Sonntag, 5. Juni 2005

Erfolgreiche Kriegsveteranen

Klassischer Fall: Nachdem bspw. in einer der besten Mini-Serien der letzten Jahre, Band Of Brothers, die Handlungen zu Ende gehen, kommt noch der obligatorische Ausblick. Da wird dann häufig vor allem die Frage beantwortet, was aus den verkörperten „Helden“ nach dem Ende des Erzählrahmens geworden ist. Auch bei besagtem Band Of Brothers ist das nicht anders. Soweit ich mich noch erinnern kann, hängt Winters zusammen mit Nixon irgendwo am Brienzersee (musste als Kulisse für einen Ort in der Nähe von Berchtesgaden herhalten) rum – und dann verschwindet die Szenerie, und wir lesen nach und nach, was aus den einzelnen Jungs geworden ist.

Im Anschluss an die zweite und letzte Folge von Speer und Er liessen die Deutschen noch eine Doku über den Äther rauschen, der die Ritchie Boys porträtierte. Diese tapferen Jungs operierten als in die USA eingebürgerte Auslanddeutsche hinter „enemy lines“ und führten dank ihrer Sprachkenntnis auch Verhöre durch, um den gefangenen deutschen Offizieren ihr Geheimnisse zu entlocken. Auch hier sieht man am Schluss kurz den Werdegang der Hauptakteure nachgezeichnet.

Was beide Filme gemeinsam haben? Viele Personen wurden im zivilen Leben sehr erfolgreich – vom Professor zum Unternehmer mit 400 unterstellten Arbeitern usw. usf. finden wir fast alles. Nun, eben dieser besagte Abspann hat eine Frage in mir geweckt: Wieso waren die im zivilen Leben denn eigentlich (auch?) derart erfolgreich? Für mich gibt es primär drei Gründe, die in Frage kommen:

  • Durch die Erfahrungen im Krieg und der Tatsache, dass sie diesen (relativ) unbeschadet überstanden haben, wurden charakterstarke Leute geformt, die verantwortungsvoll Gruppen leiten und an ein Ziel führen können.
  • Der wirtschaftliche Aufschwung in der Mitte der 1950er (Pfister spricht vom 1958er Syndrom) machte es den Akteuren so schwierig wie noch nie, nicht erfolgreich zu sein. Man wurde aufgrund des „Wirtschaftswunders“ (den Begriff sollte man eigentlich nur in Verbindung mit Deutschland verwenden) faktisch dazu verdammt, erfolgreich zu sein …
  • Die Filmschaffenden wählen mit Vorliebe diejenigen Lebensläufe aus, die auch etwas hergeben. Erfolg und Misserfolg sind sehr nah beieinander, und hat der Regisseur die Wahl, lässt er die „normalos“ aus dem Abspann raus.

Leider habe ich keine Ahnung, welcher These den Vorrang gegeben werden sollte … Vielleicht ist es ein ausgewogener Mix aus den drei?

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