Samstag, April 05, 2008
Gehören Schlägereien zum Alltag der Buben?
Wenn zwei Jungs im Kindergarten raufen, um die Hierarchie untereinander festzulegen, dann hat ein Pädagoge da nichts zu suchen. [...] Wenn heute in Sachen Jugendgewalt bei Schlägereien noch hemmungslos zugetreten wird, wenn der andere schon am Boden liegt, hat das zum Teil auch damit zu tun, dass die Jungs gar nicht mehr wissen, was sie dem Gegenüber damit antun. Es fehlt ihnen an der eigenen körperlichen Erfahrung.
[...] Wenn das blockiert wird, wird die kognitive und soziale Entwicklung eines Jungen gehemmt. Gleichzeitig werden sie dann eingehüllt in diese weibliche harmonische Lebenswelt, die ihnen unendlich auf den Keks geht.
Quelle: "Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik geht Jungs gewaltig auf die Nerven"
Via: Männerkultur mit digitalen Mitteln
Labels: Erziehung, Gesellschaft, Jugend
Freitag, März 21, 2008
Kuschelpädagogik
Ein guter Artikel über das schweizerische Schulwesen - was es ist, was es nicht sein will, was es leistet, was es nicht leisten kann:
In der Paukerschule der Vor-68er-Zeit herrschte Ordnung und Disziplin. Es gab eiserne Regeln, Noten ab der ersten Primarklasse und Körperstrafen. Der Lehrer war zwar noch eine Respektperson, oft aber auch eine Angstfigur. Und der Unterricht war meist zum Gähnen. Die Schüler freuten sich auf die grosse Pause, in der sie sich austoben konnten. Ist es das, was die SVP wieder einführen will?
[...] Hoch gehalten wird im SVP-Papier aber auch die Erziehung zur Eigenverantwortung, dem «höchsten sozialen Prinzip». Nun war jedoch gerade dies eine zentrale Leistung der 68er-Pädagogik.
Quelle: Heute gibts keine Kopfnuss mehr
Samstag, März 15, 2008
Was bringen Laptops Entwicklungsländern?
Ich stehe Aktionen von erklärten Gutmenschen skeptisch gegenüber, Drittweltländer mit tausenden von Laptops auszustatten. Aus meiner Sicht brauchen Kinder keinen Laptop, sondern primär einmal ausreichend Nahrung, medizinische Versorgung und eine Ausbildung (was bringt ein Computer, wenn man nicht lesen und schreiben kann?). Ich glaube ausserdem nicht, dass Anleitungen im Internet, die für Personen in westlichen Demokratien geschrieben wurden, den Ärmsten der Armen viel Nutzen brächten.
In fortgeschritteneren Entwicklungsländern hingegen lassen sich durchaus positive Effekte von Aktionen wie One Laptop Per Child OLPC ausmachen, die mir bis zur Lektüre des folgenden Artikels nicht bewusst waren:
[...] kids started talking to each other outside of school hours over the mesh, and working together more while in school. They started talking a lot more with each other in person, and conquered their previously paralyzing fear of strangers.
[...] It’s not that the kids are starving, it’s just that they don’t have very much; what they do have, they’re reluctant to share. With the laptops, the kids had to turn to each other to learn how to use them.
Quelle: Astounded in Arahuay
Dank: Kollege Liechti
Geeks outen sich mit dem Laptop
One student, whose name I’ll withhold, commonly gets in fights with others, didn’t speak to or play with his classmates, and would normally sit in a corner of the classroom by himself. The principals anticipated the XO would make him even more territorial and isolated, but they were taken by complete surprise when he became the first kid to figure out the laptop, and then started teaching the others who curiously flocked around him.
Diese Anekdote zeigt, dass es Geeks (leicht autistisch angehauchte Persönlichkeiten) auch in der peruanischen Agrargesellschaft gibt.
Labels: Entwicklungsländer, Gesellschaft, IT, Jugend, Kinder
Dienstag, März 04, 2008
Aperto im Bahnhof Bern, Samstag 22 Uhr
Wer das Spektakel selbst einmal erleben will, begebe sich kommenden Samstag in die RailCity SBB im Hauptbahnhof Bern, stelle sich vor den Aperto (gleich neben dem Swisscom-Shop) - und sehe und staune.
Hinter den zwei Kassen bilden sich Schlangen bis ans andere Ende des Ladens. Die Käufer und Käuferinnen sind aber nicht nach Fressalien aus oder haben in ihrer WG dringend benötigte Ingredienzen für das Samstag-Abend Dinner nicht mehr vorrätig - nein, es dreht sich alles (bald nach Ladenschluss auch sprichwörtlich) nur um alkoholische Getränke. Da wird Sprit gekauft, mit dem man eine halbe Armee betäuben könnte (nun, vielleicht nicht gerade eine auf Vodka geeichte Rote Armee).
Die Völlerei geht mittlerweile gar soweit, dass man vor dem Laden knapp 18-jährige Mädchen antrifft, die je eine Flasche Weisswein (!) in Händen halten und sich so richtig die Kante geben.
Um 1 Uhr morgens vor dem MAD Wallstreet, ein paar Etagen über dem Aperto, sehen wir dann das Ergebnis des allsamstäglichen Besäufnisses: Zwei Kollegen kümmern sich um ein vornübergebeugtes Mädchen, das beim Coiffeur-Salon an die Ecke kotzt.
Ziel erreicht, Wochenende gerettet.
Labels: Bern, Gesellschaft, Jugend, Party
Montag, Dezember 10, 2007
Ohne Eltern aufwachsen
Without parents to help them mature, the mental world of these young killers stays stuck in an infantile, egotistic state, [...]
"What keeps us from killing each other is empathy, and we learn it from bonding with parents who pick us back up when we get hurt or teased as children," Johnston said. "Without it, you get guys who live in a constant state of protecting the fantasy that they are the most important thing this side of the Milky Way. And because they don't have empathy, they will shoot or stab to protect their illusion."
[...] Without anyone in charge of their moral development, young boys come up with their own rules. When they get in disputes, they don't have the ability to resolve them because no one has ever taught them how to manage anger and stress other than with fists or a gun.
Quelle: Many young black men in Oakland are killing and dying for respect
Labels: Gesellschaft, Jugend, Kriminalität, USA
Freitag, November 30, 2007
Arschchlack
You know there’s a problem when I can see your asscrack while you’re standing up.
Quelle: knott for kids; das dazugehörende Bild: Asscrack
Ich sehe da absolut kein Problem. Zwar wurden die "Low waist"-Jeans meiner Meinung nach erfunden, um den String-Tanga in jeder Körperposition herumzuzeigen - doch wenn die Trägerin nicht auf Unterhöschen steht, kann man ihr es nicht verübeln, nichts drunter mit solchen Jeans zu kombinieren. Die Blicke sind ihr gewiss.
State of the Youth
Ansonsten scheint es drüben in den Staat ein genauso grosses Problem mit hartem Alkohl und Minderjährigen zu geben - und diese sehen anscheinend genausowenig ein Problem, nach dem Besäufnis noch ein Fahrzeug zu lenken.
Labels: Jugend, Kalifornien, USA
Sonntag, September 16, 2007
Macrobotellon im Hauptbahnhof Bern!
Gestern, als ich mich um zehn Uhr abends am Treffpunkt im Hauptbahnhof Bern einfand, kam mir die Idee des Jahrhunderts: Wir machen es den Spaniern gleich und veranstalten einen Macrobotellon im Hauptbahnhof!
Die spanische Jugend macht seit Jahren den "Botellón", d.h. sie trifft sich, ausgerüstet mit Plastikflaschen, die mit Alkoholmischgetränken gefüllt sind, auf öffentlichen Plätzen zum Trinkgelage.
Quelle: "Wir werden mehr sein"
Die Zahl der Anwesenden hätte schon fast hingereicht, doch natürlich passen in den Hauptbahnhof noch viel mehr Leute rein. Im Bahnhof den Wochenend-Suff zu starten ist seit langem nicht etwa die Ausnahme, sondern die Regel. Auch gibt es genügend Läden, die den wertvollen Rohstoff in rauhen Mengen gelagert haben.
Anstelle also nach dem Treffen mit den Party-Gspänli aus der bernischen "Mainstation" zu verschwinden, bleibt man einfach dort und feiert in der Menschenmenge.
Geniale Idee, nicht?
(Die SBB scheinen zumindest in Zürich ja schon recht gefallen an "Parties im Hauptbahnhof"tm gefunden zu haben ...)
Dienstag, August 14, 2007
Gymnasium Bern-Kirchenfeld 1999
Als die Schüler noch brav in der Schulstube sassen, keine Handies auf sich herumtrugen, im WG anstelle Prüfungen zu schreiben Filme produzierten (und so wohl die Matur bestanden) - aber schon zu Zeiten, als man sich als Tertianer mit einer Zigarette zeigen konnte. Und noch zu Zeiten, wo man nicht normale Desktop-Rechner mit iMovie zum Schneiden der Filme beizog, sondern enorm teure Hardware, die in der Gymerbibliothek eingelagert wurde. Zu Zeiten, wo sich Lehrer auch noch ungeniert auf Zelluloid bannen lassen konnten, ohne zu befürchten, innert Minuten auf YouTube in entwürdigen Posen der Lächerlichkeit Preis gegeben zu werden.
Erstaunlich: Ich erinnere mich an das Schulhaus, aber kaum an die Lehrer - doch als wäre es erst gestern gewesen an all die enorm hübschen Mädchen aus Lit- und Wirtschaftsgymnasium, die für einen Realgymnasiasten wie mich während all der Jahre unerreichbar fern bleiben sollten:
Der Clou am Ganzen: Der Macher der Filme hat es mittlerweile nach Hollywood geschafft. Sein Name flimmert hie und da in einem Abspann eines Blockbusters über die Kinoleinwand. Nächste Erwähnung: The Incredible Hulk, der derzeit in Toronto gefilmt wird.
Labels: Bern, Bildung, Film, Funny, Gymnasium, Jugend, Kino, Schule
Freitag, Juni 15, 2007
Überwachungsstaat Elternhaus
When George Thomas was eight he walked everywhere. It was 1926 [...] and he regularly walked six miles to his favourite fishing haunt without adult supervision.
Fast forward to 2007 and Mr Thomas's eight-year-old great-grandson Edward enjoys none of that freedom. He is driven the few minutes to school, is taken by car to a safe place to ride his bike and can roam no more than 300 yards from home.
Quelle: How children lost the right to roam in four generations
Karte der Jagdgebiete der vier Generationen
Wenn ich mir das gesagte so durch den Kopf gehen lassen, war ich auch noch ein solch' "glückliches" Kind. Bis etwa in die 4. Klasse gab es in unserem Haushalt weder Fernseher, noch eine Spielkonsole und schon erst recht keinen Computer. Das "Unheil" begann rückwirkend mit der fixen Installation der Glotze in der Stube - die Schulferien bestanden nun darin, sich von morgens bis abends jede noch so doofe Sendung reinzuziehen. Natürlich auf Privatsendern, weshalb wir es uns mit der Zeit zum Sport machten, in gegenseitiger Konkurrenz die Werbungen an ihren ersten Sekunden Bild und Ton zu erraten. Der wenig später angeschaffte Gameboy führte zu ersten grossen Konflikten unter uns Geschwistern. Mein Bruder setzte sich die grösste Zeit durch und spielte solange, bis die Augen brannten, die Ohren heiss wie Herdplatten waren und man kaum mehr klar denken konnte - und noch in der Nacht davon träumte, dass man gleich von Tetris-Klötzen erschlagen würde. Als dann der erste PC, ein IBM XT als Entsorgungsgabe der Uni, den Weg in unseren Haushalt fand, war es dann auch um mich geschehen. Hier konnte ich mich durchsetzen - "Wo isch dr Märu?" - "Vorem PC dänk!" hiess es ab dann. Die Apokalypse kam, als man Ende der 90er ein-, zweimal täglich online ging.
Vor dieser Entwicklung war ich oft zusammen mit meinen Geschwistern und anderen gleichaltrigen Kindern aus dem Quartier im nahe gelegenen Wald, wo wir aus kleinen Ästen und Moos "Zwärgehüsli" bauten, Flüsse stauten oder uns auf dann und wann so richtig eins auf die Nase gaben. Fortbewegungsmittel war das Velo (mein Favorit: Der blaue Eingänger mit Rücktritt aus dem Jumbo - so geil!), wohin es uns trieb wurde von keiner erwachsenen Person überwacht. Höchstens die Nachbaren griffen manchmal zum Telefonhörer, wenn wir wieder einmal den damals äusserst häufigen Baustellen einen Besuch abstatteten und es uns in luftiger Höhe auf dem Kran gemütlich machten. Dort wo heute überall Häuser stehen war eine Wiese, und mitten darauf stand ein Baum, wo wir verschiedene Male mit dem Bau eines Baumhauses begannen, ohne das Vorhaben je zu Ende zu bringen.
Heute gehe ich nur noch aus dem Haus, wenn ich an die Uni oder die Arbeit muss (Ausnahme: Marzilibesuche im Sommer). Der Fussweg zur Bushaltestelle dauert wenige Minuten, und wenn ich selbst diese kurze Strecke nicht mehr gehen mag, schnappe ich mir meinen mobilen Untersatz, auch bekannt als "kleiner Weisser".
Irgendwie Schade - der Geist wäre willig, doch das Fleisch ist schwach, daran etwas zu ändern. Hund und Nachwuchs könnten die dringend nötige Initialzündung dazu geben ...
Labels: Gesellschaft, Jugend
Montag, Juni 04, 2007
Wir Liberalen pfeifen auf unsere Grundsätze
In meinem Blog habe ich Herrn Bundesrat Blocher wohl noch nie zugestimmt, doch für einmal hat er Recht:
Schon heute mache sich strafbar, wer unter 16-jährigen Jugendlichen pornografische Darstellungen zugänglich mache oder anbiete, sagte Justizminister Christoph Blocher. Wer ohne Vorprüfung des Alters der Kunden über Mobiltelefone solche Darstellungen abrufbar mache, handle also illegal. Mangelhaft sei der Vollzug, nicht das Gesetz.
Quelle: Ständerat will Pornografie auf dem Handy verbieten
Aber eben - Wahljahr ist Zahljahr. Da überbieten sich selbst die eifrigsten Rufer nach weniger Staat und mehr Eigenverantwortung mit neuen Gesetzeserlassen. Als hätten wir nicht bereits viel zu viele Paragraphen ...
Gegenteiliger Effekt
Mit der Illegalmachung wird bei der Jugend der Reiz ins Unermessliche gesteigert, solches Material auf dem Handy zu haben. Auf dem Pausenplatz ist dann definitiv derjenige "König", wer seine 1GB-Karte randvoll mit Schmuddelmaterial gefüllt hat. Und wer wirklich glaubt, dass die Quelle solcher Filme kommerzielle Anbieter sind, gehört meiner Meinung nach nicht ins "Stöckli". Das Material kriegt man aus unterschiedlichsten Quellen, meistens wohl in steinzeitlicher Manier durch Tauschgeschäfte. Die sind bekanntlich kostenlos und von Väterchen Staat nicht zu kontrollieren - ausser die Jugendschützer installieren den Bundestrojaner per Hintertür auf allen Mobiltelefonen in der Schweiz.
Erziehungsberechtigte
Der Ball liegt wie bereits früher erwähnt bei den Eltern. Diese haben dafür zu sorgen, dass ihre Kinder kein kleines San Fernando-Valley ("Anyone who is even marginally familiar with the porn industry will know that the San Fernando Valley is the place where virtually all American porn is produced, filmed and distributed.") in ihren Hosentaschen zur Schau tragen. Dies kann entweder mit der regelmässigen Kontrolle der Mobiltelefone geschehen (wobei selbstverständlich fraglich ist, inwiefern die Technikbanausen unserer Vorgängergeneration mit der Bedienung klar kommen werden); oder aber, was deutlich effektiver ist: Gebt euren Kinder ein 3210, und die Diskussion ist so schnell verflogen, wie sie aufgekommen ist. Das Übel liegt in den heute derart gehypten Multimedia-Handys.
Werden die Eltern nicht einmal hier zur Verantwortung gezogen, kapituliert unsere Gesellschaft endgültig vor den Problemen der Generation @.
Nachtrag
[...] ist der ständerat für das natel verbot beim sex, ne falschrum, telefonieren darf man beim vögeln, aber eben keine pornos mehr auf dem natel ansehen!
Quelle: handypornografie!
Mittwoch, April 11, 2007
Tatort virtueller Pausenplatz
Schüler filmen das Dekolleté ihrer Lehrerin, ziehen ihrem Lehrer die Hose runter - und kurz darauf stehen die Videos im Internet. Cyber-Bullying heißt dieser neue Trend aus Großbritannien: Handys und das Netz machen Pädagogen zum Gespött der ganzen Welt.
Quelle: Von Schülern verhöhnt - und die ganze Welt sieht zu
Harmlosere Variante auch in der Schweiz
Wie mir vor einigen Tagen zugetragen wurde, geschah ähnliches, wenn auch (noch) harmloseres, in einer Gemeinde nicht weit von hier. Während des Informatikunterrichts fühlte sich eine Schülerin anscheinend derart gelangweilt, dass sie kurzerhand (zusammen mit Mitläufern) ein Benutzerprofil auf - wo sonst - Partyguide einrichtete. Was ist schon dabei? mag der Leser nun fragen.
Nun, als Person hinter dem Profil erfasste die Schülerin nicht etwa sich selber (sie ist höchst wahrscheinlich bereits seit langem virtuell auf Partyguide präsent), sondern ihren Informatik-Lehrer - mitsamt Photo. Neben Namen und Adresse erfasste sie in der Beschreibung des Profils zusätzlich noch obszöne Kommentare, sinngemäss "Schwuchtel" und "rubble mir gerne einen runter".
Nachdem die Kunde über das verulkte Profil während den nächsten Tagen und Wochen langsam die Runde machte und schliesslich auch beim Opfer ankam, ging es Schlag auf Schlag. Einerseits setzte man die Löschung des Profils durch (ob Jason höchstpersönlich den Delete-Button gedrückt hat?), andererseits lieferte Partyguide die nötigen Informationen über die IP, mit der das Profil erfasst wurde, sowie die Uhrzeit. Das Opfer reichte Anzeige ein und wenige Tage später stellte sich die jugendlich-leichtsinnige Täterin der Verantwortung.
Die Anzeige wurde mittlerweile zurückgezogen. Ob und wie die Täterin zu Rechenschaft gezogen wurde, ist mir nicht bekannt. In meiner Jugend genügte ein Anruf ins Elternhaus allemal - spätestens dann war die Hölle los und man verkroch sich in die hinterste Ecke des Zimmers. Damals, als die Eltern ihrem Erziehungsauftrag noch nachkamen ...
Lösung: Im Netz inexistent?
Inwiefern aber die Lösung des Problems für Lehrpersonen darin liegt, jegliche Hinweise auf sich aus dem Internet verschwinden zu lassen (bspw. Photos) - oder doch nur Symptombekämpfung? Derzeit wohl das einzig probate Mittel, als Pädagoge nicht unfreiwillig und zu leichtsinnig ins Schussfeld der Zöglinge zu gelangen.
Wie das Beispiel England zeigt, bringt diese Massnahme in Zukunft nicht mehr viel: Wollen die Schüler dem Lehrer an den Karren fahren, produzieren sie digitales Material halt einfach selber. Sony Ericsson sei dank!
Für viele frischgebackene oder in Ausbildung befindliche Lehrer könnte die Internet-Präsenz zu einem grösseren Problem werden: Partyguide & Co. gibt es bereits seit Jahren - was hindert findige Schüler daran, in den digitalen Archiven nachzuschauen und peinliche Porträts (Motto: "Eine heimer geng no gno!") ihrer Respektspersonen auszugraben?
Aha-Erlebnis für Lehrbeauftragte
Immerhin führte die persönliche Attacke im virtuellen Raum auch zu einem Aha-Erlebnis von Seiten der Lehrerschaft: Neben dem Opfer registrierten sich nun auch manche Berufskollegen auf dem grössten Party-Portal der Schweiz ein und suchten aus "Gwunder" nach ihren Zöglingen, in dem sie sich einfach mal alle User aus dem Schulort anzeigen liessen.
Hätten Sie vor einigen Wochen FACTS gelesen, wären sie nicht derart aus den Wolken gefallen, als sie teils sehr freizügige Fotos ihrer Sekundarschüler entdeckten ...
Hoffen wir, dass dank solcher Entdeckungen nun auch vermehrt der Dialog zwischen Lehrern und Schülern über die Selbstdarstellung im Netz entfacht wird. Aus meiner Sicht wäre es im Grunde aber die Aufgabe der Eltern, den Internetkonsum ihrer Kinder mit einem wachsamen Auge zu begleiten. Aber diese müssen heute leider wie die Irren arbeiten, um der 14-jährigen Tochter eine Louis-Vuitton-Tasche finanzieren zu können ...
Massnahmen von Seiten der Portalbetreiber?
Um solchen Unfug zu erschweren (dies gleich ganz zu verhindern erscheint unrealistisch), sehe ich zwei Möglichkeiten:
- Aktivierung des Accounts nur durch einen Bestätigungslink, der auf die angegebene E-Mail-Adresse gesandt wird
- Aktivierung des Accounts nur durch einen Bestätigungscode, der auf ein Mobiltelefon gesandt wird
Da wohl jeder halbwegs intelligente Benutzer des Internets weiss, wie man rasch und unkompliziert zu @hotmail.com oder @gmail.com-Adressen kommt (geschweige denn nicht gleich auf Wegwerf-E-Mails à la Mailinator setzt - Nebenbei: The Architecture of Mailinator), erweist sich der Aktivierungszwang per Mobiltelefon immer mehr als ein Muss. Seit die Ausweispflicht auch beim Kauf von Pre-Paid-Angeboten gilt, ist man hinter einer 07Xer-Nummer überhaupt nicht mehr anonym.
Die (positive) Kehrseite
Ich stelle mir gerade vor, wie während meiner Schulzeit wohl meine Eltern reagiert hätten, wenn ich ihnen ein Handy-Video aus der Zeichen- und Handwerksstunde mit unserem Zeichenlehrer sel. vorgeführt hätte. Da gab es immer wieder filmreife Szenen - und vereinzelt auch Handgreiflichkeiten, die heute wohl nicht mehr toleriert werden würden.
Auch für den besoffenen Stellvertreter des Klassenlehrers, der mit Fahne und anzüglichen Sprüchen gegenüber den Mitschülerinnen auftrumpfte, wäre der "Gspass" garantiert nicht mehr so unbrenzlig ausgegangen wie in vormals analogen Zeiten ...
Auch den Lehrern bleibt also in Zukunft nichts anders übrig, als sich anständig und korrekt zu benehmen (was sie ja eigentlich immer tun sollten). Abartiges Benehmen von beiden Seiten soll und darf nicht toleriert werden - begründete Kritik muss aber weiterhin erlaubt sein. Im Notfall auch mit Videoaufnahmen als Beweismaterial. Glücklicherweise hat hierbei die grosse Mehrheit der Lehrpersonen überhaupt nichts zu befürchten.

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