Archiv 22. Mai 2022

Sonntag, 22. Mai 2022

Köppels Kabuki-Theater

Hörer von Köppels Weltwoche Daily haben es vermutlich auch schon ab und zu gehört: Er verwendet gerne den Begriff „Kabuki-Theater“.

Bis jetzt gerade war ich der Meinung, dass er diesen Begriff völlig sachfremd verwendet: Auf meiner Studienreise durch Japan im Jahr 2006 wohnten wir in Tokio auch einer solchen Theateraufführung bei, wobei mir vor allem die lauten Trommeln in Erinnerung bleiben.

Jetzt lese ich aber gerade Robert Reichs Elon Musk’s vision for the internet is dangerous nonsense, und auch er erwähnt „kabuki dance“:

Last week, Twitter announced that Musk would be joining Twitter’s board of directors, prompting Musk to promise “significant improvements” in the platform.

Sunday evening, though, it was announced that Musk would not be joining Twitter’s board. No reason was given but it’s probably part of a bargaining kabuki dance.

Und siehe da, das habe ich heute gelernt:

It refers to an event that is designed to create the appearance of conflict or of an uncertain outcome, when in fact the actors have worked together to determine the outcome beforehand.

Quelle: Kabuki dance

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Sonntag, 22. Mai 2022

Der Tagi und Blick verbreiten eine neue Prognose zum Ende des Ukraine-Krieges

Wie lange kann Russland einen bisher erfolglosen Angriffskrieg noch aufrechterhalten? Nicht mehr lange, glaubt Militär- und Russlandexperte Gustav Gressel (43). «Wenn das so weitergeht, ist die russische Armee im Juni mit der Offensivkraft am Ende», sagt Gressel, der für den «European Council on Foreign Relations (ECFR)» arbeitet, dem «Tages-Anzeiger».

Probleme bei Putins Truppen: Ist die russische Armee im Juni am Ende?

Wichtig ist dabei, den Artikel genau zu lesen, und Gustav Gressels Einschätzung zu verstehen: Er sagt nämlich nicht, dass der Krieg im Juni gesamthaft endet, sondern nur der Angriffskrieg, der sich ab dann in einen Stellungskrieg transformiere.

Und so sehen wir wieder einmal, wie Blick-Journalisten mit ihren Schlagzeilen täuschen: Der Titel „Ist die russische Armee im Juni am Ende?“ verdreht die Expertenaussage „Angriffskrieg geht in einen Stellungskrieg über“ so sehr, dass das kein Unfall gewesen sein kann.

Notabene: Kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass die russische Armee in der Ukraine mittlerweile die Fläche Österreichs kontrolliert. Ich mache deshalb auch bei der Wahl des Adjektivs „erfolglos“ einige Fragezeichen. Die Frage, die man sich diesbezüglich eher stellen muss: War es das für Russland wirklich wert? John Mearsheimer bejahte das meiner Meinung nach kürzlich, weil Russland die Nato-Expansion auf die Ukraine als „existential threat“ anschaue.

Blick hat bezüglich solcher Prognosen einen äusserst guten Track Record, wie man auf Fachdenglisch so schön sagt. Ich habe im Blog-Artikel Der Countdown läuft darüber geschrieben (Prognose: Ende März/Anfangs April 2022).

A propos, später habe ich im Artikel Wann endet der Ukraine-Krieg? verglichen, wie lange der zweite Tschetschenienkrieg dauerte, und so meinen Kriegshorizont kalibriert.

Nachtrag

Vier Tage später titelte der Blick: Putins Truppen im Osten auf dem Vormarsch: Ist Russlands Sieg jetzt doch nahe?. Schön, darf in diesem Erzeugnis jeder mal zu Wort kommen — leider leidet darunter meiner Meinung nach etwas das Vertrauen in die Zeitung.

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Sonntag, 22. Mai 2022

SP fordert Lex Huawei

Weil China eine Diktatur ist

SP will Huawei verjagen

Staatlich kontrollierte Unternehmen aus Diktaturen sollen aus strategisch wichtigen Infrastrukturen verbannt werden.

[…] Die Partei verlangt in einer neuen Motion vom Bundesrat, keine Informations- und Kommunikationstechnologie von Unternehmen zu verwenden, die von autoritären Staaten kontrolliert werden.

Quelle: Weil China eine Diktatur ist: SP will Huawei verjagen

Hier der Direktlink auf Jon Pults Motion: 22.3414 Schutz der kritischen Infrastruktur vor Einflussnahmen anderer Staaten

Der Text liest sich etwas anders als der Blick-Reisser:

Der Bundesrat wir beauftragt, die gesetzlichen Grundlagen zu schaffen, um die kritische Infrastruktur der Schweiz im IKT-Bereich vor Einflussnahmen anderer Staaten zu schützen. Der Einsatz von IKT-Komponenten soll verboten werden können, wenn deren Anbieter direkt oder indirekt von der Regierung eines anderen Staates kontrolliert werden – insbesondere, wenn es sich dabei um einen autokratischen Staat handelt.

Tönt für die SP-Wählerbasis auf den ersten Blick gut (im Jahre des Herrn 2022 halt so ein richtiges Wohlfühlthema), aber wirft meiner Meinung nach doch mehr Fragen auf, als beantwortet werden:

  • Wer bestimmt wie, ob ein Anbieter „direkt oder indirekt“ von der „Regierung“ eines anderen Staates kontrolliert wird? Im Falle Russlands müsste also Vladimir Putin oder ein Minister … nun … „direkt oder indirekt“ ein Kommunikationsunternehmen „kontrollieren“? Oder Herr Xi in China? Wie sieht diese „Kontrolle“ konkret aus? Senden wir den Ausrüstern künftig einen Fragebogen, wo sie diese Kontrolle mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten müssen?
  • Wer bestimmt wie, was ein „autokratischer Staat“ ist? Notabene verwurstelt Blick „autokratisch“ zu „autoritär“ — sind das wirklich Synonyme?

Zwischenfazit: SP-Rohrkrepierer.

A propos: Wieso sollten wir bei „kritischer IKT-Infrastruktur“ halt machen? Wenn wir alles verbieten, dass irgendwo irgendwie irgendwann mit China in Kontakt kam (das wäre meiner Meinung nach ehrlicher), wird es hier sehr bald sehr leer. Und: Herr Pult, verwenden Sie eigentlich ein Smartphone? Wetten, dass dies Made in China ist?

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Sonntag, 22. Mai 2022

Xiaomi Aqara Temperatursensoren gehen immer wieder verloren

Mein Haus ist voll mit kleinen quadratischen Xiaomi Aqara Temperatursensoren (Produktnummer: WSDCGQ11LM), die man auf Ali Express für etwa 15 Franken pro Stück kauft. Die Sensoren werden mit einer Knopfbatterie ausgestattet, die monatelang hält.

Etwa die Hälfte davon ist mit einem Aqara Hub verbunden, die andere Hälfte habe ich inzwischen auf einen Deconz Conbee II USB-Stick migriert, welcher an einem Linux-Server hängt.

Die Sensoren kommunizieren mit dem ZigBee-Standard.

Leider kommt es alle paar Wochen wieder vor, dass einer oder mehrere der am weitesten vom Hub resp. dem Linux-Server entfernten Sensoren „verloren“ gehen, das heisst plötzlich aufhören, periodisch Messwerte zu senden.

Da dies immer wieder passiert, habe ich ein Script geschrieben, dass mich alarmiert, wenn die letzte Messwertmeldung eines Sensor mehrere Stunden zurückliegt.

Ist dies der Fall, muss ich den Sensor neu mit deCONZ verbinden, indem ich den Reset-Knopf am Sensor mit einem japanischen Ess-Stäbchen mehrere Sekunden lang gedrückt halte, bis die LED des Sensors mehrfach blinkt. Danach noch ein kurzer Tipper auf den Reset-Knopf, und dann ist der Sensor wieder mit deCONZ gepaart.

Nichtsdestotrotz: Das nervt. Gewaltig.

Das Problem ist im Netz bekannt:

The Xiaomi/Aqara sensors use a non-standard zigbee protocol, where the time between check-ins is longer than most. For a lot of zigbee repeaters, the time is just longer than the threshold, so the devices get dropped from the network when they don’t check in “on time”. […] Xiaomi/Aqara devices enter “test mode” for the first couple hours after pairing, where they send data every 3-5 seconds rather than on events or at regular ~1hr check ins. I am in the habit of pairing any battery operated sensors in close proximity to the hub, and leaving them very close to the hub for a few hours after pairing to ensure proper communication and connection after the test mode ends.

My guess is that your sensor is connected to a repeater that doesn’t like the long time between check-ins, and is happy with the sensor while it’s in test mode, but drops it from the network after that.

Quelle: Xiaomi aqara loosing connection every couple hrs

Philips Hue und IKEA Tradfri Repeater helfen nichts

Spannend dabei ist, dass ich in jedem Zimmer mindestens eine Philips Hue Deckenlampe montiert habe, welche — da kabelgebunden — als ZigBee-Repeater funktionieren. Zudem habe ich in der Stube, welche luftlinienmässig am weitesten vom DeCONZ-Server entfernt ist, auch noch einen IKEA Tradfri ZigBee-Repeater installiert habe. Leider bringen diese Repeater in meinem Fall offenbar rein gar nichts.

WLAN-Interferenzen?

Eine mögliche Lösung könnte sein, den WLAN-Kanal zu ändern: FAQ: What WiFi Channel is least likely to interfere with SmartThings? Das möchte ich aber nicht ausprobieren, da ich mein Ubiquiti UniFi-WLAN-Netzwerk solche Parameter selber regeln lasse, und bis jetzt eine äusserst gute WLAN-Qualität hatte.

Neue Hardware?

Mittlerweile bin ich soweit, Xiaomi Aqara den Rücken zu kehren und Sensoren einer anderen Marke zu kaufen, falls sich diese in etwa im selben Preisrahmen bewegen, und stabiler sind.

Leider listet die offizielle Kompatibilitäs-Seite keine Alternativen für reine Temperatur- und Feuchtigkeitssensoren.

Eine inoffizielle Liste ist deutlich grösser.

Bei einer Google-Suche wurde mir der SONOFF WLAN-Luftfeuchte- und Temperatursensor SNZB-02 ZigBee für 12.45 CHF (Brack) präsentiert. Nach anfänglichen Problemen scheinen diese Sensoren gemäss Foren-Beiträgen nun mit deCONZ zu funktionieren. Ich werde mir mal ein Testprodukt bestellen.

Andere potentielle Kandidaten, welche ich auf die Schnelle nicht in Schweizer Shops gefunden habe:

  • Develco Temperature and Humidity Sensor HMSZB-110
  • Rehent Temperature and Humidity Sensor RH-ZTH1
  • Zemismart Temperature and Humidity Sensor ZXZTH

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