Posts Tagged ‘Typographie’

Dienstag, 20. Januar 2026

AI-Texte verraten sich mit diesem einen Muster, und: dem em-dash

(Hilfe, jetzt verwende ich auch schon Blog-Titel, die den Leser verführen, den Artikel hier zu lesen … sorry)

Twitter ist seit Jahren die Social Media-Plattform meiner Wahl. Facebook habe ich nach dem Cambridge Analytica-Skandal nie mehr besucht, Instagram verwende ich selten, TikTok war während eines längeren Spitalaufenthaltes ein guter Zeitvertrieb, aber seither längst wieder deinstalliert.

Einer der grössten Fehlentscheide Elon Musks ist meines Erachtens die Textlimite von Tweets aufzuheben. Seither fluten viele Teilnehmer meine Timeline mit ellenlangen — nein, biblisch-langen — Texten, was viel des ursprünglichen Charmes der Platform („In der Kürze liegt die Würze!“) zerstört hat.

Der diesbezügliche perfekte Sturm ist die AI-Revolution der letzten Jahre: Ich helfe wetten, dass die meisten Engagement Farmer auf der Plattform so richtige Vollhorste sind, die ihre Texte durch welchen gerade gehypten AI-Agent durchpressen.

Mittlerweile habe ich ein recht gutes Gefühl dafür, solche Texte zu erkennen. Einerseits mittels Bauchgefühl, aber noch treffsicherer seit ich folgenden ycombinator Thread über den Blog-Post „21 Lessons From 14 Years at Google“ eines anderen Googlers gelesen habe:

feels LLM assisted, at the very least. […]

Der Kommentator listet Sätze auf, die AI (präziser: die Verwendung von LLMs) verraten:

  • The skill isn’t being right. It’s entering discussions to align on the problem
  • clarity isn’t a style preference – it’s operational risk reduction
  • The punchline isn’t “never innovate.” It’s “innovate only where you’re uniquely paid to innovate
  • This isn’t strictly about self-promotion. It’s about making the value chain legible to everyone
  • The problem isn’t that engineers can’t write code or use AI to do so. It’s that we’re so good at writing it that we forget to ask whether we should.
  • This isn’t passive acceptance but it is strategic focus
  • This isn’t just about being generous with knowledge. It’s a selfish learning hack

Generisch ausgedrückt: „It’s not X. It is Y.“, oder auf Deutsch: „Es ist nicht nervig, AI für alles und jedes zu benutzen. Es ist ein essentielles Werkzeug für Heissluftbläser.“

Ein viel subtileres Zeichen, das auf die Verwendung von AI-Schreibhilfen hindeutet: Die Verwendung des em-dashes, sprich: „satzEins — satzZwei“. Ist die Person mir nicht als Typographie-Freak bekannt (ich habe genau einen solchen Kollegen), und sehe ich einen em-dash in einem Email, Brief oder SMS dieser Person, ist der Fall klar: Da war AI involviert.

PS: Irrelevant für Texte, aber neben dem Sora-Wasserzeichen sind Sora AI-generierte Videos (derzeit) 11 Sekunden lang. Sieht man auf Twitter ein Video mit genau dieser Länge: Aufgepasst. Trau, schau, wem — prüfe, ob das Video wirklich echt ist, oder für Engagement Farming oder Psyops eingesetzt wird.

Nachtrag 1

Der folgende Tweet — AI-generiert. Wetten?

The best gift you can give your child isn’t more toys.
Not a bigger house.
Not even the best school.
It’s a sibling.

Quelle: Wegiveyouhealt1‬⁩@

Nachtrag 2

Seit ich gestern darüber gebloggt habe, fallen mir solche Texte immer mehr auf.

Diese AI-Art zu schreiben scheint auch auf hochdeutschen Blogs zum Tragen zu kommen. Hier offenbar in der Form „Nicht X [, nicht Y] — sondern Z“:

Nicht als Gegenrede, nicht als moralische Korrektur – sondern als realpolitischen Anker.

[…] dass wir uns nicht in einer Übergangsphase befinden, sondern in einer neuen Ordnung, die bereits greift.

Quelle: Bevor Trump redet, sollte man Carney lesen

Eine Variation davon: „X ist kein Y. Es ist Z.“

Das ist keine abgestimmte Formel. Das ist meine Lesart der Welt.

Das ist kein Zynismus. Es ist eine nüchterne Zustandsbeschreibung.

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Freitag, 4. September 2009

Ikea ist übergeschnappt

Like many other critics of the switch I would counter that Verdana was specifically designed for use online. Why didn’t IKEA just switch to Verdana online and keep the typographically superior Futura for their print applications?

Quelle: Seen&Done®: Why Verdana, Why IKEA, WHY?

Die Schweden ersetzen die wunderschöne (und zeitlose, da bereits 1927 entwickelte) Futura mit Microsofts Verdana – einer Bildschirmschriftart, die im Print überhaupt absolut rein gar keinen einzigen Quadratmillimeter Druckerschwärze zu suchen hat.

Jetzt sind sie eindeutig zu weit gegangen, die Schweden!

PS: Die ersten Werbungen in Verdana sind diese Woche unter anderem in der BernerZeitung aufgetaucht und bewarben das neu eröffnete Ikea-Restaurant in Lyssach.

Nachtrag

In TIME ist mittlerweile ein Artikel darüber erschienen:

So why would Ikea make such a change? The very ubiquity of Verdana seems to be part of the font’s appeal. Freely distributed by Microsoft, the typeface allows Ikea to use the same font in all countries and with many alphabets. „It’s more efficient and cost-effective,“ says Ikea spokeswoman Monika Gocic. „Plus, it’s a simple, modern-looking typeface.“

Quelle: The Font War: Ikea Fans Fume over Switch to Verdana – TIME

Die Pressesprecherin hat ja wohl absolut keine Ahnung, was eine „einfache, modern ausschauende Schrift“ ist – jedenfalls garantiert nicht Verdana irgendwo ausserhalb eines Bildschirmes.

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Donnerstag, 6. März 2008

Swisscom am Scheideweg


Schriften-Mischmasch Swisscom
Originally uploaded by emeidi

„naja irgendwie geitmer ds neue „image“ e chli ufe sänder. iz sisi plötzlech vom einte ufe ander tag brutal fürdi da“ – „ja, u huere brutal sisi da für di“

Quelle: Chat mit einem Bekannten

Abgesehen davon gibt es anhand der Medienmitteilung (mindestens) zwei Dinge zu bemängeln:

  • Das neue Logo mag zwar schön farbig, schön nichtssagend und „dreidimensional“ daherkommen – doch die schwarz-weiss Version ist unbrauchbar. Die Layouter werden dem alten, auch im schwarz-weiss-Druck gestochen scharfen Logo noch lange nachtrauern.
  • Die Swisscom Standard-Schriftart ist und bleibt die Frutiger. Wäre ja auch Wahnsinn gewesen, diese in Rente zu schicken. Da an der Frutiger im neuen Logo aber ein Typograph (ob Profi oder Praktikant ist mir noch nicht ganz klar) Hand angelegt hat, beisst sich die Sache; zeigt gleichzeitig aber auch auf, was der Schriftsetzer für minime Anpassungen vorgenommen hat:
    • Kleines ’s‘ zum Wortbeginn
    • Bögli beim ‚i‘
    • Schlankere ‚w‘ und ’s‘
    • Runderes ‚c‘, etwas schlanker
    • Weniger gequetschtes ‚o‘ (wobei man am obigen Beispiel meisterhaft erkennen kann, wieso mit Word verfasste Medienmitteilungen Übelkeit auslösen: Das Kerning von ‚o‘ und ‚m‘ des Titels der Medienmitteilung ist haarsträubend)
    • Bögli beim ‚m‘

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Samstag, 1. März 2008

Wieso ich LaTeX Microsoft Word vorziehe

Primär sicherlich einmal, weil damit 150+-seitige wissenschaftliche Arbeiten (derzeit gerade mein Liz) deutlich effizienter verfasst werden können als mit dem Gebastel aus dem Hause Microsoft.

Für den Typographie-Liebhaber und Personen, die über einen Adlerblick verfügen, sollte auch Words Schriftformatierung ein No-Go sein:

There is still a further reason that definitely convinced me to abandon MS Word: you will never be able to produce professionally typeset and well-structured documents using most WYSIWYG word processors.

Word

LaTeX

Quelle: The beauty of LaTeX

Sagte er, und ging sich die soeben eingetroffene DVD ‚Helvetica‘ anschauen …

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