Freitag, 22. Februar 2008

Wankdorf Club Lounge Events: Saufen auf Pump

Gestern war ich selbstverständlich mit von der Partie, als das neueste Partylokal am Berner Szene-Himmel seine Tore öffnete.

VIPs par excellence

Durch einen glücklichen Zufall erwischten ich und Chlodwig im äusserst schlecht beschilderten Treppenhaus die falsche Türe, standen an der falschen Schlange an und wurden so zu falschen VIPs. Erste Erkenntnis: 20 Stutz (!) Eintritt gespart.

Neues Abrechnungskonzept

Die Betreiber gehen bezüglich der Abwicklung des Konsums neue Wege: Am Eingang erhält man als Vertrauensbeweis ein Kärtli des Anbieters OPC (dies nur als Hinweis am Rande, falls jemand das System überlisten möchte), eine Art Badge, mit der jeglicher Geldtransfer abgewickelt wird: Neben dem Eintrittspreis wird beim Betreten des Clubs auch die allfällige Inanspruchnahme der Garderobe auf das Kärtli gebucht – mangels Jacke konnte ich nicht testen, ob die Rückgabe nur mit dem Kärtli möglich ist (das wäre toll, denn diese blöden Papier-Nümmerli habe ich schon einige Male verloren).

Bei den Toiletten hängt zudem ein Kartenleser, der pedantisch Auskunft über den bisherigen Konsum gibt. Das Servicepersonal kann ebenfalls Auskunft über den Negativsaldo geben.

Der Kunde ist Kredit-König

Im klassischen Sinne stuft der Club jeden Partygänger als höchst kreditwürdig ein und lässt ihn auf Pump saufen. Schöne neue Welt! Mit Recht darf man sagen, dass der/die Wankdorf Club Lounge Event (bescheuerter Name, nicht?) der erste unter den Berner Clubs ist, der konsequent dem amerikanischen Traum – „Leben auf Pump“, „buy now, pay later“ – nachlebt.

Betriebswirtschaftliches

Selbstverständlich hätte (mit Betonung auf „hätte“) ein solches System gewisse Vorteil – primär einmal für den Club-Betreiber:

  • Kein Bargeld in den Kassen der Bars
  • (theoretisch!) Schnellere Bedienung der Kunden: Kein Wechselgeld nötig, der erneute Weg zurück zum Konsumenten erübrigt sich. An diesem Abend zeigte das System aber noch deutliche Mängel: Das Service-Personal hatte seine liebe Mühe mit dem elektronischen Gerätchen zur Abbuchung der Beträge. Zuwiderhandlung der KISS-Prinzipien werden halt bestraft …
  • Die Konsumenten werden dazu verleitet, mehr zu konsumieren, als sie es mit Bargeld tun würden.
  • Eine ganz extreme Form des Überwachungsstaates, die ich gestern nicht erblicken konnte, wäre die Kopplung des Ausschanks mit einem Kärtchen: Auch das Servierpersonal müsste immer zuerst ein Kärtchen registrieren lassen, bevor ein Bier aus dem Kühlschrank genommen oder Vodka aus der Flasche ausgeschenkt werden könnte. So würde dieses „meine Freundin arbeitet an der Bar“-Freeloaderism im Keime erstickt.

Auch für die Kunden lässt sich zumindest einen Vorteil erblicken: Bezahlt wird am Schluss – problemlos auch mit Kredit- (sic!) oder EC-Kärtli. Das gefällt mir, denn die Ausgabenkontrolle bezüglich Freizeitunterhaltung ist bei mir buchhalterisch äusserst schlecht erfasst.

Selbstverständlich ist dies aber auch gleich wieder der grösste Haken: Manch einer wird nach einer durchzechten Nacht an der Kasse am Ausgang in sekundenschnelle ausnüchtern – wenn er hohe dreistellige Beträge zu Gesicht bekommt und bezahlen muss.

Wo Vertrauen ist, sind Betrüger nicht weit

Die Vermutung liegt übrigens nahe, dass der Verlust des Kärtchens mit einer enorm hohen Summe bestraft wird. Sonst könnte sich ja jeder auf Kosten des Clubs Vollaufen lassen und das Kärtchen „dummerweise“ kurz vor Ende der Party verlieren. Leider wurden wir beim Eintritt nicht über die Konsequenzen eines Verlustes informiert. Die Strafe wird wohl drakonisch sein (im Notfall legen wohl die Sicherheitsleuge noch „Hand an“ – a propos: Swissdate-Mario war auch vor Ort und hat nach dem Rechten geschaut).

Coming soon …

Eine Kritik des Partygeschehens von gestern Donnerstag Abend fehlt noch. Bereits vorneweg: So ganz hat mich der Laden noch nicht überzeugt, aber das Potential wäre durchaus vorhanden.

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Labels: Bern

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