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Montag, 30. März 2026

Iran-Krieg: Schockwelle unterwegs

Der Countdown läuft

Die Grafik von JP Morgan in diesem Tweet zeigt auf, wann die Erdöl-Lieferungen aus dem Nahen Osten in den verschiedenen Weltregionen versiegen:

  • Afrika: 20. März bis 1. April
  • Asien: 1. April
  • Europa: 10. April (gemäss einem Tweet erreicht spätestens am 3. April der letzte Tanker das Vereinigte Königreich)
  • USA: 15. April
  • Australien: 20. April

Was bedeutet das konkret?

Das lese ich so, dass an ungefähr dem Tag der letzte volle Tanker aus dem Persischen Golf nach tage- respektive wochenlanger Fahrt seinen Zielhafen erreicht.

Sprich das sind Schiffe, die vor, am, oder noch kurz nach dem verhängnisvollen 28. Februar 2026 die Strasse von Hormuz passiert haben.

Einschub: Ja, ich weiss, es passieren weiterhin vereinzelt Schiffe die Strasse von Hormuz, aber nicht annähernd in der Menge vor dem „völkerrechtswidrigen“ Angriffs der USA und Israels auf den Iran. Und wenn Schiffe die Strasse passieren, dann nur solche, welche an Iran-freundliche Länder liefern, und/oder dem iranischen Regime einen Obulus bezahlt haben.

Am Zielhafen wird das Erdöl aus dem Schiff gepumpt und direkt? oder via Tanks? in lokale Raffinerien eingespeist, damit es dort zu Erdölprodukten verarbeitet und diese dann dem lokalen Markt zugeführt werden können (Benzin, Diesel, aber vielleicht auch Plasticgrundstoffe, Dünger und was die Petrochemie sonst noch alles aus der dunklen Brühe hervorzaubert).

Ab dem oben genannten Tag hat jede Weltregion ein Problem, einige ein weniger Grosses, andere ein Riesiges — je nachdem, welchen Anteil das Öl aus der Golfregion an der Gesamtversorgung ausmacht.

Vergleiche zur Pandemie, und dem Boxing Day/Stephanstag-Tsunami

Auf Twitter lese ich vermehrt Vergleiche zur „Pandemie“: Wir befänden uns jetzt gerade im Februar 2020, sprich ein paar Wochen vor den (bescheuerten) Lockdowns.

Mir gefällt ein anderer Vergleich besser (eventuell auf Grund meines aktuellen Standorts): Khao Lak, 26. Dezember 2004. Die meisten Touristen stehen am Strand, ganz nah an der ursprünglichen Wasserlinie, und schauen fasziniert zu, wie sich das Meer zurückzieht, und in weiter Ferne sieht man die Tsunamiwelle auf das Land zurollen … so wie Stefan Kuhn es gefilmt hat: A Look Back at the 2004 Boxing Day Tsunami. Wer zu dem Zeitpunkt nicht geistesgegenwärtig reagiert und das Richtige getan hat, war wenige Minuten später tot.

Kaskade

Das Problem mit den wegfallenden Erdöllieferungen aus den Golf-Staaten kaskadiert sich folgendermassen: Angefangen bei den Förderländern, deren Zwischenlagerungstanks vor Ort voll sind, da die aus dem Boden geholte Brühe nicht mehr auf Schiffe verladen werden kann.

Das bedeutet, dass man dann die Pumpen abstellen muss, sonst laufen die Tanks über. Die Pumpdinger, so habe ich mittlerweile verstanden, kann man dann nicht einfach so mir nichts dir nichts wie ein Lichtschalter betätigen, anwerfen, und dann sprudelt es wieder munter fröhlich. Wenn ich es richtig verstanden habe geht es hier um das Problem mit der „flow rate“, sprich um ausreichend Druck, um das Erdöl aus dem Boden zu drücken.

Der Engpass betrifft alle nachgelagerten Industrien in aller Welt, die just-in-time produzieren und darauf angewiesen sind, dass täglich neue Öl-Ladungen eintreffen.

In der nördlichen Heimsphäre ist jetzt auch der Beginn für die Pflanzsaison, und hier benötigt man Dünger. Kunstdünger wird aus Gas aus dem Nahen Osten hergestellt.

Und schlussendlich erreicht es uns Normalbürger, die dem täglichen Leben nachgehen: Mit dem Auto zur Arbeit fahren, Essen einkaufen, Medikamente konsumieren, Einkommen erwirtschaften, Hypotheken abzahlen und einfach normale tägliche Lebenskosten bezahlen müssen.

SPR: Die Rettung?

Die meisten Ländern haben zwar strategische Ölreserven, sprich übergrosse „Benzinkanister“, deren Inhalt man dann in einer solchen Situation freigeben kann. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass aus dem Nahen Osten kein Erdöl mehr angeliefert wird — sprich man stösst das Problem höchstens ein paar Wochen, Monate oder ein Jahr in die Zukunft. Japan hat aus den 1930ern gelernt (übrigens: ein direkter Link zu Pearl Harbor), und verfügt weltweit über eines der grössten Strategic Petrolium Reserve (SPR)-Lager, um ganze 254 Tage überbrücken zu können. Die Schweiz: 135 bis 140 Tage (Switzerland stopping short of releasing oil reserves, says president).

Dann kommt der „Strömungsabriss“ mitsamt dem Schock halt dann; ausser man schafft es irgendwie, bis zu dem Tag wieder mindestens täglich die Mengen an Erdöl herbeizukarren, die gerade verbraucht werden. Möglich, aber fraglich, denn die ganze Welt braucht dann den „Stoff“. Und: Sind die strategischen Ölreserven mal leer, hat man absolut keine Resilienz mehr. Fallen dann die Lieferungen ein paar Tage oder Wochen aus, ist Lichter Löschen angesagt. Und: Eigentlich müsste man ab dem Zeitpunkt der erschöpften SPR soviel Erdöl importieren, dass man nicht nur den Tagesbedarf decken kann, sondern möglichst viel zusätzliches Öl, um die Reservetanks so rasch als möglich wieder zu füllen.

Leiser Gedanke: Schwarzstartfähigkeit unserer Ölversorgung?

Was ich mich beim Schreiben dieses Artikels plötzlich gefragt habe: Kaltstart, oder Schwarzstartfähigkeit (der Begriff aus der Stromerzeugungsindustrie). Wie viele Erdölfelder in welchen Regionen müssen wie lange offline gehen, damit wir unsere gesamte globale Förder- und Transportkette nicht mehr starten können? Sprich dass Zielländer über kein Diesel mehr verfügen, um Tanker oder Tankzüge zu den Produktionsorten zu fahren oder schippern, und sich bei den Erdölfeldern nicht genügend Tanker und Diesel befinden, um ausreichend Erdöl zu verladen und zu verschiffen, damit eine Region wieder nachhaltig „online“ kommt … spannend, aber auch extrem beängstigend.

Die kommende Knappheit spiegelt sich zunehmend im Erdölpreis wieder, aber ich gehe davon aus, dass dieser Preis einerseits manipuliert wird, und andererseits viele Marktteilnehmer aus mir unerklärlichen Gründen noch nicht realisieren, auf was für einen Eisberg wir zusteuern. Wie Leute durchaus richtig bemerken, führt ein zu hoher Erdölpreis zu „demand destruction“. Doch: Nur Irre und ein paar Grüne wünschen sich das.

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Freitag, 4. März 2022

Wirtschaftskrieg: Wer hat den längeren Atem?

Im März 2009 schloss ich am Historischen Institut der Universität Bern meine Lizentiatsarbeit mit dem Titel Die Missernte 1916/17 in der Schweiz: «Wenn nur der Wettergott bald ein Einsehen hätte» ab (Seite mit dem Link auf das PDF).

Darin betrachte ich die Schweizerische Landwirtschaft unter dem Einfluss von auf Grund des Weltkrieges gestörten Einfuhren (Blockaden und das Zurückbehalten wichtiger Rohstoffe einerseits, sowie anderweitige Verwendung essentieller Rohstoffe für kriegswichtige Fabrikation) sowie schlechter Witterung.

Spannend, was ich nun gerade lese:

Funktioniert dieser Vergleich wirklich? Ich weiss es nicht. Aber ich habe Zweifel — Japan ist bekanntermassen eine Inselgruppe, und vergleichbar mit der Schweiz ein Land ohne Rohstoffe — es gibt dort kaum fossilen Energieträger (Kohle, Gas, Erdöl, etc.). Immerhin: Heute produziert Japan fast dieselbe Menge an Reis, die es konsumiert (97 Prozent). Doch für die Reisproduktion wird fossile Energie benötigt — in Form von Benzin/Diesel für die Landwirtschaftsmaschinen, und als künstlich hergestellten Dünger.

Wie sieht es bezüglich Russland aus? Mir kommen zwei Grafiken in den Sinn, denen ich in den letzten Tagen über den Weg gelaufen bin:

Infographic: Ukraine Crisis Likely to Push Up Wheat Prices | Statista You will find more infographics at Statista

Handelsblatt: Wie EU-Länder ihre Abhängigkeit von Gas aus Russland verringern wollen

Diese zwei Grafiken machen mir als Europäer grösste Sorgen. Befürchtung: Selbst wenn wir für die Deckung unseres Bedarfs recht schnell auf andere Quellen umschwenken könnten, würde dies mit enormen Preissteigerungen einhergehen (diese beginnen bereits: COMMODITIES Gas and aluminium hit fresh records; oil, wheat soar on supply turmoil). Und wenn wir keine anderen Quellen finden … gehen die Lichter aus.

Nachtrag:

Handelt es sich bei „PARIS WHEAT“ um dieses Produkt („Milling Wheat / Ble de Meunerie (EBM)“)?

Aus Sicht von Maxim Mironov, Associate Professor in Empirical Corporate Finance in Madrid, spielen solche Überlegungen keine Rolle — nicht wir, sondern vorerst einmal Russland sei auf dem direkten Weg ins Disaster:

Was Mironov nicht erwähnt: Was ist mit Ländern ausserhalb des Westens? China, als „Elephant in the room“? Und sonstigen Staaten, die gegen Russland keine Sanktionen ergriffen haben? Einerseits könnte Russland auf diese für den Import dringend benötigter Waren zurückgreifen, und andererseits diesen Staaten fossile Energie und sonstige im Inland produzierte Rohstoffe verkaufen.

Spannende Zeiten. Bald werden wir wissen, was Sache ist.

Nachtrag

Ein Twitter-Thread (bitte schreibt doch einfach Blog-Artikel, Mensch!), welcher der russischen Wirtschaft ebenfalls die Resilienz abspricht.

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Samstag, 6. Februar 2021

Hans-Werner Sinns „Standardwerk“ zu Elektroautos, Klimawandel, CO2, Energiewende, Solar- und Windenergie, Erdöl, Braunkohle und Atomkraft

Beipackzettel: Hans-Werner Sinn zerstört in einer Stunde und achtundfünfzig Minuten (mit YouTubes 2× Geschwindigkeitsfunktion in weniger als sechzig Minuten) in bestimmten Gesellschaftsschichten Weltbilder und/oder verursacht zumindest fundamentale Sinnkrisen.

Dass Klimaaktivisten und -retter diese Rede nicht schauen (oder: verstehen) ist das eine, aber dass irrlichternde Politiker hier nicht mal reinschauen verstehe ich nicht …

Stell dir vor, wir hätten Virologen und Epidemiologen von seinem Kaliber.

Nachtrag

touni@ schickt mir über Twitter folgenden Artikel: Was Hans-Werner Sinn bei seiner Elektroauto-Studie übersehen hat.

Diese Kritik in der WirtschaftsWoche (WiWo) ist datiert auf den 19. April 2019, die auf YouTube publizierte Rede hielt Sinn am 16. Dezember 2019. Der WiWo-Artikel scheint Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Sinn nicht umgestimmt zu haben.

Dabei: Damit Elektroautos besser wegkommen als die Diesler, müssen gemäss Stefan Hajek, Redakteur Innovation & Digitales bei der Wirtschaftswoche, (englische Version) „nur“ folgende vier Studienparameter/-annahmen geändert werden:

  1. Verzicht auf NEFZ-Laborwerte, stattdessen soll man bei Dieselfahrzeugen und Benzinern 40 Prozent zu den NEFZ-Werten hinzurechnen, bei Elektroautos seien nur 8 Prozent nötig; oder man soll gar nicht erst NEFZ verwenden, sondern WLTP, EPA oder aber „empirische Verbrauchswerte“. Im Artikel werden die WLTP- und EPA-Werte nicht genannt und sind somit auch nicht mit den NEFZ-Werten vergleichbar.
  2. Für Tesla-Batterien darf man nicht mit 300, sondern muss mit 3000 Ladezyklen rechnen. 3000 ist der Spitzenwert, den ein Tüftler erreicht hat, indem er die Batterie aus seinem Tesla 3 ausgebaut, die Ladeelektronik und alle Schutzmechanismsen deaktiviert und die Batterie dann ununterbrochen geladen und entladen hat. Tönt echt viel realitätsnaher, und ich finde es auch überaus sinnvoll, wenn Tesla-Besitzer händisch ihre Ladeelektronik überbrücken und Schutzmechanismen deaktivieren … (wer Sarkasmus findet …). Anderer Fun Fact: Rechnet man eine Reichweite von 500 Kilometer pro Ladezyklus (ich bezweifle, dass das ein von Normalsterblichen zu erreichender Durchschnittswert ist, insbesondere im Winter) machen Teslas mit 3000 Ladezyklen 1.5 Millionen Kilometer. Steht so im Artikel. Für mich tönt das alles grenzwertig und unrealistisch, aber ich halte ab sofort Ausschau nach Teslas mit Originalbatterie und 1’500’000 Kilometer auf dem Tacho (Geboten werden 900’000 Kilometer mit einer ausgetauschten Batterie. Korrektur: 1’000’000 Kilometer, aber: „As we previously stated, these miles are not all on the original motor and battery. In fact, by November 2019, Gemmingen had gone through four motors and three battery packs.“). Forumsdiskussion dazu, und auch noch bei Heise: Fragezeichen. Hajek hat vermutlich eine solche Reaktion erwartet und relativiert im Artikel, dass man die ausgelatschten Tesla-Batterien ja anderenorts weiterleben lassen kann. Nebenbei:
    • Sinn weist in seiner Rede darauf hin, dass Batterien von Elektroautos in der Praxis eben gerade nicht optimal geladen werden (Stichwort: „range anxiety“), und dieser Umstand die Lebenszeit der Batterien verkürzt.
  3. [Den dritten Punkt verstehe ich nicht; hier mein Deutungsversuch] Gemäss Hajek hat Sinn „vergessen“, die CO2-Bilanz zur Herstellung der Bauteile des Diesel-Autos ebenfalls einzurechnen (das wäre doch selten dämlich, eines Prof. Dr. Dr. h.c. mult. unwürdig und würde ihn der Lächerlichkeit preisgeben). Auch vergässe Sinn, die Förderung, Raffinierung und den Transport des Diesels einzuberechnen.
  4. Die CO2-Emissionen für Fahrten mit dem Tesla sind falsch und müssen um 16 Prozent nach unten korrigiert werden

Dazu Hans-Werner Sinn: Sinn verteidigt Studie zu E-Autos: Haben sogar optimistische Annahmen gemacht.

In Sinns Replik wird auch noch eine Volkswagen-Studie erwähnt, die aufhorchen lässt:

[…] eine von Volkswagen veröffentlichte Studie, die den E-Golf mit einem Golf TDI vergleicht. VW hatte errechnet, dass ein E-Golf beim heutigen deutschen Strommix geringfügig mehr CO2 je Kilometer ausstoße als ein Diesel-Golf – 142:140 Gramm CO2.

WDR konnte im September letzten Jahres auch nicht wirklich bedingungslos in den Lobgesang auf Elektroautos einstimmen: WDR Fernsehen ∙ Planet Wissen ∙ 16.09.2020 ∙ Sind Elektroautos umweltfreundlicher als Benziner?

Fazit?

Sinn spricht im Video über viele andere Themen, die meiner Meinung nach deutlich wichtiger sind. Elektroautos machen nur einen Teil des Vortrags aus.

Meine Meinung zur Diskussion mit Elektroauto-Verfechtern: Der wahre Umweltretter ist vermutlich diejenige Person, die gar kein Auto fährt (d.h. weder Benziner, noch Diesler noch Elektroauto). Wir sind das sicherlich auch nicht, fahren aber immerhin unseren alten, popeligen Toyota Verso-S benzingetriebenen Gebrauchtwagen zu Boden. Vermutlich die ökologischste unter den schlechten Varianten.

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Sonntag, 4. September 2011

Die benzinsüchtigen Amis werden zur Kasse gebeten

Gasoline, for example, costs the nation about $10.9 billion more this year than it did the last. That money has to come from somewhere. And since a rich person drives about the same number of miles as a poor person, it costs the many a lot more than it does the few.

Quelle: Not Like 2008

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Donnerstag, 17. März 2011

Bye bye, Elektroauto

Heute habe ich an der SES-Veranstaltung „Elektromobilität: Mit Strom in den Verkehrskollaps?“ in Bern teilgenommen. Dort referierten Prof. Dr. Guzzella von der ETH Zürich sowie Dr. Axel Friedrich aus Deutschland über die Marktchancen von Elektroautos. Die Folien der Präsentationen stehen im Netz zum Download bereit.

Besonders der Vortrag von Prof. Guzzella hat einen grossen Eindruck auf mich hinterlassen — er hat seine äusserst klare Auffassungen mit grösster Effizienz ans Publikum gebracht, dabei aber einige Anwesende sicherlich vor den Kopf gestossen. Recht so, denn nur mit klaren Kontrapunkten kommt die Diskussion in die Gänge!

Mich hat dieser Vortrag im Eindruck bestärkt, dass wir auf dem Holzweg sind, wenn wir unsere gesamte Fahrzeugflotte von Benzin- auf Elektromotoren umstellen möchten. Obwohl er sich nicht mit den Peak Oil-Schauermärchen-Theorie anfreunden kann, ist auch er der Auffassung, dass mit einem solch hirnrissigen Umstieg vom Otto- auf den Elektromotor der Status Quo niemals aufrecht erhalten werden kann. Stattdessen propagiert er klar einen Paradigmenwechsel in den Köpfen der Schweizer und Westler: Sparen, sparen, sparen!

Konkret sähe er die Autoindustrie bereits heute in der Lage, 2 Liter Benzinmotoren herzustellen — doch die Mehrheit unserer Mitbürger sei nicht bereit, solche Fahrzeuge zu kaufen: Weil diese zu klein seien und viel zu langsam von 0 auf 100 beschleunigten. Süffisant liess er sich zur Nebenbemerkung hinreissen:

Das Auto ist nicht dazu da, um irgendwelche Psycho-Probleme zu lösen. 30 PS reichen!

Dies geht auch an die Adresse der Mehrheit meiner Kollegen. Da muss leider noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Die Zukunft des motorisierten Individualverkehrs liegt laut Guzzella auf Grund der unlösbaren Schwächen der Batterietechnologie nicht in Elektro- oder Hybridautos, sondern weiterhin im Verbrennungsmotor. Eindrücklich zeigt er dies auf Folie 22 seiner Präsentation, wo er die Energiedichten von Kohlewasserstoffen und Batterien vergleicht. Falls die Batterietechnologie doch noch markant verbessert werden könnte (was noch nicht erwiesen ist), würde dieses Unterfangen Jahrzehnte in Anspruch nehmen.

Exponenten, die mit unglaublichen Energiedichten ihrer Batterien schwärmen, hält er Toyota vor die Nasen: Wenn Toyota in seinem Prius keine solche Batterie verbaue, existieren diese Wunderbatterien schlicht und ergreifend nicht. Toyota sei ein Autohersteller, der Autos verkaufen müsse, weil das nun einmal das vernünftige Geschäftsmodell der Firma ist. Unrealisierbare Träumereien zu verkaufen überlassen die privatwirtschaftlichen Autohersteller den Hinterhoferfindern, denn diese müssten ja nichts marktfähiges realisieren und sind auch keinem Aktionär Rechenschaft schuldig.

Weiter gab er zu bedenken, dass heutige Elektroautos dem Markt vorbeigeplant seien: Wenn ein Bürger mit seinem Erspartem für 25’000 Franken ein Auto kaufe, werde er sich immer für dasjenige Modell entscheiden, welches auch mal 600 Kilometer an einem Stück mache und danach nicht für 8 Stunden an das Stromnetz angeschlossen werden müsse, sondern innert 3 Minuten aufgetankt sei und danach weitere 600 Kilometer zurücklegen könne (Folie 35). Und das ist nun einmal der VW Polo mit Verbrennungsmotor und nicht ein Elektromobil im Prototypen-Stadium. Wer sich ein Elektroauto kaufe, müsse sich noch einen Zweitwagen leisten, um auch mal vier Personen transportieren und längere Distanzen zurücklegen zu können. Und das könne ja nun wirklich nicht der Sinn der Sache sein.

Guzzella warnt deshalb die Politik davor, Elektroautos zu subventionieren. Das wäre das Gefährlichste, was ein Staat seiner Wirtschaft, Umwelt und seinen Bürgern antun könne. Stattdessen müssten Gesetze erlassen werden, die die Autoindustrie zwängen, effiziente und äusserst sparsame Autos herzustellen — und die Bürger (evtl. mit finanziellen Abgaben) derart einschränken, dass diese nur noch solche Fahrzeuge anschaffen würden.

Nebenbei: Folie 33 zeigt, was ich auch schon hier in meinem Blog erwähnt habe: Das grösste Manko in der IT-Industrie sind die Batterien. Die CPU-Leistung, die Speicherkapazität von RAM und Festplatten steigen zwar linear an, die Energiedichte von Batterien ist hingegen seit Jahrzehnten stagnierend.

Schlusswort

An der Veranstaltung nur von einem Beamten des Bundesamtes für Umwelt angesprochen wurde die Frage, ob wir denn überhaupt so viel Mobilität benötigen … Auch aus meiner Sicht wäre dies immer noch das Grundproblem in diesem weitreichenden Themenkomplex.

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Sonntag, 13. März 2011

Gesucht: 6 Millionen Barrel Erdöl. Täglich.

It was far from clear where the world was going to find another two million barrels a day of new supply to meet another year of demand growth. That would be in addition to the nearly four million barrels a day of new production that must be brought on simply to replace what is lost every year in depletion.

Quelle: Why Saudi Arabia can no longer temper oil prices – The Globe and Mail

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Dienstag, 20. Juli 2010

Man sollte auch mal wieder herzlich über BP (und die Palins) lachen …

Mr. ROCCA: Listen, listen, British Petroleum is an evil BP. Bristol Palin is a kind of a fun, distracting, silly BP.

SAGAL: That’s true.

Mr. PIERCE: And both involved in drilling in their own way.

Mr. ROCCA: All right, yes. And yes, but it’s not Bristol’s fault that the cap wasn’t kept on the well.

Quelle: Opening Panel Round : NPR

Das ganze Scharmützel — rein nur aus Worten von redegewandten Zeitgenossen, ohne dass dabei jemand physisch verletzt würde — ist äusserst lesenswert. Nach den Lachern sollte man aber schleunigst wieder das Schweigejahr für den verschmutzten Golf von Mexiko fortsetzen.

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Montag, 19. Juli 2010

Vuvuzelas for BP

Vor einigen Wochen habe ich einer Internet-Aktion 10 US-Dollar überwiesen, damit sich einem Flashmob gleich wildfremde Menschen vor dem BP-Hauptquartier in London versammlen und auf Vuvuzelas während mehreren Minuten rumtrompeten. Die Guerilla-Aktion nannte sich Vuvuzelas for BP.

Der Grund hinter diesem digital mobilisierten Protest: Die versunkene Ölbohrinsel im Golf von Mexico.

Einzig wenn man überlegt, aus was diese Vuvuzelas eigentlich gemacht sind — Plastic, welches wiederum aus Erdöl hergestellt wird — hinterlässt die Aktion doch einen etwas schalen Nachgeschmack. Dies sind die latenten Widersprüche unserer Konsumegesellschaft.

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Mittwoch, 23. Juni 2010

Die BP-Hypokrisie

In a fight between a group of zombies and a real producer, their sympathies should be with the oil man. After all, when they drive into the filling station, it’s not the Congressional Record that they pump into their fuel tanks. And when they heat their homes, it’s not tort lawyers whom they look to for fuel. Gasoline is valuable. They know it. And they know that someone has to get it. In fact, so keen is their demand for octane, and so high is the price, that the producers are lured farther and farther away from dry land. No one would drill a mile below the water for oil unless a lot of people wanted it badly. Sooner or later, one of the rigs was bound to spring a big leak.

Quelle: The Zombies and the Oil Man

Passt doch perfekt zum Comic in der neuesten Ausgabe des Economists:

Quelle: The Economist, „KAL’s Carton“, 17. Juni 2010

Transkribiert:

Obama: „Sam! You’re addicted to oil! But it’s not too late … I can help you …“

Sam: „But we cannot waste any time …“

Obama: „We must embrace alternative sources of Energy!! You can be saved if we act now!!“

Sam: „Yeah!“

Obama: „Come on, sam!! Follow me!!

Sam: „Great!! I’ll get the car!“

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Montag, 7. Juni 2010

Haben die USA auf’s falsche Pferd gesetzt?

We spent all our collective national treasure — and quite a bit beyond that in the form of debt — building the roadway systems and the suburban furnishings for that mode of existence.  We incorporated it into our national identity as the American Way of Life. Now, we don’t know what else to do except defend it at all costs, […]

Quelle: Which Horizon? – Clusterfuck Nation

Wie ein Spielsüchtiger, der immer neue Kredite aufnimmt, weil der Erfolg in der nächsten Runde Roulette auf ihn wartet. Doch wie sagt der Croupier so schön: „Rien ne va plus!“

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