Freitag, 24. Juni 2005

Private und öffentliche Radios

Letzte Woche war ich an der Schlusssitzung der Vorlesung ‚Mediaplanung‘ zugegen und kam in den Genuss einer illustren Gästeschar:

  • Peter Schellenberg Radio Munot (ehem. Fernsehdirektor SRG)
  • Matthias Lauterburg, Tele Bärn
  • Hanspeter Spörri, Chefredaktor Bund
  • Bernard Krättli, Verkaufsleiter BE1

Obwohl sich die Vorlesung um das Thema von Werbung und deren Schaltung in den elektronischen Medien drehte, blieb dieses spezifische Thema in der folgenden Diskussion unter den Teilnehmern (und ferner mit uns Studenten) eher im Hintergrund.

Das Highlight war der „Kampf“ Lauterburgs (Mitgründer Radio extra Bern) mit dem BE1-Verkaufsleiter. Selbiger war nämlich der Überzeugung (und belegte dies mit wissenschaftlichen? Studien), dass ein Radio nur Musik zu liefern hätte. Sobald (Privat-)Radiohörer aber längere Zeit eine Sprachmoderation erdulden müssten, schalteten sie ihre Geräte ab. Dies rief sowohl Lauterburg als auch Matthias Steinmann (Professor, Dozent diese Vorlesung) auf den Plan, die den Privatradioler mehr oder weniger in Grund und Boden stampften.

Beide waren der Meinung, dass sich die heutigen Privatradios zu sehr angenähert haben, austauschbar geworden sind. Dies hänge nicht zuletzt damit zusammen, dass sich alle Radios von derselben Forschungsfirma beraten liesse und diese jedem Radio dieselbe „Idee“ verkaufen würde. Diese Idee beinhaltet u.a. auch diesen ollen „besten Musik-Mix aus den 70er, 80er und 90er“.

Am aufschlussreichsten war darauf Steinmanns Skizze der Höhrermessungen. Steinmann, Erfinder der ominösen Radio-Control-Uhr, aber auch des Telecontrol-Gerätes (für Studenten der Medienwissenschaften der Running Gag schlechthin, wird nämlich mindestens einmal pro Veranstaltung von ihm persönlich betont), war hier – wie die Umstände verdeutlichn – in seinem Element. Die Skizzen für den Tagesablauf „Privatradio“ und „öffentliches Radio“ unterschieden sich denn auch ganz deutlich!

Privatradios haben ihren Zulauf in den frühen Morgenstunden, wenn sich der gemeine KV-Lehrling an seinem Arbeitsplatz einfindet. „Switch“, dann läuft das Radio – und das tut es normalerweise mit kurzen Unterbrüchen während den Pausen, wenn überhaupt, bis zum Feierabend. Die Hörerzahlen sind durchwegs konstant, es gibt keine Peaks. Genauso langweilig wie das Programm ist auch das Hörerdiagramm.

Bei öffentlichen Sendern (hier DRS1) dagegen haben wir ein richtiges auf und ab, mit den Flaggschiffen Nachrichten am Mittag (12.30 Uhr) und unbestritten Echo der Zeit um 18.00 Uhr.

Der Vergleich zeigt auf, dass es sich bei den öffentlichen Sendern um Sendungsradios handelt. Die Hörer schalten ein, weil sie eine bestimmte Sendung hören möchten. Man darf deshalb annehmen, dass die Hörer auch wirklich zuhören und an den gebotenen Informationen interessiert sind. Sie verstehen den Inhalt der Botschaft, denken aktiv mit.

Die Privaten im Raum Bern dagegen sind Profil-Radios. Die Leute schalten solche Radios vor allem ein, um „berieselt“ zu werden. Der Ton dudelt eher im Hintergrund, da man mit der Arbeit beschäftigt ist. Das Radioprogramm dient höchstens der seichten Unterhaltung – ginge das gewählte Privat-Radio Konkurs, könnte man dieses ohne weiteres mit einem anderen Privat-Sender ersetzen, ohne dass die Hörer dies wohl gross merken würden …

Lauterburg brachte es dann noch klarer auf den Punkt, als er an Steinmann (mit dem er Radio extra Bern gegründet hat, auch so ein Running Gag) die Bitte richtete, doch eine Radio-Control-Uhr zu entwickeln, die nicht nur messe, welcher Radiosender im Hintergrund herumdudle, sondern auch, ob der Konsument auch wirklich zuhöre, was gesendet würde.

Mehr bleibt auch von meiner Seite nicht dazu zu sagen. Sind wir gespannt, ob die Privatradios im Raum Bern wieder von dieser Angleichungsschiene wegkommen und wieder eigenständigere Programmformate entwickeln können, die auch diejenigen Hörer ansprechen, die schon längstens auf tiefgehendere Sender abgesprungen sind.

A propos: Steinmann bekannte sich dann doch noch als BE1-Hörer: Der Telefonator habe es ihm angetan … Danach schalte er aber schnell wieder auf andere Programme um.

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