Samstag, 5. August 2006

Windows XP in 23 Sekunden booten

Letzthin musste ich in Bern eine Weile auf meinen Anschlusszug warten und begab mich deshalb in einen der unzähligen Kioske im Bahnhof Bern. Wie von früher her gewohnt steuerte ich schnurstracks Richtung Computer-Ecke, Ausschau haltend nach einem Zeitvertrieb (= Wintel-Computer-Magazin). Schnell wurde ich fündig: CHIP! Eine Anpreisung auf der Titelseite dieses Magazins sprach mich sofort an: „Windows XP in 23 Sekunden booten!“.

Während der Lektüre des Artikels litt ich förmlich mit dessen Autoren mit, die in unzähligen Schritten versuchten, das letzte an Boot-Geschwindigkeit herauszuholen. In der Mitte des Artikels begann ich mich ernsthaft zu fragen, wie die Autoren die versprochenen „23 Sekunden“ noch erreichen wollten – alle bisherigen Tipps ergaben Verbesserungen von höchstens ein paar Sekunden, startend bei etwa (ich bin mir nicht mehr sicher) 100 Sekunden ursprüngliche Bootzeit. Genannt wurden u.a. die Programme MSCONFIG.EXE und BootVis.

Der ausdauernde Gratis-Leser am Bahnhofkiosk bekam den springenden Punkt dann doch noch kurz vor Ende mit:

NEUINSTALLATION!

Durch eine Komplettformatierung der Festplatte und Neuinstallation von Windows XP konnte die Startgeschwindigkeit des Systems auf 30 Sekunden verringert werden. Bravo – wenn auch etwas radikal: Hat der Installateur keine Recovery-CD zur Hand, die bereits Service Pack 2 geslipstreamt hat, sollte man sich einen Nachmittag für das Prozedere freinehmen. Neben dem Download und der Installation von Service Pack 2 (260MB) folgen danach noch etwa 50 Hotfixes, die nach Erscheinen des SP2 freigegeben wurden. Auch hier lädt man eine zwei- bis dreistellige Zahl an Megabytes herunter.

Nicht zu vergessen ist auch, dass man mit der Formatierung auch alle persönlichen Einstellungen verliert, die sich im Laufe der Jahre so angesammelt haben.

(Ich weiss: Mit Norton Ghost & Co. ist das alles nur noch eine Sache von 15 Minuten – aber welcher Normalanwender kennt Ghost und benutzt es auch, um sich Images von seinem frisch installierten System zu erstellen?)

Unterstützung durch schnelle Hardware

Neben ausschliesslichem Feintuning der Software, wie es von den Chip-Redakteuren verfolgt wurde, gibt es natürlich auch noch die Möglichkeit, mit leistungsfähigeren und schnelleren Komponenten zu hantieren (liquide Mittel vorausgesetzt).

So sehr Kollege Malke mit der 10’000rpm-Systemplatte seines neuen Computers von phänomenalen Boot-Zeiten spricht – in spätestens 12 Monaten ist auch dieser Geschwindigkeitsvorteil im Eimer. Nämlich dann, wenn Windows XP – wie gewohnt – durch unzählige Installationen, Spy-, Ad- und sonstige Malware zerschossen und sprichwörtlich verfettet ist.

Macs?

Da haben wir Mac-User es bedeutend einfacher: iBook – Deckel zuklappen (ohne sich Sorgen um gerade laufende Applikationen zu machen), und schon ist das System im Tiefschlaf. Deckel aufklappen – und nach 5 Sekunden arbeitet man weiter. Mein iBook G3 500MHz hält mit voller Akku-Ladung den Tiefschlaf locker mehrere Tage (!) ohne Netzstecker aus. Auch G5-Workstations lassen sich in diesen Tiefschlaf versetzen – alle Komponenten ausser CPU und RAM werden ausgeschaltet, das Gerät ist in diesem Modus nicht mehr zu hören.

Wir Mac-User haben es also gar nicht mehr nötig, unsere Maschinen abzuschalten – am Ende des Arbeitstages schicken wir die Computer in den Schlafmodus, am Morgen wecken wir sie mit einem (Tastatur-)Tastendruck wieder auf. Ein 100 oder doch nur 30 Sekunden dauernder Startvorgang ist also für uns nicht (mehr) von Belang.

Da kann sich Windows viel davon abschneiden – „Hibernate“, der Standby-Modus, der am nähesten an diese Funktionalität herankommt, benötigt (auf meinem IBM Thinkpad T40p unter Windows 2000) Minuten (zuerst beim Dumpen des Systemspeichers vor dem eintreten des Schlafmodus, danach beim Wiederherstellen des System), um dasselbe zu erreichen.

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Labels: Allgemein

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