Montag, 1. Mai 2006

JSVP Bern auf Mitglieder-Suche

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JSVP Bern –
Pub-Fest Münsingen

Originally uploaded by emeidi.

Das kommt davon, wenn man sich (fast) ausschliesslich die bernische Tageszeitung Der Bund zu Gemüte führt: Erscheint in der Berner Zeitung ausnahmsweise ein süffig geschriebener Artikel, verpasst man ihn (fast).

Das Glück war mir aber heute, am Tag der Arbeit, dem linken Tag per se schlechthin, hold:

Die Junge SVP wirbt mit Frauen und Bier

Toll, was der Leser da über die einzig noch verbliebenen „rechten“ und strammen Burschen der Eidgenossenschaft (JSVP Bern) erfährt:

Erich Hess und seine Jungpartei suchen Neumitglieder am Bar- und Pub-Festival in Münsingen. […] Je später der Abend, umso besoffener sind die Leute: Männer, die laut lachen, und Pärchen, die sich küssen. Mittendrin: die Junge SVP, die erstmals in dieser Umgebung neue Mitglieder sucht.

Innovativ, das muss man den Denkern in der Partei (Widerspruch?) lassen …

Schon immer habe er [Beat Steiner aus Linden (1’348 Einwohner, davon 61 AusländerLinolschnitte und die professionell gestaltete Web-Site als Dorfattraktion), Automonteur-Lehrling, 18] politisch eine rechte Einstellung gehabt, sagt er und nimmt einen kräftigen Schluck Bier.

Beat, gut gemacht. Auch ich gönne mir jetzt einen Schluck Bier. Erstaunlicherweise scheint Bier eines der wenigen Brücken schlagenden Merkmale zu sein, das Leute aller Gesinnungen vereint. Biertrinker der Welt, vereinigt euch! Prost!

Der Eklat

Zwei aufreizend gekleidete Ukrainerinnen – die Freundin von Hess und ihre Kollegin – lächeln süss und mixen Getränke. In gebrochenem Deutsch werben sie rege und suchen nach neuen Mitgliedern für die Schweizerische Volkspartei.

Wie ernst kann man einen Eidgenossen vom Typ Erich Hess (Namens- und ideologischer (?) Vetter Rudolf Hess würde sich ob der Liason mit einer waschechten Bolschweistin im Grab erneut strangulieren wollen) eigentlich noch nehmen? Er, der die Vorteile der Personenfreizügigkeit uns allen vorlebt? Verliebtes Turteltäubchen – Nasdarovje, tyolka!

Einschub: Gibt es eigentlich Leute mit Namen Hess, die keine rechtsnationale Gesinnung haben?

Die Ausnahme bestätigt die Regel?

Keineswegs. Wer meint, dass Hess das schwarze Schaf seiner Partei resp. seiner ideologischen Gesinnung ist, täuscht sich. Ich kenne mindestens zwei (männliche) Personen, SVP-Wähler, mit ausgesprochenen Aversionen gegen Ausländer, die sich Osteuropäerinnen erfreuen oder erfreut haben.

Ein erschreckender Trend! Erodiert so die Basis? Sind sich die heimatschützerischen Personen bewusst, dass sie damit einer grenzenlosen Einwanderung von „Ostgesindel“ Vorschub leisten? Ein Freipass, damit wenig später die dreissig-köpfige Familie der Braut nachreisen kann?

Aber eben: Die endogenen Faktoren haben schon viele Imperien zu Fall gebracht …

Der Flyer

Zurück zum Pubfest in Münsingen:

Zwei so genannte Botschafter laufen durch die Leute und verteilen Flugblätter. Auf der Vorderseite ist ein Skelett mit einer Sense dargestellt, daneben steht: „Linke Politik kann tödlich sein.“ Auf dieser Seite sei das Schlechte abgebildet, sagt der 19-jährige Adrian Reusser aus Noflen. „Das Gute ist auf der Rückseite zu lesen.“ Dort steht das Parteiprogramm der Jungen SVP.

Rechte Politik ist tödlich. Oder deren Propaganda zumindest blödlich.

Stolz erzählt Hess seinem neu gewonnenen Parteimitglied Beat Steiner eine Anekdote. Ein Gleichnis, das er zuvor an diesem Abend im Stadtrat vorgetragen hat: „Ich erzählte am Rednerpult von Ameisen in meinem Zimmer, die sich unter dem Bett vom Zuckerwasser aus einer Limoflasche ernährten. Die Ameisen sind erst verschwunden, als ich die Flasche entsorgt habe.“ Genauso, sagte Stadtrat Hess, müsste man mit abgewiesenen Asylbewerbern umgehen. «Wir dürfen ihnen nicht immer mehr Geld geben. Denn wie die Ameisen bleiben die Asylbewerber dort, wo sie etwas erhalten.»

Genauso, sagt Mario Aeby, müsse man mit der Landwirtschaft umgehen. „Wir dürfen ihnen nicht mehr Geld geben. Denn wie die Ameisen bleiben die Bauern dort, wo sie etwas erhalten.“

(Sorry, liebe Bauern – aber ab einer derartigen Schwarz-Weiss-Malerei musste ich einfach zu ähnlichen Mitteln greifen. Die Achillesferse der Volkspartei ist und bleibt nun einmal die Subventionspraxis der schweizerischen Landwirtschaft. Auch wenn es vereinzelt Landwirte gibt, die nicht SVP wählen.)

Probleme sieht Glauser [SVP, Stadtradt Bern; stv. Pressesprecher SVP Schweiz] zudem bei den osteuropäischen Damen hinter der SVP-Bar. „Einerseits äussert sich Hess öffentlich gegen Asylanten und kämpft gegen die erweiterte Pesonenfreizügigkeit. Auf der anderen Seite beschäftigt er Ukrainerinnen.“ Dieser Widerspruch sei schwierig zu kommunizieren.

Quelle: Die Junge SVP wirbt mit Frauen und Bier

Fazit

Na, dann hoffen wir, dass die am Pubfest geworbenen Neu-Mitglieder den Aufwand (und den Gesichtsverlust) wert gewesen sind. Das sind Jungpolitiker mit Potential! Solange jedenfalls, wie das Bier am Stammtisch fliesst.

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Labels: Politik

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