Archiv ‘USA’

Dienstag, 5. Juni 2007

Weniger Staat, aber nur solange die anderen das Sagen haben

Wie wahr, wie wahr:

John Stewart: See, I have found that republicans often times will campaign against big government. But it seems – at least with this administration – they were against government they didn’t control. But now that they control it they find it to be very useful to expand the power of it as opposed bringing it down.

Erinnert mich irgendwie an die Patriotismus-Diskussion der SVP, über die ich heute morgen früh gebloggt habe. Der einzig akzeptable Patriotismus ist nach Auffassung derjenige, der von der Partei authorisiert ist („zottelnder Kuhfladen“). Wehe, wenn nun andere Parteien ebenfalls wagen, sich in diese Diskussion einzumischen.

Die SVP repräsentiert nicht das Volk, sondern nur einen Teil davon. Ausgehend von den Nationalratswahlen 2003 (Stimmbeteiligung 45,4%), wo die SVP eine Parteienstärke von 26,7% erreicht hat, lässt sich folgendes berechnen.

Total Stimmbevölkerung 4’565’7151 Pers.
Gewählt haben 45,4%
2’072’834 Pers.
Die SVP gewählt haben 26,7%
553’446 Pers.

Es käme einer Diktatur gleich, wenn Volksvertreter mit 553’446 Stimmenden im Rücken die Definitionsmacht in dieser Angelegenheit an sich reissen würde …

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Samstag, 26. Mai 2007

Danke USA! Ganze Arbeit im Irak

[…] Renommierte britische Experten warnen in einer schonungslosen Analyse davor, dass der Irak in seiner derzeitigen Form binnen eines Jahres nicht mehr existieren könnte.

  • Die Macht sei an lokale Religions- oder Stammesführer übergegangen.
  • Die irakische Regierung sei nur mehr einer von mehreren „staatsartigen Handlungsträgern“. Sie sei „weitgehend unerheblich“, was das gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Leben angehe.
  • Dem Staat drohe die Spaltung und damit der Zusammenbruch.

Quelle: Irak droht kompletter Kollaps

Danke USA. Wirklich toll, was ihr uns da eingebrockt habt. Dabei gingt doch ihr gerade (vordergründig) in den Irak, um das Land zu demokratisieren. Irgendetwas ist da massiv schief gelaufen. Werden die Truppen abgezogen, bevor sich die Lage stabilisiert hat (besteht diese Möglichkeit überhaupt noch?), könnte das Pulverfass endgültig explodieren

Geschichtsprofessor als Prophet

Im Sommersemester 2003 besuchte ich an der Universität Bern das Proseminar „Die Schweiz in römischer Zeit“ bei Professor Bleckmann. Die Invasion hatte gerade begonnen; und unser Professor teilte uns seine Einschätzung mit – basierend aus jahrtausenden alten Erfahrungen der Römer (der imperialistischen Macht schlechthin, die einmal den ganzen Mittelmeerraum unter ihrer Ägide vereinte). Seine prophetische Aussage: Die USA könnten mit der Okkupierung eines Landes wie dem Irak nur scheitern. Man müsse sich nur ein wenig mit der römischen Geschichte auskennen, um zu diesem eindeutigen Schluss zu kommen. Die Römer besetzten nur diejenigen Reiche, die gewisse, mit dem römischen Reich „kompatible“ Strukturen boten. Der Irak schien diese nicht zu haben. Bleckmann sollte mit seinen Befürchtungen Recht behalten.

Aus Geschichte lernen

Ähnlich die Aussagen eines anderen Professors der Alten Geschichte, Grzybek, der über die Eroberung und Okkupierung des alten Ägyptens durch Alexander den Grossen las. Die Invasoren konnten sich daraufhin nur deshalb etablieren, weil deren Kampf gegen die bestehenden Okkupanten (Perser) von der Lokalbevölkerung als „Befreiung“ gedeutet wurde. Die nicht-ägyptischen Ptolemäer konnten sich die nächsten dreihundert Jahre auf dem Thron halten, weil sie sich den lokalen Gegebenheiten anpassten (Alexander liess sich als Pharao ausrufen) und die lokale Elite in verantwortungsvolle Posten hoben.

Einem solchen anpasserischem Gebaren einer westlichen Demokratie würde natürlich mit Kopfschütteln begegnet.

Mehr dazu: Die Eroberung Ägyptens (332–331 v. Chr.)

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Donnerstag, 24. Mai 2007

Hummer H2 – Das waren Zeiten!

First, a flashback. Do you remember the time, […] 2003, when gas was (relatively) cheap and Bush’s war was still being spun as some sort of righteous, WMD-justified love-in and the dour, global-warming-is-a-liberal-hoax Republicans controlled the sour American universe? It was a time when GM dealers couldn’t sell the giant hunk of laughable penis compensation known as the Hummer H2 […] fast enough.

GM even went so far as to build ridiculous, theme park-like Hummer dealerships and to contract with special plants in Indiana to crank out America’s ugliest, most dangerous, least environmentally friendly monster truck, and celebs and rappers and pro athletes and supermodels and senators and glitz wannabes of every ilk everywhere couldn’t waste 50 grand on the horribly built, lunkish hunk of karmic contempt fast enough. Oh what a time it was.

Fast forward to right now. […]

[…] and hence many Americans somehow think that buying the newer, sleeker three-ton Chevy Suburban with 23 cup holders instead of the 2005 model with only 14 must be, you know, a healthy improvement.

[…] we might as well enjoy that stupid, chromed-out three-ton GMC Yukon Denali before the oil runs out and the terrorists eat my babies and the damn liberals change the laws and make us all drive Smart cars to the Tofu Hut in order to turn us all gay. Sound familiar?

Quelle: Rejoice, The Hummer Is Dead

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Montag, 21. Mai 2007

Ron Paul über die us-amerikanische Schulden-Bubble

Der Präsidentschaftskandidat

Würden heute die amerikanischen Präsidentschaftswahlen stattfinden und dürfte ausschliesslich die Elite der Blogosphäre wählen, hiesse der Sieger klar Ron Paul. In den Debatten der Republikanischen Partei stach er als Querschläger hervor und nahm unverblümt Stellung zu den Themen, die das Volk bewegt. Wie in den guten alten Zeiten ist er für den Rückzug der Truppen aus allen Teilen der Welt. Als durch-und-durch liberaler Zeitgenosse möchte er mit der restlichen Welt nur mittels Handelsbeziehungen in Kontakt treten.

Die Mainstream-Medien versuchten ihn auszublenden, doch in letzter Zeit häufen sich seine Auftritte. Vom umtriebigen Rudy G. wurde er zusammengeschissen, weil Paul es wagte zu behaupten, dass die Attacken vom 11. September doch tatsächlich auf die Präsenz amerikanischer Truppen in der Golfregion und die politische Einmischung in Angelegenheiten arabischer Staaten zurückzuführen sind. Dieses Ereignis hat bisher den grössten Wirbel verursacht.

Ron Paul verdeutlicht, wie sehr in der heutigen Zeit „Grassroots“-Bewegungen dank dem Internet und seinen vielfältigen Möglichkeiten auch denjenigen eine Stimme verleihen können, die nicht etliche Millionen an Spendengelder eingeheimst haben. Bei den Demokraten zeigt Barack „Myspace“ Obama, wie das Internet als Multiplikator eingesetzt werden kann.

Ob er aber über den „Ferner liefen“-Status hinauskommen wird, ist höchst fraglich. In den USA regiert immer noch das Fernsehen, und das liegt in den Händen von grossen Medienunternehmen, die wiederum diejenigen Kandidaten unterstützen, die ihnen genehm sind (und ihre kapitalistischen Allmachtsphantasien nicht behindern).

Der Volkswirtschaftler

In einem bereits etwas älteren Interview mit für den Korelin Economics Report plaudert Ron Paul aus dem Nähkästchen. Nachfolgend der dritte Teil des Interviews:

Obwohl ich von der Materie kaum eine Ahnung habe, machen mir die Aussagen dieser Experten Sorgen. Ein Grund mehr, wieso ich den „25 Jahre Sonnenschein“-Prognosen der Weltwoche nicht ganz trauen mag. Könnte die restliche Welt wirklich bereits jetzt schon verkraften, wenn die Schulden-Blase in den Staaten platzt?

Die restlichen zwei Teile des Interviews finden sich hier:

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Donnerstag, 17. Mai 2007

Republikanische Präsidentschaftskandidaten

Und ich dachte schon, nach George W. könnte es kaum noch schlimmer kommen. Bei einer der Vorausscheidungen zur Kürung des republikanischen Präsidentschaftskandidaten kam bedenkliches zu Tage (Meinen die das wirklich ernst?!):

Mitt Romney (RMA): Some people have said we have to close Guantanamo … My view is: We have to double Guantanamo!

Tom Tancredo (R-CO): When wo go under, western civilization goes under.

Quelle: Jon Stewart Analyzes the FOX News GOP Debate (Video)

Nur die Spitze des Eisbergs

What we need to realize is that the infamous “Bush bubble,” the administration’s no-reality zone, extends a long way beyond the White House. Millions of Americans believe that patriotic torturers are keeping us safe, that there’s a vast Islamic axis of evil, that victory in Iraq is just around the corner, that Bush appointees are doing a heckuva job — and that news reports contradicting these beliefs reflect liberal media bias.

Quelle: Let’s Not Blame President Bush

Die Kandidaten scheinen Abbild einer grossen Gefolgschaft zu sein. Traurig, aber wohl wahr.

Nebenbei bemerkt: Der Mythos „linke Medien“ scheint auch in Übersee ein Totschläger-Argument gegen die politische Berichterstattung zu sein. Wie klein die Welt doch ist!

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Dienstag, 15. Mai 2007

Der Tag, an dem das Erdöl unbezahlbar wurde

[…] Now he [James Howard Kunstler] foresees the end of the entire artifice of American life, from the suburbs to the interstate highway to Wal-Mart and the global supply chain that supports it.

The truth is that no combination of alternative fuels or so-called renewables will allow us to run the U.S.A. — or even a substantial fraction of it — the way that we’re running it now.

Quelle: After the oil is gone

Wer die USA bereist und sich wirklich Gedanken über das Funktionieren des Systems gemacht hat, wird Kunstler wohl oder übel zustimmen müssen.

Auch der Warenverkehrt in der Schweiz ist einem grossen Teil der billigsten je geförderten Energie zuzuschreiben. Schade nur, dass diese – wie Kunstler ausführt – endlich ist. Wir haben zwar noch als grossen Standortvorteil das Wasser, doch dieses wird nicht ausreichen, die Bedarfslücke in der Energieversorgung zu decken. Abgesehen davon sind wir darauf und daran, diese relativ verlässliche Energiequelle sehr unzuverlässig zu machen – wegen dem CO2-Ausstoss, der einen Klimawandel hervorruft, der die Niederschlagsereignisse verändert.

Ob Atomkraft die Rettung ist? Momentan scheint der Kraftwerkbau sich um ein (finanzielles) High-Risk-Geschäft zu handeln. Mit den Verwerfungen, die der Ölmangel bringen wird, könnten die Dinger deutlich an Reiz gewinnen. Doch auch der Brennstoff der Atomkraftwerke scheint endlich zu sein.

Wäre ich ein Ölunternehmen, würde ich langsam aber sicher Uran-Minen aufkaufen und den Rohstoff horten. Glücklicherweise steht die Sonne und der Wind nicht zum Verkauf …

[…] And that has tremendous implications for capital-finance instruments to produce wealth, namely securities and bonds. All the financial paper in the world is essentially based on the increasing accumulation of wealth.

Aber … die Weltwoche sagt doch für die nächsten 25 Jahre einen Aufschwung hervor, wie wir ihn bereits nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt haben?! Spielverderber!

The Iraq war is not hard to understand. It wasn’t an attempt to steal Iraq’s oil. If that was the case, it would have been a stupid venture because we’ve spent hundreds of billions of dollars occupying the place, not to mention the lives lost. It was not a matter of stealing the oil; it was a matter of retaining access to it. […]

We are going to use them [renewable energy]. But we’re not going to run the interstate highways and Disney World on them. Suburbia is not going to run on biodiesel. The easy-motoring tourist industry is not going to run on biodiesel, wind power and solar fuel. The point I would repeat is this: We don’t know whether we can fabricate the components for these things absent a fossil-fuel economy.

Der Mann öffnet mir die Augen … Wird das Öl knapp, wird der Transport von in China genähten Kleidern nach Übersee (oder von Orangensaft aus Brasilien) äusserst kostenintensiv. Geschweige denn, dass unsere westlichen Produktionsprozesse allesamt auf billigem Öl beruhen. Die Frage ist: Werden wir also Windkraftwerke oder Solar-Panels herstellen können, wenn es an einer billigen Energiequelle fehlt?

Neue Traumberufe

[…] you say e’re better off learning how to operate a horse-drawn plow than becoming a P.R. executive

Beängstigend, aber auf eine Art auch reizend, die Anfänge dieser (anderen) Zukunft sehr wahrscheinlich noch miterleben zu dürfen. Ich muss ehrlich gestehen: Mich hat man noch nie in unserem Garten gesehen. Weder weiss ich, wann was wie anzupflanzen und zu pflegen ist, noch wie viel Arbeit mit einer solchen small-scale Landwirtschaft auf uns zukommen wird. Denn Dünger und Maschinen würden uns in diesem Szenario fehlen. Ebenso würden wir deutlich anfälliger auf Witterungsschwankungen reagieren, wenn wir Missernten nicht mit Importen aus allen Herren Ländern kompensieren könnten.

Nachtrag

Mittlerweile doppelt auch der Guardian nach, indem er Konsequenzen einer Ölknappheit für Grossbritannien aufzeigt:

The report then publishes a long list of estimates by senior figures in and around the oil industry of a possible date for peak oil. They vary greatly, but many are clustered between 2010 and 2020. Another report, also commissioned by the US department of energy, shows that „without timely mitigation, the economic, social, and political costs will be unprecedented“.

[…] You still have to get to work, to school, to the shops, to hospital, whatever the price of oil might be. If you live in a distant, low-density suburb, how else do you get there? On horseback? If the entire transport infrastructure is based on the consumption of liquid fuels, how does it respond to the price signal? It could shut down, but that would trigger economic collapse. And do you imagine that even second generation biofuels could replace MOST of our transport fuels? Where is the land required to grow them?

Quelle: Our blind faith in oil growth could bring the economy crashing down

Nachtrag 2

Die Film-Doku zum Thema: THE END OF SUBURBIA: Oil Depletion and the Collapse of The American Dream. Eindrücklich, insbesondere für einen angehenden Historiker wie mich.

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Donnerstag, 10. Mai 2007

Wieso sparen? Väterchen Staat zahlt ja …

Von wegen ist es sozial, wenn andere zahlen – doch haben dann Bürgerliche das Sagen, kommt es irgendwie auf’s selbe hinaus:

Informiert man sich via Digg, Reddit und Youtube kriegt man wirklich langsam Angst, dass in den USA momentan etwa alles schief läuft, was schief laufen kann. Und dabei sass seit Jahren kein Demokrat mehr im Oval Office … Mir würde das als Yankee Bauchschmerzen bereiten.

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Sonntag, 29. April 2007

"Massagen" in Washington D.C.

Anchor man: Why does she want these names made public?

Correspondent: She has been charged by federal prosecutors with running a prostitution service. She says it wasn’t prostitution, it was fantasy sex, a legal sex and she wants to call of her [proun?] clients to testify. One, she says, is hypocritical of the government to go after her and the women who work for her, and two she wants them to testify as to whether there was or was not sex. […] There are thousands of names, tens of thousands of phone numbers, and there are people there at the Pentagon, Lobbyists others at the White House, prominent lawyers – a long, long list. […]

Quelle: White House Officials Involved in Prostitution Scandal

Genialer Schachzug der Betreiberin von DC Madams. Keiner der (meist verheirateten) Herren wird nur im entferntesten auf die Idee kommen, etwas anderes als Massagen bezahlt und erhalten zu haben … Wahrscheinlich haben die meisten eine Massage gar abgelehnt und mit den Damen äusserst tiefgründige Gespräche geführt.

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