Archiv ‘Politik’

Freitag, 26. Mai 2006

Zusammenfassung der "Schweizerzeit"

Wer mit der von Linken unterwanderten Presse keine Probleme hat, tut sich im Normalfall die Schweizerzeit nicht an. Dabei handelt es sich hierbei um ein recht amusäntes Blatt, wie ich heute erfreut feststellen durfte: Auf Grund dem beiligenden Unterschriftenformular für das „Referendum gegen EU-Milliarde“ flatterte heute nämlich eine Grossauflage von 177’000 Exemplaren in die schweizerischen Haushalte. Es geht wohl weniger um die Gewinnung neuer Abonnenten und Leser, als viel eher um das zu Stande bringen des besagten Referendums.

Referendum gegen die Kohäsionsmilliarde

Nur zu, ich freue mich auf den Abstimmungswahlkampf und hoffe, dass wir Stimmbürger uns so ein richtig grosses Ei legen. Bei der Annahme des Referendums und der Stornierung der Zahlung werden wir endlich merken, wer in Europa die Hosen an hat …

Zusammenfassung der Schweizerzeit

Die Schweizerzeit und die darin zu Wort kommenden Exponenten der SVP haben ein recht klares Programm:

  • kein EU-Beitritt, Isolation
  • Scheininvalide, Sozialhilfe-Empfänger, Arbeitslose – neues Allheilmittel: Sozialinspektoren
  • Ausländer (Türken, Albaner, Ameisen), entweder allesamt gewalttätig, Dealer und/oder Sozialschmarotzer, Einbürgerungsquoten
  • Islam, Muslime, Minarette
  • Ungerechte Medienlandschaft (zu linkslastig), Ringier, Frank A. Meyer
  • Feinde der liberalen Marktwirtschaft
  • Missachtung des Souveräns

Fazit: Der Schweiz muss es blendend gehen, wenn die rechtskonservativen Rattenfänger weiterhin beständig nach armen Seelen suchen.

Zitate

Geschätzt wird der immer sehr freundliche Umgangston …

Platz macht er [BR Deiss] jetzt für eine Art Metzler-Klon, für Doris Leuthard. Auch sie ist mit dosiertem Charme und dosierter Intelligenz ausgestattet.

Quelle: Schweizerzeit, 19. Mai 2006, „Klipp und Klara“, S. 3

… wie auch die Tatsache, dass Schweizer Jugendliche in Fehraltorf (ZH) Drogen bis à gogo konsumieren (nur gegen die Dealer hat man etwas, man möchte die Konsumenten ja nicht kriminalisieren):

Offenbar haben sich Jugendliche aus dem Dorf, ja aus dem ganzen Zürcher Oberland in der Asylunterkunft mit Kokain eingedeckt.

Quelle: Schweizerzeit, 19. Mai 2006, „Dealende Asylbewerber“, S. 5

Ein bisschen Staatstheorie:

Am Schluss sollen immer die Stimmbürger zu den Gesuchen Ja oder Nein stimmen dürfen, ohne eine Beggründung abgeben zu müssen.

Wo kämen wir hin, wenn die Stimmbürger ihre Stimme bei Volksabstimmungen begründen müssten? […] doch ist das Bundesgericht für die Schaffung und Beurteilung von Gesetzen nicht zuständig. Es hat viel mehr die Gesetze anzuwenden.

Quelle: Schweizerzeit, 19. Mai 2006, „Die Entrechtung des Bürgers“, S. 6

Wie wird das nur enden?

Ein desolates Bild macht sich während der Lektüre breit. Gibt es denn gar nichts Positives mehr zu berichten? Hat sich das Böse gleich einem Krebsleiden bereits in unserem Land festgemacht? Es scheint so.

A propos: Ich befürchte, dass es in unserem Land nur derart viele Psychologen gibt, weil diese von all den SVP-Gläubigen aufgesucht werden, die von Angstzuständen und Depressionen geplagt sind …

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Dienstag, 23. Mai 2006

"heute"-Werbung

Heute sind mir im Bahnhof und um die Universität herum Werbeplakate der neuen Pendlerzeitung heute aufgefallen. Weisse Typo auf dem „heute“-typischen hellgrünen Grund – aber das Layout ist eigentlich gar nicht das markante, sondern die Sprüche. Diese werden die Werbewirkung garantiert nicht verfehlen.

Da begebe ich mich also zwecks Wiederauffrischung und anschliessender blog-technischen Wiedergabe der besten Sprüche auf das Web-Angebot der Zeitung, und was taucht auf? Wahrscheinlich sind die Advertising-Systeme mittlerweile derart intelligent, dass sie sofort meine Affinität zur Mutter aller Parteien riechen und mir die entsprechende Werbung vorlegen:

„Liebe SVP, jetzt hast du bis am Nachmittag Zeit, Nein zu sagen“

Quelle: Banner

Kann das Zufall sein?

(Ich möchte aber hier doch noch anmerken, dass ich heute eigentlich nicht als politisches Qualitätsblatt in Erinnerung habe – oder heisst es seit neuestem „Policy sells“? Dies trübt aber die Qualität der Werbung kein bisschen)

Ganz viele Plakate

Wohl etwa derzeit alle in der Schweiz auffindbaren heute-Plakate auf APG (Dank: BloggingTom)

Bravo!

In derselben Manier deshalb: Liebes heute-Team, es war goldrichtig, das Geld nicht für den Kauf der Domain www.heute.ch zu verprassen, sondern dieses Markus Ruf und seiner Geschäftspartnerin Lanz in die Hände zu drücken. Es hat sich gelohnt.

Creative Director

Da las ich heute Morgen also etwa zum dritten Mal einer dieser geilen Sprüche, und plötzlich kam mir wieder in den Sinn, dass ich ja eigentlich noch über die schweizerischen Nominationen für das internationale Werbefestivel Cannes Lions schreiben wollte. Die Vorschläge (nachzuschlagen in persönlich, 4/2006 S. 66f.) waren allesamt enttäuschend, wider erwarten auch meine stille Hoffnung, die Werbung von Markus Ruf. Dieser blöde eingegipste Skifahrer!

Da mir also diese heute-Werbung deutlich sympathischer war, wollte ich mir den Namen der Agentur merken, um diese als gelungene Werbung hier zu präsentieren. Ich ging folglich noch einmal zurück zum Plakat. Tjach, und was prangte da am oberen, rechten Rand der Werbefläche? Richtig: Ruf Lanz!

Ha, jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Eigentlich sollte ich diese Art von Werbung im Schlaf erkennenè Rufs Stil sind nicht emotional anregende Fotos von Autos, Sonnenuntergängen und lasziv strahlenden Bräuten Models, sondern schlichte Plakate, die den Passanten mit Sprachwitz fesseln. Ein Jongleur der Worte. Mehr braucht der gelernte Schriftsetzer (so mich mein Erinnerungsvermögen nicht täuscht) nicht, um gute Werbung zu produzieren.

Was verbindet mich überhaupt mit Ruf? Nicht viel. Er ist halt einfach ein guter Kollege einer meiner Ex-Bosse und ich kam durch meine Stelle in meinem stürmischen Zürcher-Jahr 2000/2001 mit ihm ab und zu in Kontakt.

Weiterführender Link

Weitere Arbeiten (die VBS-Kampagne ist der Hammer!) der Werbeagentur gibt es unter www.ruflanz.ch zu bestaunen.

Labels: Politik, Wirtschaft

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Freitag, 19. Mai 2006

Kiener-Nellen muss weg

Geld korrumpiert – davor sind anscheinend auch „Linke“ nicht gefeit, wie der (wortwörtliche) „Fall“ der SP-Nationalrätin Kiener-Nellen zeigt.

Gerade prominente Partei-Mitglieder müssten sich jeden Schritt doppelt überlegen und die Konsequenzen im Vornherein abwägen. Zumal sie nicht nur SP-Politikerin ist, sondern auch noch als Präsidentin des Mieterverbands amtierte! Frau Kiener-Nellen hat dies anscheinend auf Grund der Verlockung des schnellen Geldes nicht getan. Und hat somit meine Gunst im Nu verspielt. Aus meiner Sicht ist sie als Politikerin nicht mehr tragbar und ich bin mir sicher, dass die Quittung anlässlich der Parlamentswahlen vom nächsten Jahr folgen wird.

Klartext: Es kann nicht sein, dass unsere Partei die hohen „Abzocker“-Manager-Löhne der Ospels & Co. anprangert, aber zugleich Mitglieder hat, die (im kleineren, aber kaum weniger schweren Fall) dasselbe tun.

Eines zeigt sich hier in aller Deutlichkeit: Politiker jeder Couleur sind auch „nur“ Menschen, und sobald das Geld winkt, hat das Parteibüchlein keinen Einfluss mehr auf Entscheide. Und – was noch schlimmer – ist: Diese hirnverbrannte Aktion zeigt wieder einmal, was das grösste Problem der SP ist: Die Glaubwürdigkeit. Einst war die SP die Partei der kleinen Leute und folglich der Arbeiter. Schaut man sich die berufliche und soziale Herkunft der Aktivmitglieder an, gibt es kaum noch irgendwo „Büetzer“.

Vielmehr ist die SP die Partei des (immerhin sozial denkenden) Mittelstandes geworden, die Partei der Lehrer und Beamten (ich finde solche Berufe übrigens, im Gegensatz zu anderen Personen, überhaupt nicht negativ besetzt – es zählt nicht primär der Beruf, sondern die Leistung). Die Leute sind fähig, dies bestreitet niemand. Doch die Rechnung wird am Wahltag gemacht, und hier zeigt sich seit längerem, dass das frühere Zielpublikum der Partei nicht mehr uns wählt, sondern billige Meinungsmacher mit ihren einfach gestrickten Parolen und den noch einfacheren Schwarz-Weiss-Lösungen.

Es gibt zwei Lösungen: Man versucht, sich der (imaginären) Basis anzubiedern, oder adjustiert das Selbstverständnis auf die neuen Tatsachen. Wie auch immer: Im Zweifelsfall links!

Bernischer Parteisekretär Willi Zahnd schreibt in der Mai-Ausgabe der Partei-Zeitung deshalb folgerichtig:

Die Tatsache, dass wir in unseren Hochburgern verloren haben, lässt darauf schliessen, dass wir unser politisches Ziel überprüfen müssen. […] Wenn wir wieder gewinnen wollen, so müssen wir uns auf das linksliberale Potenzial und auf die urbanen Wählerinnen und Wähler konzentrieren.

Quelle: links.ch, 05/06, „Grosser Sieg und Enttäuschung“, S. 11

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Mittwoch, 17. Mai 2006

Mutige SVPler

[Christoph Blocher, zitiert nach Oscar Blaser] „Es braucht allein schon Mut der SVP beizutreten und noch mehr Mut braucht es für diese Partei zu politisieren.“

Quelle: Was zeichnet den echten SVP-ler aus?

Und wieviel Mut es erst braucht, das Denken des frühen 20. Jahrhunderts wieder hinter sich zu lassen und aus der Partei auszutreten! Jetzt verstehe ich auch, wieso die JSVP neuerdings an Bar & Pub-Fests auf Mitgliederjagd geht: Unter Alkoholeinfluss werden auch die grössten Angsthasen zu mutigen Beitrittlern.

Weiter so, liebe SVP! Die Partei ist wirklich nichts für schwache Nerven und Menschen ohne „Balls“

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Montag, 8. Mai 2006

SVP, Bauern und Eigenverantwortung

Heute in den Medien:

Sie [die 2200 Landwirte] warfen den Bundesämtern für Landwirtschaft und Veterinärwesen vor, falsch reagiert zu haben und damit für ihre Einbussen wegen des Preisverfalls für Rindfleisch mitverantwortlich zu sein.

Quelle: Bund muss Bauern keine BSE-Entschädigung zahlen

Im Wahlprogramm der SVP:

Die SVP setzt auf die Freiheit und Eigenverantwortung als traditionelle Werte, welche der Schweiz Wohlstand gebracht haben. Die Eigenverantwortung beginnt in der Familie und gehört schliesslich in jeden Bereich, von der Wirtschaft über den Verkehr bis hin zu den Sozialversicherungen. Es geht nicht an, bei allem und jedem den Staat um Hilfe zu rufen. Der Staat hat dort tätig zu werden, wo der Einzelne nicht wirken kann: Er hat Schutz zu bieten vor Krieg und Gewalt, und er hat eine Infrastruktur und ein soziales Netz zu gewährleisten, das die Grundbedürfnisse sichert. Wo immer aber möglich, hat der Einzelne für sein Tun und Handeln Verantwortung zu übernehmen und Konsequenzen zu tragen.

Quelle: Wahlplattform Deutsch

Die Moral der G’schicht

Liebe Bauern und Stammwähler der SVP – lest das Parteiprogramm, versucht, es zu verstehen, und lebt danach. Oder wechselt die Partei. Schliesslich hat euch der Bund nicht befohlen, eure Kühe – völlig unnatürlich – zu Fleischfressern zu machen und mit Tiermehl zu füttern.

A propos …

Man durchsuche das Wahlprogramm 2003-2007 der SVP nach der Wortkette eigenverantwort und staune: „17 occurences“ meldet mein Apple Preview. Diese „cheibe“ Eigenverantwortung muss dieser Partei sehr wichtig sein …

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Donnerstag, 4. Mai 2006

Geschichtslektion mit Schlüer


Ulrich Schlüer mit Hellebarde I
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Heute lancierte 10vor10 die Debatte über die Millionen von Dienstwaffen in Schweizer Haushaltungen, die nur darauf warten, von Amok-Laufenden Übeltäter missbraucht zu werden. Die Forderung: Dienstwaffen gehören nicht unters Ehebett, sondern ins Zeughaus!

Auf Seite der Befürworter wurde Paul Günther, Nationalrat (SP/BE) und Mitglied der Sicherheitskommission, gezeigt. Erstaunt hat mich seine Aussage, dass wir anscheinend das einzige Land der Welt sind, das seinen AdAs ein Stgw (man könnte meinen, ich hätte Militärdienst geleistet, s.u.) mitsamt 50 Schuss Munition oder eine 9mm-Knarre mit nach Hause gibt. Sogar in Israel gäben die Soldaten die Waffe bei der Rückkehr ins Zivilleben wieder ab.

Als Gegner tauchte der von mir allseits geschätzte Historiker-Kollege Schlüer von der SVP auf und vermittelte uns als Koryphäe seines Faches eine kleine Geschichtslektion:

Exportschlager

Die Schweizer sei seit jeher als wehrhaftes Volk überall in Europa bekannt und gefürchtet gewesen. Dazu gehöre dann eben auch, dass man die Waffe mit ins Haus nahm und an den Nagel „hängte“. Ich stelle mir förmlich vor, wie der Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Ur-Grossvater von Klein-Ueli mit blutverschmierten Kleidern nach Hause kam und als erstes seine Hellebarde in der Stube an die Wand hängte. Dieses Erinnerungsstück scheint von Generation zu Generation weitervererbt worden zu sein zwecks hehrem Andenken an die schlagfertigen Vorfahren. Fragt sich nur, ob die Waffe im Haus eines wahrhaften Eidgenossen oder die Tötung von Familienmitglieder damit die grössere Tradition hat …

In der Kriegskunst versierte Vorfahren – das stimmt durchaus: Neben der – anfänglich harzenden – zur Verfügungstellung als päpstlichen Leibgarde wurden unsere waffenkundigen Landsleute beispielsweise auch beim Sturm auf die Bastille tragisch dahingemetzelt.

Leider hatte das Söldnertum ab und zu die fatale Konsequenz, dass sich Schweizer und Schweizer gegenüberstanden. Schon früh zeigte sich hier unser alle Bedenken überflügelnde Profitgier. Es war ja irgendwie von Vorteil, wenn der Batzen unter weniger Personen geteilt werden musste, wenn die Hälfte auf dem Schlachtfeld zurückblieb …

Komparative Historiographie

Der Geschichts-Leist Schlüer verliess sodann die Gefielde der Historiographie versuchte, die Zuschauerschaft mit einem einfachen Vergleich für seine Sache zu gewinnen:

Nur weil es vereinzelt Autofahrer gäbe, die ihr Fahrzeug missbrauchten, käme man ja auch nicht auf die Idee, das Auto zu verbieten. Richtig, Ueli, aber ich möchte dennoch in Erinnerung rufen, dass der primäre Zweck eines Fahrzeugs doch der ist, Personen von A nach B zu befördern. Der Zweck einer Waffe ist zwar recht ähnlich, aber irgendwie halt doch etwas verschieden: Auch dieses „Werkzeug“ dient dem Transport von Personen – in die ewigen Jagdgründe. Klar soll es Naturen geben, die mit der Dienstwaffe Nägel einschlagen oder in der Adventszeit Kerzli in den Lauf stecken. Eine Waffe ist aber leider Gottes einfach dazu konzipiert, andere Leute umzulegen, was ich einem Autofahrzeug doch aberkennen möchte.

Meine Meinung

Von mir aus kann man die Waffen morgen gleich einsammeln kommen. Und wer sich dann vor Einbrechern nicht mehr sicher fühlt, sollte den Polizeibehörden endlich die seit langem geforderte Aufstockung der personellen und finanziellen Mitteln verschaffen. Damit nicht die verzweifelt nach Aufgaben suchende Armee wieder einspringen muss. Schliesslich sind Polizisten regelmässig an der Waffe geschult – ein Obligatorisches pro Jahr reicht für den sorgsamen Umgang damit leider nun wirklich nicht.

Dennoch: Angesichts des Bedrohungspotentials ist es doch erstaunlich, dass bisher noch nicht viel mehr passiert ist. Man stelle sich vor, jeder Amerikaner kriegte dieses „Survival-Kit“ mit nach Hause. Da wäre innert Jahresfrist nichts mehr von der einzig noch überbleibenden Supermacht übrig …

Kleingedrucktes

Disclaimer: Dieser Artikel wurde in einem Haushalt geschrieben, in dem keine Schusswaffen und Munition lagern. Mein Vater hat das Gewehr immer freiwillig im Zeughaus abgegeben, während ich und mein Bruder gar nicht erst soweit kamen, die Waffe in Empfang zu nehmen – beide untauglich. Ein hartes Schicksal, an dem wir heute noch kauen.

Disclaimer zum Disclaimer: Zugegebenermassen habe ich aber in jungen Jahren den Jungschützenkurs besucht und lagerte so zwischenzeitlich das zweite Symbol der Männlichkeit (neben der ebenso potenten Waffe „Auto“) in unseren heiligen vier Wänden. Meine zukünftige Ehefrau kann ich aber bereits jetzt beruhigen: Getroffen habe ich so gut wie nie. Auch wenn irgendwo noch ein Kranz herumliegen sollte … Merke: „Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn!“

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Montag, 1. Mai 2006

JSVP Bern auf Mitglieder-Suche


JSVP Bern –
Pub-Fest Münsingen

Originally uploaded by emeidi.

Das kommt davon, wenn man sich (fast) ausschliesslich die bernische Tageszeitung Der Bund zu Gemüte führt: Erscheint in der Berner Zeitung ausnahmsweise ein süffig geschriebener Artikel, verpasst man ihn (fast).

Das Glück war mir aber heute, am Tag der Arbeit, dem linken Tag per se schlechthin, hold:

Die Junge SVP wirbt mit Frauen und Bier

Toll, was der Leser da über die einzig noch verbliebenen „rechten“ und strammen Burschen der Eidgenossenschaft (JSVP Bern) erfährt:

Erich Hess und seine Jungpartei suchen Neumitglieder am Bar- und Pub-Festival in Münsingen. […] Je später der Abend, umso besoffener sind die Leute: Männer, die laut lachen, und Pärchen, die sich küssen. Mittendrin: die Junge SVP, die erstmals in dieser Umgebung neue Mitglieder sucht.

Innovativ, das muss man den Denkern in der Partei (Widerspruch?) lassen …

Schon immer habe er [Beat Steiner aus Linden (1’348 Einwohner, davon 61 AusländerLinolschnitte und die professionell gestaltete Web-Site als Dorfattraktion), Automonteur-Lehrling, 18] politisch eine rechte Einstellung gehabt, sagt er und nimmt einen kräftigen Schluck Bier.

Beat, gut gemacht. Auch ich gönne mir jetzt einen Schluck Bier. Erstaunlicherweise scheint Bier eines der wenigen Brücken schlagenden Merkmale zu sein, das Leute aller Gesinnungen vereint. Biertrinker der Welt, vereinigt euch! Prost!

Der Eklat

Zwei aufreizend gekleidete Ukrainerinnen – die Freundin von Hess und ihre Kollegin – lächeln süss und mixen Getränke. In gebrochenem Deutsch werben sie rege und suchen nach neuen Mitgliedern für die Schweizerische Volkspartei.

Wie ernst kann man einen Eidgenossen vom Typ Erich Hess (Namens- und ideologischer (?) Vetter Rudolf Hess würde sich ob der Liason mit einer waschechten Bolschweistin im Grab erneut strangulieren wollen) eigentlich noch nehmen? Er, der die Vorteile der Personenfreizügigkeit uns allen vorlebt? Verliebtes Turteltäubchen – Nasdarovje, tyolka!

Einschub: Gibt es eigentlich Leute mit Namen Hess, die keine rechtsnationale Gesinnung haben?

Die Ausnahme bestätigt die Regel?

Keineswegs. Wer meint, dass Hess das schwarze Schaf seiner Partei resp. seiner ideologischen Gesinnung ist, täuscht sich. Ich kenne mindestens zwei (männliche) Personen, SVP-Wähler, mit ausgesprochenen Aversionen gegen Ausländer, die sich Osteuropäerinnen erfreuen oder erfreut haben.

Ein erschreckender Trend! Erodiert so die Basis? Sind sich die heimatschützerischen Personen bewusst, dass sie damit einer grenzenlosen Einwanderung von „Ostgesindel“ Vorschub leisten? Ein Freipass, damit wenig später die dreissig-köpfige Familie der Braut nachreisen kann?

Aber eben: Die endogenen Faktoren haben schon viele Imperien zu Fall gebracht …

Der Flyer

Zurück zum Pubfest in Münsingen:

Zwei so genannte Botschafter laufen durch die Leute und verteilen Flugblätter. Auf der Vorderseite ist ein Skelett mit einer Sense dargestellt, daneben steht: „Linke Politik kann tödlich sein.“ Auf dieser Seite sei das Schlechte abgebildet, sagt der 19-jährige Adrian Reusser aus Noflen. „Das Gute ist auf der Rückseite zu lesen.“ Dort steht das Parteiprogramm der Jungen SVP.

Rechte Politik ist tödlich. Oder deren Propaganda zumindest blödlich.

Stolz erzählt Hess seinem neu gewonnenen Parteimitglied Beat Steiner eine Anekdote. Ein Gleichnis, das er zuvor an diesem Abend im Stadtrat vorgetragen hat: „Ich erzählte am Rednerpult von Ameisen in meinem Zimmer, die sich unter dem Bett vom Zuckerwasser aus einer Limoflasche ernährten. Die Ameisen sind erst verschwunden, als ich die Flasche entsorgt habe.“ Genauso, sagte Stadtrat Hess, müsste man mit abgewiesenen Asylbewerbern umgehen. «Wir dürfen ihnen nicht immer mehr Geld geben. Denn wie die Ameisen bleiben die Asylbewerber dort, wo sie etwas erhalten.»

Genauso, sagt Mario Aeby, müsse man mit der Landwirtschaft umgehen. „Wir dürfen ihnen nicht mehr Geld geben. Denn wie die Ameisen bleiben die Bauern dort, wo sie etwas erhalten.“

(Sorry, liebe Bauern – aber ab einer derartigen Schwarz-Weiss-Malerei musste ich einfach zu ähnlichen Mitteln greifen. Die Achillesferse der Volkspartei ist und bleibt nun einmal die Subventionspraxis der schweizerischen Landwirtschaft. Auch wenn es vereinzelt Landwirte gibt, die nicht SVP wählen.)

Probleme sieht Glauser [SVP, Stadtradt Bern; stv. Pressesprecher SVP Schweiz] zudem bei den osteuropäischen Damen hinter der SVP-Bar. „Einerseits äussert sich Hess öffentlich gegen Asylanten und kämpft gegen die erweiterte Pesonenfreizügigkeit. Auf der anderen Seite beschäftigt er Ukrainerinnen.“ Dieser Widerspruch sei schwierig zu kommunizieren.

Quelle: Die Junge SVP wirbt mit Frauen und Bier

Fazit

Na, dann hoffen wir, dass die am Pubfest geworbenen Neu-Mitglieder den Aufwand (und den Gesichtsverlust) wert gewesen sind. Das sind Jungpolitiker mit Potential! Solange jedenfalls, wie das Bier am Stammtisch fliesst.

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Freitag, 28. April 2006

Bernhard Eicher did it again!


Bernhard Eicher
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Vor bald einem Jahr, kurz nach dem Start von think eMeidi, widmete ich Bernhard Eicher einen Artikel unter dem mittlerweile legendären Titel A guy called Bernhard Eicher. Mir war seine Medienpräsenz aufgefallen, weshalb ich seither ein Auge auf seinen Werdegang gelegt habe.

Heute war es – nach vielen kleineren Artikeln in der bernischen Tagespresse – wieder einmal soweit. Bernies Antlitz erschien auf den Mattscheiben in hunderttausend schweizerischen Haushalten. Er war (nicht zum ersten Mal) in der Arena, soweit hat er es meines Wissens nach aber noch nie geschaft: Ab in die zweite Reihe, inklusive Wortmeldung und Namensbälkchen. Bravo!

Diskutieren wir in dreissig Jahren seine Wahl zum einzigen noch verbliebenen FDP-Bundesrat (1848: Sieben Sitze …)? Werden wir bis dann ein Oppositionssystem eingepflegt haben? Oder müssen wir dann gar die SVP-Diktatur – ein Siebner für die Eidgenossenschaft über uns ergehen lassen?

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Dienstag, 18. April 2006

JSVP und die linke Presse (wieder einmal)

Ich, in einem (bisher noch unveröffentlichten) Kommentar auf einen – wieder einmal – fantastischen Artikel der Jungen SVP, die dem Tölpel vom Land erklärt, wie das mit der Presselandschaft in der Schweiz in Wirklichkeit aussieht. Eigenes Denkvermögen scheint langsam Mangelware zu werden:

Jungs, ich finde es ja super, wie ihr die Medienlandschaft wöchentlich charakterisiert: Link, linker, am Nettesten. Die Leser haben es mittlerweile wohl begriffen, wie die Medienwelt insgeheim von der SP regiert wird … Inwiefern dies der Wahrheit entspricht, sollte nicht von einer politischen Partei, sondern von neutralen Wissenschaftlern untersucht werden. Oder habt ihr schon mal etwas von „Bias“ gehört? Nein, wohl nicht …

Spätestens wenn man das Qualitätsblatt 20 Minuten als Retter der seit jeher von einer linken Diktatur geführten Presselandschaft preist, hat irgend jemand etwas schlicht nicht begriffen.

20 Minuten kämpft nicht als rechte Stimme im im linken Blätterwald, sondern hat ausschliesslich (und das unterschreibe ich!) den kommerziellen Erfolg im Hinterkopf. Klartext: Money, money, money. Und das aus dem Anzeigemarkt. Damit die Rendite stimmt, kann man auch kaum professionelle Journalisten anstellen, sondern kauft Agenturmeldungen ein. Als Folge davon vermischen sich bei dieser Zeitung zunehmend Anzeigen und Redaktioneller Teil. Ist 20 Minuten der Prototyp einer der SVP genehmen Zeitung? Wieso nicht die NZZ, die auf mehr als 200 Jahre zurückblicken kann? Die tagtäglich von einem Grossteil der Entscheider unseres Landes gelesen wird (sehr wahrscheinlich sogar der Christoph B.?). Kennt jemand einen Entscheider, der sich als Leitzeitung 20 Minuten ins Haus holen lässt? Eben.

Und wenn nun das Pendlerblog links angehaucht ist: Könnte man ein Pendlerblog füllen, würden die Autoren täglich die NZZ, den Tagi, den Bund oder sonst eine der Abonnentenzeitungen unter die Lupe nehmen? Könnte es sich hier nicht eher um eine Koinzidenz handeln, ein Zufall? Aber nein, in den Augen des JSVPlers gibt es an jeder Hausecke Verschwörungen, und dies ist eine davon.

Ich lade die JSVP ein, in Zürich oder Bern oder Fribourg an einer oder mehreren Veranstaltungen der Medien- und Kommunikationswissenschaften teilzunehmen, um für einmal die wissenschaftlich-fundierte Meinung von gestandenen Professoren zu erfahren … Die Welt ist manchmal doch nicht derart schwarz-weiss, wie sie hier dargestellt wird. Think about it.

Gruss
Mario

Quelle: 20Minuten: Linke erklären der Pendlerzeitung den Krieg

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Dienstag, 11. April 2006

Wie Bernhard Pulver fast vergessen ging

Das Resultat

Neu-Regierungsrat Bernhard Pulver (GFL) hat am 9. April das zweitbeste Resultat der rot-grünen Liste und das beste Resultat unter den „Freshmen“, den Neulingen, eingefahren. Dass der bisherige Grossrat gleich derart fulminant (respektive überhaupt) in das Exekutivgremium starten würde, hatte kaum jemand vorausgesehen und er sich wohl nur in seinen kühnsten Träumen vorgestellt.

Die Anekdote

Pulver galt einigen anscheinend schon in den Wirren des Wahlkampfs als „quantité negligable“: Anlässlich einer Wahlkampfveranstaltung in Laupen wurde nämlich – so tragisch-komisch es rückblickend tönen mag – vergessen, ihn einzuladen. Auf dem Flyer finden wir die Kandidaten der SVP, FDP sowie der SP, doch den GFLer sucht man vergeblich. Böse Zungen (ich) möchten gar behaupten, dass der Layouter des Flyers aufgrund der schönen Symmetrie von drei Reihen à drei Köpfen kurzerhand entschied, Pulver wegzulassen. Es passte halt alles so schön, und dieser grüne Störenfried sollte die Symmetrie nicht zu nichte machen.

Pulver aber, die Kämpfernatur, liess nicht locker und lud sich in der Woche der Veranstaltung mittels einigen Telefonaten dann doch noch ein. Er kam, sah und überzeugte (mich). Nicht, dass er in der ländlich (und ergo bürgerlich) dominierten Atmosphäre des Saals im Dorfrestaurant viele Stimmen einsacken konnte. Aber niemand wird ihn an diesem Abend übersehen oder überhört haben – er meldete sich oft zu Wort und konnte mit dem Gesagten punkten. Da sprach ein Pragmatiker, ein Vermittler, als das er seine Regierungstätigkeit in den nächsten vier Jahren auch sehen wird.

Die Moral der G’schicht

Wie heisst es so schön: Manchmal kommen sie wieder. Und manchmal starten sie dann auch gleich noch voll durch.

Mir persönlich gefällt der Regierungsrat sehr gut. Drei Linke, der Mitte-Links einzustufende Pulver sowie – sozusagen als korrektiv mit Bodenhaftung gegen überbordende Ausgabenfreudigkeit – noch zwei gestandene SVPler und ein neuer FDPler, der als Stadtpräsident sicherlich auch bei den Pragmatikern anzusiedeln ist. Schön, ausgewogen, schweizerisch. Ein Siebnergespann, das den Kanton Bern nach Jahrzehnten der bürgerlichen Misswirtschaft in das 21. Jahrhundert führen wird. Ein Modell für die Zukunft.

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