wörterbuch und LaTeX
Wörterbuch
Derzeit schreibe ich an einer Proseminararbeit über ein Thema aus dem Spätmittelalter. Da die bernischen Quellen auf Mittelhochdeutsch (ich habe anfänglich den Oberbegriff Altdeutsch verwendet, der in Mittel- und Althochdeutsch zusammenfasst) abgefasst sind (Gott sei dank nicht in Lateinisch!), stolpere ich hie und da über Wörter, deren Bedeutung sich meiner Kenntnis entzieht.
Rettung naht - selbstverständlich im Netz:
Mittelhochdeutsches Handwörterbuch von Matthias Lexer
LaTeX
Wer mittelhochdeutsche Texte transkribiert, sollte folgenden Befehl auswendig lernen:
\r{u}
Quelle: LaTeX und althochdeutsche "Sonderzeichen"
Dies produziert einen u mit darüber hochgestelltem o - ein Buchstage, wie man ihn beispielsweise im Wort muolten antrifft.
Was das Wort bedeutet, zeigt eine Lexikon-Suche. ("mulde")
Nachtrag: Noch besser ist die Verwendung des Tipa-Packages, mit dem man wirklich jedes Mittelhochdeutsche Zeichen hinkriegt.
Man verwende dazu den \sups-Befehl:
l\sups{u}{i}ten
Die Tipa-Schriften (im Ordner type1 des ZIP-Archivs, dass man von www.ctan.org/get/fonts/tipa.zip herunterlädt) installiert man am Besten, indem man das Makefile anpasst (korrekter Pfad von $TEXMF) und danach ein
# make install
durchführt.
Damit tipa.map auch geladen wird, war bei mir noch ein
# texhash # mktexlsr # ./updmap --enable Map=tipa.map
nötig. Ansonsten generiert das Paket die Zeichen aus Bitmap-Schriften, was bei einer 100%igen Vergrösserung gut sichtbar wird.
Labels: Geschichte, Internet, Latex, Lexikon, Web
Dienstag, Oktober 07, 2008
Benennt den Rassistenberg um!
Man kann ja nie genug Petitionen unterzeichen. Deshalb hier mal was ganz besonders sinnvolles:
Labels: Geschichte, Rassismus, Schweiz
Freitag, September 19, 2008
Amis sollten (für einmal) auf Reagan hören
The nine most terrifying words in the English language are, 'I'm from the government and I'm here to help.' ––– Ronald Reagan
Toll, was sich die Machthaber der Bananenrepublik nun einfallen lassen, um den Super-GAU vor den Wahlen im November haarscharf abzuwenden:
Wie der Sender CNBC berichtet, denkt die US-Regierung angesichts der Zuspitzung der Finanzmarktkrise über eine Auffanglösung für Bankschulden nach. Das Finanzministerium erwägt Kreisen zufolge die Schaffung einer Behörde zur Abwicklung fauler Kredite: In einer vom Staat organisierten Zweckgesellschaft könnten demnach riskante Papiere und faule Kredite gebündelt werden, die den Unternehmen derzeit massive Probleme bereiten.
Quelle: Hoffnung auf Staatshilfe treibt Dow Jones nach oben
Labels: Funny, Geschichte, Politik, Staat, USA, Wirtschaft
Dienstag, September 16, 2008
Einbürgerungswillige Stadt Basel
Ausser dem Stadt-Land-Unterschied gibt es aber auch Unterschiede zwischen den Städten, wie eine vertiefende Analyse der Städte Bern, Basel und Genf ergab. Die Stadt Bern beispielsweise «hat zwischen 1874 und1990 fast neunmal weniger Leute aus dem Ausland eingebürgert als die Stadt Basel», sagt Erika Luce, eine der vier Projektmitarbeiterinnen. Basel verzeichnein all diesen Jahren auch gesamtschweizerisch am meisten Einbürgerungen aus dem Ausland. Auf der gesetzlichen Ebene ist heute dagegen Bern am liberalsten.
Quelle: NFP 51: Der Schweizer Pass will verdient sein
Labels: Ausländer, Geschichte, Politik, Schweiz
Dienstag, August 26, 2008
Und plötzlich zählen Patente nichts mehr
Für die USA bekam die synthetische Produktion von Kautschuk Bedeutung, nachdem Japan im Zweiten Weltkrieg die USA von ihrem wichtigsten Kautschuk-Lieferanten Malaysia abgeschnitten hatte. Die Patente für Buna lagen aber bei der Standard Oil of New Jersey, welche sich aufgrund eines Abkommens mit der I.G. Farben weigerte, die Buna-Patente für den amerikanischen Markt freizugeben, worauf eine Untersuchungskommission Standard Oil of New Jersey einer "fortgesetzten Verschwörung zugunsten Deutschlands" bezichtigte und Harry S. Truman auf einer Pressekonferenz von „Verrat“ sprach. Der amerikanische Kongress beschloss die Freigabe der Buna-Patente für Amerika, die Standard Oil of New Jersey musste nachgeben.
Quelle: Buna (Kautschuk) – Wikipedia
Zwei Erkenntnisse:
- Patente, durch Gesetze geschützt, können sehr rasch obsolet werden - wenn es Politiker nur wollen. Aktuelles Stichwort: Parallelimporte.
- Interessant zudem, wie "unpatriotisch" sich die Standard Oil of New Jersey verhielt (oder: wie eng die Verflechtungen zwischen der deutschen und der us-amerikanischen Wirtschaft waren, obwohl die Länder gegeneinander Krieg führten)
Labels: Deutschland, Geschichte, USA
Dienstag, August 19, 2008
Thatchers Leistung demontiert
Now the only thing that saved the U.K. was the North Sea oil fields, even though Prime Minister Margaret Thatcher likes to take credit, but Margaret Thatcher has good PR. Margaret Thatcher came into office in 1979 and North Sea oil started flowing. And the U.K. suddenly had a huge balance-of-payment surplus.
You know, even if Mother Teresa had come in [as prime minister] in '79, or Joseph Stalin, or whomever had come in 1979 – you know, Jimmy Carter, George Bush, whomever – it still would've been great.
Labels: Finanzen, Geschichte, Grossbritannien, Politik, Wirtschaft
Dienstag, August 19, 2008
Zur Hochzeit gibt es Mein Kampf mit dazu
"Mein Kampf" - Ob das wohl der Untertitel einer jeden Heirat sein sollte?
Ab 1936 wurde von den Standesämtern deutschen Brautpaaren anstatt der Bibel Mein Kampf auf Staatskosten geschenkt.
Quelle: Mein Kampf – Wikipedia
Noch bizarrer ist folgende Entwicklung:
Da Hitler bis zu seinem Tod mit Wohnsitz am Prinzregentenplatz 16 in München gemeldet war, wurde sein Vermögen, das von den Alliierten beschlagnahmt worden war, nach Kriegsende vom Freistaat Bayern eingezogen. Zu diesen Vermögenswerten zählen nach Ansicht des Freistaats Bayern auch die Nutzungsrechte an Mein Kampf. Sie enden am 31. Dezember 2015 (70 Jahre nach Hitlers Tod, gemäß Urheberrechtsgesetz). Der Bayerische Staat geht gegen unkommentierte oder vollständige Nachdrucke mit allen rechtlichen Mitteln vor.
Labels: Deutschland, Funny, Geschichte
Dienstag, August 19, 2008
Die Spanische Grippe kehrt zurück
Vielleicht. Mittlerweile haben Forscher immerhin die Antikörper isoliert:
The team was then able to isolate exceedingly rare B cells – the immune cells that produce antibodies – from eight of those samples and grow them in culture. Seven of those samples produced antibodies to a 1918 virus protein, suggesting that their immune systems were waiting on standby for a long-awaited second outbreak.
"The B cells have been waiting for at least 60 years – if not 90 years – for that flu to come around again," said Crowe Jr., "That's amazing…because it's the longest memory anyone's ever demonstrated."
[...] Although aging typically causes immunity to weaken, "these are some of the most potent antibodies ever isolated against a virus," Crowe said. "They're the best antibodies I've ever seen."
Quelle: Antibodies Resurrected from 1918 Flu Pandemic That Killed 50 Million
Labels: Geschichte, Gesundheit, Krankheiten
Sonntag, August 17, 2008
Seit wann gibt es das schweizerische Postleitzahlensystem?
Die Postleitzahlen wurden gesamtschweizerisch am 1. Oktober 1964 eingeführt. Die Einführung dieses Numerierungssystems führte zu einer starken Vereinfachung der Handsortierung. Bislang waren nämlich vertiefte geographische Kenntnisse bei der Sortierung der Postsendungen unerlässlich.
Quelle: Gang dur Alt-Züri: Begriffserklärungen - Postleitzahl
Labels: Geschichte, Post, Schweiz, Wissen
Donnerstag, August 14, 2008
Bernburger im Scheinwerferlicht der Geschichte
Dieses Buch tönt - trotz seinen 700 Seiten - eine spannende Lektüre zu werden. Wahrscheinlich nicht wirklich zur Freude der Bernburger:
Rieders Buch ist die erste umfassende Untersuchung über Berns Burgergemeinde im 19. und 20. Jahrhundert. «Weil die Burger die Wurzeln ihrer Macht und ihres Reichtums ausblenden und ihre Geschichte nicht selber untersuchen, tue ich das jetzt halt als Aussenstehende. Ich wollte verstehen, wie das funktionieren kann», sagt Katrin Rieder im Gespräch. Sie verstösst mit ihrem Buch gegen den eher nostalgischen, burgerfreundlichen Konsens in der Berner Geschichtsschreibung. So ist es nicht weiter erstaunlich, dass die Burger Rieders Buch die finanzielle Unterstützung versagten – und dass Rieder keinen Job in den burgerlich geprägten historischen Berner Institutionen innehat. Sie arbeitet bei der Kulturstiftung Pro Helvetia in Zürich.
Quelle: Bern: Buch enthüllt Nazi-Freundlichkeit der Berner Burger - News Region: Bern - Espace
Katrin Rieder wird damit über Nacht zur Persona non grata in Berns ehrwürdigem, gutbürgerlichen Zirkel geworden sein ...
In der Tat zeigt sie auf, wie die Burger geschickt geschäfteten (es braucht bei jedem Deal immer zwei: Einer, der den anderen über's Ohr haut, und einen, der sich über's Ohr hauen lässt!):
Im Güterausscheidungsvertrag zwischen Einwohner- und Burgergemeinde Bern erhält die Stadt 1854 die Gebäude, die Kosten verursachen. Die Burgergemeinde aber behält unüberbautes Land, das 40 Jahre später, beim Wachstum der Stadt, zu lukrativem Bauland wird, das bis heute Baurechtszinsen abwirft. Der historische Deal, der schon damals von liberalen Politikern als ungerecht kritisiert wurde, ist der Grundstein des heutigen Burgerreichtums.
Da sehe ich spontan parallelen zur "ent-sowjetisierung" Russlands Anfangs der Neunziger. Wer konnte, riss sich damals mit mehr oder weniger dubiosen Methoden Staatsunternehmen zu Spottpreisen unter den Nagel, um innert weniger Jahre zum Milliardär zu werden.
Rieders These:
Rieders Fazit: «Die Burger sicherten ihre alte Macht und ihr Überleben mit moderner ökonomischer Gewinnpolitik.»
Labels: Bern, Geschichte
Donnerstag, August 07, 2008
Kafka - auch nur ein Mann
Franz Kafka, ein Porno-Konsument? – Das kann, zumal bei einem 25-Jährigen, nicht wirklich überraschen, aber auch nicht bei einem Dichter, der die Abgründe des Menschlichen ausgelotet hat wie wenige. Kafka war körperlich attraktiv, sexuell aktiv und keineswegs der Eremit, als den man ihn lange Zeit zu sehen beliebte. Rund zwanzig Frauenbekanntschaften sind belegt, bekannt auch viele Bordellbesuche.
Quelle: Kafka, überscharf (Kultur, Aktuell, NZZ Online)
Zudem muss ich gestehen, noch nie eine Zeile dieses Typen gelesen zu haben ... Bildungslücke?
Sonntag, Juni 22, 2008
Wahlplakate aus der Weimarer Republik
Spätestens 2011 kann man sicherlich wieder Vergleiche zwischen SVP- und NSDAP-Plakaten ziehen. In der Zwischenzeit sieht man sich Scans von Wahlplakaten aus der Weimarer Republik durch (auch Plakate der Sozialdemokraten und Kommunisten finden sich im Archiv):
Dank: Jan Schuster für den persönlichen Hinweis und die Digitalisierung der Wahlplakate
Labels: Deutschland, Geschichte
Dienstag, Juni 17, 2008
Als der Fixlohn Usus wurde
Minger ist heute Abend Trumpf:
Niemand wird bestreiten können, daß wir [BGB nach 1918] auch den Verhältnissen der Arbeiterschaft und der Fixbesoldeten großes Verständnis entgegenbrachten [...]
Manchmal liest man Texte aus längst vergangenen Tagen und realisiert plötzlich, dass unser als normal aufgefasstes Arbeitsleben anno dazumal die Ausnahme darstellte. Einen Fixlohn? Egal ob Winter, Sommer, Frühling, Herbst? Unabhängig vom Geschäftsverlauf? Geregelte Arbeitszeiten? Um 1918 musste das - wenn man Minger glauben will - immer noch als recht neumodisches Konzept gewirkt haben ...
Labels: Arbeitsleben, Geschichte, Schweiz, SVP
Montag, Juni 16, 2008
Als die SVP noch zur Konkordanz stand
Wir verfolgen höhere Ziele. Unsere Politik muß getragen sein von Großzügigkeit und Weitsichtigkeit. Wir wollen nicht vergessen, dass nicht wir allein den Staat ausmachen, sondern daß unser Staatswesen sich aus den verschiedensten Gruppen zusammensetzt. Alle diese Gruppen haben ihre Existenzberechtigung. Es ist eine soziale Forderung, dass einjeder Beruf denjenigen, welcher ihn betreibt, samt seiner Familie erhält, vorausgesetzt, daß dieser Berufrichtig betrieben wird. Dieses Recht wollen wir jederzeit für alle Stände anerkennen, [...]
Quelle: Rudolf Minger an der Gründungsversammlung der Bernischen Bauern- und Bürgerpartei vom 28. September 1918.
Labels: Bern, Geschichte, Politik, Schweiz, SVP
Montag, Juni 16, 2008
Die Geschichte der Schweizerischen Volkspartei wiederholt sich
Irgendwie ist man die Strömungen in der BGB, später SVP nie richtig losgeworden:
Vorerst muß Klarheit darüber herrschen, was es heißen will, politisch eine selbständige Partei zu sein. Das bedeutet die vollständige Loslösung sowohl von der freisinnigen als auch von der konservativen Partei. Bis heute hatten wir in unsern eigenen Reihen bekanntlich zwei politische Strömungen. Die neue Partei muß in erster Linie dazu berufen sein, diese Gegensätze auszugleichen, und es sollte dies meines Erachtens nicht schwer fallen, indem uns Bauern auf der ganzen Linie das gleiche Interesse vereinigt.
Quelle: Rudolf Minger an der Gründungsversammlung der Bernischen Bauern- und Bürgerpartei vom 28. September 1918.
[...] Wir müssen darauf gefaßt sein, daß dieser Feldzug noch nicht beendigt sein wird und daß man ganz besonders versuchen wird, unsern politischen Kurs zu beeinflussen. Sorgen wir deshalb vor, daß wir dieser Gefahr gewachsen sind. Eine ähnliche Gefahr droht uns aber auch aus dem konservativen Lager. Die bisherige konservative Partei hat bis jetzt hauptsächlich Oppositionspolitik getrieben, indem es ihr, als Minderheitspartei, nicht möglich war, ihren politischen Auffassungen zum Durchbruch zu verhelfen. Nun ist auch hier die Wahrscheinlichkeit groß, und verschiedene Anzeichen deuten darauf hin, daß man längst gehegte Wünsche und Pläne vermittelst unserer jungen Partei verwirklichen möchte.
Labels: Bern, Geschichte, Politik, Schweiz, SVP
Montag, Juni 16, 2008
Der Teufel steckt in der urbanen Gesellschaft
Dabei hat er [Bauernsekretär Ernst Laur] unter anderem hingewiesen auf die großen Gefahren, die dem Großstadtleben innewohnen: Auf den Luxus, die Genusssucht, die Üppigkeit und die Überkultur, besonders in Kreisen der Besitzenden und auf die dadurch entstehende Verweichlichung; ferner auf die durch solches Wohlleben angeregte Begehrlichkeit der untern Schichten; wie alles Sinnen und Trachten auf eine bequeme Lebenshaltung hin tendiere; wie dadurch die Arbeit als bittere Last empfunden wird, wie die ideellen Regungen im Menschen erstickt und die niedern Triebe gefördert werden und zu was für Lebensauffassungen und Anschauungen das führen muss.
Quelle: Rudolf Minger an der Gründungsversammlung der Bernischen Bauern- und Bürgerpartei vom 28. September 1918.
Kaum verwunderlich, wer - Mingers Ansicht nach - die Städter vor ihrem sicheren Untergang retten sollte:
Dem gegenüber hat er die Vorteile geschildert, die das Landleben, besonders in unseren Bauernfamilien, mit sich bringt. Wie das heimelige Zusammenleben und Zusammenarbeiten von Eltern und Kindern in der freien Gottesnatur die Kindererziehung erleichtere und günstig beeinflusse; wie die Freude an der Arbeit frühzeitig geweckt, so dass sie als Lust, als segensreiche Einrichtung empfunden werde. Die Anerkennung einer göttlichen Weltordnung sodann befruchte wohltuend Charakter- und Gemütsbildung und lenke den Blick aufhöhere, unvergängliche Ziele, die dem Leben die Weihe und den Inhalt verleihen. Durch das glückliche Zusammenwirken dieser Faktoren wird unser Bauernstand zum nie versiegenden Jungbrunnen, zum Reservoir, das dazu berufen ist, den Städtern die nötige Blutauffrischung zuzuführen, um dieselben vor dem sichern Niedergang zu bewahren.
Was ist aus diesen geflügelten Worten nur geworden? Die Urbanen Zeitgenossen haben die Landwirte endgültig und ein für allemal verdorben ...
Ich kann mich übrigens nicht verwehren und erkenne im Begriff Blutauffrischung erste Tendenzen, die Deutschland in den 1930ern in den Untergang geritten haben.
Labels: Geschichte, Gesellschaft, Landwirtschaft, Schweiz
Donnerstag, Juni 05, 2008
Samuel Schmid nicht mal ein halber Bundesrat mehr
Samuel Schmid war doch bis vor einigen Tagen auch noch "SVP-Bundesrat"? Die SVP-Zürich versucht sich wohl der Geschichtsfälschung ...
Seit der Wahl 1929 von Rudolf Minger in den Bundesrat bis zur Abwahl von Christoph Blocher im Dezember 2007 war die BGB (bzw. die SVP) ununterbrochen in der Landesregierung vertreten.
Quelle: SVP Zürich - Geschichte
Labels: Geschichte, Politik, Schweiz, SVP, Web
Mittwoch, Juni 04, 2008
US-Autogeschichte wiederholt sich
Diese doofe Schlagzeile hätte genauso von 1973 sein können. Gelernt hat's der Yankee 1973 anscheinend doch nicht. Und die Befürchtung besteht, dass die Marketing- und BWL-Fuzzis der US-Autoindustrie auch in zwanzig Jahren wieder posaunen werden:
Die Verkäufe von Geländewagen sind massiv eingebrochen. Nun setzt die Autobranche der USA auf kleinere Fahrzeuge.
Quelle: Amerikaner lassen Benzinfresser stehen - Wirtschaft - Tages-Anzeiger
Labels: Auto, Geschichte, USA, Verkehr
Montag, Mai 12, 2008
Gute, alte patriarchalische Zeiten
1977 durften in Deutschland Männer ihren Frauen noch verbieten zu arbeiten, wenn darunter der Haushalt litt.
Quelle: «FRAUEN HABEN DAS FALSCHE BEUTESCHEMA»
Labels: Beziehung, Funny, Geschichte, Gesellschaft
Sonntag, Mai 11, 2008
Zu den Anfängen der SP Flamatt
Ach, was waren das damals noch für Zeiten! 1928, die Zeit der Partei- und Religionspresse, des Klassenkampfes. Illustrativ sieht man hier, wie die Medien viel klarer Stellung bezogen (gemäss ihrem Auftrag an das deutlich homogenere Zielpublikum) und klare Vorstellungen hatten, wie die Elite auf die rote Gefahr reagieren sollte.
Liest man solche Texte aus heutiger Warte, so ist frappant, wie gross die Angst der katholischen Oberschicht in Fribourg war, ihre Pfründe an jüngere politische Strömungen zu verlieren. Rückblickend kann man sagen: Die Sorge war berechtigt. Die Kantonsgrenzen wurden niedergerissen, die Religionszugehörigkeit spielte irgendwann einmal kaum mehr eine Rolle und der wirtschaftliche Aufschwung erreichte den armen Kanton dann auch bald einmal (wenn auch mit deutlicher Verzögerung).
Aber eben, hätte man sich früher und intensiver mit den Bedürfnissen und Sorgen der "Proletarier" auseinandergesetzt, wäre die "rote Infiltration" wohl kaum auf einen solch fruchtbaren Boden gefallen.
Doch lest selbst:
Die rote Infiltration
Wie der "Berner Tagwacht" zu entnehmen ist, haben Genossen aus Murten und Neuenegg in letzter Zeit zu zwei Malen einige Arbeiter in Flamatt besucht und bei der 2. Visite auch gerade einen sozialistischen Nationalrat als Referenten mitgebracht. Diesem Aufgebot des [...] Generalstäblers und treu ergebener Mitläufer gelang dann die Gründung eines sozialistischen Arbeitervereins. Bis zu den Nationalratswahlen wird die Begeisterung jedenfalls langen und die Besuche werden nicht fehlen. Mit der Zeit werden dann aber die Arbeiter in Flamatt wohl selber einsehen, welch grosses Glück ihnen nun durch die Erkenntnis des Sozialismus beschieden ist! Die Korrespondenz sagt nicht, ob es sich um katholische Arbeiter handelt oder nicht. Falls sich Katholiken und positiv denkende Protestanten durch die Phrasen des roten Nationalrates betören liessen - die anderen Parteien wurden wohlweislich nicht eingeladen - so darf der Versuch, die Leute wieder aus der sozialistischen Organisation herauszuholen, nicht unterlassen werden. Bei solchen, die sich um den Erlass der Bischöfe in Sachen der sozialistischen Gewerkschaften nichts kümmern, wird der Versuch allerdings nicht viel nützen.
Quelle: Freiburger Nachrichten, 13. September 1928, S. 2.
Eine neue sozialistische Sektion im Sensebezirk
Dem kathol. Arbeitersekretär wird das Wort entzogen - ein Vorbestrafter als Präsident.
Die Bauarbeiter von Schmitten (Station) und Umgebung, die schon vor den Nationalratswahlen Versuche zur Gründung einer roten Sektion machten und seither weiterhin von den sozialistischen Sekretären mürbe geredet wurden, waren am letzten Samstag neuerdings zu einer Versammlung im Bahnhofrestaurant Schmitten aufgeboten worden. Die Einladung ging von der sozialistischen Bauarbeiter-Gewerkschaft Bern aus.
Etwa 50 Mann, fast alle in Bern Arbeitend (hierin liegt der Hauptgrund für die Erklärung der Neugründung), hatten der Einladung Folge geleistet. Als Referent war selbstverständlich ein maultüchtiger, knallroter Sekretär aus Bern erschienen, namens Ramseier. Der von der roten Zentrale in Bern hergeschickte Redner hielt also sein Referat. Dabei verschwieg er geflissentlich, dass die Bauarbeiter-Gewerkschaft in vollständig rotem Fahrwasser segelt. Der alte Trick, nur von der Vertretung der Standesinteressen zu reden, verfing auch diesmal, obschon man sich des Eindruckes nicht erwehren konnte, dass ein gewisse Anzahl der Erschienenen wohl wusste, was sie machten.
Zur Versammlung war auch der christlich-soziale Führer Kistler aus Freiburg erschienen. Die Arbeiter, die sich dem Hrn. Ramseier aus Bern verschrieben hatten, hatten ihm zwar keine Einladung gesandt; auch einen katholischen Arbeitersekretär zu hören, schien ihnen überflüssig. Jedenfalls aber ging Hr. Kistler als mutiger Verfechter der katholischen Sozialpolitik in die Versammlung und verlangte das Wort, das ihm auch erteilt wurde. Hr. Kistler machte vor allem auf die religiöse und politische Seite der Frage aufmerksam und unterzog dann das sozialistische Wirtschafts- und Sozialprogramm einer gründlichen Kritik. Da Hr. Ramseier den Arbeitern von der Sozialisierung der Produktion gesprochen hatte verwies H. Kistler mit Recht auf die "Erfolge" dieser Sozialisierung in Sovietrussland. Wie dies "Paradies" in Wirklichkeit aussehe, könnne man aus der Tatsache ersehen, dass selbst der sozialistische Nationalrat Graber in Chaux-de-Fonds in einer contradiktorischen Aussprache zugeben musste, dass in Russland die Arbeitsunwilligen mit Peitschen zur Arbeit gezwungen werden.
Dieses Zitat war nun aber der roten "Majestät" aus Bern zuviel. Hr. Ramseier fiel Hrn. Kistler ins Wort und stellte der Versammlung den Antrag, dem katholischen Sekretär das Wort zu entziehen. Wessen Geistes die Versammlung war und welche Kleinarbeit monatelang vorausgegangen sein muss, bewies die traurige Tasache, dass die Mehrheit der Versammlung diesem Antrag zustimmte.
Soweit ist es also bei uns schon gekommen, dass freiburgische Arbeiter, die allerdings ihrem Milieu durch die jahrelange Tagesarbeit in Bern schon stark entfremdet sind, einem kath. Arbeitersekretär das Wort entziehen, um einem hergelaufenen roten Agitator von Bern zuzuhören. Also schon die Gründungsversammlung gab Zeugnis vom roten Terror. Dieser Brocken ist stark und wird jedenfalls von der erdrückenden Mehrheit des Volkes nicht so heiss geschluckt werden. Und dieses geschah am Vorabend der Beck-Feier in Freiburg, wo von höchster Warte aus die grossen Verdienste Becks, des katholischen Priesters, um die Arbeiterschaft anerkannt wurden. Wenn man weiss, was Prof. Beck für die Arbeiterschaft geleistet und geopfert hat, und zwar nicht nur für die katholische - wissen muss man es allerdings und die "Tagwacht" verhilft nicht zu dieser Wissenschaft - so ist man höchst erstaunt, in katholischen Gegenden Arbeiter zu finden, die den Verfechter der katholischen Sozialpolitik nicht hören wollen. Es stellt sich dann allerdings die Frage, ob diese Leute überhaupt nocht zu uns gehören, oder ob sie im Begriff sind, zu den so zahlreichen Taufschein-Katholiken überzugehen. Die Vorschriften der schweiz. Bischöfe über die Zugehörigkeit zu einer Gewerkschaft sind so klar, dass da kein Platz ist für einen Kompromiss.
Die Versammlung schritt dann auch zur Wahl eines Vorstandes. Als Präsident wurde ein in der Gemeinde Bösingen (Uttewil) ansässiger Arbeiter gewählt, der am 22. Dezember 1925 vom Zuchtgericht des Sensebezirkes zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt worden war. Dass dieser Mann unter solchen Umständen sich für das Präsidium einer christlichsozialen Gewerkschaft nicht wohl eignet, wird jedermann einleuchten. Ob aber die Gesamtinteressen (wirtschaftliche und religiöse) der übrigen Mitglieder in einer sozialistischen Gewerkschaft besser gefördert werden können als in einer christlichen, ist nicht schwer einzusehen.
Wie bekannt, ist auch ein Vorstoss in Düdingen geplant. Die Vorkommnisse vom letzten Samstag lassen erkennen, dass die Ortssektionen und überhaupt alle unsere kulturellen Organisationen und auch die Behörden die Frage der roten Infiltration gründlich prüfen müssen und Vorkehrungen treffen, um eine Wiederholung der Vorkomnisse vom letzten Samstag Abendzu verhindern. Aber Abwehr allein genügt nicht. Es müssen auch Vorkehrungen ins Auge gefasst werden, dass inskünftig weniger Arbeiter auswärts ihr Brot verdienen müssen, da scheints ein Teil von ihnen nicht die nötige Charakterstärke und das nötige Wissen besitzt, um den Werbungen der roten Berufssekretäre zu widerstehen.
Im übrigen ist es nur allzu verständlich, dass die Arbeiter auf den Schutz ihrer Interessen bedacht sein müssen und wir kommen nicht um das Bedauern herum, dass dies vom Arbeiterkartell in bezug auf die Gewerkschaften nicht besorgt wurde, ehe die Sozialistenführer von Bern sich der Angelegenheit als Vorwand bemächtigen konnten, um unsere Arbeiter politisch in ihre Fangarme zu ziehen.
Quelle: Freiburger Nachrichten, 5. Dezember 1928, S. 3. (Abschnitt 1 sowie Abschnitt 2)
Labels: Bern, Freiburg, Geschichte, Politik, Schweiz
Donnerstag, Mai 08, 2008
Woran Weltreiche krank(t)en ...
As a business model, Rome's strategy was obviously flawed; like a credit bubble, it required constant expansion. Still it was nice in the beginning. The early days of the Roman Empire were like the early days of the British Empire or the American Hegemony. Expansion opened up new markets and brought in new supplies of raw materials at better prices. Not only was there booty; there were also slaves.
Quelle: No Modern Government Policy is So Stupid that the Romans Didn’t Think of it First
Doch das Ende war und ist immer rasch absehbar:
[...] the Romans had a solution for every problem. And every solution brought new problems...until the weight of them crushed the whole empire.
Labels: Geschichte, Grossbritannien, Rom, USA, Wirtschaft
Mittwoch, April 30, 2008
Schicksal einer bankrotten Regierung
That was the day that Mussolini was shot, along with his mistress. They were hung upside down in Milan. What went wrong with Benito?
"What always seemed to go wrong," said our guide on Sunday, "was that they ran out of money."
Quelle: When Elected Officials Run Out of Money – Trouble Follows
Das Ziel ist somit vorgegeben: Um jeden Preis am Leben bleiben!
Labels: Geschichte, Politik
Samstag, März 29, 2008
Was steckt hinter dem Wohlstand?
However, the Fed did not want American consumers to be subjected to free market discipline that might otherwise reign in their non-stop spending. After all, reckless consumption was falsely believed to be the engine of our prosperity.
So the Fed fixed the price of credit (interest rates) well below the rate that would have been set by the free market. [...]
Quelle: Bail me out Bernanke
Richtig. Der wahre Grund unseres Wohlstandes ist fossile Energie, die von uns in den letzten 150 Jahre zu einem Spottpreis und in unglaublichen Mengen verbrannt wurde.
Labels: Geschichte, Gesellschaft, Wirtschaft
Sonntag, März 23, 2008
Aus welcher irischen Ortschaft stammten JFKs Vorfahren?
Dunganstown, County Wexford (leider viel zu weit weg von Galway, um dem Dörfli einen Besuch abzustatten)
Quelle: John F. Kennedy's Ancestors
Dass die USA in den 1960ern (viel zu kurz) von einem irisch-stämmigen Katholiken regiert wurden, ist im Grunde auf die Potatoe Famine (oder "The Great Famine") zurückzuführen - ein Ereignis, dass sich schmerzhaft im Gedächtnis der Nation eingebrannt hat. Diese trieb Patrick Kennedy dazu, in die USA auszuwandern.
Labels: Geschichte, Irland, Politik, USA
Samstag, März 01, 2008
Die Deutschen zeigten den Amis, wie man Kriege führt
Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt:
Above all, Schlieffen ignored a modern war that might have revealed more about mass warfare in an industrial age than Cannae or Leuthen or Sedan: the American Civil War. To be sure, the General Staff had studied the American odyssey, but concluded that it was “un-European" and hence "uninteresting." After all, it was a family squabble between "democratic republics," fought by "social democratic militias" and distinguished by a lack of "competent generals." Poor training, poor equipment, and poor quality of troops had translated into protracted conflict and eventually trench warfare. The notion of maritime blockade was alien to the Prussian mindset and hence ignored. European military professionalism, the argument went, would avoid the pitfalls experienced by the amateurish Americans.
Quelle: Herwig, Holger H.: "Germany and the 'Short-War' Illusion: Toward a New Interpretation?", in The Journal of Military History, Vol. 66, No. 3, (2002), S. 687.
Labels: Geschichte
Montag, Februar 18, 2008
Über die Herkunft der Japaner
Jared Diamond über die verflixt komplizierte (und auch höchst politische) Frage, woher die Japaner eigentlich kommen - der wiedergegebene Abschnitt vergleicht die japanische Sprache mit anderen ostasiatischen Sprachen:
Everyone agrees that Japanese does not bear a close relation to any other language in the world. Most scholars consider it to be an isolated member of Asia’s Altaic language family, which consists of Turkic, Mongolian, and Tungusic languages. Korean is also often considered to be an isolated member of this family, and within the family Japanese and Korean may be more closely related to each other than to other Altaic languages. However, the similarities between Japanese and Korean are confined to general grammatical features and about 15 percent of their basic vocabularies, rather than the detailed shared features of grammar and vocabulary that link, say, French to Spanish; they are more different from each other than Russian is from English.
Quelle: Japanese Roots
Labels: Asien, Geschichte, Japan
Dienstag, Februar 12, 2008
1916 mit kuriosen und zeitlosen Problemen
Kupfer-Diebstahl
Je höher die Kupferpreise stehen, umso bunter treiben es die Kupferdieben. In der Zeit von Anfang März bis Mitte April 1916 wurden auf der Wollishofer Allmend von einer durch das städtische Elektrizitätswerk für das Platzkommando Zürich erstellten Freileitung 158 Kilo Kupferdrähte im Werte von 948 Franken und von Ende Januar bis Anfang Aprili aus dem Magazin der Zürcher Filiale der Siemens-Schuckert-Werke in Berlin etwa 600 Kilo Kupferdrähte im Werte von 2000 bis 3000 Franken gestohlen.
Quelle: Der Schweizer Bauer, 1. Juni 1916
Das Thema scheint derzeit aktueller denn je: Am 7. Februar 2008 schreibt die Kantonspolizei Basel-Land: Liestal / Kanton: Kupferdiebe gehen um: Die Polizei Basel-Landschaft bittet um Aufmerksamkeit. Vom Krieg weit und breit keine Spur. Ein boomendes China fühlt sich halt an wie Krieg.
Uneheliche Kinder
Würden diese Berichterstatter im Jahre 2007 leben, träfe sie wohl der Schlag:
Ein erscheckend hoher Prozentsatz unehelicher Geburten. Die Geburtenstatistik der letzten Woche ergibt für Paris 574 Geburten, wovon 419 eheliche und 155 uneheliche.
Quelle: Der Schweizer Bauer, 8. Juni 1916
Wagenladungen Bürokratie
Staatliche Makulatur. Auf der Staatskanzlei ist man den Gemeinden mit gutem Vorbild vorangegangen und hat, um der Papiernot zu steuern, die Direktionsarchive bereinigt. Die Finanzdirektion hat nun mehrere Wagenladungen Akten und Drucksachen zum Verkaufe und zur Abfuhr bereit. Wie viel frühere Hoffnungen und Liebesmüh damit begraben werden, ist selbstverständlich unergründlich, heisst es doch, dass die Motionen allein mehrere Kilozentner ausmachen.
Quelle: Der Schweizer Bauer, 8. Juni 1916
Zurück zu Mutti
Eine Ironie des Schicksals! Ein junger Bürger von Lausanne, der seine Abenteuerlust nicht anders zu betätigen wusste, als seine Haut für ein fremdes Land zu Markte zu tragen, wurde schwer verwendet von den Deutschen gefangen genommen, hatte nun aber das Glück als Kriegsgefangener mit einem Krankentransport in seiner eigentlichen Heimat interniert zu werden.
Quelle: Der Schweizer Bauer, 8. Juni 1916
Gottlose Neuenburger und die Huldigung des Sonntags
Deutschschweizerische Kinder, die im Traverstal sich befinden, um sich die welsche Sprache anzueignen, waren nicht übel verwundert, zu sehen, wie das sonst so kirchliche Neuenburgervolk am Himmelfahrtstage wenig Notiz vom kirchlichen Feiertage nahm; man hackte Kartoffeln oder Runkeln, man prätschte die Wäsche schwungvoll, man führte und spaltete Holz - kurz, es war ein durchaus werktägliches Treiben, wenn auch nicht ohen Ausnahmen. Man sollte nicht meinen, dass der neuenburgische Kulturminister ein gewesener Pfarrherr sei; aber unser junger Gewährsmann schreibt entrüstet: Solches sollte einfach verboten sein!
Quelle: Der Schweizer Bauer, 8. Juni 1916
Heute soll es ja auch im reformieten Bernbiet Leute geben, die im Sonntag zur Huldigung Gottes fossile Brennstoffe verbrennen und zum Spass auf den Gurnigel fahren, um eine Meringue zu verspeisen.
Tabu-Thema Verhütung
War in den früheren Jahren bei uns die Abnahme der Geburten auf die wohlhabenden Klassen beschränkt, so erstreckt sie sich in neuerer Zeit auch auf die Arbeiterbevölkerung und greift von der Stadt auf das Land über. Der heimliche Gebrauch gewisser "Mittel" hat schon eine erschreckende Höhe erreicht.
Quelle: Der Schweizer Bauer, Juni 1916
Damals trugen Ehepaare eben noch aktiv zur Sicherung der AHV bei. Halt, die gab es damals ja noch gar nicht! (Erst seit 1948)
Labels: Funny, Geschichte, Medien, Schweiz, Weltgeschehen
Sonntag, Februar 10, 2008
3500 abgefeurte Kugeln töten einen Soldaten
Eine eigenartige Statistik über den geringen Grad der Trefflichkeit der Gewehrgeschosse im gegenwärtigen Kriege wissen französische Blätter zu melden. Da nach dieser Statistik unter hundert Kugeln nur eine trifft und unter 35 getroffenen Soldaten nur einer der Verwundung erliegt, wären bei einer Durchschnittsberechnung 3500 Kugeln erforderlich, um einen Soldaten zu töten.
Quelle: Der Schweizer Bauer, Juli 1916
Und wieso gibt man unseren Soldaten dann gerade mal läppische 50 Schuss mit nach Hause? Damit verletzt man gerade mal einen halben feindlichen Russen Soldaten.
Labels: Geschichte, Militär, Waffen
Sonntag, Februar 10, 2008
Ausländer bilden Staat im Staat
Irgendwie hat sich in den letzten hundert Jahren nur die Nationalität der Einwanderer geändert, die (vermeintlichen und tatsächlichen) Probleme sind dieselben geblieben:
Noch vor 30-40 Jahren war der italienische Arbeiter in der nichtitalienischen Schweiz eine verhältnismässig seltene Erscheinung. Auf den Baugerüsten sah man noch fast allenthalten deutschsprechende Oestereicher ihre traditionelle Pfeife rauchen und ihren Tabak kauen. In den Fabriken war die italienische Arbeiterin eine weit seltenere Erscheinung als heute. Damals wusste man in den Schweizerstädten nicht von ganzen Italienerkolonien, die ihre eigene Sprache sprechend, sich nur in ihren Kreisen bewegend, südländische Begriffe von öffentlicher und privater Ordnung auf unsern nordischen Boden übertragend, einen kleinen Staat im Staate zu bilden anfingen. Man musste noch nicht daran denken, an manchen Orten Spezialklassen für Italienerkinder zu gründen. Es existierten noch keine oder doch nur äusserst wenige Läden, die ausschliesslich für den Konsum der Italiener da war und von einem "Consumo cooperativo italiano" hörte man schon erst recht nichts. Wie anders in den letzten Jahren! [...] Sie drangen ferner in andere, höhere Berufe ein. Sie traten in Konkurrenz mit den Einheimischen in Berufen, die nach und nach das Problem der "Italienerfrage" haben aufleben lassen.
Quelle: Der Schweizer Bauer, 11. Juli 1916.
Labels: Ausländer, Geschichte, Schweiz
Sonntag, Februar 10, 2008
Ausländerklassen anno 1916
Ueberfremdung: In einer Schulklasse in Rheinfelden ist der Fall eingetreten, dass die Zahl der ausländischen Schulkinder die inländische übersteigt: 53% Ausländer, fast ausschliesslich deutscher Nationalität, gegen 47 Prozent Schweizerbürger.
Quelle: Schweizer Bauer, 1. Juli 1916.
Labels: Ausländer, Geschichte, Schule, Schweiz
Freitag, November 23, 2007
Das Wetter vor hundert Jahren
Das Wetter vor hundert Jahren
K.R. Der "Schweizerfreund" vom 11. Juni 1816 berichtet: "Letzten Freitag ist in unsern Berner Bergen wieder Schnee gefallen und man hat sich in einem von der Hauptstadt nicht mehr als drei Stunden weit entfernten Dorfe an einer Hauptstrasse gelegen mit Schneeballen beworfen - am 7. Brachmonat!" Am 18. Juni berichtet das gleiche Blatt aus Basel: "Vor einigen Tagen wurden auch die Anhöhen um unsere Stadt mit Schnee bedeckt. Die Weinreben, welche eine erfreuliche Hoffnung gezeigt hatten, sind nun im traurigsten Zustande und der Ertrag ist ganz dahin, wie es leider auch voriges Jahr schon war, wo an vielen Orten nicht einmal Weinlese gehalten wurde."
Quelle: Der Bund, 9. Juni 1916, Abendblatt.
Labels: Geschichte, Klima, Medien, Wetter
Mittwoch, November 21, 2007
Gemüsebaukurse 1916
Dass zu Ende der Kurse zirka 100 Teilnehmer weniger waren als zu Anfang, erklärt sich ohne weiteres durch den Militärdienst vieler Kursteilnehmer. Daneben gibt es ja immer Einzelne, die nicht aus eigentlichem Interesse Kurse besuchen, sondern etwa "weils Mode ist". Diese Elemente harren gewöhnlich nicht bis zum Ende aus, was meistens auch nicht Schade ist ...
Die Klage, dass immer noch zu junge Teilnehmer zu den Kursen zugelassen werden, will nicht verstummen. So die "belebteste" Zeit der schönen Flegeljahre sollte man hinter sich haben, bevor man sich zur Teilnahme an einem Kurse meldet. Es gibt sonst leicht zuviel "Betrieb".
Quelle: Tätigkeitsbericht der Oekonomischen und gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern 1917. Bern: Buchdruckerei R. J. Wyss & Erben, 1918, S. 17f.
Zwar mangelte es damals noch garantiert an "Schülern" mit "Migrationshintergrund" - der Radau im "Klassenzimmer" schien aber damals nicht weniger geherrscht zu haben als heute ...
Labels: Bern, Geschichte, Schweiz
Mittwoch, November 07, 2007
Zwei Arten von Geschichtsschreibung
Ancient Greek historians approached their work with two very distinct motivations. Around 430 BC, Herodotus, the "father" of history, wrote in order to "honor the heroes" of the Trojan Wars. Thirty years later, Thucydides wrote the History of the Peloponnesian War. He did not write to honor heroes, but rather was interested in helping future generations learn from the past. He wrote history "not … to win the applause of the moment, but as a possession for all time."
Quelle: The 1920s Environmental Conflict Over Leaded Gasoline and Alternative Fuels
Labels: Geschichte
Mittwoch, November 07, 2007
Nach dem Grossen Krieg begann der Run auf das Erdöl
Am Ende des Ersten Weltkrieges erkannten die europäischen Alliierten die Wichtigkeit des Rohstoffs Erdöl (bis dahin hauptäschlich aus den USA stammend) - und teilten den ölreichen Nahen Osten unter sich auf:
[Osama bin Laden's] grievance in no way justifies the bombing. But we ought not close our ears to its essence, which is that the West has placed its business interests over popular sovereignty in the Middle East for 80 years.
Quelle: The 80-Year Problem
At the end of World War I, demand for fuel advanced quickly while the quality of fuel declined as lower quality reserves were brought into the market. Geologists estimated that only 20 or 30 years worth of oil were left in the U.S. and a “gasoline famine” was possible or even likely. (White, 1919; Smith, 1920). The USGS estimated US oil reserves at seven billion barrels while consumption was at 330 million barrels per year and rapidly increasing. (Scientific American Sept. 20 1919). Automotive engineers worried about “a calamity, seriously disorganizing an indispensable system of transportation.” (Scientific American March 8 1919). One solution was to import foreign oil. Some would even suggest fighting for it. (Denny, 1928).
Quelle: The 1920s Environmental Conflict Over Leaded Gasoline and Alternative Fuels
A propos - um 1920 herum trat das erste Mal die Angst vor Peak Oil hervor:
“Geologists tell us that at our present rate of consumption the domestic supply of crude oil will be exhausted in less than 15 years. If we could sufficiently raise the compression of our motors … we could double the mileage and thereby lengthen this period to 30 years.” –– Charles F. Kettering
Der Artikel über die Forschung nach einem klopfarmen Benzin in den wilden 20ern zeigt (wieder einmal) das Gesetz der "unintended consequences" auf, das die Menschheit immer häufiger zu plagen scheint:
How does a corporation arrive at a public health disaster while ignoring the existence of a perfectly useful alternative? Would a heroic style of invention have avoided the pitfalls that a corporate style could not?
Leaded gasoline created enormous profits for a few people at the expense of the health of the many. The history of the Ethyl conflict shows what can happen when the precautionary principle is ignored and when the absence of negative information about a chemical is mistaken as a "clean bill of health," as Ethyl claimed it had received.
Jede Lösung eines Problems führt zwangsläufig zu anderen, zum jeweiligen Zeitpunkt unvorhergesehenen Problemen.
Labels: Erdöl, Geschichte, Krieg
Samstag, Oktober 20, 2007
Eine kleine Parteiengeschichte der Schweiz
Kurt Imhof, der immer und überall etwas zu Besten gibt, durfte diese Woche für die Weltwoche Das Magazin schreiben. Seine These: Die Bürgerlichen Parteien sind - oh schreck - gar nicht mehr bürgerlichen Werten verpflichtet.
SVP
Mit dieser Partei ist es am Schlimmsten:
Dass die SVP das Etikett «bürgerlich» bis heute behalten konnte, negiert die Metamorphose, die die Führung dieser Partei realisiert hat. Die allermeisten rechtspopulistischen und radikalen Parteien Europas, die solche Positionen vertreten, sind neue Akteure, und niemand gesteht diesen Kräften dieses ehrwürdige Etikett der Aufklärung zu. Und natürlich finden wir Plakatierungen von der Qualität der drei und einem Schäfchen auch in anderen europäischen Ländern. Nur: Dort fristen sie das Dasein von Affichen, die in der Nacht an Mauern geklebt werden, und erscheinen nicht flächendeckend an den teuersten Standorten im öffentlichen Raum.
Quelle: WER IST BÜRGERLICH
Und jetzt folgt schweres Geschütz (recht hat er - soll mir mal eine Person bürgerlicher Gesinnung erklären, was am untengenannten bitteschön bürgerlich sei):
Jedoch: Eine Ausschaffungsinitiative, die die Sippenhaft fünfzig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg wieder einführen will, der Kampf gegen eine imaginierte «Classe politique» in unserer Demokratie, der Kampf gegen das humanitäre Völkerrecht und zentrale Institutionen unseres Rechtsstaats, der Kampf gegen schwarze Schafe und der Personenkult – das alles kann schlicht unter keinem Titel mehr als «bürgerlich» bezeichnet werden.
FDP
Deutlich spannender ist für mich als Student der Geschichte hingegen folgende Aussage:
Das Metronom des «Bürgerlichen» in der Schweiz, die Freisinnig-demokratische Partei, begann nach der Wirtschaftskrise von 1974 über den Zürcher Flügel das zu verspielen, dem sie alles verdankte: ihren Einsatz für den Ausbau und die Perfektionierung eines Staatswesens, das der schweizerische Freisinn seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts erstrebte und ab 1848 beständig fortführte. «Weniger Staat, mehr Freiheit» dementierte Ende der 1970er-Jahre den Kern des bürgerlichen Selbstverständnisses. Wer gegen den schweizerischen Staat war, der war im 19. Jahrhundert ein Ultramontaner, ab Beginn des 20. Jahrhunderts ein Sozialist, ab dem Generalstreik ein Kommunist, in den 1940ern ein Frontenbündler oder ein Vaterlandsverräter, in den 1950ern ein PdA-Mitglied und in den 1960ern ein 68er oder ein PdA-Mitglied.
An seinen Bundesstaat liess der Freisinn nie etwas kommen, bis er es selbst tat. [...]
Doppelt blöd für diese Softie-Partei - wollen bürgerlich sein, sind es nach Imhofs Lehrbuch aber längst nicht mehr; wollen liberal sein, obwohl viele Parteiangehörige im Ernstfall auf den freien Markt pfeifen (in meinem Blog unter den Titeln "Wir unechten Liberalen" angeprangert). Kein Wunder, dass die Partei unentwegt verwirrt durch den Polit-Dschungel stolpert - wer sich selbst verleugnet kann auch nicht gewinnen!
CVP
Diese Partei wiederum hat massiv Dreck am Stecken. Erstaunlich ist die Wandlung, die die einst so konservative Partei auf dem Weg zur Bürgerpartei durchgemacht hat:
Die Katholisch-Konservativen glaubten in den 1920er-Jahren, mit dem internationalen jüdischen Bolschewismus, der SPS und der Kommunistischen Partei der Schweiz (KPS) den Antichrist vor sich zu haben. Als Reaktion darauf verbündeten sie sich 1934 mit den Frontenbewegungen für eine Totalrevision der Bundesverfassung zwecks Errichtung eines zutiefst unbürgerlichen Ständestaates.
Nicht schlecht - wer würde heute der von Leuthards und Darbellays geleiteten Partei eine solch dunkle Vergangenheit zutrauen?
SP
Da die SP sich nie als "bürgerliche" Partei verstanden hat (obwohl man - meiner bescheidenen Meinung nach - sagen kann, dass diese Partei den Geist der Aufklärung mit all den Beamten, Lehrern, Akademikern mehr denn je in ihren Reihen trägt), befasst sich Imhof nur am Rande mit ihr.
Immerhin weist auch er auf einige kritische Episoden hin wie beispielsweise den Klassenkampf-Paragraphen oder die Sympathie mit der kommunistischen Sowjetunion nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs.
Labels: Geschichte, Politik, Schweiz
Donnerstag, Oktober 11, 2007
Mord mit der Armeewaffe
Ein Polizist bei einer Verhaftung erschossen.
Stein (Aargau), 2. d. Der 35 jährige Polizist Zumsteg, Vater von drei unmündigen Kindern, wurde bei der Ausführung eines Hausausweisungsbefehls gegen den kürzlich von seiner Frau geschiedenen, dem Trunke ergebenen Kolonialwarenhändler Kaut von diesem mit einem Ordonnanzgewehr durch die geschlossene Türe hindurch erschossen, worauf sich der Mörder durch einen Schuss in den Kopf selbst tötete.
Quelle: Der Bund, 3. Juni 1916, S. ?.
Wer das Gefühl hat, dass sich die Morde mit Sturmgewehr und Pistole der Schweizerischen Armee erst in letzter Zeit gehäuft haben, irrt. Anscheinend war es auch schon 1916 gang und gäbe, damit Amok zu laufen.
Dass das Teil glatt durch eine Tür schiesst und noch mörderisch gut trifft (Blindschuss, sozusagen) - Gratulation an den Schützen! Unsere Schiessprügel und deren Besitzer waren halt schon immer Meister ihres Fachs.
Um was es sich für eine Waffe handelt, konnte ich nicht genau feststellen, tippe aber auf Langgewehr 11:
- Stgw 90
- Stgw 57
- Karabiner 31
- Karabiner
1811 (Diskussion hier)- Langgewehr 11
Quellen: Obligatorische Schiesspflicht sowie SwissRifles
Labels: Funny, Geschichte, Medien, Schweiz
Freitag, August 03, 2007
Krieg und Frieden
Es war John Lewis Gaddis, der Doyen der amerikanischen Diplomatiehistoriker, der den Begriff des «langen Friedens» in den späten 80er-Jahren geprägt hatte. Tatsächlich wurde nach 1945 in Europa kein Krieg mehr geführt. In Asien und Afrika jedoch forderte der Konflikt zwischen den Supermächten in über 100 Stellvertreterkriegen Millionen von Todesopfern. Die These vom «langen Frieden» entspringe «blankem Zynismus», urteilt deshalb der deutsche Historiker Bernd Stöver.
Quelle: Warum im Kalten Krieg der Kapitalismus siegte
Der (westliche) Mensch lernt eben doch (ein wenig) aus seinen Fehlern. Irgendwann um 1945 herum haben wir nämlich eingesehen, dass es viel lukrativer und friedlicher zu und her geht, wenn wir Kriege nicht auf eigenem Boden, sondern in entfernten Ländern ausfechten. Anstelle zerbombte Städte alle paar Jahrzehnte wieder aufbauen zu müssen, konzentrierten wir uns darauf, den restlichen kriegerischen Völkern gegen viel Bares (und/oder Rohstoffen) diejenigen Waffen zu verkaufen, die sie zur gegenseitigen Vernichtung benötigten. "Ds Füfli u ds Weggli" - in der Tat!
These: Erdöl und "outgesourcter" Krieg - das sind die Pfeiler unseres heutigen Wohlstandes.
Übrigens
Einige böse Stimmen behaupten ja, dass man mit dem Kapitalismus nur etwas mehr Geduld haben müsse: Auch dessen Tage seien längst gezählt ... nur habe das noch kaum jemand bemerkt.
Labels: Geschichte, Weltgeschehen, Wissen
Mittwoch, August 01, 2007
The Great Depression neu gedeutet
One argument is that the 1930s depression was really about the structural hickup as the economy shifted from being based on the power from agriculture and from a secondary extent from the power of coal to one actually driven by the power of oil.
Quelle: David Holmgren: PERMACULTURE & PEAK OIL: Beyond 'Sustainability' (ca. bei -21:00)
Nachtrag: Ist es purer Zufall, dass 1928 ein Öl-Kartell gebildet wurde?
McQuaig described how three of the giants, Shell, BP and Exxon, met at Achnacarry Castle, Scotland in late summer, 1928 to end price competition and stabilize world markets. Their leaders "hammer(ed) out an agreement in writing that set the course for the international oil order for decades to come," lasting through the early 1970s. It was not to compete, but rather to set quotas, maintain existing market shares, cooperate in sharing facilities, and avoid surplus production to keep prices stable.
Quelle: Reviewing Linda McQuaig's "It's the Crude, Dude"
Labels: Geschichte, Umwelt, Wirtschaft
Sonntag, Juli 29, 2007
Peak Grain
Niall Ferguson, in der Historikerzunft kein Unbekannter (und auch kein Unbestrittener), warnt neben dem Klimawandel und Peak Oil nun auch noch von Peak Grain:
The fact is that world per capita cereal production has already passed its peak, which was back in the mid-Eighties, not least because of collapsing production in the former Soviet Union and sub-Saharan Africa. Simultaneously, however, rising incomes in Asia are causing a surge in worldwide food demand.
Was hat Asien respektive die dort in Veränderung begriffene Ernährungsgewohnheiten mit dem Problem zu tun? Nun, anstelle jeden Tag am Morgen, Mittag und Abend Reis zu essen, möchten die wohlhabenden Chinesen nun auch ein saftiges Stück Fleisch auf dem Teller zu haben.
Das Kernproblem dabei: Zur Produktion einer tierischer Kalorie benötigt man aber ein Vielfaches an pflanzlichen Kalorien (Gras, Kraftfutter, Küchenabfälle bei Schweinen).
Unerwartete Effekte
Dies ist mit ein Grund, wieso Frauen in Japan stark an Brustumfang zugelegt haben (es wird bitte nicht geschmunzelt!):
Anyway, Japanese boobs are getting large. But why? It is said that the change of eating habits brought this delightful change. Thanks to the economic growth, Japanese can take meals of richer nutritions now. At the first look, it may sound very convincing, but wait. Let's compare the economic growth and boobical growth.
Quelle: A study on J-Boobs -the growth of Japanese boobs and their future-
Als reichste Nation in Asien konnte sich Japan als erstes Land in der Region eine teurere Ernährung leisten. Zudem wurden durch die amerikanische Okkupation nach dem Zweiten Weltkrieg mit Nachdruck amerikanische Ernährungsmuster eingeführt ("Hambaaaga"). Beides zusammen bedeutet: Anstelle Reis (das äusserst gesunde Sushi ist auch für viele Japaner teuer) gibt es nun viel Fett und viel Zucker. Es besteht zu befürchten, dass die Lebenserwartung der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsgeneration die höchste sein wird, die Japan je gesehen hat. (Das wäre dann die von mir gemünzte "Peak Life Expectancy")
Erste Auswirkungen auch in der Schweiz?
Already the symptoms of the coming food shortage are detectable. The International Monetary Fund recorded a 23 per cent rise in world food prices during the last 18 months. Maybe you've observed it yourself. I certainly have.
Als Angehöriger der Generation Konsum weiss ich zwar ganz genau, wie hoch Minutenpreise auf andere Mobilfunknetze sind oder wie teuer ein Auto ist - doch Nahrungsmittelpreise? Keine Ahnung. Bei Der Preis Ist Heiss wurde ich bereits in der ersten Runde rausfaulen.
Deshalb die Frage an die Leute da draussen: Sind Nahrungsmittel in den letzten 18 Monaten wirklich/spürbar teurer geworden? Ich habe noch nichts davon bemerkt - aber das will nichts heissen!
Nachtrag
Na also, schon geht's bei unserem nördlichen Nachbarn los:
Hintergrund der Aufregung ist eine Mitteilung der Zentrale Markt- und Preisberichtsstelle (ZMP) der Land-, Forst- und Ernährungswirtschaft vom Wochenende. Darin werden Preissteigerungen für Molkereiprodukte von bis zu 50 Prozent prognostiziert. Verantwortlich für die Entwicklung seien hauptsächlich die Rohstoffknappheit und die große Nachfrage auf dem Weltmarkt.
Quelle: Politiker erbost über höhere Milchpreise
Labels: Ernährung, Geschichte, Wirtschaft, Wissenschaft
Montag, Juli 23, 2007
München 1972
Diese Gebäude-Komplexe, die ich zuerst aus dem nahe gelegenen Park und später vom Olympia-Turm aus sah, kamen mir auf den ersten Blick bekannt vor. Obwohl die Ereignisse just 35 Jahre zurücklagen, lange vor meiner Geburt, waren mir die Gebäude in TV-Dokumentationen aufgefallen. Und siehe da, ich hatte mich nicht getäuscht:
Der Clip zeigt in der ersten Sequenz den Gebäudekomplex unten links auf meinem Foto. Ein schauriger Zeitzeuge der Geiselnahme von München.
Labels: Geschichte, Reisen, Wissen
Freitag, Juli 06, 2007
Andere Erklärung für Berns Misere
Von 1885 bis 1914 gab es so etwas wie ein Berner Wirtschaftswunder. In dieser Zeit holte Bern die industrielle Revolution nach. [...] Träger des Wirtschaftswunders waren Angehörige der freisinnigen Grossfamilie, die bis etwa 1920 im Kanton Bern die Mehrheit inne hatten. [...] das neue Proporzwahlrecht verhalf der Bauern-, Gewerbe- und Bürgerpartei BGB, der späteren SVP, um 1920 zur Mehrheit in den Kantonsbehörden. Die BGB förderte die traditionalen Wirtschaftssektoren: die Landwirtschaft und das Kleingewerbe.
Quelle: BernerZeitung, 25. Oktober 2003, Berns Leiden am Kanton
Wie Pfister im Interview aber klarstellt, wäre es töricht, der BGB ohne eingehende Untersuchung den "schwarzen Peter" in die Schuhe zu schieben.
Die erwähnte Machtverschiebung muss aber im Hinterkopf behalten werden, wenn man Bern- (und damit verbunden Rot-Grün-)Bashing betreibt und die Misere in pseudo-wissenschaftlicher Manier Staatsangestellten in die Schuhe schieben will. Könnte es nicht sein, dass der Grundstein für den wirtschaftsschwachen Kanton nicht in der unmittelbaren Vergangenheit liegt, sondern bereits in der Zwischenkriegszeit gelegt wurde?
Für mich jedenfalls ist die Hypothese äusserst verfänglich - der Entscheid, Agrarkanton zu bleiben, kann seine Wirkung in voller Breite auch erst Jahrzehnte später entfalten. Ich kann aber nicht ausschliessen, dass hier der Parteibüchli-Bias unterbewusst wirkt. Dafür gibt es ja die glücklicherweise die Kommentarfunktion.
Sind wir gespannt, ob sich die Geschichtswissenschaft dieser Frage in den nächsten Jahren annehmen wird.
Labels: Bern, Geschichte, Politik, Schweiz, Wirtschaft
Freitag, Juni 22, 2007
Wie einer sin libliche muter verbrent
schriben uss Bern den 15. Decemb. diss 1579 jar, am hausen Wägman, zu Zürich.
Wüss lieber fründ, das sagen einer nitt wyt vonn Bern, für lybliche und alte mutter verbrannt hatt. Er ist ... vil zum gangen und ... [Die Auflösung ist leider zu schlecht, um den Text anständig entziffern zu können]
Quelle: Zentralbibliothek Zürich
Man ist versucht zu sagen: "Die Wickiana - die stärkste Tageszeitung des 16. Jahrhunderts". Das Buch ist voll von Katastrophen, Mord und Totschlag und übernatürlichen Erscheinungen.
Über 6000 Bilder warten auf die Entdeckung durch die Netzgemeinde. Man suche im NEBIS-Katalog nach 'Stichwörter aus dem Titel' mit dem Begriff 'Bildmaterial'. Auch ganz lustig: 'Bildmaterial Brand Bern'
Labels: Funny, Geschichte, Wissen
Sonntag, Juni 17, 2007
Vor nicht allzulanger Zeit ...
Before the war, apart from certain statutory regulations limiting the prices to be charged by public utility companies, State control of prices was unknown, and, for the most part, unthinkable. Maximum prices, 'fair' prices and penalties for profiteering and forestalling were classed among the economic heresies of the dark ages before Adam Smith proclaimed the gospel of modern commerce. ... The idea that in the twentieth century laws could be passed and enforced, prohibiting private traders from buying or selling articles of food and clothing at more than prescribed prices would have been regarded as too paradoxical [...]
That circumstances combined in 1916-17 to produce conditions similar to those that surrounded earlier riots is beyond doubt. For the first time since the mid-nineteenth century an English community was faced with an acute shortage of a basic food for which there was no substitute; and the little supply available could only be had at what was regarded as profiteering prices. There was also the outrage caused by the knowledge that locally produced food was being "exported" to high-wage areas of the country in order to obtain even higher prices
Quelle: Anthony James Coles: "The Moral Economy of the Crowd: Some Twentieth-Century Food Riots", S. 158.
Merke: In einem Totalen Krieg ist es unklug, die freie Marktwirtschaft aufrecht zu erhalten.
Labels: Geschichte, Wissen
Dienstag, Mai 22, 2007
Feldzeitungen aus dem 1. Weltkrieg
Bei einem Streifzug durch's Internet fand ich vor wenigen Tagen eine riesige Sammlung an digitalisierten Feldzeitungen aus dem Ersten Weltkrieg:
Feldzeitungen aus dem 1. Weltkrieg - online
Jetzt muss ich eigentlich nur noch etwas Zeit finden, um die äusserst interessanten Quellen zu lesen ...
Labels: Geschichte
Montag, Mai 07, 2007
Wirtschaft vor Politik
In a 1934 letter to Roosevelt´s Industrial Advisory Board, Sloan complained bitterly that the New Deal was attempting to change the rules of business so "government and not industry [shall] constitute the final authority." In Sloan´s view, GM was bigger than mere governments, and its corporate executives were vastly more suited to decision-making than "politicians" and bureaucrats who he felt were profoundly unqualified to run the country. Government officials, Sloan believed, merely catered to voters and prospered from backroom deals.
Quelle: Hitler's Carmaker: The Inside Story of How General Motors Helped Mobilize the Third Reich (Part 1)
Einige Dinge ändern sich nie ... oder: History Repeating. Würde es uns allen nicht deutlich besser gehen, würden UBS, Crédit Suisse, Novartis und Nestlé die Geschicke unseres Landes bestimmen?
Wie Edwin Blacks Ausführungen zeigen, kann das ausschliessliche Streben nach Profit solch' sonderbare Früchte treiben wie die tatkräftige Unterstützung (und Aufrüstung) Nazi Deutschlands in den 30ern. Aus neoliberalen Gesichtspunkten auch heute völlig legal und moralisch unverwerflich. Profit over people!
Labels: Geschichte, Politik
Samstag, Mai 05, 2007
Von der Gefahr, nicht betroffen zu sein
[...] Pastor Niemoller spoke for the thousands and thousands of men like me when he spoke (too modestly of himself) and said that, when the Nazis attacked the Communists, he was a little uneasy, but, after all, he was not a Communist, and so he did nothing: and then they attacked the Socialists, and he was a little uneasier, but, still, he was not a Socialist, and he did nothing; and then the schools, the press, the Jews, and so on, and he was always uneasier, but still he did nothing. And then they attacked the Church, and he was a Churchman, and he did something - but then it was too late.
Quelle: They Thought They Were Free
Das erinnert mich an einen Blog-Artikel meinerseits:
[...] Wer nicht mit uns, ist gegen uns. Bisher haben darunter zwar nur Ausländer, Asylbewerber, ukranische Raub- und Mörderbanden, Scheininvalide, Sozialschmarotzer, EU-Freunde, etwa alle zur Zeit amtierenden Bundesräte usw. usf. gelitten. Ich war somit noch nie direkt davon betroffen. Doch für mich sind genau diese Aktionen der grosse Mahnfinger, der über dieser populistischen Partei schwebt:
Schau an, wie sie ihre Feinde behandeln, und sei dir bewusst, dass du ohne weiteres sehr schnell zu ihren Feinden werden kannst. Na dann Feierabend!
[...] Wenn die reaktionäre Splittergruppe dieser Partei aber die Schweiz in einen Einparteienstaat verwandeln würde und plötzlich das Sagen hätten - wer würde mir meine Sicherheit garantieren? Ich, der aus Sicht dieser Leute derart suspekten Dingen anhänge wie der Sozialdemokratie, einem EU-Beitritt?
Quelle: Wieso die SVP (für mich) unwählbar ist
Labels: Geschichte, Politik
Donnerstag, April 19, 2007
Die Schweiz und der Patentschutz
[...] Der Patentschutz werde in allen Industrieländern hochgehalten, sagte Blocher nach der Bundesratssitzung. Es gehe daher nicht an, den Patentschutz in der Schweiz «auf das Niveau der afrikanischen Staaten und der Piratenländer im Fernen Osten» zu senken. Wer in die Entwicklung eines Produkts investiere, müsse das Recht haben, über den Preis selber zu bestimmen und Parallelimporte zu verhindern. Das ergebe sich aus dem Schutz des Eigentums. «Nur Entwicklungsländer haben keinen solchen Schutz.» [...]
Quelle: Leuthard gegen Parallelimporte
[...] Also a vital role in this Swiss expansion during what is sometimes called the ‘Second Industrial Revolution’ is assigned to another free rider feature, namely the absence of a patent law until 1907. Denounced as ‘practices of robber barons’ and ‘a system of parasitism’ by foreign competitors, this institutional anomaly is believed to have facilitated the emergence of powerful food-processing, chemical, and engineering industries in the late 19th century, as Swiss entrepreneurs could adopt new technologies without having to bear any of the high development costs.
Quelle: When did the Swiss Get so Rich? Comparing Living standards in Switzerland and Europe
Eine Monographie befasst sich ausschliesslich mit diesem Thema:
Schiff 1971: Industrialisation without National Patents
In this monography, the economic historian Eric Schiff tells the story of the emergence of some of Europe's biggest corporations. They came into being in Switzerland and the Netherlands during the period (1850-1907 in Switzerland; 1869-1912 in the Netherlands) in which neither country recognised patents. Some of them appear to owe their very existence to this exemption. Switzerland and the Netherlands eventually adopted patent laws in response to threats from other industrialised nations. This, Schiff argues, was a political decision, not an economic one. It is, he notes, "difficult to avoid the impression" that the absence of patent laws "furthered, rather than hampered development".
Quelle: Forschungsarbeiten über die Volkswirtschaftlichen Auswirkungen von Patenten
Ein wenig Geschichtskenntnisse würden den Glorreichen Sieben (echt geiles Bild, Micheline!) gut tun ...
Weiterführendes
Wieso wir Schweizer so reich sind
Labels: Geschichte, Politik, Wirtschaft
Dienstag, April 17, 2007
Fremdenangst
[...] They have displaced Swiss labor in the textile mills and have furnished the labor supply for the large number of hotels as well as for the roads that have been built in Switzerland in the last fifty years in connection with the development of scenic features and tourist travel. They publish newspapers and periodicals in large numbers in their own language. They have their own churches and live in separate colonies. They do not willingly obey the health regulations, reluctantly send their children to school, furnish a greater number of criminals than any other element of the population, contribute toward social unrest of almost every kind, and do not tend to mix with the German and French elements of Switzerland. In addition, they retain an attachment for the home country that is far greater than in the case of [...] America.
[...] The author fears serious political consequences and compares the situation with that in South Africa where the English stream of colonization led through complex stages to the Boer War and English domination.
Quizfrage: Um welche ausländische Bevölkerungsgruppe in der Schweiz geht es? -- Richtig, Italiener! Wer wäre da nicht drauf gekommen?
Quelle: Geographical Review, Vol. 10, No. 5. (Nov., 1920), pp. 351-352.
Besprochenes Buch: Ammann, Hektor: "Die Italiener in der Schweiz: Ein Beitrag zur Fremdenfrage", Basel 1917.
Gewisse Dinge ändern sich nie ...
Labels: Geschichte, Politik



Abonnieren