Archiv ‘Schweiz’

Dienstag, 27. November 2007

Mitte-Links

Dass der Staat nicht alles richten kann, wissen vor allem die Jungen. Viele waren zeitweise ohne Job und mussten auf bittere Weise lernen, sich im Markt zu bewähren. Die heutige Generation der 20- bis 40-Jährigen ist eigenverantwortlich und leistungsorientiert. Diese Generation will weiterkommen und sich Wohlstand erarbeiten. Dennoch stehen viele ein für die Schwächeren und für die Umwelt, aber sie wissen, dass der soziale Ausgleich nur auf dem heutigen Niveau gehalten werden kann, wenn sich das Land einer wettbewerbs- und wirtschaftsfreundlichen Politik verschreibt. Mit den Gewerkschaftsfundis aber haben sie kaum mehr was am Hut, auch nicht mit einer Parteispitze, die noch im 68er-Mief verharrt.

Quelle: SonntagsZeitung, 28. Oktober 2007, „Neue Signale setzen“, S. 67.

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Montag, 26. November 2007

Schreckgespenste UBS und Uefa

Leser meines Blogs wissen, dass ich wohl so ein Prototyp dieser Winterthurer-Neinsager bin:

«Die Leute freuen sich zwar auf die EM, doch sie sehen nicht ein, warum die Stadt ein Projekt unterstützen soll, hinter dem Milliardenunternehmen wie die UBS und die Uefa stehen.»

Quelle: Winterthur will keine Euro-Arena der UBS

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Montag, 26. November 2007

Kleine Genugtuung am Ende der Wahlen 2007

Bye, bye Ständeratskandidat Ueli Maurer und Ständeratskandidat Toni Brunner. Für einen SPler wie mich ist das heutige Wahlresultat Balsam für die Seele – schliesslich wurde unsere Partei bisher (verdienterweise) nicht verwöhnt.

Da die Zeitungen morgen voll sein werden über die Nichtwahl der beiden SVP-Ikonen, beschränke ich mich auf die Nennung einiger Spitzfindigkeiten:

  • Ich hatte recht! Der Tagi gab Diener zwar nie eine Chance (der Liebling der Tagi-Journalisten war und bleibt SPlerin Gallade), und auch Kollege Zgräsch und Kure sahen letzten Samstag in Zug Ständerat Maurer schon mit triumphierendem Lächeln ins Stöckli einziehen. Dabei ist es doch arithmetisch ganz simpel: Links von der SVP gibt es nun halt einfach mehr Stimmen zu holen.
  • Doris Fiala, Zürcher FDP-Präsidentin, will zurücktreten. Wieso? Die FDP würde lieber ihre Parteibasis auswechseln.
  • Maurer wählen und als Gratisbeigabe den Schlüer doch noch in den Nationalrat katapultieren? Da kriegten selbst FDPler den Bammel. Liebe Freisinnige: Bei einer solchen Drohkulisse darf man ruhig „über den Zaun grasen“.
  • Freisinnige denken … freisinnig. Wäre ja gelacht, wenn die Liberalen stramm nach Parteirichtlinie marschieren würden.
  • Linke bleiben nicht frustriert zu Hause, wenn kein Kandidat der ihrigen mehr zu wählen ist. Sie wägen ab und wählen des kleinere Übel.
  • Die SVP darf wieder in die übliche Opferrolle schlüpfen: „Wir gegen den Rest der Welt!“ – „Mit Fahnen und Trompeten in den Untergang!“
  • Wenn Toni Brunner in vier Jahren gegen nicht-bisherige antreten muss, wird er die Wahl ins Stöckli problemlos schaffen.
  • These: Wahlen nach den Wahlen sind ein gewisses Korrektiv – hat eine grosse Partei zu gut abgeschnitten, werden in den Nachwahlen die Verlierer gestärkt. Typisch Schweizerisch eben: Hauptsache, es gibt keine klaren Gewinner.

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Samstag, 24. November 2007

Der FC Thun und das Mädchen

Kann eine 15-Jährige Sex haben wollen mit einer ganzen Fussballmannschaft?

Quelle: MÄDCHEN, 15

Wie auch immer: Die Rechtslage ist klar:

Das Gesetz kennt da keine Grautöne: Die sind erwachsen. Die 15-Jährige nicht.

Und doch bleibt der schale Nachgeschmack:

Ein genauer Blick auf die Ereignisse ist (noch) nicht möglich. Nur so viel, dass hier wohl Möchtegernstars auf eine Möchtegernfrau getroffen sind. In einer Möchtegernwelt, wäre noch anzufügen.

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Freitag, 23. November 2007

Our Man in Fribourg


Our Man in Fribourg
Originally uploaded by emeidi

Na, wenn das nicht der Tscheche ist!

PS: Über Drittfirmen Angestellte Microsoft-Mitarbeiter erkennt man an dem der E-Mail-Adresse vorangestellten „v-„.

PPS: Tom, jetzt hast du endgültig verloren. Beim nächsten Rundmail von Zgräsch wird deine Geschäftsadresse für Drei- und Vierfachkopien missbraucht.

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Donnerstag, 22. November 2007

Gratis-Parkplätze versteigern!

Alle Gratis-Parkplätze auf öffentlichem Grund sollen aus Basel verschwinden. Als Novum wird eine Jahresparkkarte eingeführt, mit der auch Auswärtige ihr Auto in der blauen Zone abstellen können.

Quelle: Basel schafft Parkkarte für Pendler

Wunderbar! Ich würde aber noch einen draufsetzen und eine Auktion veranstalten. Die begehrten Karten gehen an den Meistbietenden weg.

Lassen wir den Markt spielen! Schliesslich handelt es sich bei Parkplätzen um ein knappes Gut.

Wer nicht mitbieten kann/will, reist künftig mit dem öffentlichen Verkehr an. Und merkt, wie angenehm (und günstig) das Pendeln eigentlich ist.

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Mittwoch, 21. November 2007

SP-Häuptling


SP-Häuptling II
Originally uploaded by emeidi

Heute Mittwoch durfte ich am regionalen Parteitag der SP Region Bern teilnehmen. Eingeladen war ein prominenter Redner: Der Präsident der SP Schweiz, Hans-Jürg Fehr. In einer ca. 45-minütigen Rede analysierte er die Wahlniederlage vom 21. Oktober 2007 – und betonte vorgängig, dass es sich dabei nur um einen Analyse-Zwischenstand handle.

Obwohl ich hier gleich nach den Parlamentswahlen seinen Rücktritt gefordert habe – eine so fundierte, gut strukturierte und exzellent vorgetragene Analyse hätte wohl kaum ein anderer Genosse hingekriegt.

Stammtisch oder Philosophie Sternstunde?

In der anschliessenden Diskussion wurde von einem Parteimitglied die Frage in die Runde geworfen, wie die SP wieder näher an den Mann kommen könne. Allzusehr hafte der Partei der intellektuelle Touch an, welcher potentielle Wähler abschrecke und so in die Arme der Populisten treibe.

Hier erkannte ich das Dilemma unsere Partei: Gegen innen war und ist Fehr die optimale Besetzung für den Posten des Präsidenten. Denn hier spricht er die meiste Zeit zu „Intellektuellen“ (ob wir das nun hören wollen oder nicht – ist nun mal so, dass in der SP, wie ich sie seit meinem Beitritt von 2004 kenne, kaum noch Büetzer mit dreckigen Händen sitzen).

Und doch wünscht man sich dann, wenn der Präsident eben nicht zu denjenigen Personen spricht, die er längst für sich gewonnen hat, jemanden von einer einfach gestrickteren Natur, mit einem kleineren Wortschatz – aber mit agitatorischen Fähigkeiten. Rein nur der Show willen. So ein urchiger Bodenmann halt.

Baldrian für die Seele

Mein Eindruck nach Fehrs Rede: Die Probleme sind erkannt und dürfen beim Namen genannt werden. Die Worte des Häuptlings liessen keine Zweifel aufkommen und machten Mut – so schlimm steht es noch nicht.

Ein Abschnitt seiner Rede erinnerte mich an meine eigenen Worte, die ich in einem anderen Zusammenhang hier niederschrieb:

Schaue ich mich in meiner örtlichen Sektion um, finde ich kaum mehr einen Büetzer alter Schule (Industriearbeiter), der momentan in der Dorfpolitik aktiv ist. Ist das so schlimm? Ich finde: Nein. Angehörige anderer Parteien mögen uns daraus einen Strick drehen – doch nur weil wir andere Berufe ausüben als die „Gründerväter“ der Partei im 19. Jahrhundert, die Internationale weder auswendig noch singen können, müssen wir nun wirklich nicht aus der Partei austreten. Wo sollten wir auch hin?

Denn: Öffnet man diesen eingeengten Blickwinkel etwas und betrachtet die Eltern der SP-Politiker, findet man oftmals die verschollen geglaubten Büetzer wieder (so jedenfalls meine These). Unsere „Legitimation“ ist es folglich, in einem Büetzer-Haushalt aufgewachsen zu sein. Wir leben das Gedankengut weiter, das wir von unseren Eltern mitgegeben erhalten haben, ohne uns aber dem Wandel der Zeit zu verschliessen. Viele von uns mögen zwar nicht mehr einer Gewerkschaft angehören, vielen dort gelebten Werten leisten wir immer noch Folge. Nicht zuletzt dank der politischen Vorarbeit und Schufterei unserer Eltern war es uns möglich, Gesellschaftlich aufzusteigen; in den Gymer zu gehen und zu studieren. Hätten Sozialdemokraten im 20. Jahrhundert nicht dafür gekämpft, stünden wir heute nicht hier.

Quelle: Hetze gegen Staatsangestellte

Fehr drückte es ähnlich aus: Die Arbeiter hätten sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in die bürgerliche Gesellschaft integriert und diese von innen heraus umgeformt. Gäbe es beispielsweise das Frauenstimmrecht oder das Partnerschaftsgesetz, wenn es nicht von offenen Geistern aus der SP vorangetrieben worden wäre?

Verdienter Applaus

Der Applaus, der fast in Standing Ovations auszuarten drohte, gab dem Präsidenten die Gewissheit, im parteipolitischen „Mittelstand“ der SP gut verankert zu sein und für seine Arbeit im Wahlkampf honoriert zu werden.

Oder doch zu früh Friede, Freude, Eierkuchen?

Einzig Peter Vollmer liess in seinem Votum durchblicken, dass er noch nicht ganz an die Selbstheilungskräfte der Partei glaubt.

Die Zukunft wird den Weg weisen

Ich bin gespannt, wie das Wahlresultat von 2011 aussehen wird. Mit einer Wirtschaft, die nicht mehr so ganz rund läuft, und krawallfreien Wochen vor den Wahlen sollte die SP problemlos fähig sein, Ränge gutzumachen.

Wichtig: Das nächste Mal erwähnen wir Herrn Blocher mit keinem Sterbenswörtchen – wer weiss, ob die SVP zu diesem Zeitpunkt nicht gar längst in den „Erbfolgekriegen“ stecken wird …

Nachtrag

Am 28. Oktober, eine Woche nach der Wahlniederlage, fuhr Peter Rothenbühler gegen Hans-Jürg Fehr schweres Geschütz auf:

Eine Partei, die einen wie Sie zum Präsidenten macht, ist einfach selber schuld. Womit wirklich nichts nachteiliges über sie gesagt sein soll. Sie sind ja der Inbegriff einer gewissen aufgeschlossenen Hochanständigkeit. Aber einfach kein Parteipräsident. […]

[…] Was sagt man Ihnen nach? Fairness und ausgleichendes Wirken. Das heisst doch so viel wie Langweiligkeit und mangelndes Charisma. […]

Aber eben, in ihrer Partei gibts zu viele Leute, die echt froh sind, dass es in der SP keine überragenden Leadertypen mehr gibt wie einst Helmut Hubacher oder Peter Bodenmann. All jene, die jetzt Ihre Meriten über den grünen Klee loben, wollten doch nie, dass da einer herausragt.

Quelle: SonntagsZeitung, 28. Oktober 2007, „Lieber Hans-Jürg Fehr“, S. 15.

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Mittwoch, 21. November 2007

Gemüsebaukurse 1916

Dass zu Ende der Kurse zirka 100 Teilnehmer weniger waren als zu Anfang, erklärt sich ohne weiteres durch den Militärdienst vieler Kursteilnehmer. Daneben gibt es ja immer Einzelne, die nicht aus eigentlichem Interesse Kurse besuchen, sondern etwa „weils Mode ist“. Diese Elemente harren gewöhnlich nicht bis zum Ende aus, was meistens auch nicht Schade ist …

Die Klage, dass immer noch zu junge Teilnehmer zu den Kursen zugelassen werden, will nicht verstummen. So die „belebteste“ Zeit der schönen Flegeljahre sollte man hinter sich haben, bevor man sich zur Teilnahme an einem Kurse meldet. Es gibt sonst leicht zuviel „Betrieb“.

Quelle: Tätigkeitsbericht der Oekonomischen und gemeinnützigen Gesellschaft des Kantons Bern 1917. Bern: Buchdruckerei R. J. Wyss & Erben, 1918, S. 17f.

Zwar mangelte es damals noch garantiert an „Schülern“ mit „Migrationshintergrund“ – der Radau im „Klassenzimmer“ schien aber damals nicht weniger geherrscht zu haben als heute

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Dienstag, 20. November 2007

AKWs: Profite privatisieren …

… das Risiko aber tragen alle Steuerzahler:

Zurzeit müssten Atomkraftwerk-Betreiber Schäden nur bis zu 1 Milliarde Franken bezahlen. Bei einer potenziellen Schadenssumme von rund 4300 Milliarden Franken sei dies nur ein Tropfen auf den heissen Stein […]

Quelle: «Stopp Atom» kritisiert Haftpflichtregelung

Freie Marktwirtschaft – jetzt!

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Montag, 19. November 2007

Der direkteste Weg


Der direkteste Weg
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Der direkteste Weg (Google Maps)
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Unterwegs mit einer Paketsendung

Vor einigen Woche gab ich auf der Post hier in Neuenegg ein Paket auf, das in das 43 Kilometer entfernte Kiesen geliefert werden sollte.

Dank der heute standardmässig vergebenen Track & Trace-Nummer konnte ich den Weg des zwei Kilogramm schweren Päcklis sofort nach der Aufgabe über das Internet verfolgen.

Und so bekam ich unmittelbar das Perfide von optimierten Transportprozessen zu gesicht:

  • 3176 Neuenegg (BE)
  • 1306 Daillens (VD) – 108km
  • 4624 Härkingen (SO) – 152km
  • 3629 Kiesen (BE) – 77km

Total: 338km. Damit hätte das Paket fast acht Mal von Neuenegg nach Kiesen transportiert werden können.

Aber äbe: Das funktioniert nur, solange sich der Treibstoff für die LKWs des Gelben Riesen in erschwinglichen Regionen bewegt. Und der Strompreis und die Kapazität für den Eisenbahntransport ebenfalls günstig zu haben sind.

Wenn die Energie im nächsten Jahrzehnt um ein Vielfaches teurer wird, dürfen die BWLer der Post wieder ran – und auf den Rappen genau optimieren. Wetten, dass die Route dann näher bei 43 Kilometer als bei 338 Kilometer liegt?

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