Donnerstag, 30. Juli 2020

Kritik am Bund-Artikel „Wo sich Bernerinnen und Berner mit Sars-CoV-2 anstecken“

Dabei wird klar: Die meisten Ansteckungen ereignen sich im Familienkreis. Dies betrifft fast 25 Prozent der Personen, die sich in diesem Zeitraum angesteckt haben. Weitere rund 15 Prozent der Neuansteckungen lassen sich auf Rückreisende aus Risikoländern zurückführen. Tendenz steigend. Gut 6 Prozent steckten sich am Arbeitsplatz und beim Einkaufen an, aber nur eine Person im öffentlichen Verkehr.

Quelle: Wo sich Bernerinnen und Berner mit Sars-CoV-2 anstecken

Da es bei der Ansteckung ohrenbetäubend laut „Päng“ macht, ist es für jeden Angesteckten (und die Contact Tracer) wirklich ganz einfach herauszufinden, wo sich die Leute angesteckt haben.

Insbesondere bei der Person, die sich im öffentlichen Verkehr angesteckt haben will, nähme mich Wunder, wie die Befragung ablief: „Ich kann mich noch genau erinnern, es muss zwischen der Haltestelle Kocherpark und Kaufmännischer Verband gewesen sein!“

Spass beiseite: Journalist Noah Fend und der Kanton verkaufen uns irgendwie verwurstetes Zahlenmaterial als gesicherte Fakten. Ich stelle mir eher vor, dass man als Contact Tracer am Ende des Arbeitstages noch einige Fälle abschliessen muss, und dann wählt man den einfachen Weg: Hier mal Ansteckung im ÖV, dort mal im Coop. Die Vorgesetzten, die Politiker, das BAG und die Bewohner des Kantons schreien nach Zahlen, also gibt man sie ihnen.

Den Vogel schiesst aber Gundekar Giebel, Mitarbeiter der Kantonalbernischen Gesundheitsdirektion, ab:

«Es ist eine positive Entwicklung, dass im öffentlichen Verkehr kaum Ansteckungen passieren», sagt Giebel. Das zeige, dass die Maskenpflicht den gewünschten Effekt habe.

Man lasse sich diese Aussage auf der Zunge zergehen … Herr Giebel (Mini-Drosten?) kann also nahtlos beweisen, dass es im öffentlichen Verkehr Ansteckungen gab? Und nicht nur das, seit alle im Tram, Bus, Zug und sogar auf dem Schiff eine Maske tragen, haben sich „kaum mehr“ Fälle ereignen. Eindeutig belegbarer Kausalzusammenhang, genau so, wie man ihn an der Uni im ersten Semester Statistik erlernt. Und nicht nur das: Natürlich flutschte auch diese Bemerkung bei Gatekeeper Noah ohne irgendwelche kritischen Überlegungen direkt in den Artikel rein.

In der Statistik der Ansteckungsorte fehlen Bars und Clubs: Dort wurden in den ersten zwei Wochen im Kanton Bern keine Ansteckungen festgestellt. Das überrascht, hörte man aus anderen Kantonen doch bereits mehrfach von Superspreader-Events in Clubs. Am Freitag hat aber auch der Berner Club Kapitel im Bollwerk einen ersten Corona-Fall gemeldet. Am Samstagabend wurde der Club geschlossen, weil zwei weitere Personen positiv getestet worden sind; insgesamt wurden über 400 Partygäste in Quarantäne geschickt.

Auch hier fehlt die Einordnung sowohl seitens der Behörden als auch des Journalisten erneut vollständig. Stecken sich die jungen Leute nachweislich wirklich während ihres Aufenthalts im Club an? Oder ist es nicht eher so, dass den Jungen der Virus (mittlerweile) so etwas von schnurzegal ist, dass sie auf alle Vorsichtsmassnahmen pfeifen und sich an allen möglichen und unmöglichen Orten anstecken? Will heissen, dass wenn solche „Superspreader“ in den Club einlaufen diese längst Covid-positiv sind, und nicht erst dort angesteckt werden?

Was ich auch gerne wissen würde: Wie viele der 400 Partygäste in Quarantäne sind denn nun eigentlich positiv getestet worden? Und: Handelt es sich beim Virus um denselben Strang des vermeintlichen Superspreaders? Sassen alle die ganze Zeit brav zu Hause, um am Freitag-Abend schnell für ein paar Stunden raus feiern zu gehen? Dann könnte man tatsächlich mit grosser Sicherheit sagen, dass die Ansteckung im Club passiert sein musste. Und dann könnte man tatsächlich begründbar erwägen, alle Clubs bis nächsten Frühling dicht zu machen.

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Labels: Gesundheit, Schweiz

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