Archiv ‘Politik’

Freitag, 11. November 2005

Blocher sucks

Nicht, dass diese Fundamentalerkenntnis derart bahnbrechend und neu wäre – doch in den letzten Tagen geisterte der Herr Bundesrat doch erstaunlich oft in der Presse-Berichterstattung herum:

Grundsätzlich ging es hierbei um Blochers Gemotze bezüglich der Verringerung des Toleranzwertes für Geschwindigkeitsübertretungen, falls diese mit einem Laser-Messgerät gemacht würden. Er ist der Meinung, dass hier „Bürger kriminalisiert werden“ und der Staat auf Kosten dieser unnötig viel Kasse macht. Er erwähnte seinen Unmut darüber gleich zweimal: Einerseits anlässlich der Automobil-Ausstellung in Zürich von letzter Woche, andererseits an der Polizeidirektorenkonferenz von dieser Woche.

Obwohl mir diese gehäufte Erwähnungen des Vorsteher des Justiz- und Polizeidepartements negativ auffiel, dachte ich mir nichts weiter dabei.

Der Zufall wollte es, dass ich heute meinen iPod nano (2GB, schwarz) erhielt und so nach dem HD-Ausfall meines iPod 4G (20GB) endlich wieder in den Genuss des Echo der Zeit gelangte.

Und so konnte ich heute endlich wieder der neuesten Ausgabe des Echos, nämlich derjenigen von gestern Donnerstag (10. November 2005) lauschen, die ja – vorbildlicherweise – als Podcast zum Download bereit steht.

Ein Beitrag drehte sich ganz um diese gehäufte Pressepräsenz des Chrigels vom Herrliberg und gab aufschlussreiche Hinweise, wieso dem so sei. Michael Bolliger, Bundeshausredaktor, geht ab der 31. Minute den Fragen zum Thema nach.

Einige Zitate Bolligers:

Er habe Zweifel am Sicherheitseffekt. Ein Telefon hätte genügt, und Blocher hätte es besser gewusst. Untersuchungen zeigen, Tempo 53 statt 55 ergibt einen Rückgang von vier Prozent der Unfälle mit Verletzungsfolgen. Quelle: Beratungsstelle für Unfallverhütung.

Ob diese Aussage des BFUs nun exakt stimmt, wage ich zu bezweifeln – aber um Zahlen, die auf die Nachkommastelle stimmen, geht es in der Diskussion meiner Meinung nach auch nicht.

Im Februar wird in der Stadt Zürich gewählt – und das hat für ihn scheinbar mehr Priorität. Denn Blochers SVP ist im Kanton Zürich arg in Schieflage.

Erst jetzt ging mir ein Lichtlein auf – deshalb wird hier wieder mal gepoltert, was das Zeugs hält. Das Amt eines Bundesrates hält also den gelernten Landwirt und studierten Jurist nicht davor ab, auch im eigenen Kanton zum Rechten zu schauen (welch‘ ein Wortspiel!) und zum ursprünglichen, bekannteren Blocher zurückzumutieren.

[Ersatzwahl Finanzdirektor Zürich] Ein freundlicher CVPler gewann haushoch …

Noch Fragen?

Der Auftritt vor den Zürcher Autofreunden war eines Justizministers unwürdig. Wer zum Beispiel gegenüber unkooperativen Asylbewerbern Nulltoleranz verlangt, muss unvorsichtige Autofahrer mit gleicher Elle messen. Gesetze sind da, um eingehalten zu werden.

Meine Hervorhebung. Ich glaube gerade ein Justizminister, der zudem noch Jura studiert hat, sollte sich diesen Grundsatz eigentlich verinnerlicht haben.

Der Justizminister hat ausserdem dafür zu sorgen, dass die Gewalten- und Aufgabentrennung im Staat höchsten Stellenwert hat. Wenn Christoph Blocher lokale Behörden kritisiert, die Bundesrecht anwenden, dann ist das ein fragwürdiger Umgang mit der Aufgabentrennung.

Da redet einer immer von Eigenverantwortung und will dann doch allen in den Brei reden. Wo kommen wir da hin?

Wahlkampf auch auf Kosten der eigenen Glaubwürdigkeit.

Mein Senf

Vieles wurde eigentlich ja schon gesagt. Hier dennoch diejenigen Punkte, die ich besonders hervorheben würde:

  • Beim Toleranzwert geht es – nicht wie fälschlicherweise weit verbreitet – nicht etwa um den Toleranzwert des Tachometers, sondern um den Toleranzwert des Messgerätes. Dies ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. Die Idee des Abzuges war es nie, den Autofahrern ein oder zwei Stundenkilometer zu schenken – aus Goodwill sozusagen, weil die Tachos derart ungenau sind. Es ging darum, die vom Hersteller der Messgeräte garantierten Werte nicht zu ungunsten der Autofahrer auszulegen. Die Laserpistole ist genauer – und das sollte eigentlich doch jeden freuen. Ausser natürlich diejenigen, die allzugerne unaufachtsam mit unangepasster Geschwindigkeit durch Städte und Dörfer rasen.
  • Art. 8 BV lautet „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich“. Es geht nicht an, dass man Asylbewerber gleicher behandelt, bei den eigenen Bürger aber das Auge zudrückt. Herr Blocher sollte diesen Artikel etwa im ersten Semester seines Studiums kennengelernt haben. Vielleicht hat er damals ja auch einfach geschwänzt? Selbst wenn der rechtskonservative Schweizer diese Auslegung so wünschen würde, käme er nicht an diesem Verfassungsartikel vorbei. Ja, ich wage gar zu bezweifeln, ob sich solche Leute noch als Schweizer bezeichnen dürfen, die sich offen über die Verfassung stellen. Denn ich behaupte unverfroren: Die Verfassungstreue ist die Eigenschaft eines wahrhaften und anständigen Schweizers. Wer dies nicht akzeptiert, sollte seinen Pass abgeben.
  • Kriminalisieren – oder doch nicht? Die Asylbewerber werden schnurstracks kriminalisiert, die Schweizer werden aber vom grossen Justiz-Pappi unter die schützenden Fittiche genommen. Mir sind solche Personen suspekt, die keine klare Linie haben. Der Chrigel ist einer davon.

Somit: Alles dummes Gepoltere. Aber leider spricht diese Art von Polemik die Stammwähler der SVP an – pfui!

Zum Schluss noch dies:

Wenn der Justizminister in der Schweiz dagegen die Einhaltung von Gesetzen als schädlich bezeichne, „dann ist er am falschen Ort“.

Schöner als Elmar Ledergerber könnte ich es auch nicht ausdrücken. Ein schönes und tolerantes Wochenende, das wünsche ich meinen Stammwä … -lesern!

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Montag, 10. Oktober 2005

Economiesuisse liest think eMeidi

Der Tagi berichtet über die Forderung der Economiesuisse nach mehr Verkehr … eh, nach der Verflüssigung des Verkehrs.

Das ist doch ein alter Hut. In meinem Blog-Artikel Baut mehr Strassen! vom September 2005 forderte ich genau dasselbe: Es muss eine vierte Bareggröhre her. Denn, so hat man herausgefunden, hat der Bau der dritten Röhre nämlich rein gar nichts gebracht. Anstelle der vorher 100’000 Autos am Tag passieren nun einfach 120’000 die Tunnels, Tendenz steigend. Dass dies bald nicht mehr reicht, war als ersten den exzellenten Rechnknechten der SVP klar. Also los, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt … *sing*

Halt! Bevor wir uns jetzt auf den Bau neuer Autobahnkilometer und auf Spurerweiterungen stürzen – ruhen wir uns etwas aus, atmen ruhig durch und lassen das gesagte nochmals Revue passieren.

Gegenfrage: Wenn ein Kind immer dicker wird – gibt man ihm dann mehr zu essen? Irgendwie wäre diese Massnahme hier doch völlig undenkbar. Lieber würde man sich überlegen, wie man die Ernährung derart umstellen kann, dass die Fettleibigkeit mit all seinen drohenden Komplikationen abgewendet werden könnte. Zum Wohle aller – der Krankenkassenprämienzahler, wie auch der Eltern und Geschwister.

Kernaussage

Aus der Sicht der Wirtschaft müsste primär die Infrastruktur ausgebaut werden, insbesondere auf den Hauptachsen und in den Agglomerationen.

Das hatten wir oben schon – ein Kommentar erübrigt sich wohl dahingehend. Motto: Ich habe Hunger, gebt mir zu Essen! Ob die Ernährungsweise aber sättigend ist oder nicht, interessiert kein Schwein.

Die Pauschalaussage „Baut mehr Strassen“ ist aber zu differenzieren. Die Economiesuisse hat neben viel Mumpiz doch einige Verbesserungsvorschläge angebracht, die näherer Betrachtung bedürfen:

Baustellen

Ausserdem sollte der Strassenunterhalt möglichst rasch, ohne Behinderungen des Verkehrs ausgeführt werden.

Stattgegeben. Ich denke, dass sich hier noch grosses Optimierungspotential befindet. Mit drei Schichten non-stopp arbeiten sollte auf vielfrequentierten Verkehrsachsen möglich sein. Und am Wochenende sowieso. Die Frage ist nur wieder einmal: Wer schuftet freiwillig die Nacht durch? Wer opfert das Weekend? SBB-Chef Weibel jedenfalls nicht (Zitat: „Am Sonntag arbeite ich in der Regel nicht – da halte ich mich an die Bibel“ – kämpft aber postwendend für 365 Tage im Jahr geöffnete Shopping-Center in Bahnhöfen). Zurück zum Thema: Manchmal hat sogar eMeidi das Gefühl, dass Baustellen an einigen Tagen schlicht leer stehen.

Dem Ausbau des Strassennetzes seien aber politische, finanzielle und räumliche Grenzen gesetzt,

Und wo bitteschön bleibt eigentlich die Umwelt? In diesen Kreisen geht diese leider allzu oft unter, was hiermit wieder einmal exemplarisch bestätigt wurde.

Demnach soll die Benutzung von Strassen nur zahlenden Verkehrsteilnehmern erlaubt sein.

Hier! Daher! Wo kann ich unterschreiben? Ich bin ein Fan von Road Pricing. Sobald man nämlich einen gewissen Betrag zahlen muss, überlegt es sich auch der sparsame Schweizer, ob er diese Fahrt wirklich machen muss. Der Return on Investment aus dem Wirtschaftsenglisch kommt dann ins Spiel.

Zudem gibt es Massnahmen, die wirksamer sind, aber auch stärker in die Freiheit der Verkehrsteilnehmer eingreifen. Massnahmen der Verkehrsleitung und -steuerung umfassen Fahrberechtigungen, Dosieranlagen, Rampenbewirtschaftung oder zeitweise Fahrverbote.

Was Economiesuisse nur andeutet, möchte ich hier zum Schluss noch genauer erläutern. Wer will, soll sich bei mir melden. Dann setzen wir uns einmal gegen Feierabend an das Fenster im Stock D an der Murtenstrasse 35 und schauen die Kolonnen an, die da unterhalb auf der Murtenstrasse Richtung Autobahnauffahrt Forsthaus von dannen ziehen. Die meiste Zeit stehen sie zwar, aber das hat zum Thema ja überhaupt nichts zur Sache. Natürlich könnte man etwa 100 Spuren Richtung Forsthaus bauen – doch es gäbe deutlich effektivere und kostenneutralere Lösungen.

Meine zwei Vorschläge:

  • Eine Person pro Auto? Es ist nun einfach wirklich so: In den seltensten Fällen sitzt mehr als eine Person im Auto. Jawohl, das ist auch gut so, werden die Individualisten und freiheitsliebenden Lenker da draussen schreien. Ich finde es nur komisch, dass bei soviel Individualität alle um dieselbe Zeit nach Hause wollen? Da geht die Rechnung dann weniger auf. Wenn wir also die Fahrzeuge, die sich tagtäglich am Feierabend an der Murtenstrasse stauen, so richtig bis auf die letzten Plätze füllen würden, gäbe es schlicht keine Schlange mehr vor dem MEM-Gebäude. Aber Fahrgemeinschaften sind heute einfach nicht mehr gesellschaftsfähig. Sich mit jemandem abzustimmen grenzt an eine Menschenrechtsverletzung.
  • Schrumpfkur. Nun gut, ich kann ja verstehen, wenn man in seinem Auto nicht die Fürze des Beifahrers oder dessen Achselschweiss riechen möchte. Das wäre noch halbwegs verständlich. Doch wieso himmelheiland stehen soviele Solo-Fahrer mit ihren SUVs und Kombis in der Schlange? Wenn solche Leute (wo finden die in der Stadt eigentlich Parkplätze für ihre Gefährte?) konsequent auf Smarts umsatteln würden, wäre auch der Stau nur noch halb so gross. (Wer’s noch nicht kapiert hat: Halbierung der Fahrzeuglänge und so …). Aber [………] (Anleitung: irgendein tolles Argument an den Haaren herbeiziehen und zwischen die Klammern setzen) machen diesem Vorhaben genause den Garaus.

Was solls. Dann baut euch halt die Strassen, die ihr so sehr wünscht, und werdet glücklich damit. Aber denkt daran: Es gibt auch ein Leben nach dem Auto (nämlich vor dem Computer *zwinker*).

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Dienstag, 27. September 2005

Autsch! Prämien-Bankrott droht

Hoffentlich hat die kommerziellste Zeitung der Schweiz, 20 Minuten, unrecht, wenn deren Journalist schreibt:

Die Krankenkassenprämien in der Grundversicherung steigen 2006 um durchschnittlich 5,6 Prozent. Tiefer in die Tasche greifen müssen besonders die Jungen. Für sie beträgt die Zunahme 7,1 Prozent, im Kanton Bern sogar satte 12,7 Prozent.

KK-Prämien: Für Junge wird es besonders teuer

Obwohl ich schon jetzt monatlich 80 SFr. „Sozialhilfe“ erhalte, wie es Kollege Wittwer zu nennen pflegt (ich würde sagen: Krankenkassenprämien-Verbilligung, das nimmt einen aus dem Visier der SVP-Politiker), sehe ich relativ schwarz für das nächste Jahr. Auf jeden Fall werde ich mittels Comparis den günstigsten Anbieter aussuchen müssen – zur Zeit bin ich bei SWICA (Grund- und Zusatz), denke aber nicht, dass diese mit 200 SFr. monatlich so günstig ist.

Übrigens: Dieses Jahr war ich noch nie beim Arzt und zähle mich als zu den guten Risiken, wie es die Krankenkassen-Mathematiker so schön ausdrücken.

Wer sich mit süffigen Texten über Krankenkassen informieren möchte, empfehle ich das NZZ-Folio „Krankenkassen“, Ausgabe 9/05. Sehr spannend!

Da lehrt man u.a. auch, dass die Krankenkassen-Heinis lieber die alten Leute „einkaufen“ würden – denn diese seien noch viel die besseren Risiken als wir Twens (ausser in den paar letzten Lebensmonaten). Wieder etwas gelernt!

Ich beginne wohl jetzt einfach mal, 12% meiner jetzigen Prämie zusätzlich auf die Seite zu legen. Aber das schaffe ich eh nicht *grins*

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Sonntag, 25. September 2005

Zum Abstimmungssonntag

Personenfreizügigkeit: JA!

Ehrlich gesagt habe ich es irgendwie vermutet gehabt: Während vor der Schengen-Abstimmung so richtig die Fetzen flogen, wurde vor der heutigen Abstimmung kaum Staub aufgewirbelt. Irgendwie fand ich die Plakatkampagnien der Gegner wie immer lustig – und mit mir wohl auch die Mehrheit des Stimmvolkes (notabene: nicht die Mehrheit der Bürger – die blieb nämlich zu Hause, aber dies nur so am Rande).

Ferner liefen …

Im Aargau wurden die Ladungsöffnungszeiten abgeschafft. Schön! Wenn ich eine Detailhandelsangestellte (DHA) wäre, würden spätestens jetzt meine Alarmglocken schrillen. Ich befürchte aber, dass diese Neuigkeit bei den direkt Betroffenen kaum ankommen wird. Das böse Erwachen wird es spätestens nach demjenigen Abstimmungssonntag geben, an dem die Ladenöffnungszeiten vom Stimmvolk gesamtschweizerisch aufgehoben wurden. Um den Anfängen zu wehren wäre es gerade jetzt nötig, sich in Stellung zu bringen: Beitritt in die Verkäufer-Gewerkschaft, und wenn man schon dabei ist, aktiv werden. Auf die Barrikaden gehen, Unterschriften sammeln etc. Aber leider sind das wohl nur vage Erinnerungen an die guten, alten Zeiten – das Personal wird für seine Nachlässigkeit wohl teuer bezahlen. Andererseits kann mir das eigentlich ja herzlich egal sein – wenn ich an einem Sonntag in einem Coop & Co. auftauchen werde, dann höchstens als Konsument.

Übrigens: Falls es überhaupt politisch interessierte, Blog-Lesende DHAs gibt, hier eure zukünftigen Gegner:

Hinter der Vorlage standen die bürgerlichen Parteien SVP, FDP und CVP.

Und hier eure Freunde:

Bekämpft wurde die Vorlage von Linken und kirchlichen Kreisen, die um den Schutz der Arbeitnehmer fürchten.

Quelle: Aargau hebt Ladenöffnungszeit auf

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Montag, 5. September 2005

Rhetorik-Einmaleins

Während der Recherche zum vorherigen Artikel bin ich nebenbei auf eine nette Seite zum Thema Rhetorik gestossen:

Rhetorik.ch

Ackern wir das gleich mal durch, danach bin ich in jeder noch so auswegslosen Diskussion unschlagbar!

PS: Als ich am Samstag um zwei Uhr nach Hause kam und in die End-Of-Summer-Party unserer Obermieter in unserem Garten schneite, bot ich auf die nahende Bettruhe kalkulierend keinen Widerspruch, als das Thema auf den 25. September (übrigens: Mi Geburi!) fiel und auch gleich die Wahlempfehlung ausgegeben wurde: „Giele, dir wüsset, was dr am 25. z’Stimme heit!“. Und nein, unser Obermieter ist kein Mitglied der nebs, eher der AUNS. Eh ja, manchmal hat es keinen Sinn, jemanden von der Nützlichkeiten der Personenfreizügigkeit überzeugen zu wollen. Jedenfalls nicht, wenn man in unserem Dorf wohnt, wo die SVP immer noch die absolute Stimmenmehrheit hinter sich vereint. Und die Polen-Metzger (das könnte man jetzt auch falsch verstehen …) schon vor der Türe warten (obwohl, wer das FACTS von letztem Donnerstag gelesen hat, weiss, dass es eher die Rumänen sind, die schon jetzt in St. Gallen 15h-Arbeitstage schieben – und erst noch schwarz).

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Dienstag, 23. August 2005

Abstimmungsparole einer kantonalen SVP

Die tägliche Dosis SVP-Bashing, direkt von think eMeidi. Heute: „Die SVP Obwalden hat ihre Abstimmungsparole ausgegeben“:

Die grosse Mehrheit der Obwaldnerinnen und Obwaldner sollten dieser Gesetzesrevision zustimmen, obwohl sie kaum direkt profitieren kann.

Quelle: Ignoranz.ch

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Montag, 22. August 2005

Im Detail: Windows Start Menu


Windows Start Menu grows in size
Originally uploaded by emeidi.

Marcin Wichary, der geniale Erfinder des Betriebssystem-Museums, hat diese Woche kurz mit mir gemailt – welch‘ eine Ehre. Er hat sich für meine Paypal-Spende für sein Projekt bedankt – doch die Freude war ganz auf meiner Seite: Wo sonst findet man eine solch geballte Ladung an nostalgischen Erinnerungsstücken, die einem an mehr als 15 Jahre Kontakt mit Computern erinnern?

Als er sah, dass ich aus der Schweiz komme, zeigte er sich sehr interessiert und bat für Tipps: Der Glückspilz hat es nämlich geschafft und wird in wenigen Monaten bei Google in Zürich zu arbeiten beginnen. Das Beste: Ich habe aus dem Blauen heraus geraten – und einen Volltreffer gelandet:

> > And, by the way, I’ll most likely be moving to Zurich
> > for a couple of months at the beginning of next year.
> > Any tips are most appreciated. :)

> Wow, what a honor! Will you attend ETH Zurich,
> or even Google?

It’s Google indeed. It seems I’ll have to have a stint there before getting a work permit in the California office. It’s exciting though, one more country to live in. :)

Angesichts der – ich hätte fast gesagt: drohenden – Abstimmung über die Personenfreizügigkeit ein Lichtblick. Es kommen eben nicht nur die bösen Mörder- und Räuberbanden aus dem Osten hierher (Marcin ist Pole), sondern eben auch Leute wie du und dich, die ihre Skills auf dem Internationalen Markt feilbieten und wohl den einen oder anderen Steuerfranken in der Schweiz lassen – unter anderem. Denn es geht ja hier nicht immer nur um das Geld, sondern auch all die Dinge, die in einem stieren SVP- und AUNS-Kopf keinen Platz haben: Kultur, Lebensfreude, Kosmopolitentum – das 21. Jahrhundert eben. Glücklicherweise können dies die Ewiggestrigen nicht mehr aufhalten.

Item. Nur ein kleiner polemischer Höhenflug, weil heute so ein schöner Tag ist. Sicher nicht wegen dem Regen und den Überschwemmungen – sondern, weil ein weiterer Post (engl. „Beitrag“) aus meinem Blog den Weg auf ein Machwerk eines anderen Schreiberlings gefunden hat. Und der feuert ebenso leidenschaftlich wie ich gegen die „Grosse Partei“. Aber recherchiert habe ich nicht gut genug: Es war nicht das Bundesamt für Statistik, sondern der „Ethikrat“, der das besagte Dokument veröffentlicht hat.

Nachdem die SVP auch hier wieder ein weiteres Mal „drunter“ gekommen ist, gehe ich gleich über zu meinem zweiten Steckenpferd: Windows vs. Apple. Marcin hat nämlich sinnigerweise analysiert, wie das Windows-Startmenu im Laufe der Zeit (Windows 95, 98 bis XP) gewachsen ist (s. Flickr-Foto oben rechts). So überladen und nutzlos … Wenn ich an Windows XP arbeite ist mein erster Schritt meistens das Zurücksetzen des überdimensionierten Start Menus in den von Windows 95-2000 gewohnten Zustand (zugegebenermassen immer noch stark überladen, aber weniger „Bildschirmfüllend“).

Erst in letzter Zeit bemerke ich, welch ein geschickter Schachzug von Apple es war, weder Tray-Icons noch das Analogum zum Windows Start Menu, das Apfel-Menu, in Mac OS X zu belassen. Das Start Menu von Normalanwendern überläuft nämlich spätestens nach etwa einem Jahr und unzähligen Installationsorgien (all die Anti-Adware, Anti-Spyware, TuneUp-Utilities inkl. dem von mir heissgeliebten „Weather Bug“ usw. usf.) und nimmt bei den mir am meisten geschätzten Benutzern gleich zwei oder gar drei Spalten ein. Ein todsicherer Hinweis, um die Fähigkeiten eines Coomputerbesitzers richtig einzuordnen! *grins*

Aber jetzt: Gute Nacht!

PS: Melanie hat währenddessen einen zweiten Blog-Beitrag verfasst.

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Mittwoch, 10. August 2005

Wenn SVPler rechnen …

… kommt immer was gescheites raus. Garantiert. Alle studierten Mathematiker, solche die es werden wollen, und selbst diejenigen, die finden, dass man diesen Mumpitz überhaupt gar nicht erst studieren muss, um ihn zu begreifen, sollten schleunigst das Parteibüchlein beantragen. Hier geht’s zum Anmeldeformular unserer örtlichen „Grossen Partei“ ™.

Doch worauf beziehe ich mich eigentlich? Wohl jedermann wird sich noch an die äusserst liebenswürdige Muslimen-Hetzkampagne vor den Einbürgerungsabstimmungen im Herbst 2004 erinnern (ACHTUNG: Der Text gehört nicht dazu, nur die Diagramme sind von Relevanz):

Betitelt war das wissenschaftlich fundierte Machwerk mit „Muslime bald in der Mehrheit“. Anhand einer fast exponentiell zunehmenden Kurve wurde den mathematisch geschulten SVP-Anhängern erklärt, was sie zu stimmen hatten. NEIN, zu beiden Vorlagen. Sonst hätten wir bald ausgeschweizerlt. Das sass. Die Abstimmung verlief dann leider auch tatsächlich wie befürchtet …

Liebe Kinder, das ist nur die halbe Wahrheit. Es kommt noch schlimmer, ziehen wir uns warm an! Und zwar haben die netten Kollegen (kenn‘ sie zwar gar nicht) von Anti-SVP ihrerseits die besten Mathematiker und Statistiker engagiert, um das Szenario noch detaillierter zu analüsieren. Deren Entdeckung lässt einem erschaudern:

Gemäss der extrem gescheiten Hochrechnung der SVP haben wir bereits im Jahre 2050 fast 150% (!) Muslime in der Schweiz, ist das nicht furchtbar! Und dabei dachten wir doch immer, mehr als 100% Ausländeranteil ginge nicht…. Aber alles halb so schlimm, wenn dann mal alle Muslime bei uns sind, haben wir ja halb Asien und Afrika für uns ganz alleine :-)

Das schöne Schweizerländle … Wird dann aus Chrigus Villa am Herrliberg eine Moschee? Muss wohl, sonst bringt man die 150% Joggeln ja nirgends mehr unter, am Freitag, wenn man vom Minarett zum Gebet ruft.

Die Anti-SVP war nicht die einzige Organisation, die reagierte. Auch das BFS (Bundesamt für Statistik) schickte einen Winkelried los, seineszeichen Angestellter des Statistischen Amtes des Kantons Zürich (SVP-Hochburg – der Winkelried lebt garantiert nicht mehr) verfasste einen Bericht zum Thema – zwar etwas trockener, wissenschaftlicher. Damit haben sie wohl unbewusst und gekonnt verhindert, dass jemals ein SVPler dieses Schriftstück in die Hände bekommen wird. Egal, Hauptsache der Rest der Schweiz liest es:

… Diese Hochrechnungen haben keinerlei demografische Basis und die verwendete Methode – Verdoppelung des Anteils der Muslime in der Schweiz alle 10 Jahre – entbehrt jeder wissenschaftlicher Grundlage. Nicht zufällig endete die Grafik im Jahr 2040, denn bei einer Fortführung der angewandten Logik würde der Anteil der Muslime im Jahr 2050 144 Prozent betragen. …

Fazit

Mitglieder der SVP sollten also weder Mathematiker werden, noch sind sie zum Web-Designer berufen.

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Mittwoch, 3. August 2005

SVP-Homepages

Auch wenn ich versuche, meine politische Herkunft beim Besuch von SVP-Seiten zu unterdrücken und ein objektives, neutrales Urteil zu fällen, komme ich immer wieder zum selben Schluss: Zum Glück sind die Mitglieder dieser Partei nicht vollberuflich im Web-Business tätig.

Der Anstoss zu diesem Beitrag gab der zufällig entdeckte Beitrag über einen gewissen Mauro Tuena (SVP, ZH) in einem der mittlerweile unzähligen Schweizer Blogs.

Seine persönliche Homepage: www.mauro-tuena.ch.

Könnte diesem Jungpolitiker bitte einmal jemand sagen, dass man Web-Seiten nicht als komplette Grafik ins Netz stellen sollte? Und wenn schon, dann bitte so, dass das GIF-Dithering nicht sichtbar ist?! Tz.

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Freitag, 1. Juli 2005

KiTa Neuenegg – bald Realität?

Wie die Berner Zeitung heute berichtet könnten alleinerziehende Eltern ihre Kinder schon bald in einer KiTA (Kindertagesstätte) hier in Neuenegg – oder zumindest in Laupen – betreuen lassen.

Da sich vor kurzem auch die zweite „kleine Partei“ hier in Neuenegg, die FDP, in der Neuenegger Zeitung grundsätzlich für ein solches Projekt ausgesprochen hat, könnte dank dem Vorpreschen Laupens das Ziel in Griffweite gerückt sein. Auch in der SVP zeigen sich erste Meinungsänderungen bezüglich der Thematik. Ein ungewohntes Bild!

Hier spielt wohl aber der bereits näher diskutierte Neid eine grosse Rolle – denn wenn es schon eine KiTa gibt, dann bitteschön hier in Neuenegg, und nicht dort drüben in Laupen. Es könnte ja sein, dass die KiTa zu einem vollen Erfolg werden könnte und dann Laupen alle Lorbeeren einheimsen würde. Da möchten die selbsternannten Sparapostel dann doch nicht abseits stehen. Auf Lob sprechen dann halt wieder Personen aller (politischen) Couleur genau gleich an.

Von der SP Neuenegg seit Menschengedenken unterstützt, führte das geplante Projekt in den Köpfen der Ewiggestrigen, die sich mit Vorliebe in der Partei mit dem Kürzeln SVP sammeln, zu Unbehagen. Ist ja auch logisch – das kostet. Und der SVP ist per se alles suspekt, dass erst einmal kostet und somit den Drang nach Steuersenkungen zu mindern vermag. Andererseits zeigt das Schicksal der ursprünglichen Klientel der Partei, das Schicksal des Landwirts, dass man solche Grundsätze rasch über Bord wirft. Es kommt halt immer darauf an, wer Leistungen erhält. Während aber der ROI (Return on Investment; man könnte meinen, ich sei BWL-Student) bei den Subventionen der Schweizerischen Bauernbetriebe doch äusserst fraglich ist, ist die Situation bei den KiTa anders gelegen.

Indem Alleinerziehende (aber auch Familien, in denen beide Elternteile das täglich‘ Brot verdienen gehen) ihre Kinder tagsüber einer fachgerechten Betreuung übergeben können, bleibt mehr Spielraum zur Erwerbsarbeit. Die Rechnung ist schnell gemacht: Verdient man unter dem Strich, also Tageslohn abzüglich Steuern und Ausgaben für den Kita-Aufenthalt, mehr, führt dies zu einer höheren Beschäftigung. Ich kann mir sogar vorstellen, dass Mütter, die so auch „nur“ eine schwarze Null schreiben würden, von dem Service angesprochen würden. Sie und ihr Know-How bliebe so der Wirtschaft erhalten, hätte Abwechslung und Kontakte, die über das Dorfleben hinausgehen.

Aber auch die Situation des Kindes darf man nicht vernachlässigen! Ich bin nämlich der festen Überzeugung, dass die heutigen Kleinfamilien mit einem oder maximal zwei Kindern nicht derart optimal sind, wie das die bürgerlichen Romantiker seit Jahrzehnten (seit etwa 150 Jahren) propagieren. Ich bin ein ausgesprochener Fan von Grossfamilien mit drei, vier oder noch mehr Kindern. Da dies heute aber leider finanziell selbst für Gutverdiener nicht mehr eine triviale Angelegenheit ist, schafft man mit KiTas genau solche „künstlichen“ Grossfamilien. Meine These lautet: Je mehr Kleinkinder bereits in frühester Jugend mit vielen anderen „Gspänlis“ zusammenkommt, desto sozialkompetenter werden die Geschöpfe in ihrem späteren Werdegang. Man darf sich nämlich keinen Illusionen hingeben: Was würden die KiTa-Kinder sonst tun zu Hause? Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass die Mutter/der Vater doch ein gewisses Pensum arbeiten geht und die Kinder im schlimmsten Falle alleine zu Hause dahinvegetieren würden. Und dies bedeutet heutzutage: Gameboy und TV. So kann man den Umgang und die Toleranz mit Mitmenschen schlicht nicht erlernen.

Man darf mich aber auch nicht falsch verstehen. Ich persönlich bin der Auffassung, dass das Hausfrauen-Dasein heutzutage nicht mehr derart gewürdigt wird, wie es die (neudeutsch) „Familien-Managerinnen“ eigentlich verdient hätten. Dennoch kann ich es keiner Frau (und keinem Mann, wohlgemerkt!) verwehren, wenn sie neben der Erziehung des Nachwuchses auch weiterhin in der Berufswelt aktiv bleiben möchten.

Durch meine eigene Kindheit weiss ich aber, welche Leistungen Hausfrauen früher (wie auch heute) tagtäglich leisten – und das kaum honoriert wird. Ich jedenfalls hätte mir keine Mutter gewünscht, die arbeiten gegangen wäre, obwohl es unserer Familie sicherlich den einen oder anderen finanziellen Engpass und sorgevolle Stunden erspart hätte. Rückblickend kann ich mich glücklich schätzen, täglich von der Schule an den gedeckten Mittagstisch zurückkehren zu können, die Wäsche sauber gewaschen und gebügelt im Schrank vorzufinden, die Wohnung blitzblank geputzt anzutreffen, die unzähligen Stunden Aufgabenhilfe erfahren zu haben. Nur so, da bin ich der festen Überzeugung, konnte ich und meine Geschwister die guten schulischen Leistungen erreichen, von denen ich erst jetzt, als Student, bewusst profitieren kann.

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