Archiv ‘Gesellschaft’

Freitag, 3. März 2017

Heilige anderer Religionen beleidigen?

Die westlich geprägte Meinungs(äusserungs)freiheit und der Islam kollidieren seit Jahrzehnten regelmässig: Seien es Salman Rushdies Roman „Die satanischen Verse“, die Karikaturen der dänischen Zeitschrift Jyllands-Posten oder die Mohammed-Karikaturen von Charlie Hebdo, welche in einem blutigen Anschlag auf die Redaktion mündeten.

Doch wie hielten es unsere Vorfahren an der Wende zur frühen Neuzeit? Historiker wie Bertrand Forclaz geben die Antwort:

Die Obrigkeit erstellte Regeln, um Spannungen zuvorzukommen. Beispielsweise gab es seit 1531 ein Schmähverbot zwischen den Konfessionen. Auch wenn die Regel nicht immer eingehalten wurde, hat sie dazu beigetragen, den zwischenkonfessionellen Frieden zu sichern. Ein anderes Mittel war die Gleichberechtigung der Konfessionen: Allerdings nur im Kanton Glarus, wo ein Viertel der Bevölkerung katholisch war, entstand im Laufe des 17. Jahrhunderts die konfessionelle Parität (Gleichheit), z.B. mit Blick auf Besetzung der Ämter. Damit teilte sich der Kanton in zweipolitisch weitgehendselbständige Teilstaaten. Beide Seiten bemühten sich jedoch, zusammenzuarbeiten und die Rechte der Minderheit aufrechtzuerhalten. Parität und Schmähverbot waren Mittel, um eine friedliche Koexistenz zu sichern.

Quelle: 4. Religiöse Vielfalt in der Schweiz seit der Reformation

Unsere gemischtreligiösen Vorfahren hatten also durchaus selber auch Mühe mit „Schmähung“ ihrer Heiligen und Praktiken. Das Zusammenleben der Konfessionen war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein nicht einfach.

Den Hinweis auf das „Schmähverbot“ habe ich an den Vorträgen des HVBE im Frühjahr 2017 aufgeschnappt; das Thema der Vortragsreihe war das 500-jährige Jubiläum des Beginns der Reformation.

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Montag, 8. August 2016

Spuren eines Abfallsünders

In meiner Metamorphose zu einem Schweizer-Bünzli bin ich beim nächsten Meilenstein angelangt: Ich rege mich tödlich ab den Abfallsündern auf, welche an der Glas- und Alusammelstelle an der Brunnmattstrasse hier in Bern ihren ganzen Hauskehricht liegen lassen.

Ich meine wie bescheuert muss man sein, den eigenen Abfall aus der Wohnung zur Recyclingstelle zu tragen und dann dort zu deponieren?

Heute war ich wieder mal vor Ort und habe unseren Glasabfall entsorgt. Mir fiel bei der Ankunft an den Containern sofort eine Denner-Papiertragetasche auf, welche bis oben mit leeren PET-Flaschen gefüllt war.

Da ich so oder so noch auf dem Weg ins Coop Brunnmatt war, um unsere PET-Flaschen zu entsorgen, nahm ich die Tragetasche kurzerhand mit. Beim Entleeren fiel mir auf, dass der Besitzer der Tragetasche einen zerknüllten Einkaufszettel zurückgelassen hatte:

Abfallsünder Einkaufsbeleg Denner 3008 Bern
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Welche Erkenntnisse ziehe ich aus diesem Beweismittel?

  • Die Person kauft im Denner ein.
  • Die Person — und/oder deren Familie — scheint Unmengen an Parfumreis-Reis zu konsumieren (2 Säcke à 1 Kilogramm).
  • Auch Milch ist hoch im Kurs (2 Liter).
  • Und dem Alkohol ist die Person ebenfalls zugeneigt (5 Dosen à 5 Deziliter)
  • Die Person scheint ohne Tragetaschen einkaufen zu gehen, weshalb sie im Laden selber ein Tasche kaufen muss.
  • Die Person ist ein skrupelloser Abfallsünder: Sie muss die leeren PET-Flaschen wenige Minuten nach ihrem Einkauf heute um 19:28 Uhr — am hellichten Abend — entsorgt haben; ich war gegen etwa 19:40 Uhr an der Entsorgungsstelle.
  • Das schlimmste am Ganzen: Sowohl der Denner als auch das benachbarte Coop haben PET-Sammelstellen. Im Laden drin.
  • Die Person bezahlt nicht bar, sondern besitzt eine EC Maestro-Karte mit den Endziffern XXXX XXXX XXXX XXX0 746
  • Die Person besitzt folglich ein Bankkonto.
  • Interessant ist der Passus „Débit“ der Kartenbuchung — bei meinen Einkäufen steht dort „Buchung“. Ich gehe davon aus, dass die Person französischsprachig ist.

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Montag, 22. Februar 2016

Schwangerschaften von Mitarbeiterinnen vorhersagen: In den USA Wirklichkeit

To determine which employees might soon get pregnant, Castlight recently launched a new product that scans insurance claims to find women who have stopped filling birth-control prescriptions, as well as women who have made fertility-related searches on Castlight’s health app.

Quelle: Bosses Tap Outside Firms to Predict Which Workers Might Get Sick

Schöne neue Welt. Würde man diesen Ansatz perfektionieren, würde man die App direkt mit SAP HR koppeln und noch am selben Tag die Kündigung aussprechen. Dem Shareholder würde es gefallen.

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Donnerstag, 21. Januar 2016

Sylvesternacht in Köln

Als ich in den Tagen nach Neujahr die reisserische, wenn nicht gar hysterische Berichterstattung in den Boulevard-Medien las, konnte ich es mir nicht verwehren, die Szenerie an jenem Abend auf dem Bahnhofsplatz ungefähr so vorzustellen:

Jedenfalls zu dem Zeitpunkt, als die Medien noch von über 1000 „vergewaltigenden und raubenden“ Ausländern sprachen (tönt fast, als wäre die Rote Armee wieder in das zerbombte Berlin einmarschiert).

Der Postillon, bekannt für seine investigative Berichterstattung, stellte unverblümt und wahrheitsgetreu dar, was diese Lügenpresse uns vorenthalten wollte:

Was ist passiert?

Die genauen Zahlen und die Schwere der Vorfälle sind noch unklar. Während der Polizei derzeit rund 90 Anzeigen (15 wegen sexueller Nötigung, eine wegen Vergewaltigung sowie weitere wegen Diebstahl und Körperverletzung) vorliegen und die Ermittler bislang von etwa 40 Tätern nordafrikanischer Herkunft ausgehen, ist auf rechtsextremen Webseiten und in zahlreichen Internetkommentaren von bis zu 20.000 nackten Negern die Rede, die vergewaltigend, mordend und brandschatzend durch Köln gezogen sind.

Quelle: 8 Fragen und Antworten zu den Übergriffen in Köln

Mittlerweile ist es ruhig um die Sache geworden — erste Köpfe sind gerollt, und die Tagesmedien kümmern sich um andere Themen, welche die Auflage und Clicks noch weiter in die Höhe treiben.

Und ich weiss ehrlich gesagt immer noch nicht mehr, als was ich in der ersten Januarwoche schon wusste. Wie soll ich diese Episode nun einordnen? Was an dem Abend wirklich vorgefallen ist konnte mir noch kein Medienerzeugnis klar, verständlich und unabhängig nachvollziehbar näher bringen. Vielleicht schafft es ja ein nicht-werbefinanziertes Medium in einigen Monaten, die Ereignisse mit etwas Abstand nüchtern aufzuzeigen.

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Donnerstag, 25. Juni 2015

Spuren im Netz

Eindrücklich. Ich hoffe, der Extended Cut dieses Films wird hierzulande in unseren Schulen im Fach „Medienkompetenz“ gezeigt — und in uns allen wächst die Erkenntnis, dass wir und unsere Informationen auf Facebook, Instagram, Twitter & Co. das „Produkt“ sind, das gegen Geld vermarktet wird.

Das Video war Teil des Referats „Social Engineering: The devil is in the details“ von Ivano Somaini (Compass Security Schweiz AG) am SIGS Technology Summit 2015 in Bern.

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Montag, 11. Mai 2015

Über Luxuskarrossen und Louboutin-Schuhe

Tesla is not an environmental car. It’s an attempt to tell people you can afford a $120,000 car. The core [acts?] of evolution is men paying $150,000 for cars that can go a 160 miles per hour in domains where you can only go 55 miles per hour. Makes no sense.

Women will continue to pay $600 for ergonomically impossible shoes to try to solicit inbound offers from those same men.

[Audience laughing] Don’t laugh! I believe in this stuff. Anyways …

Quelle: DLD15 – The Four Horsemen: Amazon/Apple/Facebook & Google–Who Wins/Loses (Scott Galloway)

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Donnerstag, 30. April 2015

First World Problems: Xbox

“He has spent most of the day in tears,” she said. “He says it’s been his worst Christmas ever. “I think Xbox should compensate us all.”

Quelle: Xbox and PlayStation online services crash

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Donnerstag, 12. Februar 2015

Sprösslinge von Dynastien auf Abwegen

Conrad Hilton III., Bruder von Paris Hilton, eifert offenbar Carl Hirschmann (Sohn eines schweizerischen Privatjet-Tycoons) nach – mit Urgrossvater Hiltons (Hotel-Tycon) Geld lebt es sich eben unbeschwert, und Manieren muss man auch keine kennen, wenn man sich „von“ nennen darf:

Wenn ich von diesen traurigen Gestalten höre, kommt mir jedes Mal Bismarcks sel. Spruch in den Sinn:

Die erste Generation verdient das Geld,
die zweite verwaltet das Vermögen,
die dritte studiert Kunstgeschichte
und die vierte verkommt vollends.

Otto von Bismark

Quelle: Aphorismus zum Thema: Generation

Der Glauben an dieses Zitat hilft mir, solche Klatschnachrichten nur kurz zu beachten: Wie Bismarck bin ich überzeugt, dass das Problem sich selber lösen wird – man braucht nur noch einige Dekaden Geduld.

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Sonntag, 11. August 2013

Akkustik Formel 1

Es ist wieder einmal so weit: Ich gehe durch die in den letzten Wochen gesammelten Video-Downloads und post hier die interessantesten resp. kuriosesten Exemplare

Sound of Honda – Ayrton Senna 1989

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Sonntag, 11. August 2013

Orgasmus-Forschung

Es ist wieder einmal so weit: Ich gehe durch die in den letzten Wochen gesammelten Video-Downloads und post hier die interessantesten resp. kuriosesten Exemplare

Mary Roach: 10 things you didn’t know about orgasm

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