Archiv ‘Gesellschaft’

Sonntag, 19. August 2007

Junge Säufer sollen zahlen

Besser wäre es, wenn die Eltern die Kosten für den Spitalaufenthalt der jungen Trinker übernehmen müssten. Damit würden sie an ihre Erziehungspflicht erinnert. «Die Rechnung für den Spitalaufenthalt begleichen zu müssen – das ist eine Sprache, die verstanden wird», sagt Bortoluzzi.

Quelle: Junge Trinker sollen Arbeitsdienst leisten

Auf den ersten Blick handelt es sich durchaus um eine praktikable Lösung: Gemäss einer Bekannten, die auf der Notfallstation in Bern arbeitet, kommt es immer wieder vor, dass 15-jährige innert Monatsfrist ein zweites Mal im Spital landen um am nächsten Tag von den Eltern abgeholt werden. Die Erziehungsberechtigten in solchen Fällen, was ihre Zöglinge anstellen – und unternehmen dennoch nichts dagegen? Traurig, aber wahr: (einige) Eltern können in solchen Fällen anscheinend nur noch über das Portemonnaie „erzogen“ werden. Hoffen wir es zumindest!

Ich frage mich dann einfach nur, wann auch an Lungenkrebs erkrankte Raucher oder an Fettleibigkeit leidende Mitbürger plötzlich zur Kasse gebeten werden?

Es sei richtig, bei der Erziehung der Jugendlichen anzusetzen. Aber im Krankenversicherungsgesetz gebe es keine Bestimmung, wonach Selbstverschulden geahndet werde. «Da müssten noch ganz andere Leute zum Arbeitseinsatz antraben», so Dürr.

Nicht, dass ich solche Überlegungen per se abwegig finde – doch welche Krankheiten und Unfälle kann man heute schon nicht auf unüberlegtes Handeln zurückführen? Könnte man mit dieser Logik nicht selbst dem an einem Rückenschaden leidenden Bauarbeiter vorwerfen, doch gefälligst einen neuen Job zu suchen – am Besten in einem Büro?

So sehr die verschuldungsbasierte Versicherung in liberalen Zeiten Anklang findet, desto unpraktikabel würde diese umzusetzen sein: Ein riesiges Heer an Experten, einem politisch-medizinisch-juristischen Komplex gleich, würde über Krankenkassenleistungen entscheiden und müsste in jedem Fall Rekursrecht gewähren. Die Mediziner wiederum müssten Krankheitsbilder einer eindeutigen Ursache zuordnen – ein Ding der Unmöglichkeit.

Die Einzigen, die von solchen Massnahmen profitieren würden, wären die Juristen respektive deren Bankkonten – ohne Garantie, dass sich mit diesem Schritt die Gesundheit der Wohnbevölkerung merklich verbessern würde.

Labels: Gesellschaft, Politik, Schweiz

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Samstag, 4. August 2007

Hauptbahnhof Bern: Freitag, 22.00 Uhr

Ich humple gerade vom Bankomaten der Crédit Suisse zurück an den Treffpunkt, als ich einer hübschen Blondine in die Augen blicke. In ihrer rechten Hand trägt sie ein 20iger-Nötli. Ich wende mein Blick schon wieder Richtung Treffpunkt, als sie mich anquatscht. Ich fühle mich geschmeichelt (Krücken scheinen einen anziehenden Effekt zu haben), bis die ersten Worte über ihre Lippen kommen:

„Grüessech! [Verdammt, sehe ich schon so alt aus?!] Sit dir scho 18i gsi?“

Ich: „Ehm, i wür meine, ja …“

Sie: „Chöntet dir mir ga Alk choufe? [Verdammt, quatsche deswegen das nächste Mal keinen Halb-Invaliden mehr an!]“

Ich: „Nei, sorry … Tuet mer leid.“

Zurück bei meinen wartenden Kollegen am Treffpunkt erzähle ich die Geschichte – und werde (vom Juristen, notabene!) gefragt, wieso um Himmels Willen ich der Dame nicht ihren „Stoff“ besorgt habe.

Ich weiss es nicht genau, aber ich habe das Gefühl, dass es meiner Entwicklung gut getan hat, dass ich Bier erst ab ca. 18 Jahren getrunken habe (wobei Kompensationseffekte nicht auszuschliessen sind – meine Leber weiss mehr dazu). Ausserdem bin ich ja bereits schon in eine Strafuntersuchung verwickelt.

Bevor wir das Thema ausdiskutieren können, müssen wir einem Reinigungsangestellten mit Putzgefährt Platz machen. Vor uns liegt in einer grossen Lache eine zerbrochene Wodka-Flasche. Schade um den Sprit!

Unweit von uns zieht eine Horde pubertierender Gören die Aufmerksam auf sich. Zuerst diskutieren sie mit jemandem, der auf der Promenade steht – danach fluchen sie lauthals empor und zeigen dem „chline Giu“ den Arschfinger. Dass bei den Mädchen dabei gleichzeitig eine Glasflasche mit likörhaltigem Inhalt die Runde macht, brauche ich kaum zu erwähnen. Ich halte mich zurück, gackernde Geräusche von mir zu geben – in solchen Situationen überkommt mich immer die Lust, die Gören subtil zu demütigen.

Während Hebo sein Ciabatta Grande verspeist (und Teile davon auf dem frischgeputzten Boden landen), fällt mir plötzlich die elektronische Anzeigetafel am Promenadengeländer auf. Zuerst lese ich eine Reklame, auf der das Gesicht eines Mannes zu sehen, unter dem geschrieben steht: „Mein bester Freund ist alkoholkrank.“ Über den Treffpunkt bewegen sich Leute in allen Richtungen – und fast jeder hält eine Getränkeflasche oder Dose in den Händen.

Wieso man heute alkoholkrank und nicht mehr -süchtig ist, bleibt mir ein Rätsel. Ist unkontrollierter Alkoholexzess etwa vergleichbar mit einer Grippe und Schnupfen, der einen mindestens einmal pro Jahr befällt? Ich glaube definitiv nicht. Wider diesem Neusprech!

Als ich das nächste Mal auf die Anzeigetafel blicke, trifft mich erneut der Schlag – und ich muss schmunzeln: Es wird für das morgen Samstag erscheinende Magazin geworben (meine Leser wissen: Das Magazin ist die besseren Weltwoche!). Der Hauptartikel lautet:

Die Jungen von nebenan

Jugendliche Sexualtäter sind die Bösewichte der heutigen Zeit. Doch immer schon gab es mehr von ihnen, als man wissen wollte. Wer sind sie, was richten sie an? Besuch bei Tätern und Opfern.

Quelle: Die Jungen von nebenan

Fast unreal die Szenerie: Im Vordergrund die tobende Meute allmählich besoffen werdender Jugendlicher, im Hintergrund die regelmässig aufleuchtenden mahnenden Worte, die wohl kaum absichtlich zu dieser Zeit an diesem Ort gezeigt werden.

Wir sind uns einig, dass solche Anzeigen auf Tafeln nichts bringen – „kann die heutige Jugend noch lesen? Ich glaube nicht …“ murmeln wir uns gegenseitig zu – und verlassen die „Schaubühne“ Richtung Front, wo wir uns ein paar Bierchen genehmigen werden.

Brave, new world!

Irgendwie beschleicht mich an solchen Orten immer ein wenig das Gefühl der drohenden Apokalypse. Hoffen wir, dass ich mich irre. Andererseits: Immer mehr Schweizer suchen psychiatrische Hilfe

Utopie

Soll im Bahnhof auch nach 21 Uhr weiterhin Alkohol verkauft werden? Ja. Weil wir das Problem sonst nur einfach nur weiter in den Vorabend verschieben würden: Dann kaufen die Boys & Girls ihren „Stoff“ halt einfach nach Feierabend. Und wie meine Leser wissen: Wenn selbst minderjährige Mädchen keine Skrupel haben, den 27-Jährigen als Einkäufer einzuspannen, werden sie wohl auch sonst Wege finden, die Alterskontrolle zu umgehen.

Wenn schon etwas gemacht werden soll, dann à la dem skandinavischem Modell: Alkohol wird mit enorm hohen Taxen belegt und kann nur in ausgewählten Shops gegen Vorweisung einer Identitätskarte gekauft werden. Noch orwellianischer: Auf der Karte wird gespeichert, wieviel Gesöff man im Monat/Jahr bereits gekauft hat. Wer die staatlich festgesetzte Limiten überschreit, bezahlt höhere Krankenkassenprämien, wird automatisch in eine Entzugsklinik eingewiesen und muss mit einem Kleber am Auto herumfahren, die vor potentiell besoffenen Fahrern warnt.

Spass beiseite: Schlussendlich muss man sich eingestehen, dass Alkohol nicht die Ursache, sonder nur ein Symptom des Problems ist, das einige Politiker mit dem 21-Uhr-Alkoholverkaufsverbot lösen möchten.

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Freitag, 27. Juli 2007

Orientierungslos

Ich fände es aber sympathisch, wenn sich die oft als so ehrgeizig beschriebenen 20-Jährigen trotz des großen Drucks mehr Zeit nähmen, um zu sich selbst zu finden. Einfach mal ein bisschen mehr leben und ausprobieren – den großen Karriereplan kann man ohnehin nicht mehr einfach so verwirklichen. Wichtiger fände ich, sich politisch zu engagieren, das macht ja heute keiner mehr.

Quelle: Wo, bitte, geht’s zu mir selbst?

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Dienstag, 17. Juli 2007

München 2007: Vermummte


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Originally uploaded by emeidi

Obiges Bild schoss ich am Karlsplatz (Stachus) in München – für Konservative, Christen und Rechtsnationale könnte der Untertitel wohl lauten: „Europa 2050 – Wehret den Anfängen!“.

Auffälliges

Das erste, was mir in München auffiel, waren in der Tat die vielen, vielen verschleierten Frauen, die sich in der Umgebung der Münchner Altstadt aufhielten. Manche trugen in der Bruthitze völlig schwarze Gewänder, von Kopf bis Fuss – teils nur mit einem kleinen Sehschlitz versehen. Oftmals sah ich keine Männer in deren Nähe, dafür aber mindestens einmal (beim Isartor) eine Mutter mit ihren vier oder fünf Buben um sie herum.

Als politisch interessierter Schweizer sieht man die Fieberkurve unweigerlich steigen – was bei den Aktienmärkten Anleger zu Freudensprüngen anregt, sorgt bezüglich der Zahl in der Schweiz lebeneder Muslimen für pure Xenophobie und Existenzängsten.

Mir doch egal!

Nun, ich fühlte mich in meinen Freiheiten nicht wirklich eingeschränkt und durch die Anwesenheit „vermummter“ Frauen, wie ich es während dem Aufenthalt mehrmals zu sagen pflegte, auch nicht belästigt. Selbstverständlich genoss ich es, Händchen haltend mit meiner (sommerlich gekleideten) Freundin auf Stadtbesichtigung zu gehen. Wäre das zur Schau stellen der weiblichen Formen und Haare wirklich so schändlich, müsste meine Freundin (und ich wohl gleich mit dazu) längst vom Blitz getroffen worden sein.

Ob uns die Musliminnen gesehen haben? Wurden wir beachtet? Was haben sie über uns gedacht? Wir wissen es nicht. Aber solange unsere Kulturen an solchen Orten friedlich aneinander vorbeileben, möchte ich keiner Frau vorschreiben, was sie zu tragen hat – auch wenn ich hier selbst auch eher die Unterdrückung der Frau als ein religiöses Zeichen zu erkennen vermag (wohlwissend, das eine solche Interpretation immer sehr stark vom kulturellen Hintergrund des Interpreten geprägt ist).

Eine Bavarin klärt auf

Wie ich mir am Freitag-Abend im Biergarten auf dem Viktualienmarkt von einer waschechten Münchnerin (Jahrgang 1931) und ihrem Partner (Jahrgang 1927 – Münchner Bier scheint jung zu halten!) erklären liess, sei dies überhaupt nichts Besonderes; die Münchner hätten sich längst an dieses Bild gewöhnt. Im Sommer sei München eine Top-Destination für reiche Muslime, wurde mir von dem rüstigen Rentner-Liebespaar beschieden. Den Gesichtern der beiden konnte ich keine Begeisterung für die weitgereisten Gäste ablesen.

Da ich mich mitten in stockkonservativen CSU-Landen befand, liess ich meine scharfen Worte für einmal ihre Wirkung in meinem Hirn entfalten – zu gern hätte ich ihr entgegnet, dass jeder Kilometer, den wir mit unseren Autos zurücklegen, die Luxusgüter finanzieren, die sich die ausgabefreudigen Touristen während ihres Aufenthaltes in der bayrischen Landeshauptstadt leisteten. Schlussendlich rang ich mich dazu durch, dem Ganzen doch etwas Positives abzugewinnen: Wir sollten doch froh sein, solange die auffälligen Gäste freiwillig zu uns kämen und wir nicht zu ihnen müssten. Die Dame schien mir zögernd zuzustimmen.

Rundumschlag

Mein Bier war noch halbvoll und ihre Apfelschorle wollte den Weg durch den Gaumen auch noch nicht finden, als das Thema auf den in der Türkei angeklagten deutschen Teenager fiel, der sich sexuell an einer jungen Britin vergangen haben soll. Meine Meinung konnte ich nicht pointiert abgeben, doch finde ich es legitim, dass ein Rechtsstaat, der die Türkei ja sein will (und muss, wenn er in die EU aufgenommen werden will), die nötigen Schritte unternimmt, um die Anschuldigungen zu überprüfen und allfällig illegales Handeln mit den dort geltenden Gesetzen bestraft.

Zweiklassengesellschaft

Nach diesem Gespräch achtete ich mich noch deutlicher auf die fremd wirkenden Gestalten und vermochte, zwei Klassen auszumachen. Einerseits waren hier die von Kopf bis Fuss vermummten Touristinnen aus islamischen Ländern, andererseits gab es auch zu Hauf kopftuchtragende Frauen gehobenen Alters – wohl Migrantinnen aus der Türkei, die seit Jahren in Deutschland leben.

Die Amis stehen an unserer Seite

In einer skurrilen Reportage über eine Kreuzfahrt organisiert von der National Review, dem neokonservativem Kampfblatt aus den Staaten, bringt ein Undercover-Journalist haarsträubende Aussagen ans Tageslicht:

The idea that Europe is being „taken over“ by Muslims is the unifying theme of this cruise. Some people go on singles cruises. Some go on ballroom dancing cruises. This is the „The Muslims Are Coming“ cruise – drinks included. Because everyone thinks it. Everyone knows it. Everyone dreams it. And the man responsible is sitting only a few tables down: Mark Steyn. […]

Steyn’s thesis in his new book, America Alone, is simple: The „European races“ i.e., white people – „are too self-absorbed to breed,“ but the Muslims are multiplying quickly. The inevitable result will be “ large-scale evacuation operations circa 2015″ as Europe is ceded to al Qaeda and „Greater France remorselessly evolve[s] into Greater Bosnia.“

He offers a light smearing of dubious demographic figures – he needs to turn 20 million European Muslims into more than 150 million in nine years, which is a lot of humping.

Quelle: Neocons on a Cruise: What Conservatives Say When They Think We Aren’t Listening

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Sonntag, 8. Juli 2007

Hochzeit? Ehe(r) nicht!

Und doch, als Gegenentwurf zur vorgeschriebenen Moral hat auch dieses Lebenskonzept an Kraft verloren. Der entfesselte Beziehungsmarkt macht vieles gleichwertig. Man kann nicht mal mehr die Dichter ins Feld führen, die einst gegen «die Institution der Ehe» gifteten. Françoise Sagan: «Viele, von denen man glaubt, sie seien gestorben, sind bloss verheiratet.» Anton Tschechow: «Wer die Einsamkeit fürchtet, sollte nicht heiraten.» Gottfried Benn: «Die Ehe ist eine Institution zur Lähmung des Geschlechttriebs.»

Quelle: Nein, ich will nicht

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Labels: Gesellschaft, Leben

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Samstag, 7. Juli 2007

Die Amis wollen so werden wie wir

Das kollektive Bild des Auslands in den USA ist ein mythisches, in Formaldehyd konserviertes, aus der Zeit der Gründerväter tradiertes, bei dem das Königreich England aus dem Jahre 1776 als unbewusster Referenzpunkt gilt. Das erlaubt den USA einerseits, sich unbeirrt als das freieste Land der Erde zu beschreiben und zu empfinden, obwohl die meisten Länder Europas heute nach fast jedem objektiven Kriterium freiheitlicher sind als die USA.

Quelle: Die Retronation

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Labels: Gesellschaft, Politik, USA

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Dienstag, 26. Juni 2007

Repräsentiert die SVP 30% der Schweiz?

Während ich dem Ton aus dem Fernseh-Zimmer lausche („Der Club“ über das Rütli; u.a. mit SVP-Präsident und Ständeratskandidaten Ueli Maurer), höre ich es wieder:

[…] Freiheit bla bla Unabhängigkeit bla bla Dies sind Werte, die wir SVPler mit 30 Prozent der Bevölkerung teilen.

Ueli Maurer: Das Rütli bedeutet für viele Schweizer … das ist kein physischer Ort am Vierwaldstättersee … sondern das Rütli ist das Symbol für … wir wollen frei sein … wir wollen unabhängig sein … wir wollen keine fremden Richter … es wurde zum Symbol für den Widerstand im Zweiten Weltkrieg von General Guisan … das alles verkörpert das Rütli für sehr viele Schweizer […] Ich versuche zu schildern, was die Leute in diesem Land bewegt.

Adolf Muschg: […] Nein, nur was ihre Partei bewegt!

Ueli Maurer: Unsere Partei wählen immerhin 30% der Schweizer!

Quelle: Das Rütli-Theater: Ende gut – alles gut?

(Sinngemäss wiedergegeben; sobald morgen die Aufzeichnung verfügbar ist, werde ich das Zitat wortwörtlich niederschreiben)

Falsch! Muss ich meine Berechnung vom 5. Juni 2007 wieder hervorholen? Dort steht akribisch aufgelistet:

Nationalratswahlen

Total Stimmbevölkerung 4’565’7151 Pers.
Gewählt haben 45,4%
2’072’834 Pers.
Die SVP gewählt haben 26,7%
553’446 Pers.

Quelle: Weniger Staat, aber nur solange die anderen das Sagen haben

Ich finde es nicht gut, wenn eine Partei suggeriert, 2.47 Millionen Schweizer im Rücken zu haben (30% von 7.5 Millionen), wenn es tatsächlich nur gerade eine halbe Million ist (entspricht weniger als 10% der Einwohner unseres Landes). Würden Kinder und immigrierte Deutsche SVP wählen, geschweige denn so denken wie es die Parteiführung (Gell, Smythe? *zwinker*) vorsieht?

Mythos Rütli

Für mich bedeutet das Rütli nicht primär Unabhängigkeit und Freiheit, sondern Eidgenossenschaft (dem Gebilde, dem die SVP so nachzutrauern scheint). Wir leben aber in einem föderalen Bundesstaat, der massgebend von liberalen Geistern des 19. Jahrhunderts (und vielleicht auch ein wenig von den Sozialdemokraten des 20. Jahrhunderts) geprägt worden ist. Wäre es nach den altbackenen Eidgenossen nach Vorstellung der SVP gegangen, würde ich heute noch im Staate Bern und nicht in der Schweiz leben.

Labels: Gesellschaft, Politik

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Dienstag, 26. Juni 2007

Peak Oil!

(Eigenständiger Nachtrag auf meinen Artikel Der Tag, an dem das Erdöl unbezahlbar wurde)

The latest statistical work by Dallas geologist Jeffrey Brown over at The Oil Drum.com, suggests that something else is happening, something that was not anticipated: an imminent oil export crisis. This Export Land Theory states that exporting nations will have far less oil available for export than was previously assumed under older models. The theory states that export rates will drop by a far greater percentage than net production decline rates in any given exporting country. For example, The UK’s portion of the North Sea oil fields may be showing a nine percent annual decline for the past couple of years. But it’s export capacity has declined 60 percent. Something similar is in store for Saudi Arabia, Russia, Mexico, Venezuela — in short, the whole cast of characters in the export world. They are all producing less and they are all using more of their own oil, and have less to send elsewhere.

Quelle: Peak Suburbia

Die nächsten fünf Jahre werden spannender, als ich angenommen habe. Malen wir uns einmal überspitzt aus, was (auch in der Schweiz?) passieren könnte:

  • Ein Halbtax-Abo oder ein GA werden äusserst wertvoll, wie auch alle Infrastrukturbesitztümer der SBB (Schienen, Fahrzeuge, Bahnhöfe), die nicht von Erdöl abhängen
  • Die dritte Spur auf der A1 nach Zürich erübrigt sich, weil alle, die wirklich noch zwischen den Städten reisen müssen, dies mit dem Zug tun
  • Die SBB können die Nachfrage nach mehr Kursen und Wagen nicht befriedigen, da sie selber in eine Energiekrise schlittern (kommt davon, wenn man im Anflug des Liberalisierungswahnsinns möglichst viele Beteiligungen an Kraftwerken „verschuttet“ hat)
  • SUV-Fahrer demonstrieren für Sozialhilfe, um die horrenden Benzinkosten bezahlen zu können
  • Je näher man an Landwirtschaftsbetrieben wohnt, desto besser ist die Ernährung sichergestellt
  • Ferien im Ausland? Easyjet-Flüge als Schnäppchen? Das war einmal.
  • Media Markt? Ikea? Lyssach wird eine gigantische Ruine.
  • Das Sterben der Autogaragen, zeitgleich ein grosser Bedarf an Hilfskräften in der Landwirtschaft
  • … (to be continued)

Etwas später: Unter diesem Umständen könnte die NEAT ja sogar noch rentieren!

Nachtrag

Die Mainstream-Medien springen auf den Peak Oil-is-here-Zug auf:

Oil output has stalled, and it’s not clear the capacity exists to raise production. […]

There are many things we in the U.S. can do (and should have been doing) other than the present policy of crossing our fingers. If an oil tax makes sense from a climate change perspective, it seems doubly worthy if it extends supplies.

Even if the peakists are wrong, we would still be better off taking these actions. And if they’re right, major efforts right now may be the only way to avert a new Dark Age in an overheated world.

„It reminds me of the way no one would listen for years to scientists warning about global warming,“ he says. „We were predicting things pretty much exactly as they have played out. Then as now we were wondering what it would take to get people to listen.“

Quelle: From Peak Oil To Dark Age?

Lassen wir den Blick näher zu unseren Gefilden schweifen; auch auf der Insel ist etwas am Tun:

However, scientists led by the London-based Oil Depletion Analysis Centre, say that global production of oil is set to peak in the next four years before entering a steepening decline which will have massive consequences for the world economy and the way that we live our lives.

Colin Campbell, the head of the depletion centre, said: „It’s quite a simple theory and one that any beer drinker understands. The glass starts full and ends empty and the faster you drink it the quicker it’s gone.“

Quelle: World oil supplies are set to run out faster than expected, warn scientists

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Labels: Energie, Gesellschaft

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Montag, 25. Juni 2007

MySpace vs. Facebook

The goodie two shoes, jocks, athletes, or other „good“ kids are now going to Facebook. These kids tend to come from families who emphasize education and going to college. They are part of what we’d call hegemonic society. They are primarily white, but not exclusively. They are in honors classes, looking forward to the prom, and live in a world dictated by after school activities.

MySpace is still home for Latino/Hispanic teens, immigrant teens, „burnouts,“ „alternative kids,“ „art fags,“ punks, emos, goths, gangstas, queer kids, and other kids who didn’t play into the dominant high school popularity paradigm. These are kids whose parents didn’t go to college, who are expected to get a job when they finish high school. Teens who are really into music or in a band are on MySpace. MySpace has most of the kids who are socially ostracized at school because they are geeks, freaks, or queers.

Viewing American class divisions through Facebook and MySpace

Ich habe auf beiden Networks entsprechende Accounts – in MySpace logge ich mich etwa alle zwei Monate einmal ein. Facebook besuche ich einmal pro Woche (meist, weil sich wieder ein/e Bekannte/r angemeldet hat und mein „Freund“ werden möchte).

Die Argumentation von Danah Boyd nehme ich zur Kenntnis – für mich sind mehrheitlich Design- und Usability-Kriterien ausschlaggebend, welches soziale Netzwerk ich häufiger Besuche. Während MySpace etwa dem schweizerischen Partyguide entspricht (bezüglich Sicherheitslücken, veralteter Aufmachung, HTML-Code aus den späten Neunzigern und einem fragwürdigen Backend), setze ich Facebook mit Usgang.ch gleich. Usgang hat aus meiner Sicht das sauberste Design unter den vier Platzhirschen der Party-Portale.

Etwas später geht die Autorin des erhellenden Artikels doch noch auf diesen Gesichtspunkt ein:

Most teens who exclusively use Facebook are familiar with and have an opinion about MySpace. These teens are very aware of MySpace and they often have a negative opinion about it. They see it as gaudy, immature, and „so middle school.“ They prefer the „clean“ look of Facebook, noting that it is more mature and that MySpace is „so lame.“ What hegemonic teens call gaudy can also be labeled as „glitzy“ or „bling“ or „fly“ (or what my generation would call „phat“) by subaltern teens. Terms like „bling“ come out of hip-hop culture where showy, sparkly, brash visual displays are acceptable and valued. The look and feel of MySpace resonates far better with subaltern communities than it does with the upwardly mobile hegemonic teens.

Labels: Blogosphäre, Gesellschaft, Web

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Freitag, 15. Juni 2007

Wir unechten Liberalen sollten Adam Smith gründlich lesen

Yet rather than demanding that costs be fully internalized, the corporate libertarians are active advocates of eliminating government regulation, pointing to potential cost savings for consumers and ignoring the social and environmental consequences. Similarly they advise localities in need of employment that they must become more internationally competitive in attracting investors by offering them more favorable conditions, i.e., more opportunities to externalize their costs through various subsidies, low cost labor, lax environmental regulations, and tax breaks.

[…] The corporate rationalists fail to mention that one way firms increase their „efficiency“ is to externalize more of their costs. […] When corporate libertarians promote practices that allow corporations and wealthy investors to socialize their costs and privatize their gains, they reveal their fidelity to a political interest rather than to economic principles.

What we now have is not a market economy. It is increasingly a command economy centrally planned and managed by the world’s largest corporations to maximize financial returns to top managers and the wealthiest shareholders at the expense of the rest of society.

Quelle: The Betrayal Of Adam Smith

Labels: Gesellschaft, Politik, Wirtschaft

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