Freitag, Juni 20, 2008
Lissabon in Dublin
In meinem Herzen bin ich weiterhin für einen baldigen Beitritt der Schweiz in die EU - das Gebilde scheint aber einfach geistig noch nicht bereit zu sein für einen Staatenbund:
Italiens Präsident Giorgio Napolitano verlangte, dass die Länder, die eine Integration behindern, aus der EU ausgeschlossen werden. Und der deutsche Europa-Abgeordnete Martin Schulz will gar den irischen EU-Kommissar Charlie McCreevy seines Amts entheben, weil er versagt habe. McCreevy hatte gesagt, er würde "von niemandem, der seine Sinne noch beisammen hat, erwarten, ein Wochenende mit der Lektüre des Lissabon-Vertrags" zu verschwenden. Er selbst habe ihn im Übrigen auch nicht gelesen, fügte er hinzu.
Quelle: Neinsager Irland: Schurkenstaat im Schockzustand - Politik - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
Die Abstimmung zeigt, dass die Union Demokratiedefizite aufweist - und noch sehr, sehr viel von der föderalen Schweiz lernen kann.
Andererseits: Ich bin schon froh, dass die urchigen Schwyzer Abstimmungen nicht auf diese Weise immer für sich entscheiden können. Liebe EU, schaut euch mal das urschweizerische Konzept des Ständemehrs an - dieses Verfahren würde aber bedingen, dass die Völker aller Mitgliedstaaten über solche Verträge abstimmen müssten, nicht etwa die Parlamente.
Abgesehen von solchen technischen Massnahmen gebe ich weiter zu, dass auch ich nicht für diesen Vertrag gestimmt hätte - 1'000 Seiten unmissverständliches Juristendeutsch? Eine zwar durchaus schöne Arbeitsbeschaffungsmassnahme, doch für mehr nicht zu gebrauchen. Die EU muss sich wieder bewusst werden, wem sie schlussendlich zu dienen hat: Nicht den Jüristen, Beamten und Bürokraten, sondern seinen Einwohner.
Sonntag, März 23, 2008
Aus welcher irischen Ortschaft stammten JFKs Vorfahren?
Dunganstown, County Wexford (leider viel zu weit weg von Galway, um dem Dörfli einen Besuch abzustatten)
Quelle: John F. Kennedy's Ancestors
Dass die USA in den 1960ern (viel zu kurz) von einem irisch-stämmigen Katholiken regiert wurden, ist im Grunde auf die Potatoe Famine (oder "The Great Famine") zurückzuführen - ein Ereignis, dass sich schmerzhaft im Gedächtnis der Nation eingebrannt hat. Diese trieb Patrick Kennedy dazu, in die USA auszuwandern.
Labels: Geschichte, Irland, Politik, USA
Sonntag, März 23, 2008
Irische Busfahrer
Lustige Erfahrungen mit dem (spärlichen und unregelmässigen) Busnetz hier in Galway:
- Der Trancer Im letzten "Nachtbus" (22.50 ab Eyre Square) werden wir im Affentempo durch die Suburbs gefahren. Aus seinem fast schalldichten Fahrerhäuschen dröhnt Trance-Musik (unter Kennern des melodiösen Technos einschlägig bekannt) Richtung der Fahrgäste, während wird förmlich über Galways Strassen-Hügel fliegen.
- Der Wiederverkäufer Bei Rahoon steigen wir an der Haltestelle in den Bus ein, lösen beim Fahrer ein Billet für 1.45EUR (einfache Fahrt; Billetautomaten kennt man in Galway nicht) und setzen uns auf zwei der vielen freien Plätzen. Als ich am Eyre Square nach Melanie den Bus verlassen will, fordert mich der Busfahrer zu etwas auf - leider verstehe ich wegen des Kauderwelschs nicht, was er von mir will. Glücklicherweise ist Melanie zur Stelle und hilft mir auf die Sprünge: Ich solle ihm mein Ticket (eine langer, dünner Papierstreifen, auf den alle wichtigen Infos über den Kauf aufgedruckt werden) übergeben. Selbstverständlich habe ich dieses als wohlerzogener Schweizer aufbewahrt und händige dem Fahrer die Fahrkarte aus. Dieser bedient unzählige Tasten seiner Kasse, druckt mir ein neues Ticket aus und drückt es mir in die Hand. Leider wissen weder Melanie noch ich bis zum heutigen Tage, was genau der Zweck dieser Übung gewesen sein sollte.
- Der Alzheimer-Kandidat Es ist abends; ich und Melanie warten auf den Bus, der uns in die Stadt zum Abendessen bringen soll. Der Bus fährt einige Minuten zu früh ein und wir steigen auf Grund der üblichen Kälte und des heftigen Windes sofort ein. Melanie bezahlt brav ihre 1.45EUR, reisst das Ticket aus dem Automaten und begibt sich in den hinteren Teil des Verkehrsmittels. Nun bin ich an der Reihe: Ich strecke dem Chauffeur eine 1-Euro und 50-Cent-Münze hin. Er nimmt diese, sortiert sie in den Münzspender ein, druckt das Ticket aus - und hält einen Moment inne: "Was haben Sie mir gerade gegeben?" Völlig überrascht muss ich zuerst nach den englischen Worten suchen. Wenige Sekunden später drückt er mir die kupferfarbene 5 Cent-Münze in die Hand und wünscht mir einen schönen Abend.
Auf Grund dieser Häufung von Ereignissen mit Busfahrern vermutet Melanie, dass mich wohl eine ganz besondere Aura verbindet ...
Nachtrag
Den hätte ich glatt gewählt.
Abonnieren
