Freitag, 3. Juli 2020

Maskenpflicht: Ja, aber …

Ich bin kein Fan von Masken, aber so ist es nun Mal.

Wo ich aber noch eine klitzekleine Frage habe: Wieso nur im ÖV? Will das BAG herausgefunden haben, dass die Ansteckungen der letzten Woche(n) grösstenteils im ÖV stattgefunden haben? Dann wäre die Massnahme gerechtfertigt. Hat man diesen Beleg aber erbracht und wissenschaftlich verifiziert? Ich weiss es nicht.

Ich hege meine Zweifel, wenn ich an all die Demos, illegalen und legalen Parties der letzten Wochen denke. Wären die Infektionen stattdessen grösstenteils auf solche Aktivitäten zurückzuführen, müsste man doch viel eher alle Demos und Parties verbieten.

Denn wir sollten in dieser Pandemie nun wirklich langsam in einen Modus kommen, wo man ganz gezielte, kleinräumig abgrenzbare Massnahmen ergreift um (1) einerseits Risikogruppen zu schützen und (2) andererseits nicht unnötig (asymptomatische) Virenschleudern zu produzieren. Den grossen Rest sollte man aber unbehelligt und sich wieder ihrem Leben widmen lassen.

Ich versuche es mit einem Vergleich: Wenn die Autofahrer auf der A1 nach der Raststätte Grauholz Richtung Zürich regelmässig zu schnell fahren (und mich das als Bundesrat stört) stelle ich den Blitzer auch nicht in der West-Umfahrung in Zürich auf.

Und zum Schluss noch dies: Meine Hoffnung ist, dass sich an den Demos, illegalen und legalen Parties vor allem junge, kerngesunde Menschen anstecken. Das treibt zwar die Infektionszahlen in die Höhe, sollte meiner Vermutung nach aber (1) weder zu überfüllten Spitälern, und schon gar nicht Intensivstationen (2) noch zu Toten führen.

Wir dürfen nicht vergessen: Die Schweiz zählt am 3. Juli 2020 offiziell 6 Corona-Tote, die bei ihrem Tod an/mit Corona unter 40 Jahre alt waren. 6 von 1966 entsprechen 0.3 Prozent aller Corona-Toten. Und: 6 von 31’938 entsprechen 0.018 Prozent aller positiv Getesteten (besser wäre natürlich, die 6 nur gegen die Zahl der positiv Getesteten unter 40 Jahren zu vergleichen; diese Zahl habe ich auf die schnelle aber nicht gefunden).

Äugen wir also auf die Situation in ein paar Wochen und drücken uns die Daumen.

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Freitag, 3. Juli 2020

Sechs Monate Corona-Statistiken, und immer noch nichts begriffen

Da ich die World In Data-Grafiken mittels IFRAMEs einbette, aktualisieren sie sich in Echtzeit. D.h. die Grafiken sehen am 3. Juli anders aus als am 4. Juli, oder 20. Juli, oder 31. Dezember 2020. Als ich den Artikel geschrieben haben, sahen die Grafiken so aus. Sind wir gespannt, was die Halbwertszeit meines Blog-Posts ist.

CNNs Quest Means Business von heute Donnerstag-Abend:

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Kann man als Journalist machen, sagt der ganzen Welt damit aber primär, dass man eine Statistik-Pfeife ist.

Wenn man eine solche Grafik bringt, dann bitte positive Getestete relativ zur Einwohnerzahl. Und wenn man wirklich die Auszeichnung ergattern möchte, legt man noch die Zahl der Tests darüber (denn es gilt auch hier: „Wer sucht, der findet“).

Dank Our World in Data kann man sich etwas ansatzweise davon zusammenklicken:

Wer ist der Spitzenreiter mit positiv ausfallenden Tests pro Tag? Die … haltet euch fest … Schweiz! Am 28. März mit 160 positiv Getesteten pro Million Einwohner. Die USA sind heute erst bei 158 positiv Getesteten pro Million Einwohner. Doch die USA könnten uns in den nächsten Tagen den unrühmlichen Rang abjagen.

Die Frage ist eigentlich nur noch, ob die Zahlen der positiv Getesteten gerade am durchstarten sind und in den nächsten Tagen durch die Decke gehen, oder ob die Kurve dann abzuflachen beginnt. So wie es in all den anderen dargestellten Ländern auch der Fall war.

Und jetzt nehmen wir noch eine logarithmische Skala:

Ich habe keinen Weg gefunden, die Tests darüberzulegen, deshalb in einer separaten Grafik:

Die USA testen derzeit doppelt soviele Personen pro Tausend Einwohner als es die Schweiz macht. Für mich nachvollziehbar, dass man dementsprechend auch mehr Infizierte findet.

Meine Einschätzung: Not great, not terrible.

Ich persönlich schaue wenn überhaupt gelegentlich nur noch folgendes Diagramm an:

Ich schreibe Schweden und Amerika dann ab, wenn deren Linien die Skala gegen oben markant sprengen.

PS: Vergleicht man die Länder auf einer logarithmischen Skala, sind die Unterschiede noch viel weniger markant:

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Sonntag, 28. Juni 2020

Corona in Schlachtbetrieben (und wie die Medien weiter Panik schüren)

Zurück von einer Woche Urlaub am wunderschönen Achensee (wo man glücklicherweise einen extrem pragmatischen Pandemieschutzansatz fährt), zurück in die Corona-Medienhölle der Schweiz:

Corona-Fälle auch in Schweizer Schlachtbetrieb

Dies vermutlich als „Antwort“ auf die „Schreckensmeldungen“ der Berufskollegen aus Deutschland, die von Masseninfektionen in Schlachtereien, allen voran Tönnies, berichten. „Challenge accepted!“, werden sich die Tx-Journis gesagt haben.

Vielleicht wird ja ein Entscheider in Deutschland Herrn Professor Streeck vorbeischicken, um eine Studie über die verseuchte Tönnies-Fleischfabrik zu machen (analog zu seiner Heinsberg-Studie). Was auch immer dieses wissenschaftliche Papier zu Tage fördern würde — Panik ist eindeutig fehl am Platz:

In den Schreibstuben hat sich offenbar die Erkenntnis immer noch nicht durchgesetzt, dass man anstelle über die Zahl an Infizierten („75% mehr neue Fälle in der Schweiz als in der Vorwoche“ — Hintergedanke: Habt Angst! Und klickt mich, wir brauchen die Klicks und Werbeeinnahmen!) doch eigentlich über die aktuelle Zahl der Patienten im Spital (im Kanton Bern: genau eine Person) sowie davon solche auf der Intensivstation (im Kanton Bern: 0) sowie die Entwicklung der Zahl der Toten (trotz Unlockdown seit Wochen schweizweit (!) um 0 herum dümpelnd) melden sollten. Und wenn man die Zahl der Neu-Infizierten nun wirklich bringen will, dann bitte immerhin in Relation zur Anzahl der Tests!

Angewendet auf die Schlachtbetriebe:

  • Bern:

    […] Anfang Mai […] Der zur Ernst Sutter AG gehörende Fleischverarbeiter Reber in Langnau im Emmental […] 16 positiv getestete Mitarbeiter. […] Mittlerweile sind alle Betroffenen wieder gesund und an ihren Arbeitsplatz zurückgekehrt.

  • Gütersloh:

    1331 Tönnies-Mitarbeiter infiziert – fünf liegen auf der Intensivstation

    Quelle

Schlussfolgerung (unnötig für diejenigen Mitbürger, welche das selbständige Denken und ihre Mathematikfähigkeiten noch nicht vollständig an Journalisten outgesourct haben): Würden wir Mitarbeiter ALLER Schlachthöfe Europas testen, würden wir vermutlich eine riesige Zahl an Infizierten und/oder von Mitarbeitern mit SARS-Cov-2 Antikörpern finden. SARS-CoV-2 scheint es in solchen Industriemilieus (aus noch wissenschaftlich zu klärenden Gründen) zu gefallen.

Doch das Zwischenfazit müsste ein anderes sein: 100 Prozent der „Fallstudie“ Langnau i.E. haben Corona überlebt und arbeiten wieder. Mindestens 99.6 Prozent der (infizierten) Schlacht-Mitarbeiter in Gütersloh haben Corona überlebt, und ich drücke den fünf Personen auf der Intensivstation alle Daumen, dass sie die Infektion überleben. Sie haben das Glück, in einem der besten auf Corona gewappneten Gesundheitssysteme der Welt behandelt zu werden. Ich denke nicht, dass sie in ihren Heimatländern bessere Überlebenschancen gehabt hätten.

PS: Bewusst lasse ich die wirtschaftlichen Konstrukte mit Subunternehmen und Leiharbeitern aus Osteuropa hier vor; falls diese prekären Umstände den Bürger mehr stören als teures Fleisch, müssen sie mittels Proteste (fühlt sich gut an, hat vermutlich aber null Effekt) und Wahlen (äusserst effektiv, sofern die Mehrheit sich daran stört) Gegensteuer geben.

Ich persönlich kaufe wann immer möglich Schweizer Fleisch. Wir haben zwar schon vereinzelt Shopping-Ausflüge über die Grenze gemacht, wehre mich aber jedes Mal mit Händen und Füssen, wenn die bessere Hälfte im Kaufland deutsches Müllfleisch in den Warenkorb legt.

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Samstag, 13. Juni 2020

Vaclav Havel definiert „Post-Totalitär“

„Within the system, every individual is trapped within a dense network of the state’s governing instruments…themselves legitimated by a flexible but comprehensive ideology, a ’secularized religion’…it is therefore necessary to see, argued Havel, that power relations…are best described as a labyrinth of influence, repression, fear and self-censorship which swallows up everyone within it, at the very least by rendering them silent, stultified and marked by some undesirable prejudices of the powerful…“

Quelle: The Power of the Powerless

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Samstag, 13. Juni 2020

NZZ Standpunkte: Medizin-Ethik in der Corona-Pandemie

Leben und sterben mit Covid-19 – Wie schaffen wir das?

Die knapp einstündige Sendung wurde mir von einem Bekannten empfohlen. Ich habe sie mit youtube-dl heruntergeladen und dann während dem Rudertraining mit dem Mediaplayer Infuse 6 auf meinem iPad mit 1.75-facher Geschwindigkeit geschaut (meiner Meinung nach die Mindestgeschwindgkeit, die man wählen sollte — mehr Zeit ist das Gespräch nicht wert).

Was ich mitgenommen habe:

  1. Eine Patientenverfügung ist eine äusserst gute Sache und sollte in gesunden und unbeschwerten Zeiten verfasst und mit dem Partner und einem (geschulten?) Arzt besprochen werden.
  2. Das radikale Besuchsverbot in Alters- und Pflegeheimen war ganz klar ein Fehler des Bundesrats und des BAG (aus meiner Sicht: einer von vielen). Es war wissenschaftlich nicht rechtfertigbar, und hat viel Leiden ausgelöst (ein Corona-Kollateralschaden mehr).
  3. Generell sollten deutlich mehr evidenzbasierte Entscheide gefällt werden, ein Mittel dabei sei der „Rapid Review“ von wissenschaftlichen Artikeln.
  4. Eine breit abgestützte Task Force sofort einberufen. Meine Ergänzung: Bitte lasst die Viro- und Epidemiologen mit narzistischen Persönlichkeitsstörungen aussen vor. Mir scheint es als gäbe es eine sehr starke Korrelation zwischen der Berufswahl und der Geilheit auf Medienauftritte.
  5. Sterbenskranke Ärzte ziehen es vor, nicht im Spital zu sterben, sondern zu Hause (Palliativmedizin). Das sind die Experten, haben viele auf dem letzten Weg begleite — und genau das sollte uns zu denken geben.

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Samstag, 13. Juni 2020

Geniales Unboxing-Video

Die Qualität, die Musik, der Schnitt …

… im Gegensatz zu den Kommentaren unter dem Video gehe ich bei meinem derzeitigen Wissensstand davon aus, dass die Räder für den neuen Mac Pro die $699 tatsächlich wert sind.

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Mittwoch, 3. Juni 2020

Die Tablare des Landi Medion Weinkühlschranks mit etwas Funktionierendem ersetzen

Vor einigen Monaten verkaufte die Landi einen Medion MD 16703 Weinkühlschrank (Angebot für Landi auf Medion beworben, nicht mehr funktionierende Artikel-Seite auf Landi.ch) mit Stauraum für acht Flaschen für sagenhafte 99 CHF.

Da musste ich selbstverständlich zuschlagen — wir wohnen im 2. Stock, und der Wein lagert im Keller. Es gibt kein Lift. Der Fussmarsch hinunter in die Gewölbe und wieder herauf wäre das eine gewesen, doch der Wein hatte natürlich auch nicht die richtige Trinktemperatur, wenn er direkt aus dem Keller kam.

Der Kühlschrank ist nicht schlecht — er kühlt den Wein wie erwartet und ist auch nicht laut (er steht bei uns im Wohnzimmer, und ich habe bisher keine störenden Geräusche vernommen). Doch das grösste Manko sind die Holzregale, die es unheimlich umständlich machen, Weinflaschen, die nicht exakt der Norm entsprechen, in den Kühlschrank zu legen. Immer wieder kommt es vor, dass ich ein Tablar oberhalb des freien Platzes entfernen, den Wein einlagern, und dann das Tablar wieder einlegen muss.

Am Wochenende machte ich mich deshalb auf die Suche nach Ersatz. Zuerst wollte ich den Kühlschrank komplett ersetzen (den Kimchi meiner Frau möchte ich seit längerem in einem Kühlschrank lagern, in dem sonst keine anderen Esswaren liegen — somit hätte der „alte“ Weinkühlschrank eine neue Berufung erhalten und nahtlos weiterbetrieben werden können). Doch das gewünschte, höhere Modell (PROFI COOK PC-GK 1164) war vergriffen. Und der vergleichbare Coldtec by Kibernetik THD21 war halt etwas zu teuer.

Beim Durchsuchen anderer Angebote fielen mir die alternativen Tablare von Fusts Novamatic VINOCAVE 6 (Aktion: 99 CHF) auf. Es handelt sich um Chromgitter, oder „Chrome racks“. Bei Ali Express wurde ich nicht fündig.

Dann eine weitere Idee: Vielleicht gibt es Ersatzteile bei Medion, und vielleicht verkaufen die nicht nur die Holzregale, sondern auch die Chromgitter. Leider nein — für den Weinkühlschrank werden zwar viele Treffer angezeigt, es scheinen aber nicht wirklich Ersatzteile angeboten zu werden.

Nach weiteren Recherchen dann die Erkenntnis, dass der Tristar WR-7508 dem Medion MD 16703 wie ein Zwilling gleicht. Es wird sich wohl um dasselbe Modell mit einem anderen Branding handeln. Doch dieser Weinkühlschrank verfügt nicht über die blöden Holzregale, sondern eben auch über Chromgitter.

Und siehe da: Im Ersatzteilshop von Tristar kann man diese Gitter unter der Artikelnummer XX-7508123 nachbestellen! Gesagt, getan. Drei Stück kamen gestern an und wurden umgehend eingebaut.

Ob besonders geformte Weinflaschen nun besser reingelegt und herausgeholt werden können, werde ich hier bei Gelegenheit notieren. Der erste Test war auf jeden Fall vielversprechend.

Photos

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Samstag, 23. Mai 2020

Zwei Cyon IMAP-INBOXen innerhalb von drei Wochen zerschossen

Seit 2012 bin ich glücklicher Kunde von Cyon, eines schweizerischen Hosting-Anbieters. In den letzten drei Wochen hat sich das Erlebnis etwas getrübt.

Wichtig: Die unten beschriebene Problematik hatte ich in den letzten acht Jahren nie, und schon gar nicht innerhalb von drei Wochen zwei Mal. imapfilter hat bisher auch immer reibungslos funktioniert.

Das erste Problem

Am Morgen des Samstag, 9. Mai 2020 konnte ich plötzlich nicht mehr auf meine E-Mails in der INBOX von Konto A zugreifen. Weder in Apple Mail (meinem hauptsächlichen E-Mail-Client), noch über RainLoop (Webmail), noch mit imapfilter, welches ich verwende, um E-Mails automatisiert in Unterordner zu verschieben (oder im Falle von Spam: zu löschen).

Das alle 5 Minuten laufende imapfilter, gepaart mit Healthchecks, ist übrigens auch ein optimales „Frühwarnsystem“, welches mir meldet, wenn mit dem Mailserver etwas nicht stimmt.

Das Log von RainLoop (unter RAINLOOPROOT/data/_data_/_default_/logs) zeigte den Fehler schön auf:

...
[08:55:36.698][1c50d1ff] IMAP[DATA]: > TAG3 SELECT "INBOX"\r\n
[08:55:36.960][1c50d1ff] IMAP[ERROR]: Stream Meta: Array
...
[08:55:36.961][1c50d1ff] IMAP[ERROR]: MailSo\Net\Exceptions\SocketReadException: MailSo-Net-Exceptions-SocketReadException (NetClient.php ~ 523) in %PATH%/rainloop/v/0.0.0/app/libraries/MailSo/Net/NetClient.php:523
Stack trace:
...

Und so sah das Symptom bei imapfilter aus:

...
Sat May  9 10:41:38 2020: reading data through SSL; the connection has been closed cleanly
...

Diese Meldung wurde in einer Schleife ausgegeben, und zwar bei jedem Befehl, der E-Mails filtern und — falls vorhanden — verschieben sollte.

Als ich imapfilter im Debug-Modus laufen liess …

$ imapfilter -v -l log.txt -d debug.txt recipe.imapfilter

… tauchte folgende erhellende Nachricht im Debug Log (debug.txt) auf:

IMAP (5): 107C NO [UNAVAILABLE] Maximum number of connections from user+IP exceeded (mail_max_userip_connections=75)

Weil die IMAP-INBOX nicht abrufbar war, steckten meine Scripts in Endlosschleifen fest, welche die Zahl der Verbindungen pro E-Mail-Konto und IP voll ausschöpfte. Es waren also keine Verbindungen mehr möglich.

Als erstes schaltete ich deshalb den imapfilter-Cronjob ab, um dem IMAP-Server eine Verschnaufspause zu gönnen. Dann wurde rasch klar, dass die E-Mails in der INBOX aus irgendeinem Grund nicht aufgelistet werden konnten. Ich hatte in den zwei Tagen zuvor einige Anpassungen am imapfilter-Konfiguration vorgenommen; eine Möglichkeit war, dass die Verschiebeaktionen dabei zu einer korrupten INBOX-Datei geführt haben könnten.

Obwohl das Problem an einem Wochenende auftrat, schrieb ich dem Support — wohlwissentlich, dass ich erst am Montag eine Antwort erhalten würde. Vielleicht würde ja trotzdem eine gute Seele reinschauen … leider nein, The Computer Says No.

Ich kämpfte deshalb auf eigener Faust weiter: Nach viel Pröbeln wählte ich die Holzhammer-Methode: Nach einem lokalen Backup des kaputten Dovecot-Verzeichnisses löschte ich via SSH alle Dateien im INBOX-Verzeichnis (Pfad: siehe unten), ein frischer Start, sozusagen. Seither funktioniert die INBOX wieder.

Glück im Unglück: Da ich bei Konto A versuche, Inbox Zero anzuwenden, waren nur vier E-Mails von der Löschaktion betroffen, von denen ich die von Apple Mail lokal gespeicherten .emlx an einen sicheren Ort kopieren konnte.

Das zweite Problem

Kurz nach Mitternacht in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 22. Mai 2020 traten gemäss imapfilter Probleme mit Konto B auf. Ich merkte dieses am späteren Freitag-Morgen, als ich mit meinen Mail-Clients nicht mehr auf meine E-Mails in der INBOX von Konto B zugreifen konnte. Dieses Mal gab es aber keine Überlastung der erlaubten Verbindungen. imapfilter meldete bei Abfragen auf die INBOX:

...
Fri May 22 14:47:16 2020: IMAP (5): 127C NO [SERVERBUG] Internal error occurred. Refer to server log for more information. [2020-05-22 14:47:16] (0.040 + 0.000 + 0.039 secs).
...

Ohne Zugriff auf die Logs konnte ich „SERVERBUG“ nicht weiter eingrenzen. Erneut schrieb ich eine E-Mail an den Support (Versand um 15:19 Uhr), und erhielt um 16:57 Uhr eine Antwort. Leider in der Form „Have you tried turning it off and on again?“. Die Hoffnung war verloren, dass mir Cyon noch vor dem Wochenende beim Debugging helfen konnte — somit sah ich ca. 56 Stunden ohne E-Mail entgegen.

Hilfreich war in der ersten Antwort des Supporters einzig der Tipp, anstelle von RainLoop doch bitte das „offizielle“ Webmail von Cyon zu verwenden: webmail.cyon.ch, welches auf RoundCube basiert. Gesagt, getan. So konnte ich dem Supporter klipp und klar belegen, dass das Problem auf der Serverseite lag. Wenn ich die INBOX anwählte, erschien am unteren Bildschirmrand ganz in rot folgende Fehlermeldung:

image-9075

Serverfehler: UID SORT: Internal error occurred. Refer to server log for more information. [2020-05-22 17:59:38] (0.041 + 0.000 + 0.040 secs)

Leider gab es seither keine Antwort mehr, weshalb ich mir erneut selber helfen musste (wieso passieren diese Fehler immer auf’s Wochnenende hin?!)

Das Problem war dieses Mal etwas anderer Natur — Apple Mail und imapfilter zeigten partout keine E-Mails mehr in der INBOX an; die Unterordner konnten hingegen abgerufen werden. RoundCube hingegen zeigte die INBOX etwas erratisch manchmal an, manchmal nicht.

Die schlussendliche Lösung:

  • Per SSH auf den Shared Hosting-Server einloggen
  • Alle dovecot-Prozesse abschiessen mittels
    $ ps ax | grep -i dovecot | grep -v grep | awk '{print $1}' | xargs kill
  • Die (möglicherweise korrupte?) dovecot.index Datei löschen
  • In Cyons RainLoop Webmail einloggen
  • Die E-Mails der letzten Tage im problematischen Mail-Ordner von Hand durchgehen; solche, die nicht angezeigt werden konnten, habe ich kurzerhand gelöscht
  • Einen neuen Unterordner erstellen; bspw. BACKUPYYYYMMDD
  • Alle verbleibenden E-Mails im problematischen Ordner auswählen und in den Backup-Ordner verschieben (ich hatte Angst, dass der Verschiebeprozess nicht funktionieren würde, klappte in dem Fall aber problemlos)
  • Zurück auf SSH wechseln
  • Im Verzeichnis des problematischen Emailordners rm -rf * ausführen, um alle vorhandenen Dateien zu löschen (ACHTUNG: Wer diesen Befehl am falschen Ort ausführt, löscht sich sein gesamtes Benutzerverzeichnis)
  • RoundCube, RainLoop Apple Mail und imapfilter wieder starten resp. öffnen — der problematische Ordner ist jetzt zwar leer, aber kann immerhin wieder ohne Fehlermeldungen abgefragt werden. Im Hintergrund erstellt Dovecot alle benötigten Dateien wieder.
  • Falls gewünscht die E-Mails aus dem Backup-Ordner zurück in den (neu erstellten) ehemals problematischen Ordner verschieben oder kopieren (ACHTUNG: Es könnte sein, dass eine ganz bestimmte E-Mail im Backup Dovecot zum Straucheln bringt; in dem Fall würde man mit der Rückkopieraktion das Problem wieder von vorne starten … bei mir war das glücklicherweise nicht der Fall)

Epilog

Ohne Zugriff auf die IMAP-Logs ist mir aber weiterhin nicht möglich herauszufinden, was denn nun wirklich genau das Problem war. Und so besteht zu befürchten, dass das Problem jede Minute erneut auftreten kann.

Und nein, ich gebe nicht Cyon die Schuld: Es könnte sein, dass mein spezielles Setup mit 5-minütigen imapfilter-Verbindungen die Ursache hinter den Problemen ist. Bspw. eine Anpassung, welche tausende E-Mails verschiebt und der Mailserver noch am kopieren ist, wenn der nächste imapfilter-Prozess bereits wieder startet und gerade in Kopie befindliche E-Mails irgendwohin kopiert. Oder ein Software-Update meiner Debian-Systeme in den letzten drei Wochen.

Es könnte aber auch sein, dass der Fehler bei Cyon zu suchen ist — d.h. ein kaputter RAM-Baustein, der beim Schreiben IMAP-Ordnerdateien korrumpiert, oder das Storage-System, welches zu schreibende Daten verfälscht, oder ein Update von Dovecot, nach welchem sich die Software nicht mehr wie gewohnt verhält. Oder eine Inkompatibilität zwischen der neuen Dovecot-Version mit dem bisherigen imapfilter; oder mit dem neuen imapfilter und der bisherigen Dovecot-Version.

Cyons E-Mail-Infrastruktur

Was ich bei diesen Problemen über Cyons E-Mail-Infrastruktur gelernt habe:

  • Cyon verwendet Dovecot als IMAP-Server
  • Ist man per SSH auf dem Cyon-Server eingeloggt, kann man sich die (eigenen) laufenden IMAP-Server-Prozesse mit folgendem Befehl anzeigen lassen. Die Zahl der Prozesse ist meines Erachtens proportional zur Anzahl der Clients, die gerade per IMAP E-Mails abfragen (mindestens 1 Prozess, es können aber durchaus auch mehrere pro Client sein).
    $ ps ax | grep -i dovecot
    3662642 ?        S      0:00 dovecot/imap
    3662645 ?        S      0:01 dovecot/imap
    3662646 ?        S      0:00 dovecot/imap
    3662706 ?        S      0:00 dovecot/imap
    3663038 ?        S      0:00 dovecot/imap
    3664246 ?        S      0:00 dovecot/imap
    3674314 ?        S      0:00 dovecot/imap
    3674316 ?        S      0:00 dovecot/imap
    3674317 ?        S      0:00 dovecot/imap
    3674449 ?        S      0:00 dovecot/imap
  • Die Mail-Daten eines Benutzers liegen in einer Ordnerstruktur unter /userdata01/%CYONUSER%/mail
  • Die Mail-Ordner einer E-Mailadresse %EMAILUSER%@%DOMAIN% finden sich unter /userdata01/%CYONUSER%/mail/%DOMAIN%/%EMAILUSER%/mailboxes
  • In einem Mail-Ordner finden sich normalerweise folgende Dateien:
    drwxr-x--x 2 user user    158 May 23 17:02 ./
    drwxr-x--x 3 user user     32 May 23 16:43 ../
    -rw-r----- 1 user user  15024 May 23 16:41 dovecot.index
    -rw-r----- 1 user user  15024 May 23 16:41 dovecot.index.backup
    -rw-r----- 1 user user 391208 May 23 17:34 dovecot.index.cache
    -rw-r----- 1 user user   2144 May 23 17:02 dovecot.index.log
    -rw-r----- 1 user user  32928 May 23 16:41 dovecot.index.log.2
  • Löscht man die Cache-Datei dovecot.cache in einem Mailordner (kann mehrere hundert Megabytes oder sogar Gigabytes gross sein), wird diese von Dovecot nicht automatisch neu generiert. Nichts geht mehr; d.h. der Ordner wird als leer angezeigt.
  • Löscht man die Index-Datei dovecot.index, wird diese von Dovecot automatisch neu generiert. Beim zweiten Problem half dies tatsächlich, dass ich wieder Zugriff auf E-Mails erhielt.

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Sonntag, 10. Mai 2020

Corona KW16–19: Medienschau

Pandemie

Hundreds of thousands in L.A. County may have the coronavirus, study finds

Mit einer ungewöhnlichen Grafik zeigen wir den Zeitpunkt, an welchem die Massnahmen gegen das Coronavirus in den verschiedenen Ländern zu wirken begannen.

Deshalb habe ich mich aus dem täglichen „X neue Corona-Fälle“-Mediengeschrei ausgeklinkt. Was zählt sind die Toten (und diese Zahlen sind tendenziell ebenfalls überzogen):

Tracking deaths is far more reliable than cases, which are heavily affected by testing biases.

Quelle: The ‚mystery‘ of India’s low Covid-19 death rate

In der Schweiz starben über dem Schnitt 1000 Menschen, es wurden aber nur 700 Corona-Tote im gleichen Zeitraum gezählt. Daraus schloss der „Tages-Anzeiger“ messerscharf: „Alarmierende Zahlen: es gibt viel mehr Corona-Tote als offiziell ausgewiesen“.

Alarmierend ist hier aber höchstens die Inkompetenz der Journalisten. Für eine knackige Schlagzeile warfen sie banale Regeln über Bord. […] Korrelation und einer Kausalität.

Aussagekräftig wären solche Zahlen nur, wenn sie ins Verhältnis zur Bevölkerung gesetzt würden. Also wie viele Infizierte oder Tote gibt es pro 100’000 Einwohner. Das wird aber bis heute bei den meisten Statistiken unterlassen. Absurd.

Quelle: Fauler Corona-Zahlenzauber

Der Tagi zitiert diesen Artikel: 28,000 Missing Deaths: Tracking the True Toll of the Coronavirus Crisis. Die Journalisten in New York haben Übersterblichkeit gefunden, welche aus ihrer Sicht einzig und allein auf Corona zurückzuführen ist. Ich wäre froh um den wissenschaftlichen Beweis dazu.

Er hält es für durchaus möglich, dass die strikten Massnahmen, die viele Länder jetzt verhängen, die Epidemie nicht verlangsamen, sondern nur um einige Wochen oder Monate verschieben.

Quelle: Covid-19 überfordert die Medien

Der im März 2020 in Grossbritannien noch populäre Ansatz — mittlerweile 180 Grad Kehrtwende, und Lockdown:

“the British response to the pandemic is to embrace the idea of ‘taking one for the team.’ That said, a week in bed is one thing. Dying is another. How you conduct this policy without getting significant people in the latter category is hard to see.”

Quelle: Flattening the Coronavirus Curve Is Not Enough

An welchen Ursachen starben Amerikaner Ende März/Anfangs April: COVID-19 Daily Deaths vs. Top 15 Causes of Death (Average/Day) in the US

Hat mich nicht überzeugt: What Happens Next? COVID-19 Futures, Explained With Playable Simulations

Thesen-Journalismus mit Hauch von Hofberichterstattung von Sandro Benini: Wieso wird Schweden mit absoluten Zahlen verglichen? Wieso werden positive Tests angeschaut, und nicht Tote pro Million Einwohner? Und: Wieso wird Schweden nur mit Finnland und Norwegen verglichen, und nicht mit allen anderen europäischen Ländern? Hier das Diagramm, wie es tatsächlich hätte publiziert werden sollen:

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Fazit: Not great, not terrible.

Quelle: Our World in Data „Total confirmed COVID-19 deaths per million people“

Ähnliche Grafik eines anderen Daten-Massierers

Medizinisches

Corona-Arzt in Darmstadt: „Das kenne ich so von keiner anderen Krankheit“

In den USA zahlen Patienten, die beatmet werden müssen, pro Woche bis zu 25.000 Dollar.

Quelle: Ralf und Rolf: Wer ist hier der Mistkerl?

Gesamtkosten eines Corona-bedingten Spitalaufenthaltes im Land der freien Schuldensklaven: Uninsured Americans could be facing nearly $75,000 in medical bills if hospitalized for coronavirus

Er ist überzeugt, dass die Situation bei dieser Flut an Patienten in Schweizer Spitälern nicht besser gewesen wäre – vielleicht sogar schlechter. Die Assistenzärzte seien in den USA sehr kompetent, und das amerikanische System führe dazu, dass leitende Ärzte viel länger im selben Spital blieben, was Stabilität gebe: «Das ist in Krisensituationen sehr wichtig.»

Quelle: Der Basler Pierre Saldinger ist Chefarzt in einem Krankenhaus in New York, wo die Corona-Pandemie derzeit am schlimmsten wütet. «Sie sterben allein. Das ist das Schlimmste»

It’s very striking to us that risk factors seem to be vascular: diabetes, obesity, age, hypertension.

Quelle: How does coronavirus kill? Clinicians trace a ferocious rampage through the body, from brain to toes

Guckt euch mal eure Füsse genauer an: Dr. Gupta explains symptom called ‚Covid toes‘

Eine unbeabsichtigte Konsequenz mehr, als Politiker und Beamten dazu ansetzten, die Zahl der Covid-19-Toten möglichst tief zu halten:

Ein Paar wollte das Alkoholverbot in Südafrika umgehen und braute sein eigenes Bier. Dies hatte jedoch tödliche Folgen.

Quelle: Paar stirbt in Lockdown wegen selbstgebrautem Bier

“So what happens if you are exposed to a coronavirus patient and you don’t have the ability to go full Wuhan?”

Quelle: Keeping the Coronavirus from Infecting Health-Care Workers

Gesellschaft

Die Schweden bleiben cool, während alle um sie herum hysterisch werden: Deaths climb in country that didn’t lock down. Officials name big reason why.

Viel Erfolg an alle, die derzeit einen Pulsoximeter suchen. Ein Pulsoximeter misst den Sauerstoff im Blut und wurde letzthin vom CNN-Moderator Chris Cuomo „beworben“. Die gut informierte, Corona-verunsicherte schweizerische Mittelklasse hat sich offenbar vollständig damit eingedeckt:

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Quelle: Medisana PM 100 (nur ein Beispiel unter vielen)

WhatsApp-Kettenbrief: Warum tanzen die Typen mit einem Sarg zu EDM?

Politik

“Schweiz 2020, jeder langt zu, wo er kann. Symbol dafür sind links-grüne Kommissions-Politiker, die für ausgefallene Sitzungen auf ihre Gelder pochen, wie der SonntagsBlick zeigte.”

Quelle: Rubel à gogo: Kurzarbeit für alle und jeden

Behörden

“In der Schweiz diskutieren wir zum Beispiel seit Jahren über neue Kampfjets für 4 oder 5 Milliarden Franken, aber niemand kümmerte sich um die Lagerhaltung von Masken und Medikamenten und deren Herstellung.”

Quelle: Swatch-Chef Nick Hayek kritisiert Bundesrat in Corona-Krise

“Wir wissen heute, dass weder das Bundesamt für Gesundheit (BAG) noch das Bundesamt für Wirtschaftliche Landesversorgung (BWL) einen guten Job gemacht haben.”

Quelle: Der Kampf um die Spitzenplätze ist voll entbrannt

“Auf der Plattform GitHub kann man Datensätze zu allen gemeldeten Fällen inklusive Alter und Geschlecht der Kantone BE, BL, BS, TG und ZH herunterladen.”

Quelle: Ärzte müssen Corona-Fälle per Fax melden

Wird von offizieller Seite vermutlich unter „Durchgeknallter Einzeltäter“ abgehakt: Brisante Studie aus dem BMI Teil 2: Massive interne Kritik an RKI und Bundesregierung Ich finde: Erfrischend, auch mal sowas zu lesen. Wenn nicht jetzt, dann in ein paar Monaten, wenn die Abrechnung kommt. Wortwörtlich.

Wirtschaft

All-in, food cost generally eats up around 33% of revenue, labour chews up another 33%, and hopefully overhead is low enough to have leftovers. Ratios vary based by restaurant type, but profit margins usually land around 3–9%.

[…] Reports show that, due to COVID 19, 1 in 10 restaurants is already gone for good. And this is just the beginning. When restaurants do re-open (those that survive), they will be in rough shape. […] let’s reset our expectations and restore respectable margins. Like back in the 1990’s. Like many other industries today. We can do better. They deserve better. Let’s aim for 19%.

Quelle: Why Restaurants Are So Fucked.

The economic crisis will expose a decade’s worth of corporate fraud

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Sonntag, 10. Mai 2020

Corona: Die unausweichbare Polarisierung der Gesellschaft?

Bald drei Monate nach dem ersten positiven Corona-Test in der Schweiz zeigen sich die Bruchstellen in unserer Gesellschaft. Die Polarisierung schreitet rasch voran, so scheint es mir. Nicht wegen dem Virus per se, sondern auf Grund der Reaktionen der Politik, Behörden, Wissenschaft und Medien auf die „Pandemie“, sowie der unmittelbaren und mittelbaren Auswirkungen der Massnahmen auf die Bevölkerung.

Anstelle einer von vielen befürchteten zweiten, oder n-ten, Viruswelle sehe ich uns in der zweiten Hälfte des Jahres primär die wirtschaftlichen Realität um die Ohren fliegen. Ich befürchte, dass sich die Polarisierung über die nächsten Wochen deutlich intensivieren wird.

Die sich abzeichnenden Gräben gehen quer durch die Haushalte und Familien. Jetzt verstehe ich besser, wie man sich 2016 in ideologisch gemischten amerikanischen Haushalten an Thanksgiving gefühlt haben musste, frisch nach der Wahl von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA. Oder in Grossbritannien in der Zeit nach der Brexit-Abstimmung.

Einige Beispiele? (Immer mit dem Blickwinkel eines Schweizers in der Schweiz)

  • Lockdowners vs. Unlockdowners Leute, die erst wieder aus ihren vier Wänden rauskommen wollen, wenn der ganze Spuk garantiert vorbei ist. Wenn ihnen jemand hoch- und heilig schwört, dass es weder Ansteckungen noch irgendwelche Tote mehr geben wird. Welche sich so aber gleichzeitig anmassen, die andere Hälfte der Gesellschaft in ihre Geiselhaft zu nehmen. Denn es gibt durchaus Leute, welche der massiven Einschränkungen der Bewegungs- und Wirtschaftsfreiheit sowie den unglaublichen Geldsummen (von der Politik zuerst vernichtet, und künftig als „Sugar-Daddy“ ausgeschüttet) seit einiger Zeit nur noch kopfschüttelnd begegnen.
  • Masken-Träger vs. Vermummungskritiker Ähnlich wie die soeben genannten Gruppierungen. Immerhin verstehen die Masken-Träger, dass es nicht die Lösung sein kann, dass wir uns weiter monate- oder jahrelang einschliessen. Aber: Wenn man raus geht, muss man sich (für alle sichtbar!) schützen. Mit Masken und Handschuhen. Es sind diese Leute, die sich entrüsten, wenn jemand es wagt, sich ohne Maske in der Öffentlichkeit zu bewegen. Sie kritisieren die andere Hälfte; die Leute, denen Schutzmassnahmen entweder völlig egal sind, oder aber die es verstanden haben, dass die richtige Handhabung von Masken kompliziert ist. Dass eine Maske deshalb einen falschen Schutz suggeriert und man vielleicht sogar nachlässiger wird (Maske? dann muss ich ja nicht mehr Hände waschen!). Und dass Masken ja Viren- und Bakterien sammeln, und das ganz Nahe beim Mund und der Nase. Immerhin ein kleiner Lichtblick: In China wird es bis Ende Jahr einige neue Multi-Millionäre, eventuell sogar Milliardäre geben, die sich im Masken-Business eine goldene Maske … eh Nase verdienen. Mit freundlichen Grüssen der Panikkäufer im Westen.
  • Drosten-Ultras vs. (alte und neue) Wissenschaftszweifler Leute, die keine Medien mehr konsumieren ausser Drostens mit Hilfe von NDR verkündete „Predigt“. Ihnen stehen Leute gegenüber, denen es nicht behagt, dass man nicht den am lautesten schreienden Wissenschaftler die Deutungshoheit überlassen darf, insbesondere, wenn die die düstersten Szenarien an die Wand malen. Leute, die bemerkt haben, dass Drosten nicht die Wissenschaft ist, und es keinen Konsens gibt, wie gefährlich der Virus und wie schlimm die „Pandemie“ wirklich ist (insbesondere, da wir uns mit jedem Tag weiter von der Apokalypse zu entfernen scheinen). Dass es keinen Konsens gibt, wie (drastisch) der Seuche wirklich begegnet werden muss. Vor allem aber ist Wissenschaft nicht nur der Virologe in Berlin (Virologe, nicht Epidemiologe oder Pandemiologe, sic!), sondern dazu gehören eben auch Volkswirtschaftler, Verfassungsrechtler, Statistiker, Psychologen und so weiter und so fort. In nebulösen Situationen wie im Frühjahr 2020 benötigt man zwingend verschiedene Meinungen.
  • Heimarbeiter vs. Frontkämpfer Heimarbeiter haben es gut: Im Grunde spielt es keine Rolle, wo sie ihre Arbeit leisten, denn dank moderner Technologie kann das überall sein. Der Lohn fliesst im gewohnten Umfang weiter, einige beginnen die Arbeit von zu Hause richtig zu mögen. In ihrem Wattekokon und in ihrer Filterblase eingesperrt realisieren sie (noch) nicht, wie sich die Wirtschaftswelt um sie herum zum Schlechteren zu wenden beginnt (oder direkt auf die Wand zufährt, je nach Blickwinkel). Die bittere Realität ist für viele längst eine andere: Medizinisches Personal, Handwerker, Restaurationsmitarbeiter, Coiffeure und Kosmetiker, Lieferdienste, Putzfrauen können nicht von zu Hause aus arbeiten. Wenn sie noch Arbeit haben und raus müssen, haben einige von den Medien geschürte panische Angst, nächstens tot umzufallen. Andere sind nun bereits arbeitslos, und die Chance auf eine rasche Erholung verschiedenster Industrien ist nicht in Sicht. Die Arbeitslosenzahlen bleiben hoch.

Das Endresultat? Ich sehe verschiedene Szenarien:

  • Gleichgültigkeit. Nach ein paar Monaten ist alles vergessen. Die wirtschaftlichen Schäden sind nicht so gross wie gedacht, die „Pandemie“ ist verschwunden, der Aufschwung beginnt. Der Staat — d.h. wir — zahlen die Schulden über die kommenden Jahrzehnte ab, mit ewig tief bleibendem Zins. Manöverkritik ist nicht (mehr) zugelassen, Nestbeschmutzer sollen die Klappe halten, denn alle haben ihr Menschenmögliches gegeben. Es gab zwar hie und da ein paar wenige Fehler, aber im Grossen und Ganzen sollen wir jetzt einfach froh sein, dass es nicht schlimmer gekommen ist. Vorwärts schauen, nicht rückwärts! Und falls der nächste Virus kommt, machen wir alles wie beim letzten Mal. War ja nicht so schlimm.
  • Politisches Reinemachen. Guy Parmelin, der im Dezember 2020 nicht zum Bundespräsidenten gewählt wird, oder der ein äusserst schlechtes Resultat einfährt. Bundesräte, die zurücktreten müssen. Jetzt noch undenkbar, doch in sieben Monaten wird die durch den Lockdown ausgelöste Schockwelle durch die meisten Teile des Systems gerattert sein. Wird es eine PUK geben? Wird ein Gericht über die Verfassungsmässigkeit der drastischsten Massnahmen urteilen? Das Parlament präzisiert das Pandemiegesetz, und weist die Macht des Bundesrates in Schranken — zwingend müssen künftig Kriterien wie Verhältnismässigkeit bei allen Entscheiden berücksichtigt werden. Ausserdem müssen Entscheide auf zuverlässigen, von verschiedenen Seiten geprüften Zahlen basieren, und einschneidende Einschränkungen werden frühstmöglich, nach vorgängig klar definierten Kriterien, wieder rückgängig gemacht. Anstelle dass man Massnahmen zur Verhinderung von X einführt, im Laufe der Massnahme aber dann plötzlich auf die Verhinderung von Y umschwenkt. Die Bevölkerung verliert weiter das Vertrauen in die „dort in Bern“, und verschafft sich in den kommenden Abstimmungen Gehör, indem sie der Classe Politique einen Denkzettel nach dem anderen verpasst.
  • Zementierung der Deutungshoheit und Konsolidierung der heuer erstmals getesteten Machtbefugnisse. Das Gegenteil zur vorherigen Ausführung: Der Bundesrat erhält die beste Zustimmungsraten seit Menschengedenken. Das BAG wird massiv ausgebaut, weil wir mehr Beamte brauchen, nicht weniger, die uns bei der nächsten „Pandemie“ schützen. Beamte, die Gesetzesaufträge nicht ausgeführt haben (Stichwort Maskenbeschaffung), werden als Dank befördert. Die Bevölkerung gewöhnt sich dran, in Pandemien als unmündig erklärt zu werden, und hat internalisiert, dass Lockdown-Anweisungen zu befolgen und nicht zu hinterfragen sind.
  • (Erneuter) Vertrauensverlust in die „Wissenschaft“. Man erinnere sich an das in den 1980ern prophezeite Waldsterben: Wie alle hat auch die Wissenschaft hat nur ein begrenztes Arsenal, um Alarm zu schlagen und eine Bevölkerung zu sensibilisieren. Wählt man das falsche Thema und/oder treten Zukunftsvoraussagen nicht ein, wird man rasch unglaubwürdig. Und wenn nicht unglaubwürdig, nehmen die Kritiker exponentiell zu. Wenn dann aber dereinst eine echte, tödliche Pandemie kommen sollte, wird niemanden mehr auf die Leute hören, die Wolf schreien.
  • Bürgerkrieg. Solange wir nicht Zustände wie in Amerika haben — innerhalb von ein paar Wochen Arbeitslose im zweistelligen Millionenbereich, die mit ihren Ersparnissen und ausgeschöpften Kreditkarten nur ein-zwei Wochen überleben können, sowie eine gleichzeitig bis an die Zähne bewaffnete Bevölkerung — hier völlig unwahrscheinlich. Oder?
  • Die Menschheit stirbt grösstenteils aus. Die Populisten, Vereinfacher und Kritiker lagen falsch. Corona ist ein tödliches Virus, welches die Menschheit in ein paar Jahren grösstenteils dahinrafft. Mad Max lässt grüssen.

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