Archiv 22. Dezember 2005

Donnerstag, 22. Dezember 2005

Fremdenfeindlicher Bauernführer

Die nationale Eigenart und die Fremdenfrage

Die Landbevölkerung ist die beste Trägerin nationaler Eigenart. Der Industriestaat und die städtische Konzentration verwischen das Besondere in Sitte und Volkscharakter. Das Originelle geht verloren.

[…]

Namentlich aber zeigt die Diskussion betreffend der Fremdenfrage, dass man endlich die Gefahren unserer heutigen Entwicklung zu erkennen beginnt.

[…]

Es kann trotzdem der Punkt kommen, wo die durch Sprache, Sitte und Gefühl mit dem Auslande verbundenen Elemente das Übergewicht erhalten und der Schweizer sich im eigenen Lande fremd fühlt. In dieser Frage gibt es nur eine ehrliche Antwort. Sie lautet: Je einseitiger sich die Schweiz zum Industriestaate entwickelt, um so weniger wird sie die nationale Eigenart ihrer Bevölkerung zu erhalten vermögen, um so mehr wird die Zahl und der Einfluss der Landesfremden überhandnehmen.

[…]

Aber wem die Erhaltung einer schweizerischen Schweiz mehr wert ist als eine vielleicht dichter bevölkerte, aber internationale Schweiz […], der muss verlangen, das alles für die Erhaltung des schweizerischen Bauernstandes getan wird, auch wenn deshalb in der Schweiz Milch, Fleisch, Wein, Obst und Honig und selbst das Brot etwas teurer bezahlt werden müssten als im einseitigen Industriestaate. Der Bauernstand bildet das Gegengewicht gegen die Überfremdung unserer Städte.

[…]

Wird die Einwanderung nicht dauernd beschränkt, so werden wir in absehbarer Zeit in den meisten grössern Schweizerstädten mehr Fremde als Schweizer haben.

Quelle: Ernst Laur, Bauernpolitik. Aarau, 19253.

Naja – tönt mir verdächtig nach Parteiprogramm rechtsstehender Parteien. SVP, AUNS und SD könnten sich gut etwas davon abschneiden. Das entlastet diese Isolationisten von unnötiger Denkarbeit.

Interessant dazu ist eine Publikation des BfS (Bundesamt für Statistik), die über die Ausländerzahlen zwischen 1900 und 2004 Auskunft gibt.

Wäre der Ausländeranteil umgekehrt proportional zur Abnahme der Beschäftigten im 1. Sektor gestiegen, hätte Laur tatsächlich recht gehabt (rein zahlenmässig, versteht sich). Das andere Geschwafel hat leider in einigen Kreisen bis heute überdauert. Schade, aber aus solch paranoiden Köpfen lässt sich fremdenfeindliches Gedankengut nur schlecht austreiben. Vielleicht bräuchten wir dazu Sarkozy mit seinem Kärcher *zwinker* (das war ein Insider für die Zeitungslesenden).

Für unsere landwirtschaftlichen Produkte bezahlen wir tatsächlich viel zu viel (das hat Laur schon 1925 richtig prophezeit), der Nutzen ist aber für immer grössere Teile der Bevölkerung fraglich.

Schlussfrage: Was ist den „typisch“ schweizerisch? Die Fremdenfeindlichkeit! *smile* Und nun im Ernst – aus meiner Sicht ist es wirklich schwierig, einen gemeinsamen Nenner zu finden. Die Sprache? Das Jodeln? Die Ovo? Unsere Sprache? Das Aussehen? Die Arbeitsamkeit? Die Faulheit? Hmmm …

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Donnerstag, 22. Dezember 2005

Otto Aeby for Grossrat!

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Otto Aeby
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Mein Vater kandidiert im April des nächsten Jahres für den Bernischen Grossen Rat (sprich das Kantonsparlament für unpolitische Personen). Er ist Mitglied der SP Neuenegg.

Da die Wahlkreise reformiert wurden und die Zahl der Parlamentarier von 200 auf 160 gesenkt wird, kann man sich auf einen spannenden Wahlkampf gefasst machen. Dieses Mal müssen sich auch die Bisherigen mehr Mühe als sonst geben – denn rein theoretisch faulen 40 von ihnen raus (es wird wohl – wie immer – aber zu natürlichen Abgängen kommen). Für Newcomer ist es aber natürlich unter solchen Verhältnissen doppelt schwer, Fuss zu fassen. Drücken wir Otto die Daumen!

Die SP Neuenegg präsentierte die beiden Kandidaten Otto Aeby und Roger Bula in einem Beitrag in der Neuenegger Zeitung.

Gegner im Wahlkreis Bern-Mittelland

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Donnerstag, 22. Dezember 2005

Landwirtschaft und Exportindustrie im Zeichen der WTO

In einer Festschrift schreibt der Bauernführer Ernst Laur:

Der Anteil der Landwirtschaft am gesamten volkswirtschaftlichen Rohertrage ist doppelt so gross, wie derjenige der Exportindustrie!

Quelle: Festschrift zur IX. Schweizerischen Ausstellung für Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Gartenbau in Bern 1925, S. 7.

2005 verweist man auch wieder auf das Verhältnis zwischen Exportindustrie und Landwirtschaft – nur haben sich die Vorzeichen gedreht. Beat Kappeler in seiner Kolumne:

Staatlicher Schutz für eine Branche, die komplett versagt

Die Schweiz will den freien Handel mit Gütern und Diensten opfern – um sich für die Bauern einzusetzen.

Um 0.5% des Volkeinkommens zu schützen, will die Schweiz die Welthandelsrunde platzen lassen, den Freihandel und den Wohlstand für die restlichen 99.5% der Bevölkerung opfern. […] Diesen unerhörten Vorgang leistet sich ein Land, das nur dank Exporten von Pharma, Chemie, Uhren, Maschinen und von Bank- und Versicherungsdiensten reich ist. [Vielleicht auch ein wenig durch eine vorgetäuschte Neutralität, Waffenlieferungen und der Entgegennahme von Geldern und Gold aus dubiosen Quellen. MA]. Der brillante Schweizer Chefunterhändler verbringt seit Jahren den Grossteil seiner Zeit mit dem Schutz der Bauern, anstatt sich für die Dienste, die 80% der Beschäftigten ernähren, ins Zeug zu legen. […] Eine bäuerliche Arbeitskraft schafft abzüglich Subventionen einen Wert von 17’000 Franken pro Jahr, dank Preisen, die zweimal so hoch sind wie jene auf den Weltmärkten. Hingegen schafft der UBS-Angestellte im Schnitt dreissigmal mehr an Wert, nämlich 450’000 Franken.

Quelle: NZZ am Sonntag, Datum unbekannt (Winter 2005), Seite unbekannt.

Kappeler liefert sich auch eine Diskussion mit einer Bauernvertreterin, die auf der Web-Site der NZZ publiziert ist:

Another point is that no professional class in Switzerland has a guarantee of income. So why should just one class of earners in Switzerland have an absolute guarantee of income.

Quelle: Agriculture splits people and nations

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Donnerstag, 22. Dezember 2005

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Tjach, dann buche ich halt für unseren Oster-Trip nach Kopenhagen, dem Heimatort des Carlsberg-Biers, kein Hotel über hotel.dk.

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