Posts Tagged ‘Krieg’

Sonntag, 22. Mai 2022

Der Tagi und Blick verbreiten eine neue Prognose zum Ende des Ukraine-Krieges

Wie lange kann Russland einen bisher erfolglosen Angriffskrieg noch aufrechterhalten? Nicht mehr lange, glaubt Militär- und Russlandexperte Gustav Gressel (43). «Wenn das so weitergeht, ist die russische Armee im Juni mit der Offensivkraft am Ende», sagt Gressel, der für den «European Council on Foreign Relations (ECFR)» arbeitet, dem «Tages-Anzeiger».

Probleme bei Putins Truppen: Ist die russische Armee im Juni am Ende?

Wichtig ist dabei, den Artikel genau zu lesen, und Gustav Gressels Einschätzung zu verstehen: Er sagt nämlich nicht, dass der Krieg im Juni gesamthaft endet, sondern nur der Angriffskrieg, der sich ab dann in einen Stellungskrieg transformiere.

Und so sehen wir wieder einmal, wie Blick-Journalisten mit ihren Schlagzeilen täuschen: Der Titel „Ist die russische Armee im Juni am Ende?“ verdreht die Expertenaussage „Angriffskrieg geht in einen Stellungskrieg über“ so sehr, dass das kein Unfall gewesen sein kann.

Notabene: Kürzlich habe ich irgendwo gelesen, dass die russische Armee in der Ukraine mittlerweile die Fläche Österreichs kontrolliert. Ich mache deshalb auch bei der Wahl des Adjektivs „erfolglos“ einige Fragezeichen. Die Frage, die man sich diesbezüglich eher stellen muss: War es das für Russland wirklich wert? John Mearsheimer bejahte das meiner Meinung nach kürzlich, weil Russland die Nato-Expansion auf die Ukraine als „existential threat“ anschaue.

Blick hat bezüglich solcher Prognosen einen äusserst guten Track Record, wie man auf Fachdenglisch so schön sagt. Ich habe im Blog-Artikel Der Countdown läuft darüber geschrieben (Prognose: Ende März/Anfangs April 2022).

A propos, später habe ich im Artikel Wann endet der Ukraine-Krieg? verglichen, wie lange der zweite Tschetschenienkrieg dauerte, und so meinen Kriegshorizont kalibriert.

Nachtrag

Vier Tage später titelte der Blick: Putins Truppen im Osten auf dem Vormarsch: Ist Russlands Sieg jetzt doch nahe?. Schön, darf in diesem Erzeugnis jeder mal zu Wort kommen — leider leidet darunter meiner Meinung nach etwas das Vertrauen in die Zeitung.

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Sonntag, 3. April 2022

Interview mit ehemaligem Berater des russischen Präsidenten macht keine grosse Hoffnung

Das Interview lässt tief in die Seele und Gedankengänge der heutigen russischen Führung blicken … und macht leider nicht wirklich Mut.

Lassen wir es mal so hier stehen, und schauen uns die Sache in einem Jahr, in drei, fünf und zehn Jahren noch einmal an.

“Russia cannot afford to lose, so we need a kind of a victory”: Sergey Karaganov on what Putin wants

A former adviser to the Kremlin explains how Russia views the war in Ukraine, fears over Nato and China, and the fate of liberalism.

Quelle: “Russia cannot afford to lose, so we need a kind of a victory”: Sergey Karaganov on what Putin wants

Die wichtigsten Aussagen:

“But Russia cannot afford to “lose”, so we need a kind of a victory. And if there is a sense that we are losing the war, then I think there is a definite possibility of escalation. This war is a kind of proxy war between the West and the rest”

“some of Ukraine will become a friendly state to Russia, other parts may be partitioned. Poland will gladly take back some of parts in the west, maybe Romanians and Hungarians will, too, because the Hungarian minority in Ukraine has been suppressed along with other minorities.”

“I think the biggest loser will be Ukraine; a loser will be Russia; a great loser will be Europe; the United States will lose somewhat, but still it could very well survive as a huge island over the ocean; and the big victor is China.”

“Western civilisation has brought all of us great benefits, but now people like myself and others are questioning the moral foundation of Western civilisation.”

“democracy in its present form in most European countries will not survive, because under circumstances of great tension, democracies always wither away or become autocratic.”

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Samstag, 19. März 2022

Der Countdown läuft

Zustand der russischen Truppen

»Drei bis vier Wochen bis zur Kampfunfähigkeit«

Schlechte Strategie, fehlender Nachschub, miese Moral: Die russischen Streitkräfte haben weiterhin viele Probleme. Warum bald eine größere Neuordnung notwendig sein könnte, sagt der Strategieanalyst Michael Kofman.

Quelle: Ukraine: Militärexperte Michael Kofman zum Zustand der russischen Truppen

Das war am 9. März 2022. Das ergäbe rein mathematisch den Zeitraum vom 31. März bis und mit 6. April 2022 als Zeitpunkt, wo … nun, was genau passiert dann?

Da der Artikel paywalled ist, hilft Blick weiter:

Ihm zufolge müssten sich die Truppen dann zurückziehen und neu organisieren oder die Operation ganz abbrechen.

Quelle: Probleme beim Nachschub: «Russland in drei oder vier Wochen kampfunfähig»

Nachtrag: Auf Twitter hat Michael Kofman bereits am 5. März 2022 eine solche Aussage gepostet — was den Kollaps bereits auf allerspätestens den 2. April 2022 legen würde.

Wobei: Es scheint, als ob Michael Kofman nicht erwähnt hat, wann die ukrainische Armee kampfunfähig ist. Das ist die zweite Variable, die man in einem solchen Szenario berücksichtigen müsste. Nun, falls die Medienartikel Neuigkeitswert aufweisen sollten, müsste das zwingend nach dem 6. April 2022 der Fall sein.

Nachtrag

Die Experten im Westen scheinen sich überbieten zu wollen:

US-General prognostiziert Wende: Bricht Putins Armee innert einer Woche zusammen? Sprich: Am 27. März 2022 löscht der letzte verbliebene Soldat der russischen Armee die Lichter. Oder: Sie werden ihm gelöscht.

Nun, ich habe da meine Zweifel, aber ich bin ja auch kein Experte.

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Mittwoch, 9. März 2022

Wohl nie mehr gefragt: Russland verstehen

Meiner Meinung nach sehr gut investierte 60 Minuten:

The theory of strategic culture is based on trying to outline what things influence the decision-making of the state leadership. […]

This will help us understand. When I say understand, I do not mean that we have to approve what Russia is doing.

But it helps us understand why Russia does things differently. It may even give us the instruments to predict what may happen next.

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Donnerstag, 3. März 2022

Das erhellendste Video zu den Hintergründen von Russlands Invasion der Ukraine

(Nachtrag: Schlussendlich sind es zwei erhellende Videos geworden)

Das Video hatte ich bereits seit dem 31. Dezember 2021 in der To Watch-Liste aufgeführt — leider habe ich es erst heute Abend geschaut (unter anderem, weil ein Twitterer kürzlich auch noch einmal darauf verwiesen hat — danke für den Anstoss!):

Die Vorlesung stammt von 2015, lag somit 7 Jahre auf YouTube herum, ohne dass es Leute in Machtpositionen beherzigt hätten. Und jetzt passiert alles wie vorausgesagt.

Basierend auf diesem Video befürchte ich jetzt zu wissen, wohin der Weg geht:

  • Russland wird nicht aufhören bis die gesamte Verteidigungsinfrastruktur des Landes unschädlich gemacht ist — Armee, Kasernen, Transportmittel (Flugzeuge, Panzer, Lastwagen, etc.), Waffen, Munition. (Mearsheimer sagt zwar „In this case [Verzicht auf eine neutrale Ukraine] they [Russland] will wreck the country“, was noch viel Schlimmeres befürchten lässt)
  • Anschliessend wird Russland irgendwie sicherstellen müssen, dass das Land nie mehr aufrüsten kann.
  • Einen EU- und NATO-Beitritt wird es ebenfalls nie geben. Dies wird eine unverhandelbare Bedingung bei allfälligen Waffenstillstands- oder Friedensverhandlungen sein.
  • Entweder bleibt das Land irgendwie als politisches Gesamtgebilde bestehen (mit einer Russland-freundlichen Marionettenregierung?), oder aber es wird in einen neutralen Pufferstaat im Westen und einen russophilen Staat im Osten aufgeteilt (mit dem Dnepr als natürliche Grenze? Strategisch macht es vermutlich aber Sinn, die gesamte Schwarzmeerküste zu besetzen, um den Pufferstaat vom Meer abzuschneiden)

Ich befürchte, die Ukraine wie wir sie heute kennen, ist in mehrfacher Hinsicht verloren.

Und ja, solange diese Ziele nicht erreicht sind, besteht die latente Gefahr, dass es — gerade jetzt, in der brenzligsten Phase — zu einem „Betriebsunfall“ kommt, den keine der beiden Seiten wirklich will: Atomkrieg. Entweder weil Russland versehentlich NATO-Truppen angreift, oder die NATO russische Truppen angreift.

Na dann Guet Nacht!

Nachtrag

(Auf die Gefahr hin, dass mich hier nun wieder alle steinigen, weil ich es gewagt habe, Tucker Carlson nicht nur zuzuhören, sondern auch noch hier zu posten)

Ich höre deckungslgeiche Aussagen von Colonel Douglas Macgregor:

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Samstag, 12. Februar 2022

Kommt der Dritte Weltkrieg?

Nö, ich denke nicht. Könnte aber durchaus Wunschdenken sein, wer weiss.

Gemäss der Qualitätspostille Tagesanzeiger ereignet sich der Einmarsch Russlands in die Ukraine ab Dienstag, 15. Februar, der Spiegel wirft Mittwoch, den 16. Februar 2022, in die Waagschale.

Ich bin da deutlich vorsichtiger, denn: Ein klassischer Fall für die Spieltheorie! Und wenn man Spieltheorie sagt, muss man im selben Atemzug auch Christian Rieck sagen. Und siehe da — er hat offenbar gerade ein Video zum Thema veröffentlicht:

Ich habe das Video noch nicht geschaut (werde ich gleich machen), aber folgender Tweet schält aus meiner Sicht der Kern der Sache bereits hervor:

Ich bin gespannt, ob Rieck es auch so sieht.

Was läuft aus meiner Sicht? Russland sieht die NATO — da immer näher kommender — als immer grösser werdende Bedrohung. Wie stoppt man das Militärbündnis? Sicher nicht, indem man ruhig zu Hause sitzt und … nichts tut … und wartet, bis das ganze Land von Militärbasen mit Truppen und Marschflugkörpern umzingelt ist. Stattdessen: Die Schachfiguren auf dem Schachbrett strategisch positionieren, und dann auf Verhandlungen schielen. Verhandeln kann man aber nur, wenn man Pfande hat und/oder dem Gegner als Dank für dessen Aktion/Nichtaktion Dinge offerieren kann.

Wie die Sache auch immer ausgeht — mich beschleicht der Gedanke, dass Amerika mit Joe Biden nicht unbedingt „das beste Pferd“ im Stall hat, um den geopolitischen Allüren der Supermächte Russland und China zu begegnen. Der nächste Brandherd wird Taiwan sein. Ich bin gespannt, ob das Land bis zum Antritt des neuen (oder: alten) US-Präsidenten im Januar 2025 noch unabhängig sein wird.

Andererseits muss man sich in der gegenwärtigen Situation auch immer vor Augen führen, dass Joe Bidens Umfragewerte auf Grund von massiven, teils selbstverschuldeten Problemen im Inland (Corona, horrende Inflation) katastrophal sind, und dieses Jahr die Mid-Terms (Kongresswahlen) anstehen. Wenn sich Joe also als starker Mann positionieren kann, der Putin und Xi die Stirn bietet, könnte sich das im Wahljahr auszahlen. Und leider war es in der US-amerikanischen Geschichte schon öfters so, dass man mit Kriegen im Ausland von Problemen im Inland abgelenkt hat. Inwiefern die Wählerbasis Verhandlungserfolge anstelle von kriegerischen Handlungen honorieren wird, weiss ich nicht.

Nichtdestotrotz werden bei uns heute und am Montag die Notvorräte aufgestockt. Und da wir am 1. Oktober 2021 umgezogen sind besuchen wir am Wochenende schon mal den Luftschutzkeller im Nachbargebäude. Ein bisschen Vorsicht schadet ja nichts und niemanden.

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Dienstag, 9. Oktober 2018

YouTube: Why Switzerland is the Safest Place if WW3 Ever Begins

Dämliches Video, das jedem Schweizer anfänglich bauchpinseln sollte, bei mir vor allem aber nach jeder Sekunde lauter nach „Faktencheck“ ruft. Da wird einiges an Käse erzählt.

Aus irgendeinem Grund ist das durch den sau-gescheiten YouTube-Algorithmus in die Liste der Video-Vorschläge gerutscht. Beunruhigend, dass solcher Quark den Weg in solche Listen findet …

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Donnerstag, 30. April 2015

Der Elfenbeinturm in einer kriegsführenden Armee

Mr. Ashworth observed surprisingly little hostility toward the enemy expressed by trench soldiers; the further from the front, the more hostility. In the words of one front-line soldier, “At home one abuses the enemy, and draws insulting caricatures. How tired I am of grotesque Kaisers. Out here, one can respect a brave, skillful, and resourceful enemy. They have people they love at home, they too have to endure mud, rain and steel.”

Quelle: The Spirit of the 1914 Christmas Truce – WSJ

Auch gut:

… and during the truce, they would tell Germans that they both should be fighting the French.

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Mittwoch, 4. Januar 2012

Irak ist nicht Afghanistan

Peinlich, wenn man einen Billionen-Krieg führt und die Steuerzahler nicht mal unterscheiden können, in welche Weltregion ihre staatlichen Zwangsabgaben hinfliessen? Aber das amerikanische Bildungssystem hatte schon immer Probleme, im Fach Geographie Profis heranzubilden …

But the news arrived anyway. Lyndsee Mabe, another of Hickman’s close friends, was at the house and mentioned that a Marine from the nearby town of Ramseur had been killed in Afghanistan.

“Is that where David was?” Veronica asked.

“No,” Mabe said. “Iraq.”

“Oh,” Veronica said, stroking her son’s military ID tags. “I thought that was in Afghanistan.”

After nearly a decade of fighting two wars that sometimes appear indistinct to an increasingly disconnected American public, even those most deeply and directly affected by them can be confused by the far-off battles. But the grief always finds its way home.

Quelle: In Iraq, the last to fall: David Hickman, the 4,474th U.S. service member killed – The Washington Post

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Samstag, 12. November 2011

USA: Militärisch-industrieller Komplex in seiner Reinform

On the other hand, the US is far more ambitious militarily. For every layabout chiseler the French supports, the US supports two soldiers and one Pentagon contractor. The cost is staggering …and probably even more irreducible than Europe’s social costs…

Quelle: Bernanke’s Plot to Overthrow the US Dollar

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