Auf unserem diesjährigen Antalya-Aufenthalt sind wir (bisher) in einigen Restaurants eingekehrt, und eine Pedicure habe ich mir auch noch geleistet. Dabei sind mir einige Dinge aufgefallen.
Trinkgeld
Sıralı Kebap stand nach einem Spaziergang zu den Lower Düden Falls auf dem Programm. Wir sassen mit dem Baby in der Nähe des Eingangs, und wir bekamen so mit über, wie nach und nach Antalyas (jüngere, creditmaxxing?) Oberschicht zum Abendessen eintrudelte. Definitiv kein günstiges Pflaster. Das Essen war gut, die Portionen klein, aber teuer. Beim Bezahlen dann die Hiobsbotschaft: Trinkgeld kann nicht über die Kreditkarte abgebucht werden (ursprünglich verstand ich den Kellner so, dass Kreditkarten gar nicht akzeptiert würden — mein Gesicht machte entsprechend einen „what the …“ Eindruck, den der Kellner sofort bemerkte). Und Bargeld hatte ich an diesem Abend leider nicht dabei. Tat mir leid für die aufmerksamen Angestellten, aber 2026 sollte doch das Kassensystem fähig sein, Trinkgelder separat zu erfassen …
Kushimoto Restaurant stand zum (thailändischen) Muttertag auf dem Programm. Das Restaurant ist definitiv Fine Dining, sowohl von der Aufmachung wie dem Service, komisch nur, dass es sehr, sehr wenige Bewertungen auf Google Maps hat. Wurde es kürzlich eröffnet? Trinkgeld war auch hier nicht über Kreditkarte zu entrichten. Immerhin hatte ich vom vorherigen Restaurant gelernt, und dieses Mal war der Zip-Lock Sack mit Türkischen Lira im Gepäck. Ich hinterliess „nur“ 5 Prozent des Betrags im Etui, da mir langsam die Noten ausgehen, und ich den Betrag für den Service angemessen fand. Besser als nichts.
Gestern dann überkam mich mein Verlangen nach einem grossen, guten, medium-rare grillierten Stück Fleisch. In kurzer Distanz von unserem Hotel befindet sich das B12 Steak & Kasap Steakhouse. Auf Grund einer guten Flasche Wein (siehe nachfolgend) überprüfte ich mit einem kurzen Blick auf die Rechnung nur den Endbetrag, und rundete diesen voller Euphorie um mehr als 10 Prozent auf (1100 TRY, 18.68 CHF).
Rückblickendes Warnzeichen: Der Mitarbeiter verschwand sofort mit der Rechnung und stellte sicher, dass ich umgehend mit Kreditkarte bezahlen konnte. Die Rechnung selber sah ich nie wieder. Eigentlich nehme ich diese immer mit, aber ich verzichtete dieses Mal darauf, weil ich beim Drucken der Kreditkartenrechnung sah, dass die Posten irgendwie ihren Weg auf diesen Beleg gefunden hatten. Spätestens bei diesem Verhalten hätte es klingeln sollen. Tat es aber nicht.
Auf dem Nachhauseweg zog ich auf Drängen meiner Frau die Kreditkartenabrechnung hervor, und wir überprüften sie. Der ominöse Posten 1850 TRY (31.41 CHF) ganz am Schluss irritierte uns, waren die Hauptspeisen doch weiter oben notiert. Google Translate offenbarte dann, dass es sich dabei um eine automatisch auf die Rechnung gschlagene Service Charge handelte. Die Mitarbeiter kassierten somit doppelt Trinkgeld ab. Der Service war gut, einmal aber musste ich selber Wein nachschenken, was einer der Kellner bemerkte, zum Tisch sprintete, und das ganze dann übernehmen wollte. Item. Natürlich hielt es der Kassier nicht für nötig, mich auf die Service Charge hinzuweisen. Aber: Selber Schuld, der geht auf meine Kappe, und das wird jetzt vom diesjährigen „Bullshit-Konto“ abgebucht, und gleich wieder vergessen. Teures Lehrgeld im Wilden Westen, auch bekannt als „Türkei“.
Zum Essen: Die Vorspreise (vermutlich Rinderbrühe), der Salat, die Oliven und das Brot waren top. Der Wein auch (siehe unten). Das Fleisch (Rib Eye): Eher klein, und definitiv nicht Medium Rare wie bestellt, sondern Medium. Somit definitiv nicht ein Restaurant im Olymp der von mir bereits besuchten Steak Restaurants.
Unschön: Im Restaurant wird geraucht.
„Ausgegangener“ Wein
Das B12 Steak & Kasap ist der Endgegner aller Touristen, die in solchen Ländern ihr Portemonnaie gut zu schützen versuchen.
Ich bestellte auf Grund des guten Stück Fleischs eine ganze Flasche Wein. Man kann sich streiten, ob das nötig gewesen wäre, aber zu einem grossen Stück Steak gehört einfach ein edler Tropfen.
Das Problem: Die von ChatGPT auf Grund des Menus empfohlene Flasche (Suvla Sur) war dem Restaurant ausgegangen. Ich hätte es eigentlich schon ahnen können, als der Mitarbeiter versuchte, mich während der Bestellung auf „ebenso guten“ Gläserwein umzuleiten. Ich insistierte, dass ich genau diesen Wein in einer Flasche wollte — hätten wir ihn nicht ganz gekillt, hätten wir die halbleere Flasche einfach mit ins Hotel genommen (was gemäss Kellner möglich ist). Im Menu war der Wein für 2200 TRY (37.36 CHF) angepriesen.
Ein paar Minuten später kam der Kellner wieder an den Tisch, in der Hand drei Weinflaschen. Meine Wahl sei nicht mehr verfügbar, aber er könne mir folgende Weine anbieten:
Mir sprang der Pythagoras ins Auge, ich schaute ihn auf Vivino an, sehr gute Bewertungen (über 4 Sterne), und gemäss meines Weinkellers ein über 90 prozentiger Match für mich. Ich sagte ihm: „Ok, ich nehm den Pythagoras“. Doch bevor er abzottelte, fragte ich, langsam auf das Land und Leute sensibilisiert: „Ah, aber der Wein ist schon in derselben Preisregion wie derjenige, den ich ursprünglich wollte?!“ Der Kellner meinte nicht wortwörtlich „Ja, klar … moment, lassen Sie mich nachschauen!“ Auf seinem Smartphone rief er das Menu auf, und schien den Wein gefunden zu haben: 2600 TRY (44.15 CHF), sagte er mir, ohne dass ich auf das Smartphone schaute. „Ok, no problem, let’s go for this one!“ sagte ich ihm.
Vorausblickende Leser werden es schon wissen: Auf der Abrechnung war der Wein für 3400 TRY (57.73 CHF) aufgeführt. Auch das bemerkte ich erst, als ich auf dem Nachhauseweg war.
Der Wein war gut, sehr gut sogar, und verglichen mit der Schweiz war der Besuch im Steakhouse ein Schnäppchen.
Trotzdem bleibt ein fahler Nachgeschmack.
Skonto
An einem Abend kehrten wir in ein hier nicht näher zu nennendes Fischrestaurant in der Nachbarschaft ein. Es stellte sich im Laufe des Abendessens heraus, dass der Besitzer lange im deutschsprachigen Raum gelebt und studiert hat. Wir unterhielten uns entsprechend auf Deutsch. Als es um das Bezahlen ging, und ich die Revolut-Kreditkarte zückte, meinte er: „20 Prozent Barzahlungsrabatt!“. Ich hatte nicht ausreichend Geld mit dabei, somit gab es für mich kein Skonto-Rabatt.
Mit freundlichen Grüssen an die Steuerverwaltung.
Euro
Zu Beginn der Ferien war bei mir Pedicure angezeigt. Auf Grund der Tendenz der Nägel meiner grossen Zehen regelmässig einzuwachsen, verzichte ich mittlerweile darauf, selbst aufwändig (und: immer wieder blutig) rumzudoktern, und das einem Profi zu überlassen.
ChatGPT empfahl mir Modern Hair Beauty Salon Man&Woman •Hair • Nails • Massage • Permanet Make up • Botox (Google Maps). Ein Termin war via WhatsApp rasch organisiert. Touristen-Anfängerfehler: Den Preis habe ich im Chat weder angefragt, noch verhandelt noch bestätigt. Da endet man als kontinentaleuropäischer Tourist aus der Schweiz leider als Freiwild.
Als ich eintrudelte, erfuhr ich, dass die Dienstleistung an eine Bekannte des Besitzers outgesourct sei, die lange Zeit in einem Luxusressort in der Gegend gearbeitet hatte.
Gegen Ende der Behandlung wurde ich plötzlich innerlich nervös: So frugal der Laden aussah, war Kreditkartenzahlung überhaupt möglich? Sie ist es, aber angabegemäss nur für das Haare schneiden beim Besitzer (Vorwand: „unterschiedliche Buchhaltungen“). Das Gerät existiert, und lag im nächsten Zimmer im Coiffeursalon auf. Ich hatte die (bauchgefühlsmässig) völlig überteuerten 1500 TRY (25.47 CHF) (ChatGPT meinte, der Preis werde nur bei medizinischen Behandlungen verlangt) natürlich nicht in Bargeld auf mir. Zum Vergleich: Bei The Nail Bar in Bern bezahle ich 49 CHF für den Spass.
Immerhin: Ich hatte eine 50 EUR-Note im Gepäck. Der Besitzer sah sie sich widerwillig an, zückte sein Smartphone, und rief einen Kollegen an. Es folgte ein kurzes intensives Wortgefecht. Am Schluss schien er den aktuell gültigen Wechselkurs in Erfahrung gebracht und die Wechselmöglichkeit bestätigt zu haben. Ich tauschte meine Note gegen eine 20 EUR Note, welche mittlerweile im Besitz der Putzfrauen unseres ersten Hotels ist.
Nebenbei: Der Besitzer sprach viel, aber es waren spannende Gespräche: Über seine Erdbeben fürchtende zweite Frau, Ukrainerin. Über seinen Sohn mit seiner ersten Frau, der viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde. Über seine „Gigi von Arosa“-Zeit in Bodrum. Über seinen Motorradunfall und sein 14-tägiges Koma. Und wie er sein neues Lokal nun aktiv — mit Beratung von ChatGPT — über Social Media bewirbt.
Thai-Massage mit einer Indonesieren
Am ersten Tag nach der Ankunft schlenderten meine thailändische Frau, Ella Giulia und ich durch das Quartier. Dabei fiel uns ein Thai Massage-Lokal auf. Kurzerhand gingen wir in das Lokal, um in Erfahrung zu bringen, welche Massagen angeboten werden, und zu welchem Preis.
Während uns die zwei älteren weissen (russischen? türkischen?) Herren umschwirrten, meinte einer der beiden, nachdem ich ihm gesagt hatte, dass meine Frau Thailänderin sei: „Wissen Sie, wir nennen es Thai-Massage, aber unsere Mitarbeiterin ist aus Indonesien und spricht kein Thai …“
Fitness
Auch dieses Jahr leistete ich mir ein zweiwöchiges Abonnement beim Central Park GYM, da diese Concept2-Rudermaschinen im Fuhrpark haben.
Als Tourist kriegt man keinen QR-Code, um die Schranken zu öffnen. Beim Eintreffen wie auch Verlassen des Fitness muss die Reception die Schranken manuell öffnen.
Man unterzeichnet keinen Vertrag, hinterlässt auch keinen Lichtbildausweis. Einzig erhält man bei der Bezahlung mit Kreditkarte den Beleg des Geräts ausgedruckt und in die Hand gedrückt. Auf einen Fötzel musste ich noch meinen Namen notieren, und dann war die Sache geritzt.
In den letzten Tagen trafen mich immer misstrauischere Blicke von der Reception. Da ich selbstsicher auftrat, hielt man mich nie auf. Doch heute passierte es: Ich vergass mein Concept2 Kissen, und musste fünf Minuten nach Verlassen des Lokals noch einmal Eintritt verlangen. Da nahmen mich die drei Jungs an der Reception raus: „Do you plan to continue coming here?“ fragt mich einer der drei, den ich noch nie gesehen hatte. Er schien der Chef des Ganzen zu sein. Er wollte meinen Namen wissen, welche ich bereitwillig nannte. Er schaute im System nach. Offenbar fand er mich. Ich sagte ihm auf Englisch, dass ich ein zweiwöchiges Abonnement gelöst habe, es noch bis morgen Sonntag gültig sei, und ich am Montag zurückfliegen werde. Offenbar war das alles noch nicht schlüssig. Vom letzten Jahr vorgewarnt hatte ich den Kreditkartenbeleg immer auf mir, und so zückte ich ihn. Er schaute ihn für ein paar Sekunden an, und das schien ihm zu genügen: „Everything OK!“ Und ich verschwand. Auf die hiesige Abzocke sensibilisiert frage ich mich, was passiert wäre, hätte ich ohne irgendeinen Beleg bar bezahlt, oder den Kreditkartenbeleg nicht auf mir getragen.





