Dienstag, 7. November 2006

Cablecom auf Kundenfang und -verarsche

Heute Mittag im Eschenmoser in Bern: Eigentlich will ich ja nur eine xD-Karte für meine neue Digitalkamera kaufen. Das Schicksal will es aber, dass ich von einem Cablecom-Vertreter angehauen und eingelullt werde. Da ich meinen Internet-Anschluss bereits von dieser Firma besitze, versucht er mir cablecom digital phone anzudrehen – mit Erfolg.

Partnerwechsel

Seine „Saat“ fällt auf fruchtbaren Boden – schliesslich habe ich mir bereits seit längerem Gedanken gemacht, wie die Telefon-Kosten unseres Haushaltes gesenkt werden können. Drei Möglichkeiten habe ich in Betracht gezogen und erhalte folgende Zahlen rein für die Infrastruktur (in den Kosten sind keine Gespräche enthalten):

  • sipcall pro – 549.60 SFr.
    Nicht eingerechnet ist der Internet-Anschluss cablecom hispeed, den wir so oder so benötigen.
  • cablecom digital phone – 792.00 SFr.
    Das Produkt, das mir der windige Vertreter angedreht hat
  • Swisscom Fixnet ISDN light – 1032.00 SFr.

(Berechnung in PDF-Form)

Eigentlich hatte ich mich schon fast für sipcall entschieden, aber auf Abraten eines Kollegen verzichtete ich auf eine Vollportierung. Die Kostenstruktur ist ganz deutlich für Analog-User optimiert – für Wünsche von ISDN-Benutzer sind happige Mehrkosten fällig. Schade! Ich beliess deshalb alles beim Status Quo.

Ganz klar ist: Weg von Swisscom, sobald sich eine günstige Gelegenheit bietet. 12 Monate gratis aufs Schweizer Festnetz telefonieren? Das nehmen wir gerne. Der vom Vertreter in Aussicht gestellte 50 SFr.-Gutschein für den nächsten Einkauf bei Eschenmoser tut das übrige.

Vertrauenserweckend

Nun folgt das Debakel:

  • Die Stritenstrasse 47 ist anscheinend nicht in der Cablecom-Datenbank gespeichert. Unser Haus scheint zwischen der Hausnummer 46 und der 49 verschollen gegangen zu sein. WTF? Der auf seine Provision scharfe Verkäufer kümmert das wenig – nun wohnen wir halt neu in der Stritenstrasse 46 … (Steht nun überall, sogar auf dem Vertrag)
  • Der Telefonanschluss läuft seit jeher über meinen Vater. Unbeirrt fährt der Verkäufer mit der Anmeldung fort. Anfänglich vermute ich, dass er mir den Vertrag ausdrucken wird und nach Hause mitnehmen lässt, damit ihn mein Vater unterzeichnen und zurücksenden kann. Denkste – der Verkäufer erkundigt sich für das Geburtsdatum, den Vor- und Nachnamen meines Vaters, und schon liegt ein druckfrischer Vertrag auf dem Verkäufer-Pultli. Ein Kugelschreiber wird mir in die Hand gedrückt, und nun begehe ich also Urkundenfälschung (oder?). Für einen allfälligen Rücktritt vom Vertrag unterzeichne ich gut sichtbar mit „M. Aeby“.
  • Um unsere ISDN-Telefone weiterverwenden zu können, benötigen wir noch einen ISDN-Adapter (ISDN2VoIP?). Gemäss meinen Abklärungen, die ich vor einigen Wochen durchgeführt habe, kann der Adapter nicht gekauft, sondern muss gemietet werden. 3 Franken kostet der Spass – monatlich. Völlig erstaunt bin ich nun, als der Verkäufer mir versichert, dass dieser Adapter mit einmaligen 3 SFr. zu bezahlen sei. Ich weise ihn darauf hin, dass ich mich bereits detailliert über das cablecom digital phone-Angebot schlau gemacht habe und der Adapter damals monatlich 3 SFr. gekostet habe. Er erklärt erneut, dass der Adapter keine monatlichen Kosten mit sich bringt. Als der Vertrag ausgedruckt wird, wird unter „Optionen“ die „ISDN Telefon Adapter Option“ tatsächlich mit 3 SFr. angegeben. Der Kolonnentitel lautet „Preis pro Monat“. Vor der Unterzeichnung des Vertrages weise ich den Cablecom-Vertreter auf den Spaltentitel hin. Das sei ein Druckfehler, sagt er mir, diese Option verursache keine monatlichen Kosten.

Das nachträgliche OK

Wieder zu Hause unterrichte ich meinen alten Herr von der Umstellung. Für Kostensenkungen ist er immer zu haben, zumal heute ja die Fixnet-Telefonie nicht mehr denselben Stellenwert hat, wie vor dem Boom der Mobiltelefonie.

Hotline

Dennoch wollte ich es nicht unversucht lassen – so stinkfrech sollten mir diese Cablecom-W…er nicht davon kommen! Belügt man Neukunden? Das sollte doch in der ersten BWL-Vorlesung als eines der Don’ts gelernt werden. Da hat wohl ein Betriebswirt die Vorlesung geschwänzt …

Ich rief also der Hotline an und beschwerte mich. Frau Jungo entschuldigte sich höflich für die Falschinformation, machen liesse sich da aber leider nichts. Meine Forderung nach einem 12-monatigen Mieterlass konnte sie nicht Folge leisten.

Liebe Cablecom, wahrscheinlich müssen eure Hotline-Angestellten den ganzen Tag lang „Entschuldigung, das tut uns aber leid“ sagen – aber he, schlussendlich zählt ja nur der Jahresabschluss. Die wenigsten Kunden werden sich wegen 36 Stutz im Jahr auf eine Rauferei einlassen. Alles Kalkül? Immerhin gab Frau Jungo zu, dass anscheinend Vertreter falsch instruiert worden seien – Cablecom ist sich also durchaus bewusst, dass da etwas gehörig schief läuft.

Übrigens: Das Rücktrittsrecht vom Vertrag beträgt 7 Tage …

Adé, Swisscom!

Dennoch bin ich froh, der Swisscom zu entfliehen – seit 1999 zahlen wir 43 SFr. für den ISDN-Anschluss, wie wohl alle Early Internet Adopters vor uns. Denn irgendwann einmal Ende der 90er hatten es unsere Eltern satt, dass ihre Jünglinge mit ihren Analog-Modems die Telefonleitung blockierten und enorme Kosten verursachten (Rechnungen um 200-300 SFr. waren keine Seltenheit – und das für 5kB/s). Da bezahlte man gerne die teure Umrüstung des Haushaltes von analog nach ISDN (Einzug neuer Kabel, NTBA, neue Telefone), um dann endlich zwei Leitungen benutzen zu können. Die Mütter freuten sich insbesondere über die Anruferkennung, allen war also gedient.

Irgendwie habe ich nun aber doch das Gefühl, dass die Investitionen der Swisscom in die ISDN-Infrastruktur langsam amortisiert sein sollten. Eine Senkung der ISDN-Gebühren läge doch drin, oder? Aber eben, liebe Swisscom, wenn man zu lange wartet, verliert man plötzlich den ganzen Kunden. Pech gehabt.

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Labels: Wirtschaft

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