Sonntag, 27. Februar 2011

McKinsey BTO hat Web-Applikationen einfach nicht begriffen

Per Zufall bin ich gestern auf McKinsey Horizon 2011 aufmerksam geworden und habe mich vorhin über die Web-Oberfläche des Beratungsunternehmens für die Teilnahme an diesem Anlass beworben. Spätestens mit diesem Blog-Artikel habe ich wohl alle Chancen verspielt, um aufgeboten zu werden …

In Barcelona soll im Mai 2011 ausgewählten Summa Cum Laude-Absolventen (bin ich notabene auch nicht) der Unternehmensbereich Business Technology Office (BTO) vorgestellt werden. Das BTO bietet laut Eigenwerbung folgende Dienstleistung an:

Ziel unserer Beratung ist es, durch effektiven Einsatz von Technologie unternehmerische Probleme zu lösen und somit den substanziellen Wert eines Unternehmens nachhaltig zu steigern. Insbesondere helfen wir unseren Klienten, Investitionen in Technologie erfolgreich zu managen und mit den strategischen Prioritäten des Geschäfts in Einklang zu bringen.

Quelle: Business Technology Office

Schade nur, dass die Web-Applikation für die elektronische Eingabe der Bewerbung aus dem Mittelalter des Webs zu stammen zu scheint. Nicht gerade rühmlich, wenn dieselbe Firma gleichzeitig Tipps geben möchte, wie man Unternehmens-IT besser einsetzt.

Was bemängle ich konkret? Es sind dies drei Punkte:

Browser-Inkompatibilität

McKinsey Browser Issue
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Ruft man die Web-Site mit Safari 5 unter Mac OS X 10.5 auf, erscheint folgender JavaScript-Alert:

Only people with IE 4.0 and higher, and Firefox browsers for Windows can use this application. Please download and install either IE or Firefox for Windows, and then return to apply on-line.

Immerhin funktioniert die Applikation mit Firefox 3.6 unter Mac OS X 10.5 ohne zu Murren.

Dennoch: Liebe McKinsey, im Jahre des Herrn 2011 und 20 Jahre nach der Erschaffung des World Wide Webs tummeln sich doch einige Rendering-Engines mehr auf dem Markt als nur MSIE und Firefox:

  • Microsoft Internet Explorer
  • Gecko (Mozilla Firefox)
  • WebKit (Apple Safari, Google Chrome)
  • Opera

Da die Bewerbungsapplikation eigentlich nur simple Formularfelder und einige Dateiupload-Widgets zur Verfügung stellt, die seit 1993 zum HTML-Standard gehören, sollte jede dieser Rendering-Engines unterstützt werden.

Dass Mac OS X unter den Führungskräften von morgen überproportional verbreitet ist, muss ich in diesem Zusammenhang nicht erwähnen, oder? Und ja, es gibt sogar Leute, die sind mit Linux (bspw. Ubuntu) unterwegs. Oder dem iPhone und dem iPad, auf welchen iOS läuft. Was ist mit all diesen Betriebssystemen?

Spezialwerte für Formularfelder

McKinsey Work History
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Please enter your work history in chronological order with most recent position listed first. If you are currently employed, the system will require you to submit an End Date. In that instance, please enter 01/01/2050.

Ehrlich? Das ist ein typischer Fall, wo ein Web-Entwickler geschlampt hat und stattdessen nun Tausende von Bewerbern durch das Usability-Nightmare waten müssen.

Session Timeout

McKinsey Session Timeout
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Bekanntermassen ist das Verfassen von Bewerbungen auch in elektronischer Form ein langwieriger Prozess. Umso bitterer, wenn nach etwa einer Stunde folgende von JavaScript-generierte Warnmeldung erscheint:

For security reasons, your session has timed out and you need to restart your application. We apologize for any inconvenience.

Natürlich gehen dabei alle bereits erfassten Formulardaten verloren.

Fazit

McKinsey, Note ungenügend, bitte setzen. Das Unternehmen sollte sich mal selbst von der eigenen BTO beraten lassen, um mit dem „effektiven Einsatz von Technologie unternehmerische Probleme zu lösen“ …

Dieses Bewerbungsformular ist ein Paradebeispiel, wie benutzerunfreundlich das Web auch heute noch sein kann. Und das völlig unnötigerweise — denn das Wissen ist vorhanden, es müsste nur umgesetzt werden.

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Labels: Web

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