Archiv 20. September 2007

Donnerstag, 20. September 2007

E-Mail-Passwort vergessen, aber noch in Outlook gespeichert

Heute war ich wieder auf einem Support-Einsatz bei einem Bekannten. Er hatte sich einen neuen Laptop gekauft, den er neben seiner älteren Workstation als Zweitgerät nutzen wollte.

Als ich seine zwei E-Mail-Konten (Bluewin und GMail) auf dem neuen Gerät in Outlook einrichten wollte, konnte er sich partout nicht mehr an das GMail-Passwort erinnern? Was nun?

Die Passwort Recovery-Funktion war leider nicht zu gebrauchen, da er wohl bei der Einrichtung von GMail keine Zweitadresse angegeben hatte, auf die das Passwort in solchen Fällen gesendet werden sollte. Auch die Frist von 5 Tagen Inaktivität in solchen Fällen konnten und wollten wir nicht verziehen lassen.

Deshalb entschied ich mich für das letzte noch verbliebene Hintertürchen: Da auf der Workstation das GMail-Konto mit POP-Abruf unter Outlook eingerichtet war und das Passwort dank dem lebensrettenden Häkchen gespeichert wurde, konnte ich mich eines Netzwerk-Sniffers bedienen:

SniffPass v1.02

Einziger Haken: GMail spricht nur verschlüsselt mit pop.gmail.com. Da nützt kein noch so toller Sniffer etwas. Als ich die Verschlüsselung deaktivierte, entdeckte der Sniffer weiterhin nichts. Unverschlüsselt verweigert der GMail-Server anscheinend von vorneweg den Dienst.

Die letzte Hoffnung erwies sich als begründet: Ich änderte den Posteingangsserver des GMail-Kontos in Outlook auf pop.bluewin.ch. Unlogisch, nicht? Nej, denn dieser Server hat zwei tolle Eigenschaften, die sich in diesem Notfall als äusserst nützlich erwiesen:

  • Er akzeptiert unverschlüsselte POP3-Verbindungen
  • Er akzeptiert jeden Login-Benutzernamen

Letzteres ist meines Wissens so eingerichtet, um Spammern das Leben zu erschweren: Wenn der Server nämlich brav Auskunft gibt, ob ein Benutzername (= oftmals die Mail-Adresse selbst) auf dem Server existiert, lässt sich relative rasch eine Attacke mit Wortlisten durchführen und erhält so eine Liste gültiger Mail-Adressen. (Ich mag mich bei dieser Begründung aber auch irren …)

Da der Benutzernamen offensichtlich akzeptiert worden war (so dachte es jedenfalls das gute, alte Outlook 2003), fuhr die Applikation fort, das Passwort zu übermitteln. Mangels Verschlüsselung geschah dies im Klartext – wunderbar, genau, was ich wollte! Und siehe da, einige Hundertstelsekunden später stand es in der Liste der von SniffPass abgefangenen Passwörter.

Auftrag erfüllt, der Kunde überglücklich – und das Passwort jetzt auf einem Papier als Gedächtnisstütze notiert.

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Donnerstag, 20. September 2007

Ein einig Volk von Hypothenschuldnern

Nicht schlecht staunte ich, als ich heute die Schweiz endlich wieder einmal in einer Rangliste unangefochten auf Platz 1 sah:

Quelle: Housing burdens

Alle Hypothekenschulden dieses Landes zusammengefasst entsprechen deutlich mehr als 125% des Bruttosozialproduktes – auf weiter Flur kein Konkurrent. Da soll einer noch sagen, dass die Amis auf Pump leben (immerhin kaufen wir mit dem Geld nicht Billig-Schrott aus China, Panzer SUVs oder gesundheitsgefährdenden Fast-Food, sondern lebensnotwendigere Dinge wie z.B. ein Dach über dem Kopf).

Ex-Kommunisten

Ich vermute übrigens, dass es kein Zufall ist, dass die Tschechen und Ungaren das „Schlusslichtlein“ bilden. Die Wurzeln dazu liegen wohl im Kommunismus.

It can also be said that the Soviet economy was run either very well or very badly. On the plus side, that system, for all its many failings, managed to eradicate the more extreme forms of poverty, malnutrition, many diseases, and illiteracy. It provided economic security of an extreme sort: everyone knew exactly how much they would earn, and the prices of everyday objects remained fixed. Housing, health care, education, and pensions were all guaranteed. Quality varied; education was generally excellent, housing much less so, and Soviet medicine was often called „the freest medicine in the world“.

Quelle: Post-Soviet Lessons for a Post-American Century

Spannend ist hierbei das Gedankenspiel von Dmitry Orlov, was passieren würde, wenn die USA kollabierten …

The United States remains a powder keg of ethnic tension, where urban blacks feel oppressed by suburban whites, who in turn fear to venture into the cities. In a time of permanent crisis, the urban blacks are likely to riot and loot the cities, because they don’t own them, and the suburban whites are likely to get foreclosed out of their „little cabins in the woods“, as James Kunstler charmingly calls them, and decamp to a nearby trailer park. Add to this already volatile mixture the fact that firearms are widely available, and the fact that violence permeates American society.

… und hier, was in den 1990ern beim Kollabieren der Sowjetunion passierte (der ganze Text ist äusserst lesenswert!):

Another key difference: in the Soviet Union, nobody owned their place of residence. What this meant is that the economy could collapse without causing homelessness: just about everyone went on living in the same place as before. There were no evictions or foreclosures. Everyone stayed put, and this prevented society from disintegrating.

Sollte unserer Wirtschaft also irgendwann einmal etwas zustossen, könnte es auf Grund der Besitzverhältnisse (den Banken gehören – wenn ich diese Grafik richtig verstehe – einiges an Wohnraum in der Schweiz) bitter werden. In solchen Fällen würde ich den Kapitalismus gerne mit dem Kommunismus tauschen (wenn es mit der Wirtschaft rund läuft, ist jeder ein Kapitalist und möchte den Gewinn für sich alleine, wenn es mit der Wirtschaft bachab geht, möchte man die Verluste lieber sozial abfedern).

Ich frage mich hingegen, ob man bei einem Kollaps des Kapitalismus wirklich die Leute aus ihren Häusern jagen würde. Was nützte dies den Banken, wenn kaum neue Kauf-Interessenten vorhanden wären? Schliesslich würde kein Wohlhabender in eine mickrige 4.5 Zi-Wohnung ziehen, nur weil er diese für einen Schnäpchenpreis erwerben könnte … Die Alternative? Die Banken beissen in den sauren Apfel, tun nichts (oder nicht viel) und hoffen, dass irgendwie weiter Geld zurückfliesst. Irgendwie auch nicht wirklich plausibel.

Anstelle solchen hypothetischen Schmarren weiterzudenken: Die liberale Marktwirtschaft muss weiterhin ein Erfolgsmodell bleiben. Auf Biegen und Brechen, immer weiter Aufwärts, langfristig einige Prozent mehr Wachstum pro Jahr.

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