Archiv ‘Schweiz’

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Ausverkauf an den Aktienmärkten

aber die Zentralbanken wehren sich weiterhin wie wild.

Wie sagt der Arzt doch manchmal, wenn man mit einem akuten Notfall eingeliefert wird:

„Es hat keinen Sinn, sich dagegen zu wehren, entspannen sie sich endlich! Tief durchatmen! Lassen Sie es geschehen, es gibt nichts, was Sie dagegen tun können. In ein paar Minuten ist alles vorbei.“

Tags: ,
Labels: Schweiz, Wirtschaft

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Dienstag, 7. Oktober 2008

Benennt den Rassistenberg um!

Man kann ja nie genug Petitionen unterzeichen. Deshalb hier mal was ganz besonders sinnvolles:

Rentyhorn Petition

Tags: ,
Labels: Schweiz

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Montag, 6. Oktober 2008

Credit Suisse erhöht frech meine Maestro-Ausgabenlimite

Hätte ich den Altpapier-Stapel nicht noch einmal ganz genau durchgeschaut, so wäre mir durch die Lappen gegangen, dass die Crédit Suisse ihrem Ziel, die Leute zum ungerechtfertigten Konsum zu drängen, wieder ein Schritt näher gekommen wäre.

Die Marketing-Fuzzis der Bude sind dabei äusserst geschickt vorgegangen, als sie mir in einem Brief die vielen, vielen tollen Neuerungen bezüglich der Maestro-Karten näherbringen und mir nebenbei hinterrücks die Ausgabenlimiten gegen oben anpassen wollten:

  • CS legt meine Ausgabenlimite fest Als die Banken noch etwas risikobewusster waren, setzte man das Ausgabenlimit eines Kunden lieber zu tief an. Heute ist man – wie beim Vorbild USA – froh, wenn die Leute dank dem Plastikgeld über ihren Verhältnissen leben und sich verschulden. Zufälligerweise sind die Schuldzinsen exorbitant … und zufälligerweise verdient sich die CS an überschuldeten Kunden dumm und dämlich.

    Falls wir Ihren Talon nicht zurückerhalten, werden die Standardeinstellungen für Inhaber- und Partnerkarte gesetzt

    Ach, wie fürsorglich doch die Crédit Suisse wieder einmal hantiert. Immer im Wohle des Kunden. Weil die Grossbank „wichtige Neuerungen“ bezüglich der Maestro-Card einführt, müssen dem Kunden neue Ausgabenlimiten aufgedrängt werden (5’000CHF pro Tag, 10’000CHF pro Monat). Diese Zahlen muss ein weltfremder Banker mit Millionenbonus ausgetüftelt haben – welcher Schweizer Normalbürger kann schon solche Summen im Monat ausgeben?! Ich warte gespannt auf eine stichhaltige Begründung, wieso diese Korrektur nötig wurde – und man dazu das überall verpönte Opt-Out-Prinzip verwendete. Wenn der Kunde König ist, sollte es an ihm liegen, seine Limite nach oben zu setzen. Nämlich dann, wenn er tatsächlichen Bedarf sieht, und nicht dann, wenn die CS es für richtig hält.

  • Bisherige Limite unbekannt Wie hoch meine derzeitige Limite ist, erfahre ich übrigens nirgends. Auch über diesem geschickten Schachzug haben die Marketing-Affen der CS sicherlich tagelang gebrütet. Wer nicht an die alten Limiten erinnert wird, hat auch weniger Gründe, diese gegen unten zu korrigieren.
  • Pseudo-Couvert. Man muss die Ränder an vier Seiten lecken und den Fusel dann falten und so zusammenkleben. Wieso war es nicht möglich, ein ganz normales, vorfrankiertes B4-Couvert beizulegen, das mit einem selbstklebenden Verschluss versehen ist?
  • Formular-Bürokratie Neben meiner Postanschrift muss ich auf dem Formular auch die IBAN-Nummer sowie die Kartennummer angeben. Ein Schelm, der dadurch eine weitere Abschreckung sieht, das Formular auszufüllen und an die Crédit Suisse zurück zu senden. Tipp: Die gesuchten Angaben finden sich auf der jetzigen Maestro-Karte.
  • Stichtag Nur wer rechtzeitig reagiert, kann das Unheil abwehren; wenn ein Kunde seine Limiten selber festlegen will, muss er sich sputen. Obwohl die Neuerungen erst am 17. November 2008 in Kraft treten (was für ein bescheuertes Datum?!), muss der entsprechende Talon mit dem Änderungsantrag bis Ende Oktober bei der Bank eintreffen. Wahrscheinlich arbeiten die Profis der Grossbank noch mit Lochkarten und brauchen deshalb ein wenig mehr Zeit zur Verarbeitung … Bei der guten, alten Raiffeisen ist die Anpassung der Ausgabenlimiten eine Sache von fünf Minuten, die bequem an jedem Bankschalter durchgeführt werden kann. Zu welchen Leistungen die heutige Informationstechnologie im Stande ist! Logisch, dass da eine Grossbank mit einer Genossenschaftskasse nicht mithalten kann.

Marcel Schuler, Leiter Banking Products & Support, Sie sind mir ein äusserst sympathischer Zeitgenosse!

Tags: ,
Labels: Schweiz

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Sonntag, 5. Oktober 2008

Tilllate enttäuscht mit Redesign

Nach Jahren im Uralt-Kleid aus der Zeit der Dotcom-Blase ging Tilllate.com am 1. Oktober 2008 mit einem kompletten Redesign online (Dank: Daniel).

Nachdem die meines Erachtens am professionellsten betriebene schweizerische Party-Community im Mai 2008 den Wechsel auf Zend Framework bekannt gab, wollte und musste man wohl die mit MVC neu hinzugewonnene Flexibilität zur Schau zeigen. Wohl kaum zufällig wurde nur wenige Monate nach dem erfolgreichen Relaunch der Codebasis ein Redesign präsentiert. Der umgekehrte Weg wäre aus Sicht eines Entwicklers unlogisch gewesen, jedenfalls dann, wenn man es mit Uralt-Code zu tun hat.

Mit Tech-Blog mit Entwickler-Community in Kontakt

Dank der vorbildlichen Öffentlichkeitsarbeit durch das Tilllate Techblog (auf Twitter halten sich die Entwickler um Silvan Mühlemann leider allzustark zurück) wissen Beobachter, welche und wie viele (mit Betonung auf viele) Personen für die Technik hinter der Web-Site verantwortlich sind, auf welche Probleme sie treffen und welche Tools diese einsetzen.

Der Wechsel von selbstprogrammierten Spaghetti-Code auf das PHP-Framework vom PHP-Entwickler Zend höchstpersönlich zeigt das Bestreben der Entwickler, dort auf Open-Source-Software zu setzen, wo dies angebracht ist und Ressourcen schont. Wieso das Rad hunderte Male neu erfinden oder wieso die Gefahr eingehen, mit selber geschriebenem und schlecht getestetem Code unnötige Sicherheitslücken in die Web-Applikation reinzuschmuggeln? Zend Framework bildet eine – zugegebenermassen voluminöse und teilweise einarbeitungsintensive – Basis, auf der man erfolgreich objektorientierte Web-Applikationen mit dem MVC-Konzept realisieren kann.

Andere Artikel auf dem Blog geben zudem Hinweise auf die Verwendung von SVN zur Versionierung von Applikations-Code sowie auf intensive automatisierte Tests. Tilllate kann selbstbewusst vorgeben, welche Mittel Mitbewerber zum Unterhalt der technischen Infrastruktur bereitstellen müssen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Löbliches …

Eines muss man Tilllate lassen: Die Site bricht vollständig mit dem alten Design – angesichts deren Alters ein löbliche Entscheidung. Auch zeigt ein Blick auf den Quelltext der Homepage, dass kein einziger Tabellen-Tag gefunden wird. Ein Hinweis darauf, dass man mit den längst verpönten tabellenbasierten Layouts aus der Zeit der Jahrhundertwende in den wohlverdienten Ruhestand geschickt hat. Stattdessen setzt man intensiv auf CSS, was unter anderem auch die vielen Listen zeigen, die sich im Quellcode finden. Aus meiner Sicht die semantisch korrekte Anwendung von HTML-Elementen.

Endlich wurde auch einer meiner innigsten Wünsche erhört: Die Dimensionen der Bilder wurde gegen oben angepasst. Heute surft niemand mehr mit einer Auflösung von 800×600 Pixeln, die Internetleitungen sind äusserst schnell und Datenspeicher wie auch Traffic sollte auch für Tilllate nicht mehr aller Welt kosten, um Bilder mit brauchbaren Dimensionen und ansprechender Bildqualität abzulegen. Leider scheint es bei der Qualität immer noch Abstriche zu geben. Favorit ist und bleibt in dieser Hinsicht Usgang.ch.

Die Bedienung über die Tastatur war längst überfällig und ist tadellos gelöst. So macht das durchstöbern von Event-Gallerien Spass! (Falls es denn zuverlässig klappen würde – mit dem Blocken der Ad-Server wird anscheinend oftmals kein Foto angezeigt, sondern nur ein schwarzes Loch)

… negatives

Dennoch bin ich bezüglich des Gesamteindruckes enttäuscht: Vor drei, vier Jahren hätte ein solches Redesign die Benutzer vielleicht noch entzückt. Doch leider ist mittlerweile 2008 und es gibt längst einen grossen Platzhirsch, um den man auch hier in der Schweiz nicht mehr herumkommt: Facebook.

Diese Bude zeigt mit ihrem Produkt, wie Social Apps fürs Web 2.0 (Buzzword-Alarm!) heutzutage daherkommen müssen, damit diese eine breite Masse ansprechen und sogar von Mammi und Pappi benutzt werden können.

Vergleicht man das „neue“ Facebook (auch kürzlich online gegangen) mit dem Vorschlag von Tilllate, gewinnt Facebook klar nach Punkten. Selbstverständlich muss man beifügen, dass Facebook über ein vielfach grösseres Budget verfügen konnte als Tilllate und deshalb dementsprechend eine Heerschar an Entwicklern anheuern konnte.

Man darf aber nicht vergessen, dass gerade das Frontend ebenfalls von (genügend) Profis (Usability-Gurus, Interaktions-Spezialisten, Psychologen und was es fürs GUI-Design alles für Experten gibt) bewirtschaftet werden sollte. Falls Tilllate hier wirklich prominente Unterstützung hatte (wer? wie viele?), müsste ich den UI-Designern bei Tilllate ein äusserst schlechtes Zeugnis ausstellen.

Spezifische Kritikpunkte

Was genau stört mich am Redesign?

  • Schwarzer Hintergrund. Ich kenne keine besucherstarke Web-Site, die über einen schwarzen Hintergrund verfügt (spontan: eBay, Amazon, aber auch das ebenfalls kürzlich redesignte Newsnetz mit BernerZeitung und Tagi). Die altbekannte Leier vom Kontrast – ich möchte keine fünf Minuten lang auf eine Web-Site mit solchen Farben schauen.
  • Serifen-Schrift Was bei Newsnetz durchaus Sinn macht – man liest dort im Normalfall Medienartikel – ist für eine Party-Community irrelevant. Hier zählt die einfache Bedienung – für Buttons und andere Bedienelemente ist Sans Serif – allen voran die für die Bildschirmanzeige optimierten Microsoft-Fonts – die bessere Wahl. Ganz hässlich: Tilllate mixt Serif- und Serifenlose Schriften ohne ein für mich klar erkennbares Konzept. Wenn wir gerade beim Schriften-Bashing sind: Wieso findet sich die in der Print-Werbung verwendete Schrift nirgends auf der Web-Site wieder? Und wieso nur ist das Logo weiterhin mit der Impact gesetzt?
  • Schrift-Grösse Auch wenn Jugendliche in der Regel über gutes Augenlicht verfügen – die Standardschriftgrösse ist einfach viel, viel zu klein!
  • Whitespace Die ganze Site macht den Eindruck, als sei sie förmlich mit der Müllpresse komprimiert worden. Motto: Möglichst viel auf einen Screen – und zwar (auch) möglichst viel Werbung. Web-Design im 2008 muss aber atmen können, und Whitespace ist der Schlüssel dazu (Ich gebe mich als Fan von Oli und seinen Information Architects zu erkennen, die für tamedia Newsnetz gestaltet haben – übrigens per Zufall auch die Mutterbude von Tilllate)
  • Asset-itis Beim Betrachten einer Photo-Gallery werden um die zwanzig Javascript-Dateien nachgeladen. Muss das sein? Was für den Entwickler angenehm ist, um die einzelnen Libraries abzukapseln, ist für den Browser mühsam. Auch verstehe ich nicht, wieso die Javascript-Dateien alle mit einem GET-Parameter geladen werden? Somit können diese (meines Wissens) vom Browser nicht gecachet werden.

It’s the business model, stupid!

Zugegeben – einen frappanten Unterschied gibt es zu Facebook: Tilllate verfügt über einen deutlich besseren Business-Plan, was die nachhaltige Profitabilität anbelangt. Die Überflutung der Titelseite mit Werbung (ich blocke zu Hause Ad-Server auf DNS-Ebene, weshalb die Titelseite recht ruhig erscheint) zeigt deutlich, wie Tilllate die Löhne seiner Mitarbeiter bezahlt.

Zukunftsaussichten

Dennoch bin ich gespannt, ob Party-Communities auch die nächsten Jahre ihre Daseinsberechtigung beibehalten können. Schlussendlich wären Party-Föttelis nur ein Facebook-Feature unter vielen.

So komisch es vor einigen Jahren klang: Doch heute scheint sich der Web-Benutzer daran gewöhnt zu haben, mit dem realen Namen im Web aufzutreten. Aus dieser Warte erscheint die Identifikation der Benutzer mit Nicknames und die Unmöglichkeit, Personen mit ihrem richtigen Namen zu suchen, als zunehmend grosses Manko von Tilllate & Co.

Tags: ,
Labels: Medien, Schweiz, Web

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Sonntag, 5. Oktober 2008

Wir Rosinenpicker und die EU: Teil 33

Die Schweiz hat in Frankfurt vorgefühlt, ob die Europäische Zentralbank (EZB) helfen würde, wenn es für eine Rettungsaktion aus eigener Kraft nicht reicht; die Rede ist von einem Geheimabkommen.

Quelle: Das Magazin » Die Schweiz nach dem Crash

Seit ich am Challenge Europe 2008 in Brüssel unter anderem auch die Meinung eines europäischen Unterhändlers gehört habe, befürchte ich, dass uns als Nicht-Mitglied eine solche Rettungsaktion sehr, sehr teuer zu stehen käme (und damit meine ich nicht nur finanzielle, sondern auch symbolische Aspekte).

Obwohl zu hoffen bleibt, dass die UBS von dem hier hypothetisch angesprochenen Schicksal verschont bleibt: Zu Gern würde ich SVP, AUNS und FDP der EZB applaudieren sehen, wenn sie uns zu Hilfe eilt … (und die Spin-Doctors der Parteien uns diese Unterstützung als Sieg der Schweiz über die EU verkaufen sehen).

Tags: , ,
Labels: Politik, Schweiz, Wirtschaft

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Dienstag, 30. September 2008

Roger Federer – grösster Tennisspieler aller Zeiten

Wieso? Deshalb:

[…] given Agassi’s position and world-class quickness, Federer had to send that ball down a two-inch pipe of space in order to pass him, which he did, moving backwards, with no setup time and none of his weight behind the shot. It was impossible. It was like something out of “The Matrix.”

Quelle: Roger Federer as Religious Experience – Tennis – New York Times

Zugegebenermassen kenne ich mich mit Tennis zu wenig aus und schaue Federers Matches selten bis nie, um mich an die im verlinkten Artikel beschriebene Szene zu erinnern. Es tönt aber fantastisch.

(Notabene: Der Autor dieses Artikels, David Foster Wallace, hat sich kürzlich das Leben genommen)

Tags: ,
Labels: Medien, Schweiz

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Dienstag, 30. September 2008

Traumjob Konjunkturforscher

Die Ökonomen der Grossbank widersprechen den Konjunkturforschern der ETH: Im nächsten Jahr bleibt die Schweiz von einer Rezession verschont.

Quelle: CS-Prognose: Schweiz rutscht nicht in Rezession – Wirtschaft – Bernerzeitung.ch

Ist schon jemals eine Prognose dieser Gilde eingetroffen?

Mein Vorschlag: Lasst diese Konjunktur-Deppen (zu Zeiten Christus‘ nannte man den Berufsstand noch Propheten, Wahrsager und Kaffeesatzleser) mit ihrem Lohn haften: Treffen die Zusagen nicht ein, haben die Blöterli-Giele halt für einige Monate umsonst gearbeitet.

(Langsam werde ich so radikal wie mousseman)

Tags:
Labels: Schweiz, Wirtschaft, Wissenschaft

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Dienstag, 30. September 2008

Handy-TV im künstlichen Koma

Aber die gute alte Swisscom muss ihre durch die Monopolrente erzielten übermässigen Gewinne ja irgendwie loswerden, deshalb wird alles ins Handy-TV gebuttert:

Swisscom will ab dem 1. Oktober ihr TV-Angebot fürs Mobiltelefon erweitern.

Quelle: ICT News – Swisscom mit erweitertem TV-Angebot fürs Handy

Motto: „Und auch weiterhin schaut niemand zu!“

Selbst Kollege Randal, der sich vor ca. einem Jahr auf dem Heimweg vom Europapark Star Wars auf einem 8cm2 Bildschirm angetan hat (bis der Akku leer war), hat mit solchen Macken aufgehört. Mitgeholfen hat sicherlich, dass er die eierlegende Wollmilchsau von Sony Ericsson irgendwann einmal verloren hat und jetzt Fäbis Handy austrägt, das – für die Mitmenschen erfreulich- kein Handy-TV mitbringt.

Kennt da draussen jemand jemanden, der sich regelmässig Handy-TV antut? Ich jedenfalls nicht.

Tags: ,
Labels: Schweiz

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Freitag, 26. September 2008

SVP bestimmt, wer ihr Bundesrat wird

Für Diskussion sorgen dürfte am Dienstag denn vor allem auch die von der Parteileitung eingebrachte Statutenänderung, nach der Mitglieder, die sich künftig ohne offizielle Nominierung in den Bundesrat wählen lassen, aus der Partei ausgeschlossen würden

Quelle: SVP zwischen Machtanspruch und Wahlerfolg (Schweiz, NZZ Online)

Eine wahrlich drakonische Strafe. Ich glaube aber gehört zu haben, dass im Parlament die BDP noch Mitglieder sucht, um Fraktionsstärke zu erreichen …

Tags: ,
Labels: Politik, Schweiz

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen

Freitag, 26. September 2008

Eindrücke aus der Herbstsession des Nationalrates

Letzten Mittwoch (24. September 2008) durfte ich zum ersten die Wandelhalle des Bundeshauses betreten und auf der Zuschauertribüne einer Nationalratssitzung lauschen.

Nachfolgend einige Eindrücke vom Geschehen:

  • Im Glasdach der Kuppel sucht man das Wappen des Kantons Jura vergeblich. Ist ja auch logisch – der Kanton wurde erst vor dreissig Jahren, 1978, gegründet. Ich kann mir Bildhaft vorstellen, wie die Wandmaler ins Schwitzen kamen, um einen geeigneten, dezenten Ort für die Position des zusätzlichen Wappens zu finden. Die Lösung ist ein gutschweizerischer Kompromiss (geht selber mal vorbei und sucht das Wappen an der Decke …)
  • Allgemein erschien mir die Ausstattung der Wandelhalle etwas gar … heterogen. Hier die vier Soldaten aus allen Landesteilen, dort die drei Eidgenossen, die ihre Hände nicht etwa zum Schwur erheben, sondern auf den Bundesbrief legen. Dann wieder griechisch anmutende Reliefs und Statuen, umgeben von Glasscheiben, die Szenen aus dem späten 19. Jahrhundert wiedergeben. Soll alles wohl die Vielfältigkeit des Landes repräsentieren?
  • Der Laden ist derzeit immer noch eine grosse Baustelle. Der Glanz fehlt dem Gebäude derzeit offensichtlich.
  • Christoph Mörgeli (SVP, ZH), dem wir faktisch im Rücken sassen (ca. 10m Luftlinie), outete sich sich als eifriger Facebook-Chatter. Chapeau – ausgerechnet ein SVPler, der sich ohne Berührungsängst neuen Technologien stellt?!
  • Anti-Offroader Bastien Girod (Grüne, ZH) teilt sein Pultli mit dem Kommunisten Zysadis. Girod trug ein schwarzes Hemd, keine Cravatte – und zeigte (wie viele der Anwesenden) kaum Interesse an den Reden.
  • Auf den meisten Pultlis standen Laptops. In 99,9% der Fälle schien es sich um IBM Thinkpads zu handeln (12″ oder 14″? Ich vermute letzteres). Unter den wenigen Abweichlern kann ich mich am besten an Frau Nationalrätin Thorens (Grüne, VD) erinnern. Sie arbeitete – farblich zu ihrer Garderobe passend – mit einem MacBook Air. Gratulation! Hinter ihr gab es noch eine andere Nationalrätin mit einem älteren iBook.
  • Vom Sicherheitsbeamten wurden wir darauf hingewiesen, auf der Zuschauertribüne keinen Lärm zu verursachen. Als wir Platz genommen hatten, liess uns die Bitte nur noch schmunzeln: Unten im Rat war ein solcher Lärm, dass wir schon mit einem Ghettoblaster in voller Lautstärke hätten auftreten müssen, um uns Gehör zu verschaffen.
  • Pascale Bruderer – hübsch wie eh und je – sass im linken Ecken (von der Tribüne aus gesehen) und nutzte gar einmal die Möglichkeit, einem Redner eine Frage zu stellen (das ist also auch möglich – wusste ich nicht!)
  • Selbstverständlich entdeckten wir auf dem Wandgemälde den Engel in den Wolken und den Fisch in der Felswand.
  • Auf der Tribüne sitzend kann man mit seiner Namenskenntnis schweizerischer Parlamentarier auftrumpfen.

Showdown im La Gioia

Als die Mittagspause nahte, verabschiedeten wir uns von den doch eher langweiligen Monologen über die Abfallgesetzgebung (Littering) und die Herabsetzung des Wahlrechts auf 16 Jahre (super Evi!) – und begaben uns zum Mittagsessen in das Restaurant La Gioia (jetzt kann ich den Namen richtig schreiben). Notiz am Rande: Vor dem Restaurant weht tatsächlich eine EU-Flagge!

Als wir uns an die für uns reservierten Tische im 1. Stock des Restaurants setzten, ging es wie ein Lauffeuer durch unsere Gruppe: Bundesrat Schmid sass unweit mit dem Rücken zu uns an einem Tisch. Gesellschaft leistete ihm ein eher jüngerer Mann – viele vermuteten in ihm den Bodyguard, aus meiner Sicht hätte es auch ein Beamter gewesen sein können. Wir wussten zu diesem Zeitpunkt bereits, dass Schmid am Morgen die für ihn so wichtige Abstimmung verloren hatte. Deshalb erstaunte es uns nicht gross, dass er eine Stange vor sich stehen hatte. Viele überlegten sich, zu ihm zu gehen, ihm auf die Schulter zu klopfen und Mut zuzusprechen.

Parteipräsident a.D.

Etwa 10-20 Minuten später erneute Aufruhr in der Gruppe: Ueli Maurer und Adrian „Richard Gere“ und „Voralpen-Blocher“ Amstutz kamen die Treppe hinaufgestiegen – und blieben für einige Sekunden irritiert, als sie den jetzigen BDP-Bundesrat erblickten. Einen kurzen Augenblick zögerten die beiden, entschieden sich dann doch, einen Tisch zu suchen. Wohl nicht zufällig wurde einer gewählt, der möglichst weit vom Widersacher entfernt war. Gegrüsst wurde der halbe Bundesrat nach SVP-Manier selbstverständlich nicht.

Wir Liberalen

Nachdem sich die Ruhe wieder gelegt hatte, erschien Georges Theiler (FDP) und ein Kollege auf der Bildfläche. Diese grüssten den Bundesrat freundlich – und setzten sich schlussendlich zu ihm, um gemeinsam mit ihm Mittag zu essen.

Parteipräsident i.D.

Wieder etwa 15 Minuten später die nächste Episode: Nun hatte Blochers Ziehsohn Toni Brunner seinen Auftritt – mit zwei Personen im Schlepptau. Das Spiel wiederholte sich – als er Schmid erblickte, hielt er inne. Im Gegensatz zum Duo Maurer/Amstutz war es ihm mit Kehrtum-Marsch ernster. Doch auch er brachte es dann irgendwie doch nicht übers Herz und entschied sich, im Restaurant zu bleiben. Da es auf unserer Seite keine freie Tische mehr gab, musste er aber im Gegensatz zu Maurer & Co. an Schmid vorüberziehen. Auch Nationalrat Brunner suchte sich ein Plätzchen möglichst weit vom Verteidigungsminister. Gegrüsst wurde der Erzfeind selbstverständlich auch nicht – wo käme man da hin? Immerhin die Frau in Brunners Begleitung grüsste den Bundesrat höflich.

Fazit: SVPler und BDPler scheinen auf die gutschweizerische italienische Küche des La Gioia abzufahren. Wie sich die Streithähne benehmen ist hingegen unter aller Sau.

Labels: Politik, Schweiz

Keine Kommentare | neuen Kommentar verfassen