Sonntag, November 09, 2008
Lebensraum im Osten
Oder: Die Deutschen sind ohne Waffengewalt zurück ...
Warum deutsche Bauern Russlands Äcker bestellen
Barbarrossa
1941 hatten es die Nationalsozialisten ebenfalls auf die fruchtbare Erde der Ukraine und West-Russlands abgesehen. Damals versuchte Hitler mit eine gewaltigen Heer, die Ernährungsgrundlage des deutschen Voiks mit einem schlussendlich vier Jahre dauernden "Blitzkrieg" sicherzustellen.
Nun sind die Deutschen also zurück, aber dem Zeitgeist entsprechend in guter wirtschaftsliberaler Manier (welche die Nazis zeitlebens verabscheuten). Statt mit Waffen kommt man mit Geld und Know-How - zum Wohle aller, wenn man den ökonomischen Theorien von Adam Smith glauben mag.
Verlorene Autarkie
Ironisch mutet höchstens an, dass sich Russland heute nicht mehr selbst ernähren kann (Herbert Backe, Nazi-Landwirtschaftsminister, veranschlagte in einem 1942 erschienen Werk die Ernährungsfähigkeit von Russland auf 100%). Der Autor des nun erschienenen Artikels schätzt die Menge importierter Lebensmittel auf 40, in gewissen Regionen gar 70 Prozent ...
Schweizer in der Ukraine
Im heutigen Magazin gibt es einen ähnlich lautenden Artikel. In diesem Fall dreht sich die Geschichte aber um einen Schweizer Landwirten, der sein Glück (erfolglos) ind er Ukraine versucht (im Land der Orangen Revolution und Tchernobyl herschen katastrophale Verhältnisse, was die Rechtstaatlichkeit betrifft):
Labels: Deutschland, Ernährung, Geschichte, Landwirtschaft, Russland
Montag, Juni 16, 2008
Der Teufel steckt in der urbanen Gesellschaft
Dabei hat er [Bauernsekretär Ernst Laur] unter anderem hingewiesen auf die großen Gefahren, die dem Großstadtleben innewohnen: Auf den Luxus, die Genusssucht, die Üppigkeit und die Überkultur, besonders in Kreisen der Besitzenden und auf die dadurch entstehende Verweichlichung; ferner auf die durch solches Wohlleben angeregte Begehrlichkeit der untern Schichten; wie alles Sinnen und Trachten auf eine bequeme Lebenshaltung hin tendiere; wie dadurch die Arbeit als bittere Last empfunden wird, wie die ideellen Regungen im Menschen erstickt und die niedern Triebe gefördert werden und zu was für Lebensauffassungen und Anschauungen das führen muss.
Quelle: Rudolf Minger an der Gründungsversammlung der Bernischen Bauern- und Bürgerpartei vom 28. September 1918.
Kaum verwunderlich, wer - Mingers Ansicht nach - die Städter vor ihrem sicheren Untergang retten sollte:
Dem gegenüber hat er die Vorteile geschildert, die das Landleben, besonders in unseren Bauernfamilien, mit sich bringt. Wie das heimelige Zusammenleben und Zusammenarbeiten von Eltern und Kindern in der freien Gottesnatur die Kindererziehung erleichtere und günstig beeinflusse; wie die Freude an der Arbeit frühzeitig geweckt, so dass sie als Lust, als segensreiche Einrichtung empfunden werde. Die Anerkennung einer göttlichen Weltordnung sodann befruchte wohltuend Charakter- und Gemütsbildung und lenke den Blick aufhöhere, unvergängliche Ziele, die dem Leben die Weihe und den Inhalt verleihen. Durch das glückliche Zusammenwirken dieser Faktoren wird unser Bauernstand zum nie versiegenden Jungbrunnen, zum Reservoir, das dazu berufen ist, den Städtern die nötige Blutauffrischung zuzuführen, um dieselben vor dem sichern Niedergang zu bewahren.
Was ist aus diesen geflügelten Worten nur geworden? Die Urbanen Zeitgenossen haben die Landwirte endgültig und ein für allemal verdorben ...
Ich kann mich übrigens nicht verwehren und erkenne im Begriff Blutauffrischung erste Tendenzen, die Deutschland in den 1930ern in den Untergang geritten haben.
Labels: Geschichte, Gesellschaft, Landwirtschaft, Schweiz
Donnerstag, Juni 12, 2008
Weizen und Soja verteuern sich stark
Ein Element, das uns in den nächsten Jahrzehnten beschäftigen wird: Der Klimawandel. Die anderen Dinge sind Energiemangel und die daraus resultierende Überbevölkerung.
Soy and wheat also surged more than 5 and 7 percent, respectively, as those crops were also threatened by excessive rainfall and overflowing rivers, with no relief in sight.
Quelle: Business Feed Article | Business |
Labels: Klima, Landwirtschaft, Nahrung, USA, Wetter, Witterung
Donnerstag, Mai 29, 2008
Der Grosse Milchstreik
Werden wir dereinst unseren Kindern vom "Grossen Milchstreik" im Jahre 2008 erzählen können?
Die Wut der Bauern ist nachvollziehbar. Zum einen sind die Kosten für Energie und Futter drastisch gestiegen. Zum anderen verstehen die Bauern nicht, warum sie vom immer grösseren Appetit auf Milchprodukte in Asien und anderen aufstrebenden Weltregionen kaum profitieren.
Quelle: Der Milchstreik greift auf Europa über - Wirtschaft - Tages-Anzeiger
Klar kann man diese Aktion als Nebenschauplatz abtun. Doch sie zeigt (leider) auf, dass diejenigen, die deutlich näher am Erdölpreis hängen als "wir" Konsumenten die Schockwelle auch viel früher zu spüren bekommen.
Im Gegensatz zum autofahrenden Arbeitnehmer wirkt sich bei den Landwirten die Einbusse, die durch gestiegene Energie- (Erdöl) und Rohstoffpreise (Dünger, Kraftfutter) entsteht, direkt auf den Geldsäckel aus. Teilweise ist die Einbusse so schlimm, dass man sogar rückwärts macht. Wer will es den Milchbauern da verübeln, dass sie protestieren, wenn sie zuviel zu sterben, zuwenig zum Leben haben?
(Die Rolle der Landwirtschafts-Subventionen lasse ich in diesem Fall aussen vor. Wer dazu etwas Gescheites zu sagen hat, soll dies mit einem Kommentar tun)
Labels: Energie, Erdöl, Europa, Landwirtschaft, Milch, Schweiz
Dienstag, Mai 27, 2008
Die Deutschen haben ausgemelkt
Als hätten wir nicht schon genug (echte und unechte) Engpässe:
Die zentrale Forderung des BDM ist ein Basispreis von 43 Cent pro Liter. Der Vorsitzende des Bundesverbands der Deutschen Milchviehhalter, Romuald Schaber, sagte, er rechne mit einer bundesweiten Beteiligung von rund 80 Prozent. Bald würden vor allem frische Produkte wie Milch und Joghurt knapp in den Supermarktregalen.
Quelle: Boykott: Tausende Landwirte schütten Milch weg - Wirtschaft - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten
Lesenswert: Warum die Milch so billig ist
Labels: Deutschland, Konsum, Landwirtschaft, Milch, Nahrung, Wirtschaft
Sonntag, Mai 18, 2008
Freiburger Kühe sind zäher als man denkt!
Der Letzte hiess Héron. Als der schwarz-weiss gefleckte Stier aus dem Freiburger Dorf Villaranon 1975 zur Schlachtbank geführt wurde, bedeutete dies in der Schweiz das Ende einer ganzen Rasse. Die typische Freiburger Kuh war von kanadischen Holstein-Kühen vollständig verdrängt worden.
[...] Der massige Vorderkörper, das trichterförmige Euter, der tonnenförmige Bauch, der rundliche Hinterkörper – alles wie bei den alten Freiburger Kühen.
[...] Die Freiburger war eine Dreinutzungs-Rasse: Sie wurde als Fleisch- und Milchkuh sowie als Zugtier eingesetzt.
Quelle: Ausgestorbene Schweizer Viehrasse wiederentdeckt (Schweiz, NZZ Online)
Labels: Landwirtschaft, Schweiz, Tiere
Dienstag, Februar 26, 2008
Nahrung wird teurer
“I think we need to tell the American consumer that [prices] are going up,” he said. “We’re seeing cost increases that we’ve never seen in our business.”
[...] US agriculture officials forecast that food inflation will rise this year at an annual rate of 3-4 per cent, warning that the risks were skewed to the upside. Last year, food inflation rose 4 per cent, the highest annual rate since 1990.
[...] He said that wheat prices had previously moved from $3 to $5 a bushel without significant pain for consumers. “But now the wheat price has jumped to nearly $20 a bushel. These large increases will show up [in consumer prices].”
Quelle: Shoppers warned bigger bills on way
Hoffen wir, dass 2008 ein ausserordentlich ertragreiches Jahr für die Landwirtschaft wird ...
Nachtrag
[...] outsourcing your supply of food and water… depending on unfriendly or unreliable trading partners to keep sending fresh fruit and poultry… or thinking the global system of trade will forever expand and never again contract… these are all dangerous assumptions that could leave you with an empty national stomach at night.
Quelle: The Next Crisis Will Be Over Food
History repeating?
Minger Rüedu in seiner Bierhübeli-Rede:
Nachdem unsere Zufuhren bei Ausbruch des Krieges eine so jähe Unterbindung erlitten, wurde unserem Volke plötzlich klar, in was für ein unangenehmes Abhängigkeitsverhältnis unser Land im Laufe der Jahre sich gegenüber dem Ausland verwickelt hatte, eine Tatsache, auf deren Gefährlichkeit unsere Bauernführer vor dem Krieg immer wieder aufmerksam machten. Leider wurden diese wohlgemeinten Ratschläge in massgebenden Kreisen vielfach überhört. Die Entwicklung des schweizerischen Wirtschaftslebens vor dem Krieg brachte es mit sich, dass unsere Landwirtschaft immer mehr in den Hintergrund gedrängt wurde. Besonders günstig waren die wirtschaftlichen Verhältnisse für die Entstehung von Aktiengesellschaften. Dadurch wurden immer neue Unternehmungen ins Leben gerufen, pilzartig schossen immer mehr Fabriken aus dem Boden hervor. Unser Land stund im Zeichen eines grossartigen industriellen Aufschwunges. Es war deshalb gegeben, dass grosse Kreise unserer Bevölkerung davon überzeugt waren, dass die Industrie für unser Land das Alleinseligmachende bedeute. Denn die Industrie, so wurde argumentiert, schaffe Arbeitsgelegenheit in Hülle und Fülle, sie sei die eigentliche Verdienstquelle des Volkes, und die Mehrung der Industrie bedeute gleichzeitig eine Mehrung der Steuerkraft. Durch diese fortschreitende Industrialisierung wurden der Landwirtschaft immer mehr Leute entzogen und entfremdet.
[...] Bei Ausbruch des Weltkrieges haben die früheren Verhältnisse ganz plötzlich eine Verschiebung erfahren. Die Hauptsorge von Volk und Behörden hat sich naturgemäss auf die inländische Lebensmittelversorgung konzentriert, und dadurch ist die vorher vielfach so verachtete Landwirtschaft mit einem Schlag in den Vordergrund gerückt, und alle Hoffnungen und Erwartungen des Schweizervolkes haben sich an diesem „rettenden Fels im stürmenden Meer“ festgeklammert.
Quelle: Bierhübeli-Rede Rudolf Minger
Labels: Landwirtschaft, Nahrung, Wirtschaft
Dienstag, Dezember 04, 2007
Verwirrte Entwicklungsländer
Heutiges Dogma:
Entwicklungsländer müssten mehr in ländliche Infrastruktur investieren und den Zugang zu Dünger, Saatgut und Krediten erleichtern, um die Produktion auszuweiten.
Quelle: Nahrung wird teurer und knapper
Bisheriges Dogma:
For a half-century, development agencies such as the World Bank have minimized the importance of agriculture, urging nations to industrialize and urbanize as rapidly as possible. Indeed, the Bank has not featured agriculture in an annual report since 1982.
Quelle: Richard Heinberg's Museletter: What Will We Eat as the Oil Runs Out?
Labels: Entwicklungsländer, Landwirtschaft
Donnerstag, November 01, 2007
Herr, gib uns unser täglich Erdöl
On properly managed grazing land--including pasture-land and hayland--only 1 calorie of fossil-fuel energy is needed to produce up to 2 calories of food and fiber energy. Many crops require from 5 to 10 calories of fossil-fuel energy for every calorie of food or fiber produced.
Quelle: Grazing Lands
Normalerweise sollte es in unserem Wirtschaftssystem doch anders rum funktionieren: Aus wenig Geld viel Geld machen ...
Definiere moderne Landwirtschaft
Our agriculture really hasn't changed that fundamentally in the last 7,000 years or so - we've just thrown increasing amounts of energy and mechanisation at the problem, because that's what we had going spare.
Quelle: Kommentar zu The World's Expected Carrying Capacity in a Post Industrial Agrarian Society
Labels: Erdöl, Essen, Landwirtschaft, Nahrung
Mittwoch, Oktober 24, 2007
Unsere Nahrung ist Erdöl
One can't easily correlate yield (bu/ac) with oil price. Nor can one see a correlation between farm profits and oil price. The best reason for this that I can think of is that both yield and profits are subject to so many other variables than oil price. Rainfall (and when it occurs), temperature, crop disease, all play a role in both yield and profitability.
With corn, one of the interesting realizations is that a 19th century farm grew about 30 bushels per acre, while today, with our machinery we can grow up to 160 bushels per acre. [...] So, having shown the problem of planting without machinery, we can see that any reduction of oil is likely to cause a serious drop in crop yield, leading to famine.
Quelle: The Connection Between Food Supply and Energy: What Is the Role of Oil Price?
Das wird der Zeitpunkt sein, an dem Leute merken, dass man weder Banknoten, noch Gold, noch Aktien essen kann. Wer der Meinung ist, dass man Bauern nicht benötige, weil die Milch ja in der MIGROS zu kaufen ist, sollte diesen Artikel unbedingt lesen. Erkenntnis: In jedem Arbeitsschritt der industriellen Landwirtschaft stecken erschreckende Mengen Erdöl. Kein Erdöl - kein Futter.
Labels: Erdöl, Landwirtschaft, Umwelt
Montag, Oktober 01, 2007
Bio-Ethanol sucks!
Dr. Patzek published a fifty-page study on the subject in the journal Critical Reviews in Plant Science. This time, he factored in the myriad energy inputs required by industrial agriculture, from the amount of fuel used to produce fertilizers and corn seeds to the transportation and wastewater disposal costs. All told, he believes that the cumulative energy consumed in corn farming and ethanol production is six times greater than what the end product provides your car engine in terms of power.
Quelle: Corn-to-Ethanol: US Agribusiness Magic Path To A World Food Monopoly
Schlimmer als im Kommunismus. Und das in einem Land, dessen politische Exekutive von "neoliberalem" Denken geprägt ist ... In einer liberalen Marktwirtschaft wäre solcher Mumpiz garantiert nicht passiert! (Und falls doch, wäre der Produzent innert Wochen bankrott gegangen)
Nachtrag
Ein renommierterer Wissenschaftler kommt in einem TechnologyReview-Interview zu Wort:
„Flüssige Biokraftstoffe sind nicht klimafreundlich“
Labels: Energie, Landwirtschaft, USA, Wirtschaft
Freitag, August 10, 2007
Importierte Nahrungsmittel unbedenklich?
Most notably, they found that lamb raised on New Zealand’s clover-choked pastures and shipped 11,000 miles by boat to Britain produced 1,520 pounds of carbon dioxide emissions per ton while British lamb produced 6,280 pounds of carbon dioxide per ton, in part because poorer British pastures force farmers to use feed. In other words, it is four times more energy-efficient for Londoners to buy lamb imported from the other side of the world than to buy it from a producer in their backyard.
Quelle: Food That Travels Well
Labels: Energie, Landwirtschaft, Umwelt, Wirtschaft
Montag, Juli 02, 2007
Peak Oil und die Landwirtschaft
"When you get $4 to $5 for a box of lettuce, there's no money in that. You've got to get around $7 to $8. With the cost of fuel that went up, that affects the cost of everything. Fertilizer went up through the roof because it's petroleum-based," [...]
Quelle: S.J. family farms struggle to make ends meet
Ein Vorgeschmack auf welchen Dauerzustand wir uns gefasst machen können, wenn Peak Oil in voller Breite einschlägt. Ich denke nicht, dass der Verlust dann weiter an der Landwirtschaft lasten bleibt. Meine Generation könnte die Nahrungsmittelpreise in nie zuvor gesehene Höhen steigen sehen ...
Nicht nur die Kosten für Dünger vervielfachen sich mit dem Anstieg der Erdölpreise - die Ernte will mit dieselbetriebenen Traktoren eingefahren, danach (ebenfalls mit dieselgetriebenen Fahrzeugen) in die Verarbeitungsanlagen gebracht, um anschliessend (wieder mit dieselgetriebenen Fahrzeugen) im Supermarkt zu landen. Keines der beteiligten Unternehmen wird so "sozial" sein und die Kosten nicht an die Konsumenten weitergeben.
Labels: Erdöl, Landwirtschaft, Umwelt, Wirtschaft
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