Samstag, 14. Februar 2015

„Die Wutrede des Christian Lindner“ kritisch beleuchtet

Vor einigen Tagen publizierte ein Kollege folgende Rede des Abgeordneten Christian Lindner auf seine Facebook-Timeline:

Der Kollege glänzt auf Facebook ansonsten durch Abwesenheit, was dem Video noch ein grösseres Gewicht gab. Kein Wunder ist der Kollege, langjähriger Weltwoche-Abonnent, seines Zeichens Neo-Konservativer und starker Kritiker jeglicher Staatsquote, wahrscheinlich vollumfänglich mit Lindners Aussagen einverstanden.

Ich kann der Rede durchaus auch beistimmen — Risiko und Leistung sollen in unserem Wirtschaftssystem belohnt werden. Als Sozialdemokrate verfechte ich aber weiterhin eine Umverteilung in Grenzen, damit die Einkommensunterschiede in der Gesellschaft Mass halten. Je geringer die Unterschiede zwischen Arm und Reich, desto stabiler und sicherer erachte ich eine Gesellschaft, und desto mehr kann ein erfolgreicher Unternehmer die Früchte seines Tuns geniessen — anstelle sein Einkommen in ein „Sicherheitsgefängnis“ innerhalb einer Gated Community, gepanzerte Fahrzeuge, Bodyguards, Privatschulen, massive Polizeitruppen und überfüllte Gefängnisse investieren zu müssen.

Doch noch am selben Tag las ich in einem Artikel einer Zeitung, dass Lindner das Wagniskapital nicht etwa auf dem freien Markt aufgetrieben, sondern von einer staatlichen Stelle erhalten hatte:

eine von Lindner geführte Firma hat in der Rekordzeit von 18 Monaten fast zwei Millionen Euro aus dem Topf der Kreditanstalt für Wiederaufbau verbrannt;

Quelle: Pleite mit der Firma – Glück in der Partei

Bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau KfW handelt es sich um eine Anstalt des öffentlichen Rechts.

Und so konnte ich mich beruhigt wieder zurücklehnen, die Show geniessen — und dem Geplänkel nicht viel mehr Gedanken nachsinnen.

Fazit: Heutzutage gibt es leider zu viele Pseudo-Verfechter der Marktwirtschaft, welche sich einen Manchester-Kapitalismus auf die Fahne schreiben, selber aber ein Produkt einer sozialen Marktwirtschaft sind. Das Studium vom Steuerzahler finanziert, der Lohn des Vaters — zwar selbständig, aber ausschliesslich als externer Dienstleister für die Bundesverwaltung tätig — indirekt auch vom Steuerzahler berappt und nun in einem Beruf tätig, dessen Zutritt vom Staat abgeschottet ist und das Brot damit verdient wird, indem man Industrien zuarbeitet, die bis ins kleinste Detail staatlich reguliert sind. Schaut so wirklich die propagierte Marktwirtschaft aus?

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Labels: Politik

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