Posts Tagged ‘Erziehung’

Sonntag, 6. Juni 2010

Die Generationen vor 1980 waren die Besten

Auch wenn ich solchen nostalgischen Powerpoint-Präsentation normalerweise skeptisch gegenüberstehe — in diesem einen Fall mache ich eine Ausnahme und finde gefallen an der aufgeworfenen Kritik.

Fundamentalkritik an der Pampers-Generation (den nach 1980 Geborenen)

Dennoch darf man nie vergessen, dass wir ein Sozialisationsprodukt unserer Eltern sind. Die Kritik an den 1980ern ist im Grunde also doch viel mehr eine Kritik an den Eltern dieser Jahrgänge …

Eine Frage sei dennoch erlaubt: Was hätte mein 1864 geborener Urgrossvater wohl über die Generation der 1960/70er gesagt?

Via: Hans

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Samstag, 19. Dezember 2009

Junge Lehrerin kämpft für das "Grüss Gott"

Heute habe ich von einem bürgerlichen Politiker aus meinem Kollegenkreis folgendes Mail erhalten, dass angeblich von einer „jungen schweizerischen Lehrerin“ verfasst wurde. Es macht derzeit — wohl nicht zufälligerweise einige Wochen nach der Abstimmung über die Minarettinitiative — die Runde durch die schweizerischen Mailboxen:

Liebe verantwortliche Landes- und Bezirksschulräte, liebe Politiker und liebe Journalisten der diversen schweizerischen Zeitschriften! Wenn wir in der Schweiz nicht mehr „Grüß Gott“ sagen dürfen, gibt es nur eine Alternative: Wem dieses „Grüß Gott“ nicht gefällt, der muss es ja nicht sagen, aber wen es stört, dass Schweizer untereinander „Grüß Gott“ sagen, der hat das Recht, die Schweiz zu verlassen und sich in einem anderen Land niederzulassen! Schön langsam sollten auch wir in der Schweiz wach werden!!!

Zu Schulbeginn wurden in Schweizer Schulen die Kinder von ihren Klassenvorständen informiert, wie man sich in der Gesellschaft zu verhalten hätte. Grüßen, Bitte und Danke sagen, einfach höflich und freundlich sein.

Weiters wurde ihnen aber auch mitgeteilt, dass das bei uns in der Schweiz so vertraute „Grüß Gott“ nicht mehr verwendet werden darf, da das die muslimischen Mitschüler beleidigen könnte. Dazu kann man als Otto Normalbürger eigentlich nichts mehr anfügen und nur mehr den Kopf schütteln.

Ich kann’s gar nicht glauben. Ist aber wahr, Ihr könnt Euch gerne in der Schweiz in den Volksschulen erkundigen.

DIE EINWANDERER UND NICHT DIE Schweizer SOLLEN SICH ANPASSEN!!!

Ich bin es leid, zu erleben, wie diese Nation sich Gedanken macht darüber, ob wir irgendein Individuum oder seine Kultur beleidigen könnten. Die Mehrheit der Schweizer steht patriotisch zu unserem Land. Aber immer und überall hört man Stimmen angeblich ‚politisch korrekter‘ Kreise, die befürchten, unser Patriotismus könnte andere beleidigen. Versteht das bitte nicht falsch, ich bin keineswegs gegen Einwanderung; die meisten Einwanderer kamen in die Schweiz, weil sie sich hier ein besseres Leben erhofften.

Es gibt aber ein paar Dinge, die sich Neuankömmlinge, und offenbar auch hier Geborene, unbedingt hinter die Ohren schreiben sollten. Die Idee von Schweizern als multikultureller Gemeinschaft hat bisher nur eine ziemliche Verwässerung unserer Souveränität und unserer nationalen Identität geführt.Als Schweizer haben wir unsere eigene Kultur, unsere eigene Gesellschaftsordnung, unsere eigene Sprachen und unseren eigenen Lebensstil.

Diese Kultur hat sich während Jahrhunderten entwickelt aus Kämpfen, Versuchen und Siegen von Millionen Männern und Frauen, die Freiheit suchten.

Wir sprechen hier Deutsch, nicht Türkisch, Albanisch, Jugoslawisch, Libanesisch, Arabisch, Chinesisch, Japanisch, Russisch, oder irgendeine andere Sprache. Wenn Sie also Teil unserer Gesellschaft werden wollen, dann lernen Sie gefälligst die deutsche Sprache! ‚Im Namen Gottes‘ ist unser nationales Motto. Das ist nicht irgendein politischer Slogan der rechten Parteien. Wir haben dieses Motto angenommen, weil christliche Männer und Frauen diesen Staat nach christlichen Prinzipien gegründet und entwickelt haben.

Wenn Sie sich durch Gott beleidigt fühlen, dann schlage ich vor, Sie wählen einen anderen Ort auf der Welt als Ihren neuen Wohnsitz, denn Gott ist nun mal Teil unserer schweizerischen Kultur.

Wenn Sie das Kreuz in der Schule empört, oder wenn Ihnen der christliche Glaube nicht gefällt oder wenn Sie nicht bereit sind, die in der Schweiz geltenden Gesetze einzuhalten, dann sollten Sie ernsthaft erwägen, in einen anderen Teil dieses Planeten zu ziehen, er ist groß genug.

Wir sind hier glücklich und zufrieden mit unserer Kultur und haben nicht den geringsten (!) Wunsch, uns gross zu verändern. Es ist uns auch völlig egal, wie die Dinge dort liefen, wo Sie herkamen.

Dies ist UNSER STAAT, UNSER LAND, und UNSERE LEBENSART, und wir gönnen Ihnen gerne jede Möglichkeit, dies alles und unseren Wohlstand mit uns zugenießen.

Aber wenn Sie nichts anderes tun als reklamieren, stöhnen und schimpfen über unsere Fahne, unser Gelöbnis, unser nationales Motto oder unseren Lebensstil, dann möchte ich Sie ganz dringend ermutigen, von einer anderen, großartigen schweizerischen Freiheit Gebrauch zu machen, nämlich vom „RECHT, UNS ZU VERLASSEN, WENN ES IHNEN NICHT PASST!“Wenn Sie hier nicht glücklich sind, so wie es ist, dann hauen Sie ab! Wir haben Sie nicht gezwungen, herzukommen. Sie haben uns darum gebeten, hier bleiben zu dürfen. Also akzeptieren Sie gefälligst das Land, das SIE akzeptiert hat. Eigentlich ganz einfach, wenn Sie darüber nachdenken, oder?

Wenn wir dieses Schreiben an unsere Freunde (und Gegner) weiterleiten, dann werden es früher oder später auch die Reklamierer in die Finger bekommen.

Versuchen könnte man’s wenigstens.

Egal, wie oft Ihr es empfangt… sendet es einfach weiter an alle, die Ihr kennt!

Braucht es ein Studium der Geschichte, um hier an einigen Stellen zu stocken und Quellenkritik anzubringen? Mir ist folgendes aufgefallen:

  • Der Schreibstil entspricht vollkommen nicht einer „jungen schweizerischen Lehrerin“, die in deutscher Sprache geschult sein sollte. Unter anderem sind mir die vielen Apostrophs ins Auge gestochen. Das ist kein schöner Schreibstil. Und das scharfe S (ß) braucht hierzulande niemand, Sie Landesveräterin! Bitte stellen Sie auf Ihrem Computer doch „Deutsch (Schweiz)“ als Standardsprache ein — falls Sie wirklich aus der Schweiz Propaganda betreiben. Ach ja, und nach den Satzzeichen wie dem Punkt schreibt man konsequent ein Leerzeichen.
  • Ich kann mich nicht erinnern, wann mich jemand mit „Grüss Gott“ begrüsst hat. Und das ist auch gut so — Gott hat im 21. Jahrhundert in einer Begrüssung absolut rein gar nichts verloren.
  • Haben wir in der Schweiz „Schulvorstände“? Bei uns nennt man das doch Schulleitungen und Schulkommissionen …
  • Ich kann mich nicht erinnern, dass in einem Schulzimmer, das ich in den letzten 29 Jahren gesehen habe, jemals ein Kreuz gehangen hat. Und ich bin sehr froh darum, dass wir hierzulande nicht italienische Zustände haben.
  • Die dumme Nuss von „Lehrerin“ blendet geflissentlich aus, dass es in der Schweiz vier Landessprachen gibt. Dieser germanophile alldeutsche Orientierung hat unser Land bereits einmal an den Rande des Zusammenbruchs gebracht — 1914–18. Zur Erinnerung: In der Schweiz spricht man offiziell Deutsch, Französisch, Italienisch und Rätoromanisch.
  • Die Schweiz wurde als christlicher Bundesstaat gegründet?! Wo bittesehr kommt in der Tell-Saga Gott vor? Was für ein Bullshit. Ausserdem leben wir nicht mehr 1291, sondern 2009 — Ewiggestrige sollten den Gesellschaftswandel — wenn schon nicht akzeptieren — zumindest zur Kenntnis nehmen. Als 1980 Geborener darf ich ohne zu Lügen behaupten, dass Gott überhaupt nicht Teil „meiner“ Kultur ist.
  • Ich frage mich sowieso, wie viele der Minarettverbieter jeden Sonntag in die Kirche pilgern und am Mittagstisch ein Gebet sprechen. Die Zahl wird sich in Grenzen halten.
  • Abgesehen davon, dass wie überall in rechtspopulistischen Kreisen behauptet, in der Schweiz keine homogene Kultur existiert — ein St. Galler unterscheidet sich markant von einem Deutschfreiburger, der Romands hat ein völlig anderes Weltbild als der Appenzell-Innerrhoder.
  • Wieso Multikulturalität unsere Souveränität „verwischt“, muss man mir bitteschön noch jemand genauer erklären.
  • „Millionen von kämpfenden Männer und Frauen„? Gut, dass die Frauen offensichtlich gekämpft haben, aber es war auch richtig schweizerisch, ihnen bis in die 1970er das Stimm- und Wahlrecht vorzuenthalten. So sind wir halt, wir vorbildlichen Schweizer.

Alles in allem habe ich das Gefühl, dass dieses Mail aus Deutschland — Bayern vielleicht — oder aus dem rechtspopulistischen Kärnten stammt, welches von den erzkatholischen Patrioten (und nicht von Juden, Muslimen oder Atheisten) ja mittlerweile lehrbuchmässig zu Grund gerichtet wurde. Es scheint, dass einige Passagen, bspw. diejenige über die Souveränitat des Volkes, erst anschliessend von einem Zweitautor hinzugefügt wurde, damit es auch in der Schweiz versendet werden konnte.

Meine Gedanken zur Religion im schweizerischen Alltag

  • Religion gehört nicht ins Schulzimmer, Religion gehört auch nicht in den Alltag — Religion gehört in die eigenen vier Wände. Insbesondere gehören die christlichen Feiertage allesamt abgeschafft.
  • Sonderbehandlungen von strengläubigen Katholiken, Reformierten, Muslimen, Juden, Buddhisten und Mitgliedern sonstiger Freikirchen und Sekten gehören abgeschafft. Sei es bezüglich Feier- und Sonntagen, sei es bezüglich dem Schwimmbadbesuch oder sonstigen angeblichen „Konflikten“ mit dem Glauben.

Nachtrag

Es ist wirklich ein Hoax, sprich ein seit Jahren (!) zirkulierender Kettenbrief mit Ursprung in Österreich:

Immer wieder tauchen Falschmeldungen auf, wonach es an manchen Linzer Schulen Kindern verboten sei, „Grüß Gott“ zu sagen. Recherchen des Landesschulrats ergaben, dass das absolut unzutreffend sei.

Quelle: „Grüß Gott“ an Schulen verboten?

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Dienstag, 22. September 2009

Trotz erstklassiger Schule braucht es auch die Eltern

„The black parents feel it is their role to move to Shaker Heights, pay the higher taxes so their kids could graduate from Shaker, and that’s where their role stops,“ Ogbu says during an interview at his home in the Oakland hills. „They believe the school system should take care of the rest. They didn’t supervise their children that much. They didn’t make sure their children did their homework. That’s not how other ethnic groups think.“

Quelle: East Bay Express : Print This Story

Was uns Schweizer diesen Furz mit Schulgutscheinen überdenken lassen sollte …

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Mittwoch, 12. August 2009

Oversexed …

Noah is just your typical 9 year old. She likes to wear a ton of makeup, short puffy skirts, and black leather boots, all while blowing kisses at strange men who are photographing her.

Quelle: Miley and Noah Cyrus Work The Pole | CelebJihad.com – Explosive Celebrity Gossip!

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Mittwoch, 8. Juli 2009

Sind glückliche Kinder automatisch gute Kinder?

Eine ähnliche Frage habe ich mir gestern Montag gestellt. Heute kommt über Twitter per Zufall eine mögliche Antwort darauf:

Every generation of parents has a child-raising mission. My research suggests that this generation’s mission is happiness. Many parents campaign fiercely for their kids to feel good and feel good about themselves.

But will that make them good people?

Quelle: What We’re Missing By Raising Happy Kids : NPR

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Sonntag, 16. November 2008

Doch Kantone, die mit Kinderkrippen und hohen Familienzulagen ein familienfreundliches Umfeld schufen, konnten den Trend abfedern.

Quelle: Mehr Kinder dank Krippen (Schweiz, NZZ Online)

Da stellt sich doch mal wieder die Frage mit dem Huhn und dem Ei: Ist es nicht wahrscheinlicher, dass kinderreiche Kantone schneller und mehr Krippen bauen, weil schlicht ein grösserer Bedarf danach besteht?

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Samstag, 5. Juli 2008

Zwei-Klassengesellschaft bei Google

Google may be providing the greatest day care ever, but so what? It doesn’t matter how good the day care is if only its wealthiest employees can afford to use it.

[…] Instead, Google has shown that it thinks about day care the same way every other company does — as a luxury, not a benefit. Judging by what’s transpired, that’s what Google is fast becoming: just another company.

Quelle: Talking Business – On Day Care, Google Makes a Rare Fumble – NYTimes.com

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Samstag, 5. April 2008

Gehören Schlägereien zum Alltag der Buben?

Wenn zwei Jungs im Kindergarten raufen, um die Hierarchie untereinander festzulegen, dann hat ein Pädagoge da nichts zu suchen. […] Wenn heute in Sachen Jugendgewalt bei Schlägereien noch hemmungslos zugetreten wird, wenn der andere schon am Boden liegt, hat das zum Teil auch damit zu tun, dass die Jungs gar nicht mehr wissen, was sie dem Gegenüber damit antun. Es fehlt ihnen an der eigenen körperlichen Erfahrung.

[…] Wenn das blockiert wird, wird die kognitive und soziale Entwicklung eines Jungen gehemmt. Gleichzeitig werden sie dann eingehüllt in diese weibliche harmonische Lebenswelt, die ihnen unendlich auf den Keks geht.

Quelle: „Wohlfühl-Kuschel-Pädagogik geht Jungs gewaltig auf die Nerven“
Via: Männerkultur mit digitalen Mitteln

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Freitag, 21. März 2008

Kuschelpädagogik

Ein guter Artikel über das schweizerische Schulwesen – was es ist, was es nicht sein will, was es leistet, was es nicht leisten kann:

In der Paukerschule der Vor-68er-Zeit herrschte Ordnung und Disziplin. Es gab eiserne Regeln, Noten ab der ersten Primarklasse und Körperstrafen. Der Lehrer war zwar noch eine Respektperson, oft aber auch eine Angstfigur. Und der Unterricht war meist zum Gähnen. Die Schüler freuten sich auf die grosse Pause, in der sie sich austoben konnten. Ist es das, was die SVP wieder einführen will?

[…] Hoch gehalten wird im SVP-Papier aber auch die Erziehung zur Eigenverantwortung, dem «höchsten sozialen Prinzip». Nun war jedoch gerade dies eine zentrale Leistung der 68er-Pädagogik.

Quelle: Heute gibts keine Kopfnuss mehr

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Mittwoch, 11. April 2007

Tatort virtueller Pausenplatz

Schüler filmen das Dekolleté ihrer Lehrerin, ziehen ihrem Lehrer die Hose runter – und kurz darauf stehen die Videos im Internet. Cyber-Bullying heißt dieser neue Trend aus Großbritannien: Handys und das Netz machen Pädagogen zum Gespött der ganzen Welt.

Quelle: Von Schülern verhöhnt – und die ganze Welt sieht zu

Harmlosere Variante auch in der Schweiz

Wie mir vor einigen Tagen zugetragen wurde, geschah ähnliches, wenn auch (noch) harmloseres, in einer Gemeinde nicht weit von hier. Während des Informatikunterrichts fühlte sich eine Schülerin anscheinend derart gelangweilt, dass sie kurzerhand (zusammen mit Mitläufern) ein Benutzerprofil auf – wo sonst – Partyguide einrichtete. Was ist schon dabei? mag der Leser nun fragen.

Nun, als Person hinter dem Profil erfasste die Schülerin nicht etwa sich selber (sie ist höchst wahrscheinlich bereits seit langem virtuell auf Partyguide präsent), sondern ihren Informatik-Lehrer – mitsamt Photo. Neben Namen und Adresse erfasste sie in der Beschreibung des Profils zusätzlich noch obszöne Kommentare, sinngemäss „Schwuchtel“ und „rubble mir gerne einen runter“.

Nachdem die Kunde über das verulkte Profil während den nächsten Tagen und Wochen langsam die Runde machte und schliesslich auch beim Opfer ankam, ging es Schlag auf Schlag. Einerseits setzte man die Löschung des Profils durch (ob Jason höchstpersönlich den Delete-Button gedrückt hat?), andererseits lieferte Partyguide die nötigen Informationen über die IP, mit der das Profil erfasst wurde, sowie die Uhrzeit. Das Opfer reichte Anzeige ein und wenige Tage später stellte sich die jugendlich-leichtsinnige Täterin der Verantwortung.

Die Anzeige wurde mittlerweile zurückgezogen. Ob und wie die Täterin zu Rechenschaft gezogen wurde, ist mir nicht bekannt. In meiner Jugend genügte ein Anruf ins Elternhaus allemal – spätestens dann war die Hölle los und man verkroch sich in die hinterste Ecke des Zimmers. Damals, als die Eltern ihrem Erziehungsauftrag noch nachkamen …

Lösung: Im Netz inexistent?

Inwiefern aber die Lösung des Problems für Lehrpersonen darin liegt, jegliche Hinweise auf sich aus dem Internet verschwinden zu lassen (bspw. Photos) – oder doch nur Symptombekämpfung? Derzeit wohl das einzig probate Mittel, als Pädagoge nicht unfreiwillig und zu leichtsinnig ins Schussfeld der Zöglinge zu gelangen.

Wie das Beispiel England zeigt, bringt diese Massnahme in Zukunft nicht mehr viel: Wollen die Schüler dem Lehrer an den Karren fahren, produzieren sie digitales Material halt einfach selber. Sony Ericsson sei dank!

Für viele frischgebackene oder in Ausbildung befindliche Lehrer könnte die Internet-Präsenz zu einem grösseren Problem werden: Partyguide & Co. gibt es bereits seit Jahren – was hindert findige Schüler daran, in den digitalen Archiven nachzuschauen und peinliche Porträts (Motto: „Eine heimer geng no gno!“) ihrer Respektspersonen auszugraben?

Aha-Erlebnis für Lehrbeauftragte

Immerhin führte die persönliche Attacke im virtuellen Raum auch zu einem Aha-Erlebnis von Seiten der Lehrerschaft: Neben dem Opfer registrierten sich nun auch manche Berufskollegen auf dem grössten Party-Portal der Schweiz ein und suchten aus „Gwunder“ nach ihren Zöglingen, in dem sie sich einfach mal alle User aus dem Schulort anzeigen liessen.

Hätten Sie vor einigen Wochen FACTS gelesen, wären sie nicht derart aus den Wolken gefallen, als sie teils sehr freizügige Fotos ihrer Sekundarschüler entdeckten …

Hoffen wir, dass dank solcher Entdeckungen nun auch vermehrt der Dialog zwischen Lehrern und Schülern über die Selbstdarstellung im Netz entfacht wird. Aus meiner Sicht wäre es im Grunde aber die Aufgabe der Eltern, den Internetkonsum ihrer Kinder mit einem wachsamen Auge zu begleiten. Aber diese müssen heute leider wie die Irren arbeiten, um der 14-jährigen Tochter eine Louis-Vuitton-Tasche finanzieren zu können …

Massnahmen von Seiten der Portalbetreiber?

Um solchen Unfug zu erschweren (dies gleich ganz zu verhindern erscheint unrealistisch), sehe ich zwei Möglichkeiten:

  • Aktivierung des Accounts nur durch einen Bestätigungslink, der auf die angegebene E-Mail-Adresse gesandt wird
  • Aktivierung des Accounts nur durch einen Bestätigungscode, der auf ein Mobiltelefon gesandt wird

Da wohl jeder halbwegs intelligente Benutzer des Internets weiss, wie man rasch und unkompliziert zu @hotmail.com oder @gmail.com-Adressen kommt (geschweige denn nicht gleich auf Wegwerf-E-Mails à la Mailinator setzt – Nebenbei: The Architecture of Mailinator), erweist sich der Aktivierungszwang per Mobiltelefon immer mehr als ein Muss. Seit die Ausweispflicht auch beim Kauf von Pre-Paid-Angeboten gilt, ist man hinter einer 07Xer-Nummer überhaupt nicht mehr anonym.

Die (positive) Kehrseite

Ich stelle mir gerade vor, wie während meiner Schulzeit wohl meine Eltern reagiert hätten, wenn ich ihnen ein Handy-Video aus der Zeichen- und Handwerksstunde mit unserem Zeichenlehrer sel. vorgeführt hätte. Da gab es immer wieder filmreife Szenen – und vereinzelt auch Handgreiflichkeiten, die heute wohl nicht mehr toleriert werden würden.

Auch für den besoffenen Stellvertreter des Klassenlehrers, der mit Fahne und anzüglichen Sprüchen gegenüber den Mitschülerinnen auftrumpfte, wäre der „Gspass“ garantiert nicht mehr so unbrenzlig ausgegangen wie in vormals analogen Zeiten …

Auch den Lehrern bleibt also in Zukunft nichts anders übrig, als sich anständig und korrekt zu benehmen (was sie ja eigentlich immer tun sollten). Abartiges Benehmen von beiden Seiten soll und darf nicht toleriert werden – begründete Kritik muss aber weiterhin erlaubt sein. Im Notfall auch mit Videoaufnahmen als Beweismaterial. Glücklicherweise hat hierbei die grosse Mehrheit der Lehrpersonen überhaupt nichts zu befürchten.

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