Am Freitag, 6. März 2026, am Mittwoch, 11. März 2026, und Freitag, 27. März 2026, bin ich mit dem Kauf folgender Titel in den vermutlich bald volatilsten Aktienmarkt meines Lebens rein:
Ajinomoto. Nahrungsmittel- und Biotech. Beliefert die Halbleiterindustrie (!) mit Ajinomoto Build-up Film (ABF) zur Isolation von Halbleitern. +0.9%
Global X Uranium UCITS ETF USD Accumulating. Atomkraft-ETF (derzeit der schlechteste performende Kauf). -7.6%
iShares MSCI World Energy Sector UCITS ETF USD. Energie-ETF mit riesiger Exposure gegen die Erdölindustrie. +13.7%
Anfänglich sah meine Auswahl als kompletter Fehler aus, aber es scheint, als sei ich aus irgendeinem Grund einfach „zu früh“ rein und einige Titel haben sich nun doch so entwickelt, wie ich ursprünglich erhoffte. Dabei brauchte es wirklich nicht viel Kenntnisse, um das sich anbahnende Disaster einzusehen.
Worst Case: 97’000 Menschen könnten sterben (Quelle). Mit 10 Tagen Abstand leicht übertrieben. Derzeit sind es hierzulande um den Faktor 100 weniger Tote; aber seien wir fair und schätzen die finale Zahl der Toten auf 9700; d.h. immer noch um Faktor 10 vertan.
Government officials and executives at rival ventilator companies said they suspected that Covidien had acquired Newport to prevent it from building a cheaper product that would undermine Covidien’s profits from its existing ventilator business.
“We are also trying to be more flexible in how we support patients … to try and prevent patients from needing vents at all,” Bilazarian said of her hospital. In other words, hospitals are trying to use less invasive electronic breathing devices first (such as the mask-like BIPAP machines, which are sometimes used for people with sleep apnea) to stave off the need for full intubation.
Das ist auch meine Meinung. Insbesondere bezogen auf eine angetönte „Rettung“ der Swiss: Das Unternehmen hat in den letzten drei Jahren 1.8 Milliarden (561 MCHF im 2017, 636 MCHF im 2018, 578 MCHF im 2019) an Gewinn erwirtschaftet. Es gehört der deutschen Lufthansa, welcher wir die Airline seinerzeit für ein Butterbrot verkauft haben. Wieso sollte die Eidgenossenschaft nun ausgerechnet diese Airline retten (und alle anderen nicht, welche die Schweiz auch anfliegen)? Wenn, dann schnüren wir ein nettes Paket Geld gegen Aktien und Neuverhandlung des Anflugsregimes. Wenn nicht jetzt, wann dann?
Today’s problem is a health issue. Fiscal and monetary stimulus will help, but only a vaccine or cure for the coronavirus can lift the uncertainty and put a floor under capital markets.
Companies might be forced to choose between efficiency and supply chain security. Their decision could result in higher-paying manufacturing jobs, but at the expense of lower profit margins or higher prices.
[…] TV journalists and politicians confidently saying that the coronavirus would be no worse than the flu. […] How could they feel safe saying such things?
[…] An epidemic is different. It falsifies your predictions rapidly and unequivocally.
But epidemics are rare enough that these people clearly didn’t realize this was even a possibility. Instead they just continued to use their ordinary m.o., which, as the epidemic has made clear, is to talk confidently about things they don’t understand.
Das erklärt dann auch gleich folgende Feststellung eines ZKB-Bankers:
Andreas Küffer, Währungsspezialist bei der Zürcher Kantonalbank. Er spricht von historisch einmaligen Kursausschlägen: «So heftige Bewegungen innerhalb so kurzer Zeit gab es noch nie.»
The 1990s was the best calendar decade in history for stocks, with an annual gain on average of 17.5%. This decade, by contrast, was the worst calendar decade for stocks going all the way back to the 1820s…
„The only thing we really learned in this extremely flashy, seven-month, 60%, nine-point multiple expansion-led rally, is that momentum investing never did become extinguished this cycle. It is really a fascinating commentary on human behavior that so many ‚investors‘ are lamenting about how ‚the train has left the station‘ without them. Please, give us a giant break! The train has left the station countless of times in the last 10 years but obviously none of these trips lasted very long because the reality is that equities have failed to generate any positive return over this time interval.
The bounce has helped investors recover about 45% of what they lost. But, overall, there have been no gains in the stock market for more than 10 years. None. Factor in the effect of inflation and the story is worse; investors have lost about 25% to 30% of their money.
Aber hey, die UBS steht nun schon auf über 17 Stutz. Der Aufschwung ist da, werft die Maschinen an, stellt Mitarbeiter ein – wir produzieren uns jetzt aus der Krise.
„Everyone ought to be rich!“ hiess es schon in den 1920ern, als die grossen Finanzhäuser und Trusts dem kleinen Mann Aktien andrehten. Es brauchte nach der Grossen Depression einige Generationen, bis sich wieder eine Menge Dumme fanden, die ihr kleines Vermögen bereitwillig in Aktien investierten:
The proletariat began buying stocks in the ’80s. The ’shareholder nation‘ was a dream of Maggie Thatcher and Ronald Reagan: Everyman a Capitalist.
Eine sehr gute Abhandlung über die Prämissen der letzten 30 Jahre, die Bill Bonner da präsentiert. Ganz treffend ist auch folgende Passage:
A real capitalist is eager to cut his labor costs. If hourly wages rose too high…he’d want to move to a lower-cost production center. And if the managers asked for too much – he’d fire them and get new ones.
But neither the working stiffs nor the suits shared the owners‘ interest in cutting labor costs and preparing for the future.
Nun sind wir also wieder einmal an einem Scheideweg. Wie 1930 glauben einige, dass nun bereits das Schlimmste überstanden ist und beginnen wieder damit, Aktien zuzukaufen. Mal schauen, ob nach 2009 ein weiteres 1932 folgt. Die Bärenrally hält jedenfalls ihren Knüppel bereit.
Gleichwohl nimmt niemand die Möglichkeit des kompletten Scheiterns ernst, und in dieser Hinsicht sind Finanz-, Energie- und Klimakrise wahlverwandt. Man hält einen Zusammenbruch des Finanz- und Wirtschaftssystems einfach für unmöglich, und ebenso wenig kann man sich vorstellen, dass die fossilen Ressourcen schon in wenigen Jahren so knapp werden, dass selbst in den reichsten Ländern der Welt Bezieher von niedrigen Einkommen ihre Wohnung nicht mehr heizen können.
Gestern hat uns Fabio, der sich (kaum verwunderlich, da entsprechend investiert) auf die Seite der Optimisten, einen Gratis-Tipp gegeben: Im April 2009 solle man wieder in Aktien einsteigen – der Bullenmarkt ist nur noch einige Monate entfernt!
Ich als erklärter Pessimist schlage mich derzeit (noch?) auf Welzers Seite. Irgendwie traue ich angesichts der Entwicklungen seit September 2007 nicht, dass der „kleine Betriebsunfall“ bereits überstanden ist …
Wenn ich mich durch die Weltgeschichte bewege, sage ich mir – wie Welzer – aber doch immer wieder erstaunt:
Selbstverständlichkeiten verändern, liegt auch daran, dass die fühlbaren Veränderungen nur einen Teil, oft einen verschwindend geringen, der gelebten Wirklichkeit betreffen. Es wird chronisch unterschätzt, wie viel die Routinen des Alltags, die gewohnten Abläufe, das Weiterbestehen von Institutionen, Medien, Versorgung dazu beitragen, dass man glaubt, eigentlich würde gar nichts weiter geschehen: Busse fahren, Flugzeuge fliegen, Autos stehen im Feierabendstau, die Geschäfte dekorieren weihnachtlich.
Und doch gibt es einige dunkle Wolken am Horizont. Verschwinden sie bald, oder kommen sie rasch näher? Im April wissen wir mehr …
Mario Aeby, geboren am 25. September 1980 in Bern, Schweiz
Ein Weblog über IT (Linux, OSS, Apple), Heim-Automation; mein mittlerweile abgeschlossenes Geschichtsstudium; Erkenntnisse aus meiner aktuellen Tätigkeit in der Informationssicherheit, meine Erfahrungen als IT-Berater, IT-Auditor, Web-Developer und IT-Supporter; die Schweiz, den Kanton Bern, meine ursprüngliche und auch wieder aktuelle Wohngemeinde Neuenegg, meine vorherige Wohngemeinde Bern, über lokale, regionale und globale Politik; meine Reisetätigkeit und Erfahrungen mit anderen Kulturen; und zu Guter letzt auch das Älter werden.
Alle in diesem Blog gemachten Aussagen und Meinungen sind persönlich und nicht als Ansichten meines aktuellen und/oder meiner bisherigen Arbeitgeber zu verstehen.