Samstag, 29. Oktober 2005

Der Schwarze Tod – wieso einige Europäer immun wurden

… und ihre Nachfahren es immer noch sind.

Dank interdisziplinärer Forschung (Medizin & Geschichte) ist es britischen und amerikanischen Forschern gelungen aufzuzeigen, wie einige unsere Vorfahren die Pestseuchen unbeschadet überlebten und ihre Immunität an uns Nachfahren weitergaben.

Ein bestimmtes Gen namens delta 32 verhinderte demnach nach neuesten Erkenntnissen, dass sich Leute mit der Pest (wobei es bis heute umstritten ist, ob es sich wirklich um Pest handelte!) anstecken konnten – obwohl um sie herum ihre ganzen Familien zugrunde gingen.

After three weeks of testing at University College in London, delta 32 had been found in 14% of the samples. This is a genetically significant percentage, yet what, really, did it mean? Could the villagers have inherited delta 32 from elsewhere, residents who had moved to the community in the 350 years since the plague? Was this really a higher percentage than anywhere else? To find out, O’Brien assembled an international team of scientists to test for the presence of delta 32 around the world. „Native Africans did not have delta 32 at all,“ O’Brien says, „and when we looked at East Asians and Indians, they were also flat zero.“ In fact, the levels of delta 32 found in Eyam were only matched in regions of Europe that had been affected by the plague and in America, which was, for the most part, settled by European plague survivors and their descendents.

Quelle: Secrets of the Dead. Mystery of the Black Death.

Gewisse Europäer verfügen also einen vererbten genetischen Vorteil, würde die Pest wieder ausbrechen. Darwins Prinzip vom „survival of the fittest“ hat sich hier also ganz besonders bewährt: Die Verbreitung des Gens wurde immens gestärkt, weil nach den Seuchen eben vielfach ein Grossteil der Leute lebendig übrig blieb, die das Gen in sich trugen.

Ohne über genetisches Grundwissen zu verfügen wage ich zu behaupten, dass just nach einer Seuche die Prozentzahlen der Träger des Gens noch deutlich höher waren. Durch die Mobilität der Einwohner, die in der Folgezeit bis heute rasant zugenommen hat, vermischten sich dann die Träger wieder mit den Personen, die das Gen nicht in sich trugen und zeugten mit ihnen Nachfahren.

Das Gen ist aber dann am effektivsten, wenn es von beiden Elternteilen vererbt wurde, wie Stephen O’Brien im zum Artikel gehörenden Interview aufzeigt – aber er bezieht sich hier nicht auf die Pest, sondern auf HIV, das unser Immunsystem auf ähnliche Art überlistet wie der Schwarze Tod:

„In order to have total resistance to HIV, you have to carry two doses of the mutated gene — one from each parent. If you get only one dose, you will not be resistant to infection. However, you may be able to delay the onset of HIV once you become infected. That’s because, in patients with one copy of the mutation, the amount of ‚portals‘ or ‚doorways‘ that HIV can use is reduced by about 50 percent. That slows down virus replication, which is the most important factor in AIDS progression.“

Quelle: Interview

Obwohl das einfache Vorkommen also nicht so vorteilhaft ist wie das doppelte, schützt einem dies doch bereits vor dem grössten Unfug.

Den ganzen Artikel findet man hier: Secrets of the Dead. Mystery of the Black Death.

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