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Montag, 20. April 2020

upc kappt Peering mit Init7 / Fiber7

Ich habe vor einigen Jahren mit OpenVPN ein Site-to-Site VPN zu einem Bekannten in der Agglomeration Bern aufgebaut und betreibe dieses VPN bis heute.

Der Bekannte ist Kunde von upc cablecom (der schnellste und preiswerteste Anbieter in der Agglomerationsgemeinde) mit einem 300 MBit/s Download-Abo, ich als Städter bekanntermassen Kunde von Fiber7 mit (theoretisch) symmetrischen 1 GBit/s.

Letzte Woche (KW16 2020) waren SSH-Verbindungen zu einem Server beim Bekannten auf einmal sehr, sehr hakelig — die Latenz zwischen Tastatureingabe und erscheinen des Zeichens auf dem Bildschirm war sehr hoch. Bestätigt wurde diese durch meine Überwachung der Geschwindigkeit mit speedtest-cli und Aufzeichnung und Visualisierung der Werte mit Cacti:

image-8955

Der Einbruch am Dienstag-Morgen war offensichtlich.

Eine fiebrige, verbissene Suche begann: War ein Angreifer in das Netzwerk eingedrungen und zog nun Gigabyte-weise an Daten ab? Oder war ein Rechner eines Mitbenutzers von Malware gekapert worden? Oder führte der Mitbenutzer einfach nur tonnenweise Bittorrent-Downloads durch? Oder war eine Netzwerkkomponente ausgetickt und flutete das Netzwerk und den Router mit Paketen? Oder hatte upc cablecom einfach etwas am Netzwerk geschraubt, worauf der Geschwindigkeitseinbruch manchmal nur mit einem Neustart des Modems behoben werden konnte?

Die Nachforschungen brachten nichts zu Tage, aber immerhin lernte ich folgende Netzwerkanalyse-Tools/Features meiner Infrastruktur kennen:

  • Traffic Analysis des EdgeRouters X ER-X, welcher am Kabelmodem hängt
  • iftop Zeigt in Echtzeit an, von und zu welchen IPs ein Server Daten übertragt (Homepage)
  • iptraf-ng (Homepage)

Am Dienstag-Abend ereilte mich ein Geistesblitz: speedtest-cli misst die Geschwindigkeit von einem Server am Agglomerations-Standort zum Ookla Speedtest-Server von Init7 (Server „Init 7 (Winterthur, Switzerland)“ mit ID 3026). Aus Interesse wählte ich einen anderen Server aus der Liste aus, und zwar den Speedtest-Server von Sunrise. Zuerst führte ich einen manuellen Speedtest zu Init7 durch, danach zu Sunrise. Und siehe da, hier lag die Antwort wie auf dem Präsentierteller:

$ ./speedtest-cli --server 28045
Retrieving speedtest.net configuration...
Retrieving speedtest.net server list...
Testing from UPC Schweiz (80.218.X.X)...
Hosted by Sunrise Communication AG (Lausanne) [6X.XX km]: 30.667 ms
Testing download speed........................................
Download: 302.88 Mbit/s
Testing upload speed..................................................
Upload: 42.32 Mbit/s

$ ./speedtest-cli --server 3026
Retrieving speedtest.net configuration...
Retrieving speedtest.net server list...
Testing from UPC Schweiz (80.218.X.X)...
Hosted by Init 7 (Winterthur) [13X.XX km]: 165.956 ms
Testing download speed........................................
Download: 25.82 Mbit/s
Testing upload speed..................................................
Upload: 9.48 Mbit/s

Am selben Abend sendete ich eine Anfrage an Init7 raus, ob und wie sie sich diesen markanten Geschwindigkeits-Unterschied erklären können. Am Morgen hatte ich die Antwort, und wurde auf folgendes Schreiben verwiesen. Diese Meldung war bei mir im Corona-Trubel vollkommen untergegangen.

Fazit: upc cablecom, how dare you?

Nachtrag

smokeping visualisiert die Latenz von DNS-Abfragen aus dem upc cablecom-Netz gegen den DNS-Server von Init7 ebenfalls sehr schön:

image-8956

Auf Wunsch Thomas‘ (siehe Kommentar unten) noch dieselbe Grafik für Test-Abfragen an einen der DNS-Server der upc cablecom (ns10.cablecom.net) …

image-8957

… zu Swisscom (dns2.bluewin.ch) …

image-8958

… und zu Sunrise (cache02.sunrise.ch)

image-8959

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Dienstag, 11. Oktober 2016

Turris Omnia: Erste Erfahrungen

Am Freitag, 7. Oktober 2016, wurde mir mein über Indiegogo ge-crowdfundeter Turris Omnia-Router ins Büro geliefert.

Am Sonntag-Abend ging ich mit dem Gerät online. Zeit für ein erstes Fazit:

Fiber7 SFP funktioniert (noch) nicht

Der Router wird mit einem SFP-Slot ausgeliefert. Optimal, dachte ich mir, so kann ich meinen Gerätedschungel lichten und den im Januar gekauften Fiber Media Converter TP-LINK MC220L auf’s Altenteil schicken.

Zu früh gefreut! Wie von mir im offiziellen Forum beschrieben und von Michael Stapelberg bestätigt funktioniert der flexOptix BIDI LX SFP Transceiver aktuell nicht im Router.

Zuerst ging ich (fälschlicherweise) davon aus, dass das Problem bei Turris zu suchen ist, doch ein Tweet von Fiber7 von heute Dienstag, 11. Oktober 2016, legt nahe, dass auf Seite ISP resp. auf Seiten des SFP-Herstellers noch etwas geändert werden muss:

Performance

Eigentlich hätte ich erwartet, dass der neue Router näher an die Schallgrenze (d.h. 1 GBit/s Down- und Upstream) herankommt. Doch mein stündlich laufendes Script, welches die Geschwindigkeit zu Init7s Ookla Geschwindigkeitsserver (Ookla Server ID 3026) misst, sagt etwas anderes aus:

ookla-init7-asus-rt-ac66u-turris-omnia
image-6997

Links sieht man die Werte, die ich mit einem Asus RT-AC66U (Merlin-Firmware und mit deaktivierter Firewall) erzielt habe; rechts (nach dem Unterbruch) die Werte von Turris Omnia (mit aktivierter Firewall).

Beim Client handelt es sich um einen Intel NUC DC3217IYE, welcher mit einem Cat 5e-Kabel über einen 16-Port TP-LINK TL-SG1016D über ein 20m Cat 6 STP-Flachband-Kabel auf einen ZyXEL GS1100-8HP PoE Switch via ein Cat 5e-Kabel am Turris angeschlossen ist.

Ich gehe davon aus, dass die Performance höher wäre, wenn ich einen nicht so schmalbrüstigen Client verwenden würde. Und ja, die Firewall des Turris könnte ich ja eigentlich der Performance wegen auch deaktivieren. Doch mich reizt es, die Crowd-Firewall eingeschaltet zu belassen, um mich und mein Netzwerk besser vor Gefahren aus dem Internet zu schützen.

Doch das spielt hier keine Rolle, weil im Setup einzig der Router selber ausgewechselt wurde, der Rest blieb gleich.

Michael hingegen kommt der Schallmauer gefährlich nahe — 927 MBit/s:

Führe ich speedtest-cli (ein Python-Script) direkt auf dem Turris Omnia aus, erhalte ich folgende Werte:

# ./speedtest-cli --simple --server 3026
Ping: 4.704 ms
Download: 684.35 Mbit/s
Upload: 208.04 Mbit/s

CPU-Auslastung

Dank der Aufzeichnung der Vitalparameter des Routers mittels Cacti musste ich soeben feststellen, dass die beiden CPUs des Gerätes seit heute Mitternacht (sprich seit meinem zweiten, fehlgeschlagenen Test mit dem SFP-Transceiver) 100% beträgt. Auf beiden Cores:

turris-omnia-cpu-0-usage
image-6998

turris-omnia-cpu-1-usage
image-6999

Ein Login auf dem Router und htop zeigen, welche Prozesse die Last verursachen:

turris-omnia-socat-cpu-usage
image-7000

Die Prozesse habe ich direkt in htop mittels F9 und SIGKILL abgeschossen (ein Neustart von socat im LuCI-Interface unter System > Software hat nichts gebracht). Jetzt ist die CPU-Auslastung im einstelligen Prozentbereich und die Load Average bereits bei 0.40.

LEDs

Natürlich dürfen frei konfigurierbare LED-Farben nicht den Ausschlag geben, ein Produkt zu kaufen. Dennoch möchte ich dies nicht mehr missen. Nun sehe ich nämlich von der Eingangstüre unserer Wohnung aus, ob der Router läuft (grünes LED für Power) und ob er mit dem Internet verbunden ist (rotes LED für WAN). Hinzu kommen weiss blinkende LEDs, die mir zeigen, dass im LAN Pakete herumgeschickt werden.

turris-omnia-leds
image-7001

IPv6

Das Ding würde auch IPv6 unterstützen, doch mental, fähigkeitstechnisch und auf Grund meiner leicht komplexeren Netzwerk-Infrastruktur im LAN sehe ich mich derzeit nicht imstande, diesen Schritt bereits zu wagen. Gut zu wissen, dass Turris auf jeden Fall bereit wäre:

Usability

Verwirrend (und unschön) ist es, dass der Router über zwei Web-Oberflächen verfügt: Einerseits das von Turris Omnia selbst entwickelte Foris, welches einen Wizard, aber kaum Einstellungsmöglichkeiten bietet, andererseits das OpenWRT-LuCI-Interface, über welches man jedes hinterste Bit des Routers konfigurieren kann (oder so).

Das letztere Interface kannte ich so bereits von meinem TP-LINK TL-MR3020 Travel-Router, der mich auf Reisen überall hin begleitet. Ganz interessant ist hier der Paket-Manager des Turris, obwohl ich abgesehen von snmpd und ethtool noch kein Paket installiert habe. Die Bedienbarkeit dieses Interfaces ist aber nicht so simpel gehalten wie bei einem Consumer-Router und benötigt deshalb eine gewisse Einarbeitungszeit.

Nachtrag: Unboxing-Photos

Turris vom Flickr-Benutzer Doommeer

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Sonntag, 20. März 2016

Ookla Speedtest für Fiber7 respektive Init7 konfigurieren

Damit der Ookla Speedtest bei mir sauber funktioniert, habe ich mir ein Benutzerkonto angelegt und folgende Einstellungen gemacht:

Ookla Speedtest Fiber7 Settings
image-6587

Von grösster Wichtigkeit ist es, folgenden Server als Standardserver auszuwählen:

Winterthur [CH] - Init 7

(Gemäss dem HTML-Quellcode handelt es sich um den Server mit der Ookla-ID 3026)

Nur so testet man die theoretisch verfügbare Geschwindigkeit zwischen dem eigenen Router, der Telefonzentrale, in welche das Fiber- respektive das Kupferkabel führt, und dem ISP-internen Netzwerk.

Auf der Test-Oberfläche ist dann der Button „BEGIN TEST. YOUR PREFERRED SERVER“ zu wählen:

Ookla Speedtest Begin Test Preferred Server
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Nachtrag

Noch einfacher geht es für uns Linux-Geeks von der Kommandozeile. Ein findiger Zeitgenosse scheint das Ookla Speedtest-Protokoll reverse engineered und seine Erkenntnisse in einem Python-Script zusammengefasst zu haben.

Nachdem man das Script heruntergeladen und ausführbar gemacht hat, misst man die Geschwindigkeit zum Init7/Fiber7-Speedtest-Server folgendermassen:

$ ./speedtest-cli --server 3026
Retrieving speedtest.net configuration...
Retrieving speedtest.net server list...
Testing from Init7 (Switzerland) Ltd. (85.195.234.162)...
Hosted by Init 7 (Winterthur) [117.24 km]: 3.615 ms
Testing download speed........................................
Download: 584.35 Mbit/s
Testing upload speed..................................................
Upload: 498.04 Mbit/s

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