Archiv ‘Wirtschaft’

Montag, 31. März 2008

Aktie si geil!

Diesen Satz hörte ich letzten Sommer (2007) aus dem Munde einer Bekannten (HKP, wen’s interessiert). Spätestens dann wäre der Zeitpunkt da gewesen, aus dem „Investment“ (treffender: Spekulation) auszusteigen – ein treffenderes Alarmsignal gibt es kaum, als dann, wenn die ganze Welt plötzlich Aktien kaufen will … (so geschehen auch 2001, als die Dot-Com-Bubble platzte).

Wer die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat, blickt nun auf eine „lost decade“ respektive einen Scherbenhaufen zurück, wie das WSJ die Jahre 1999 bis 2009 beurteilt:

The Wall Street Journal calls the last ten years a „lost decade“ for stockholders. The S&P is now about where it was in 1999. Stock market investors are ten years older and wiser; but not a penny richer.

And now they’re beginning to wonder about the whole scheme of things. The stock market was supposed to make them rich. „Stocks for the long run,“ was the mantra of the late ’90s. Buy…hold…you can’t go wrong. […]

Quelle: The Wall Street Journal Calls the Last Ten Years a “Lost Decade” for Stockholders

Was lernen wir daraus? Auch anno domini 2008 gibt es keinen schnellen, unkomplizierten, risikofreien Weg zu mehr Geld.

D’USA si geil!

Auch das hat sich in den letzten 10 Jahren zum schlechteren bewendet – einst bewundert, schauen wir nun mit mitleidsvollen Blicke nach Übersee, wo die letzte verbliebene Supermacht torkelt und dem Ende nahe scheint – müssen wir 20 Jahre nach dem glanzlosen Ende der Sowjetunion bald einen weiteren Akteur des Kalten Krieges zu Grabe tragen (was ein für alle mal zeigen würde, dass egal ob Kommunismus oder Kapitalismus, alles einmal endet …):

Ten years ago, America seemed invulnerable. Its money was on top of the world. Its military could take on the entire rest of the planet, if necessary. Its stocks were flying. Its houses were rising. Its financial institutions were the most dynamic, innovative and solid on earth. Nothing could stop it.

We argued then that when nothing can stop you, everything will. And, in the event, everything did. Ten years later, stocks have gone nowhere…housing is on its way down…the Pentagon is gummed up in a trillion-dollar war it can never win…and Wall Street has revealed itself not as cunningly cupid, but as blunderingly stupid.

Wie ich diese Schreiberlinge von Daily Reckoning liebe … allen voran dieser Bill Bonner. Wer braucht da noch die The Economist, die Financial Times, das Handelsblatt oder stocks?

Reaganomics si geil!

Auch diesen Irrglauben der 80er demontiert Bill Bonner:

[…] Financial incentives were thought to be the key to everything. If an executive failed to maximize shareholder value, it was because his bonus was not large enough. If students showed poor test results, it was because teachers were paid by the job, not by the outcome. And if terrorists attacked a building in New York, it was because they lacked financial opportunities in Cairo. […]

[…] Taxpayers allowed huge tax cuts – widely believed to be aiding the wealthy – because they looked forward to the day when they would be wealthy too.

Quelle: Americans Used Their Economic Freedom to Ruin Themselves

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Montag, 31. März 2008

Verlustbringende Finanzkonstrukte?!

Ja gibt es denn das? Kann man beim Spekulieren wirklich Geld verlieren? Anscheinend:

Die schlechte Nachricht erhalten die Kunden morgen, zum Abschluss des ersten Geschäftsquartals. Betroffen sind vorwiegend reiche Depotinhaber in den USA, wie UBS-Sprecherin Karina Byrne auf Anfrage erklärt. Sie müssen Verluste von teils über 20 Prozent in Kauf nehmen, je nachdem, in welche Instrumente sie investiert haben. Im Durchschnitt liegt die Abwertung bei 3 bis 5 Prozent.

[…] Aber auch Gemeinwesen sind arg in Rücklage geraten. So etwa muss der Staat Louisiana für die Renovation des Superdome-Stadions in New Orleans derzeit einen Zinssatz von 12 Prozent zahlen, dreimal mehr als noch im Januar.

Quelle: Die UBS schiebt Risiken an ihre Kunden ab

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Montag, 31. März 2008

Fed übt sich in Tarngeschäften

Äusserst kreativ – wann beginnt die Schweizerische Nationalbank mit solchen Aktionen?

A Delaware-based limited liability company will be set up to receive, upon completion of the merger, $30 billion in various Bear holdings, such as mortgage-backed securities. The Fed will lend $29 billion to that company, which will pass all the money along to JPMorgan, Bear’s new owner. JPMorgan itself will lend $1 billion to the Delaware company. The company, managed by BlackRock Financial Management, will pay back the loans by gradually liquidating the assets. As a protection for the Fed, it gets paid back fully before JPMorgan gets back anything on its loan. The other sweetener for the Fed is that if there’s money left over even after JPMorgan gets repaid, the Fed gets it all.

Quelle: Where No Fed Has Gone Before

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Montag, 31. März 2008

Die SBB spinnen …

Sind die jetzt vollends übergeschnappt?!

Als noch stossender stuft er indes das Geschäft mit dem Haus ein, das Meyer vor der Wahl zum SBB-Chef in der Nähe von Frankfurt gebaut hat. Die SBB haben es ihm abgekauft, um ihm einen raschen und reibungslosen Wechsel in die Schweiz zu ermöglichen, wie Konzernsprecher Roland Binz gestern bestätigte. Pikant ist: Die Bahn hat das Haus nicht zum Marktpreis, sondern zum Preis erstanden, den Meyer für den Bau bezahlt hat.

Quelle: Harsche Kritik an Meyers Entschädigungspaket

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Sonntag, 30. März 2008

Angelsachsen stehen auf Schulden

Ein lehrreicher Artikel, der von bis über den Kopf verschuldeten Briten berichtet und aufzeigt, wieso das Schulden-Machen (höchstens) nur dann Spass macht, wenn die Wirtschaft wächst und wächst – wehe, wenn die Anforderungen für eine Kreditvergabe anziehen und die Zinsen steigen:

“The general mantra is spend now, think later,” said Jason Butler, an adviser at Bloomsbury Financial Planning. “It’s easier to get a loan or a credit card these days than to get a savings product.” […] As a result, Britons are spending more than they earn, racking up a household debt-to-income ratio of 1.62 compared with 1.42 in the United States and 1.09 in Germany.

[…] more than 39 percent said they would rather enjoy a good standard of living today than save for retirement.

Quelle: The Brits Are Drowning In Debt

… wobei ich aber sagen muss, dass ich es für äusserst unrealistisch halte, so ab circa 2045 nur einen Bruchteil „meiner“ AHV- und Pensionskassengeldern ausbezahlt zu erhalten (und selbst wenn ich noch ein paar Nötli in die Hand gedrückt erhalte, sind diese zum dem Zeitpunkt vielleicht nicht einmal mehr das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind).

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Sonntag, 30. März 2008

Sonntagsliberale

Natürlich existiert auch die Schweiz der geschützten Werkstätten. Die Schweiz der Sonntagsliberalen, die morgens, mittags und abends Kostenwahrheit und Marktwirtschaft predigen, die sich aber für nichts zu schade sind, wenn es darum geht, die eigenen Pfründe zu schützen – diese Schweiz wird tatsächlich unter Druck geraten. Ob das wirklich schadet?

Quelle: BINSWANGER: ACHTUNG APOKALYPSE

In dieser Hinsicht begrüsse ich die wohl bald startende Initiative zur Zulassung von Parallelimporten.

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Samstag, 29. März 2008

Was steckt hinter dem Wohlstand?

However, the Fed did not want American consumers to be subjected to free market discipline that might otherwise reign in their non-stop spending. After all, reckless consumption was falsely believed to be the engine of our prosperity.

So the Fed fixed the price of credit (interest rates) well below the rate that would have been set by the free market. […]

Quelle: Bail me out Bernanke

Richtig. Der wahre Grund unseres Wohlstandes ist fossile Energie, die von uns in den letzten 150 Jahre zu einem Spottpreis und in unglaublichen Mengen verbrannt wurde.

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Dienstag, 25. März 2008

Selbstverständnis von Ospel & Co.

Regelmäßig jedoch offenbaren die Banker ihr Selbstverständnis in ihren Erklärungsversuchen: Erzielt die Bank Gewinne, ist dies ihr Verdienst, und sie verbittet sich regulatorische Einmischung. Erleidet sie Verluste, ist der Markt schuld, und der Staat wird gerufen. Explodiert die Bewertung von Vermögensklassen, ist das normal. Erfolgt die Korrektur, sind die Märkte irrational, instabil und intransparent. Glauben die Bankenchefs das eigentlich selbst? Oder sind sie sich bewusst, wie viel Geld sie mit dem Vertrieb eben solch intransparenter Finanzinstrumente verdient haben?

Quelle: Wo keine Notpakete mehr helfen

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Dienstag, 18. März 2008

Vertrauen in freie Marktwirtschaft schwindet

Kapitulation vor der Krise: Deutsche-Bank-Chef Ackermann glaubt nicht mehr an die Selbstheilungskräfte des Marktes. Er fordert Regierungen und Zentralbanken zu gemeinsamem Handeln auf.

Quelle: Ackermann ruft Regierungen zur Hilfe – Finanzmärkte fiebern Fed-Entscheidung entgegen

Einfach nur noch peinlich, diese weinerlichen Banker! Sepp, da muss man jetzt halt durch, komme was wolle. Der Markt bestraft nun mal Fehler äusserst kaltblütig.

Doch nein, kaum droht dem Unternehmen von Herr Ackermann Ungemach, soll das Grundprinzip unseres ach so tollen, die Leistung betonenden Wirtschaftssystem ad acta gelegt werden. Hell froze over! Wenn sogar Banker plötzlich auf den Staat schwören, muss ein gewaltiger Wurm im System sein.

Socialize the risks, privatize the profits.

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Dienstag, 18. März 2008

Intelligenter als die Bank erlaubt

„Don’t worry,“ the bright young man at a London private banking told us, „we maintain the highest levels of professionalism and use the most sophisticated tools of modern portfolio management.“

That was just what we were worried about. […] Handsome, well-dressed, well spoken in three different languages, he had spent years learning the principles of economics, finance and business management. His palaver to prospective clients was flawless. Yes, he said, the research department is keenly searching for alpha…but it knows that 80% of performance comes from careful asset allocation, which the bank’s strategists have calculated based on risk/return analyses going back a hundred years. The expected return from Japanese equities over the next five years, for example, will be precisely 7.56%…but with an anticipated volatility of 20.43%.

[…] They ought to give special parking places to anyone who studied business, economics or finance in the last 30 years. Higher education has lowered their I.Qs. Years of toil in academia have weakened their vision and taken the common sense right out of them.

A blind man could have seen the blow-up in sub-prime coming. But somehow, the geniuses missed it. What went wrong?

Quelle: Prometheus, With The Cuffs On

Recht hat er. Gesunder Menschenverstand, und viele Auswüchse zu laxer Geldpolitik wären null und nichtig. Einer der besten Artikel, den ich in den letzten Monaten über die Finanzwelt gelesen habe.

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