Mittwoch, März 05, 2008
Swisscom am Scheideweg
"naja irgendwie geitmer ds neue "image" e chli ufe sänder. iz sisi plötzlech vom einte ufe ander tag brutal fürdi da" - "ja, u huere brutal sisi da für di"
Quelle: Chat mit einem Bekannten
Abgesehen davon gibt es anhand der Medienmitteilung (mindestens) zwei Dinge zu bemängeln:
- Das neue Logo mag zwar schön farbig, schön nichtssagend und "dreidimensional" daherkommen - doch die schwarz-weiss Version ist unbrauchbar. Die Layouter werden dem alten, auch im schwarz-weiss-Druck gestochen scharfen Logo noch lange nachtrauern.
- Die Swisscom Standard-Schriftart ist und bleibt die Frutiger. Wäre ja auch Wahnsinn gewesen, diese in Rente zu schicken. Da an der Frutiger im neuen Logo aber ein Typograph (ob Profi oder Praktikant ist mir noch nicht ganz klar) Hand angelegt hat, beisst sich die Sache; zeigt gleichzeitig aber auch auf, was der Schriftsetzer für minime Anpassungen vorgenommen hat:
- Kleines 's' zum Wortbeginn
- Bögli beim 'i'
- Schlankere 'w' und 's'
- Runderes 'c', etwas schlanker
- Weniger gequetschtes 'o' (wobei man am obigen Beispiel meisterhaft erkennen kann, wieso mit Word verfasste Medienmitteilungen Übelkeit auslösen: Das Kerning von 'o' und 'm' des Titels der Medienmitteilung ist haarsträubend)
- Bögli beim 'm'
Labels: Design, Grafik, Swisscom, Typographie
Samstag, Februar 09, 2008
Ein schweizerisches Logo für New Yorks Taxis
Claudia Christen, ursprünglich aus Toffen, seit 12 Jahren in New York lebend, hat den Taxis des "Big Apple" ein neues Logo verpasst.
Auf den ersten Blick vermag das Logo nicht zu überzeugen, beim zweiten auch nicht und auch bei der dritten Inspektion bleibt der Pulsschlag auf dem gewohnten Niveau. Ungenügend, setzen!
Besonders dieses "NYC" - wie ist die Grafikerin nur darauf gekommen? Als ich den Artikel im heutigen Bund dann doch noch ganz durchlas, wurde mir das Ungemach klar und ich bekam sogar etwas Mitleid mit Frau Christen:
Ein wenig hart war auch der Weg zum neuen Logo. Den ersten Entwurf fand der Bürgermeister zu wenig "sexy". Deswegen habe sie dem T in Anlehnung an die öffentlichen Transportsysteme einen schwarzen Kreis verpasst, erzählt Christen. "Die U-Bahn hat eine Ziffer in einem Kreis." Mit der Endversion ist sie aber nicht ganz glücklich. "Das Stadtmarketing bestand darauf, den offiziellen Schriftzug der Stadt, also 'NY', vor 'Taxi' zu haben". Und viele sind der Meinung: Das fette "NYC" besst sich mit den viel schlankeren Taxi-Lettern. "Es war ein polititscher Prozess", erklärt Christen.
Quelle: Der Bund, 9. Februar 2008, "Logo für Taxis im 'Big Apple'", S. 31
Obwohl man sich Christen herausreden kann - ein(e) Grafiker(in) sollte sich nicht um Kompromisse bemühen, wenn das Management oder andere Design-Banausen ihren Senf miteinbringen möchte. Sie ist schliesslich der Profi, nicht die Herren Politiker, die sich über Lebzeiten hinaus verewigen wollen ...
Weitere Kritik findet sich beispielsweise im Typographie-Forum Typophile. Im Artikel New Logo Makes It Clear: Those Yellow Cars Are Taxis der New York Times finden sich Alternativen - die Vorschläge 3 bis 5 finde ich super. Insbesondere die 5 hätte das klotzige "NYC" abgeschwächt. Schade ist Frau Christen und ihre Agentur nicht darauf gekommen.


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