Archiv ‘Gesellschaft’

Sonntag, 8. März 2020

Sprichwörtlich verschissene Strassen

Dank John Olivers kürzlich erschienene Folge von Last Week Tonight über den indischen Premierminister Narendra Modi kenne ich nun auf das „verschissenste“ Musikvideo aller Zeiten — mit einem ernsten Hintergrund:

According to UNICEF, every day in India, „620 million Indians are defecating in the open. That’s half the population dumping over 65 million kilos of poo out there every day. If this poo continues to be let loose on us, there will be no escaping the stench of life threatening infections, diseases and epidemics.“

In response, UNICEF launched the http://www.poo2loo.com campaign with this insanely over-the-top, potty-mouthed animated music video by Studio Eeksaurus in Mumbai as the centerpiece. The absurdly catchy music was composed by Shrikanth Sriram (Shri) who composed the theme for „Life of Pi“.

Diese Folge von Last Week Tonight wurde in Indien vom HBO-Partner Hotstar (im Besitz von Disney) nicht ausgestrahlt, da mit Modi nicht zimperlich umgegangen wird. Die us-amerikanischen Medienberichte dazu schreiben zwar „blocked“, aber der Text ist äusserst vage formuliert. Ich glaube nicht, dass hier etwas wie die grosse (chinesische) Firewall zum Zuge konnt. Stattdessen gehe ich weiterhin davon aus, dass die Sendung einfach nicht ausgestrahlt wurde …

A propos

Vietnam hat kürzlich ein ähnliches lehrsames Video produziert, um die Bevölkerung im richtigen Umgang mit der Corona-Gefahr zu erziehen (ich habe davon berichtet):

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Sonntag, 1. März 2020

Die „gesunden“ Corona-Kranken

In den nächsten Tagen wird man Drosten zufolge sehen, »dass neue Fälle und kleine Fallgruppen wie die Pilze aus dem Boden schießen werden«. Deutschland wird dabei vermutlich eine europäische Spitzenposition einnehmen, »weil unsere Bevölkerung sehr reisefreudig ist«. […]

Das beleuchtet die neue Qualität der sich in Europa ausbreitenden Epidemie: Die einzelnen Fälle sind nicht mehr auf einen bekannten Ursprungspatienten zurückzuverfolgen. Zwischen den bekannten Fällen liegen immer mehr unerkannte Infektionen mit vermutlich milder Symptomatik, die gar nicht in den Blick des Gesundheitssystem gekommen sind. Das sind die aus dem Boden hervorschießenden »Pilze« des Professors Drosten, die anscheinend wohl oder übel kommen werden.

Es wird eine ganz normale Pandemie

Will heissen: Es scheint Leute zu geben, die Corona in sich tragen, sich aber nicht (derart) krank fühlen, dass sie überhaupt an eine Corona-Infektion denken.

Beruhigend für all die, die bis jetzt nicht abschätzen können, ob die eigene Corona-Infektion nach einem kleinen Husten vorbei ist, oder uns eben doch für drei Wochen die Lunge aus dem Körper hustend und fiebrig flachlegt.

Beunruhigend für all die alten Leute über 60, welche statistisch einer deutlich höheren Corona-Sterblichkeit entgegensehen. Denn diese könnten von den gesund erscheinenden Corona-Kranken angesteckt werden und schlimmstenfalls an den von der Krankheit verursachten Komplikationen sterben.

A propos …

Bei Tichy drüben sehen sie schon den perfekten Sturm auf Deutschland zukommen:

Das Coronavirus und die wohl im Entstehen begriffene neue Migrationswelle über die Türkei und den Balkan treffen in Europa und insbesondere in Deutschland auf Gesellschaften, die mit existentiellen Bedrohungen und Krisen keine Erfahrungen mehr haben.

Quelle: Zwei Krisen auf einmal

Sind wir gespannt, wie sich diese zwei Ausnahmeereignisse auf die Abstimmung zur BGI vom 17. Mai 2020 auswirken werden.

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Sonntag, 15. Dezember 2019

Über das Kinder haben

Paul Graham, in einem kürzlich veröffentlichten Blog-Artikel (Ausschnitte, die mir in Erinnerung geblieben sind):

Of course the times I noticed kids were when things were going wrong. I only noticed them when they made noise. […] So it seemed to me that parenthood was essentially law enforcement. […] What I didn’t notice, because they tend to be much quieter, were all the great moments parents had with kids. People don’t talk about these much […]

In particular, you’re going to have to work to a schedule. Kids have schedules. I’m not sure if it’s because that’s how kids are, or because it’s the only way to integrate their lives with adults‘, but once you have kids, you tend to have to work on their schedule.

Well enough to miss some things a lot, like the ability to take off for some other country at a moment’s notice. That was so great. Why did I never do that? See what I did there? The fact is, most of the freedom I had before kids, I never used. I paid for it in loneliness, but I never used it.

Quelle: Having Kids

Für mich sind solche Offenbarungen immer sehr einsichtsreich, weil wir ja (noch?) nicht mit Kindern gesegnet sind. Das hilft mir, meine Vermutungen über das Eltern-Dasein zu belegen oder widerlegen.

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Sonntag, 24. November 2019

Mit autistischen Kindern reisen

In der vergangenen Woche hatten wir auf der Arbeit die „Accessibility Week“. Unzählige Veranstaltungen versuchten uns Mitarbeitern auf die Bedürfnisse von Leuten mit Behinderungen zu sensibilisieren.

Am Freitag wohnte ich einem Referat bei, in welchem ein aus Polen stammender Ex-BBC Journalist uns in bestem Englisch erzählte, wie es ist, einen autistischen Sohn zu erziehen.

Insbesondere folgende Aussage blieb mir in Erinnerung, die besonders schön aufzeigt, wie sich autistische Menschen von „uns“ neurotypischen Menschen unterscheiden (paraphrasiert!):

„One example is going on family vacation: It doesn’t matter to Bartek wether he is going to Hell or Heaven. It matters that he knows when and how he is going there …“

Rafal Motriuk hat seine Erfahrungen in einem Buch niedergeschrieben.

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Montag, 21. Oktober 2019

Ich sollte mir wieder vermehrt französische Filmproduktionen anschauen

Auf dem gestrigen Flug nach San Francisco nutzte ich die 12 Stunden Flugzeit für einmal damit, um über das In-Flight Entertainment der Swiss Filme zu schauen. Normalerweise lade ich mir mit dem Tool Air Video HD Filme und YouTube-Videos auf mein iPad; dieses Mal hatte ich vorgängig leider keine Zeit dafür.

Ich habe mir insgesamt drei Streifen angeschaut:

  • Tolkien (Rotten Tomatoes: 51%, IMDb: 6.8) Sehr aufschlussreiche Aufarbeitung über die schicksalshaften Jugendjahre des weltbekannten Autors (u.a. der Herr der Ringe-Trilogie), wobei mir rückblickend dann doch der Tiefgang gefehlt hat und der Antrieb des Autors zu wenig gut aufgearbeitet wurde. Drückt gegen Schluss auf die Tränendrüsen — wer im Flieger lieber keine Tränen verliert, sollte sich den Film zu Hause anschauen.
  • Qu’est-ce qu’on a encore fait au Bon Dieu? (Rotten Tomatoes: N/A, IMDb: 6.1) Ich habe seit langem keine französische Produktionen mehr geschaut. Ein Fehler, schon nur, um wieder einmal über längere Zeit Französisch zu hören (und zu verstehen zu versuchen). Über die Qualität des Scripts kann man sich streiten (nicht immer logisch, und oftmals unglaubwürdig abkürzerisch), aber extrem unterhaltsam für jemanden wie mich, der in einer bi-nationalen Ehe lebt und sich bereits mit den meisten hier dargestellten Problemen auseinandersetzen durfte oder musste. Ich war mir nicht bewusst, dass man das Zusammenleben der Ethnien und Kulturen im französischen Filmwesen derart plakativ adressiert. Für Amerikaner vermutlich zu derb und zu direkt (Stichwort: political correctness scheint in Frankreich eine andere, höhere Schmerzgrenze zu kennen als bspw. in den USA).
  • Jusqu’ici tout va bien (Rotten Tomatoes: N/A, IMDb: 5.8) Angefixt vom vorherigen Film, entschied ich mich, noch eine weitere französische Produktion zu schauen. Dieser Film hat mir besser als die Familienkomödie gefallen, da die Story irgendwie realistischer klingt — auch weil ich mir vorstellen kann, dass die Charaktere in der Form tatsächlich existieren könnten. Auch hier kommt wird der Gesellschaft der Spiegel vorgehalten; und in dem Film dreht sich alles um die Banlieues um Frankreich herum und deren Bewohner. Und was passiert, wenn die Mittel- und Oberschicht auf diese Gesellschaft trifft. Wohlfühlfilm, mit Happy End; der mir aber einiges über die eigenen Charaktere und Gesetze der Banlieue gelehrt hat.

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Sonntag, 14. April 2019

SWISS und die täuschenden Cookie-Einstellungen

Soeben gerade reingefallen:

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Klickt man auf den roten, markant hervorgehobenen Knopf, aktiviert man alle Checkboxes oberhalb und lässt somit alle Cookies zu, auch wenn man diese gar nicht ausgewählt hat. Was man als sensitiver Benutzer aber will, ist der nicht als Button formatierte, unscheinbare Link „Confirm Selection“. Dann werden nur die wirklich „nötigen“ Cookies zugelassen.

Einige werden sagen, dass der User Interface-Designer ein Idiot ist, die meisten werden aber verstehen, dass dies völlig kühl kalkulierende Absicht der Fluggesellschaft ist.

Der Data Protection Officer DPO bei SWISS sollte sich über die Täuschung potentieller und tatsächlicher Kunden schämen. Kontaktieren kann man diese nicht näher genannte Person unter der E-Mail-Adresse dataprotection@swiss.com (gemäss SWISS Privacy Statement).

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Donnerstag, 7. Februar 2019

How-To: Smalltalk mit Deutschen

Ein Körnchen Wahrheit mag das Video enthalten (und es ist wohl auch auf die Schweiz anwendbar):

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Dienstag, 22. Januar 2019

Unwort des Jahres 2019: Nazi?

„Even the Nazis are shouting Nazi at anyone they disagree with …“

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Dienstag, 22. Januar 2019

Für immer fertig mit „Rassenhygiene“

ancient DNA findings have rendered racist and colonialist narratives untenable by showing that no human population is “pure” or unmixed.

Quelle: Letter in response to Jan. 17 article in The New York Times

Man hat also schon vor Urzeiten nicht einfach „über den Miststock“ geheiratet (den es damals noch gar nicht gab).

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Dienstag, 22. Januar 2019

Im Schneckentempo zur Gleichstellung am Arbeitsplatz

At the current rate of progress, it will take 108 years to close the gender gap and 202 years to achieve parity in the workforce,

Quelle: Davos 2019: ‚I’m the boss, he’s the spouse‘

Im selben Artikel ist auch noch ein Faux-Pas von Obamas „Best Buddy“, Joe Biden (der ehemalige Vize-Präsident der US of A), beschrieben: Er traf sich anlässlich des WEF in Davos mit der CEO von Mastercard (sprich: einer Dame!), wurde aber offenbar nicht ausreichend gebrieft und begrüsste stattdessen ihren Mann in der Meinung, dass dies sein Gesprächspartner sei. Schöne Momänt!

Nur eines muss mir Biden erklären: Wieso zum Teufel kommt er auf die Idee, dass „Ann“ ein Männername ist?! Zu lange dem Genderwahnsinn ausgesetzt?

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